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Copilot und der Consumer: Aus Cortana nichts gelernt?

Copilot und der Consumer: Aus Cortana nichts gelernt?

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Geschichte sich manchmal wiederholen kann, und bei Microsoft reicht ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre des Unternehmens, um die Bemühungen um eine führende Rolle im KI-Sektor wieder mit einem Vergleich aus der Vergangenheit zu analysieren. Unter dem aktuellen CEO Satya Nadella haben mit Cortana und Copilot zwei Generationen von KI-Assistenten das Licht der Welt erblickt und beide mussten am Ende schrittweise den Rückzug antreten.

Ähnlich wie Windows 11 aktuell seinen Moment zwischen Windows 8.1 und Longhorn erlebt, durchläuft Copilot aktuell seinen Cortana-Moment. Bereits vor gut drei Jahren schrieben wir im Beitrag „Cortana ist tot – lang lebe Cortana“, dass die Vision des Sprachassistenten, der in der Bekanntheit nie über die Windows-Welt hinauskam und dessen Ende mit dem von Windows 10 Mobile besiegelt war, in der Vision von Copilot weiterleben wird. Stimmt das immer noch?

Verschiedene Generationen

Zugegeben: Ganz fair ist der Vergleich nicht, schließlich trennen beide KI-Assistenten zwei Generationen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Cortana war im Vierkampf mit Siri, Alexa und Google Assistant damals einer der Underdogs und abseits von Windows 10 und Windows 10 Mobile kam sie abseits von wenigen anderen Geräten wie dem Invoke von Harman Kardon und schüchternen Versuchen auf iOS und Android, die 2019 schon wieder beendet wurden, nie wirklich vor. Microsoft legte gleichzeitig nie die Penetranz an den Tag, um Cortana an den Mann zu bringen.

Bei Copilot finden wir ein ungleich anderes Umfeld vor. Die aktuelle KI-Generation brachte neben bekannten Konkurrenten wie Google mit Gemini nicht nur auch viele junge Mitbewerber wie Grok von xAI, ChatGPT von OpenAI, Le Chat von Mistral AI und Claude von Anthropic hervor, auch das Wettrüsten im Bereich der Rechenzentren und vorhandenen Kapazitäten erreichte bis dato ungekannte Dimensionen. Wer hier bremst, verliert – zumindest in den Augen von Unternehmen und Investoren.

Auch Microsofts Strategie hat sich bei Copilot radikal verändert. Ein KI-Assistent in verschiedenen Spielarten für verschiedene Microsoft-Produkte klang zunächst nach einem Garant für eine größere Verbreitung – ein wesentlicher Unterschied zu Cortana. Gleichzeitig zeigte man in Redmond einen ganz anderen Ehrgeiz und drückte Copilot mit Gewalt in jede noch so kleine Ecke rein, was auch auf Kosten der Qualität anderer Bereiche ging. Eine neue Seite von Microsoft? Mitnichten. Solche Vorstöße waren bei Windows 10 an anderen Stellen tatsächlich alltäglich.

Schattenboxen

Eines der bekanntesten Beispiele aus dieser Zeit war Windows selbst. Microsoft hatte über mehrere Anläufe immer wieder versucht, neu zu definieren, was Windows letztlich sein sollte, was sich auch nach der Irrfahrt mit dem ursprünglichen Windows Longhorn immer wieder zeigte. Windows 8 hatte kein klassisches Startmenü mehr und brachte Apps immer im Vollbild, ehe in Windows 10 das Startmenü zurückkehrte und mit den UWP-Apps auch die Fenster wieder kamen. Es folgten weitere Versuche wie Windows Core OS und Windows 10X, und selbst Windows 11 wurde letztlich als Windows 10 mit der Oberfläche von Windows 10X aus der Tür gestoßen, um aus Corona nochmal richtig Profit über neue Geräte zu machen.

Auch bei den Entwickler biss Microsoft buchstäblich auf Granit. Die Modern-Apps, die Windows 8 bis Windows 10 ausgezeichnet haben, kamen nie wirklich in der Breite an und leben heute in Überresten in WinUI 3 weiter. Auch bei der Befüllung des Microsoft Stores scheiterte man in Redmond mit den Desktop-Bridges Islandwood, Astoria, Centennial und Westminster, sodass zunächst Progressive Web Apps und später auch Win32-Apps reinkamen.

Allen Fällen ist gemein, dass Microsoft hinterher immer wieder gezwungen war, kleinlaut zurückzurudern, ohne das eine oder andere Kernelement aufzugeben. Copilot macht aktuell die gleiche Phase durch, allerdings steht für Microsoft hier wesentlich mehr auf dem Spiel. Gleichwohl sind die aktuellen Entwicklung besonders beim Consumer deutlich sichtbar.

Rückzug auf Raten

Die aktuellen Entwicklungen kennen wir. Neben einer neuen Hybrid-App für Copilot selbst gibt es mit Jacob Andreou auch einen neuen Chef, der Mustafa Suleyman ablöst und beide Versionen für Geschäfts- und Privatkunden zusammenführen soll. Auch sonst ist Copilot auf dem Rückzug. Der KI-Assistent wurde vollständig aus dem Snipping Tool und Microsoft Fotos entfernt, während die Werkzeuge in Notepad nun schlicht als Writing Tools operieren. Auch bei der Xbox und Edge gibt es Änderungen, ebenso für individuelle Entwickler auf GitHub.

Das bedeutet mitnichten, dass Microsoft seine KI-Ambitionen grundsätzlich infrage stellt, fördert in den Reaktionen aktuell aber die eine oder andere unfreiwillige Komik zutage. Zuletzt dokumentierten die ComputerBase und Windows Latest die Reaktion von Copilot-Chef Jacob Andreou, der Asha Sharma nach ihrer Ankündigung zu Gaming Copilot förmlich zujubelte, dass es kritisch ist, Copilot dort rauszuschmeißen, wo er seine Versprechen nicht einhält. Besagter Post auf X wurde mittlerweile wieder gelöscht – ein Schelm, wer sich was dabei denkt.

Ein Blick in die Zukunft

Man muss es klar sagen: Anders als Cortana wird Copilot mit Sicherheit einen längeren Atem haben und nicht so schnell verschwinden. Wer ihn als Privatnutzer weiterhin verwenden möchte, dem steht er über die neue Hybrid-App in Windows sowie in den mobilen Apps weiter zur Verfügung. Auch bei Edge, Microsoft 365 und den Entwicklerwerkzeugen wird er den Privatnutzern mindestens erhalten bleiben.

Dennoch schließt sich an dieser Stelle auch wieder der Kreis zu Cortana. Ähnlich wie Cortana wird Copilot nicht nur schrittweise beim Consumer zurückgebaut, auch die Konzentration verlagert sich insgesamt viel stärker wieder auf die Geschäftskunden. Das macht Microsofts aktuellen KI-Assistenten wie so viele andere Produkte zu etwas, was für den Privatnutzer bestenfalls noch hinten runterfällt. Das ist verständlich, schließlich ist mit Copilot beim Privatnutzer insgesamt kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Trotzdem bleibt die spannende Frage, ob Copilot in den kommenden Jahren auch vom Namen her überleben wird oder ob man in Redmond die KI-Funktionen nach und nach unter neutraler Flagge laufen lässt, um ein weiteres verkorkstes Kapitel in der Microsoft-Geschichte kleinlaut zu begraben. Spannend bleibt es, der Ausgang dafür aber auch offen.

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Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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