Corona und Konsum – wie haltet ihr das?

Corona und Konsum - wie haltet ihr das?

Wir erleben in Deutschland derzeit – so zumindest die übereinstimmende Formulierung – die schlimmste Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Ich gehe davon aus, dass Diejenigen, die sich so ausdrücken, die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre automatisch mit einbeziehen. Doch selbst dann kommt mir der Vergleich irgendwie unpassend vor, denn nach wie vor fehlt es uns nicht an lebensnotwendigen Dingen – von vierlagigen Mini-Kuscheldeckchen für unsere Allerwertesten vielleicht abgesehen.

Am Wochenende las ich, dass verschiedene Consumer-Gadgets derzeit nur schwer zu bekommen sind. Webcams und Mikrofone beispielsweise, weil vermehrt Videotelefonie gemacht wird. Das mag man noch als notwendige Krisenanschaffung bezeichnen. Auch Mäuse und Tastaturen sowie andere PC-Peripherie findet reißenden Absatz, denn von so manchem PC wird derzeit der Staub geblasen.

Gleichzeitig hört man aber auch, dass die Smartphone-Verkäufe regelrecht einbrechen und auf ein 10-Jahres-Tief zu fallen drohen. Hier kommen meiner Einschätzung nach zwei Dinge zusammen: Viele Menschen sind bereits wirtschaftlich von der Coronakrise betroffen oder sie fürchten zumindest finanzielle Einbußen und sind dementsprechend zurückhaltend. In diesem Zusammenhang wird vielen Käufern nun außerdem so richtig bewusst, was ohnehin schon seit Jahren offensichtlich war: Man kann ein aktuelles Smartphone drei, vier oder mehr Jahre behalten, ohne dass es sich so richtig alt anfühlt. Hohe dreistellige oder gar vierstellige Preise für ein Smartphone bezahlt auch nur, wer das unbedingt will, 80 Prozent der Leistung gibt’s auch für ein Drittel des Geldes.

Insgesamt geht es uns im Moment noch so gut, dass die Bezeichung „Krise“ fast zynisch klingt. Wenn ich dann noch sehe, dass eine eventuelle Verschiebung des Amazon Prime Day aufgrund der Coronakrise eine Schlagzeile wert ist, dann frage ich mich, ob es uns vielleicht sogar noch zu gut geht und wir vielleicht sogar ein solches Erlebnis brauchen, um unser Anspruchsdenken wieder auf Normalmaß zu bringen. (Anmerkung: Ja, es ist mir bewusst, dass es auch schon vor der Coronakrise zu viele Menschen in diesem ach so reichen Land gab, die sich von einem Vollzeitjob kein ordentliches Vollzeitleben leisten konnten, die sollen hier auch nicht verhöhnt werden. Das ist himmelschreiendes Unrecht, zumal es genau die Leute sind, die den Laden derzeit noch am Laufen halten. Ich hoffe, es ist klar, worauf ich mit einem Blick auf das große Ganze hinaus will).

Mich würde interessieren: Wie sieht euer Konsumverhalten im Angesicht von Corona aus? Schränkt ihr euch generell ein, haltet ihr größere Anschaffungen zurück, oder beeinflusst euch das überhaupt nicht?

Für mich selbst kann ich sagen, dass ich mich im täglichen Leben bislang nicht einschränke, obwohl die finanziellen Konsequenzen für uns schon sehr konkret sind. Meine Frau und ich befinden uns in unseren Angestellten-Jobs auf unbestimmte Zeit in „Kurzarbeit Null“, die Werbeeinnahmen auf Dr. Windows sind massiv eingebrochen – trotz 30 Prozent mehr Besuchern als sonst um diese Jahreszeit üblich. Mitleid ist allerdings nicht angebracht, wir jammern auf einem mehr als erträglichen Niveau. Größere Anschaffungen – wir diskutierten unlängst über die Anschaffung eines neuen Autos und hatten auch schon ein konkretes Angebot vorliegen – werden jetzt allerdings erst mal auf die lange Bank geschoben.

Ich erwarte natürlich nicht, dass ihr in den Kommentaren eure Finanzen offenlegt, aber mich würde schon sehr interessieren, ob und wie die Coronakrise euer Konsumverhalten beeinflusst, und ob ihr beispielsweise auf Online-Einkäufe verzichtet, um das Geld dem lokalen Einzelhandel zukommen zu lassen, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen?

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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