Das Surface Duo und die unvermeidliche Dead-on-Arrival-Diskussion

Das Surface Duo und die unvermeidliche Dead-on-Arrival-Diskussion

Nun ist die Zeit der Gerüchte und Spekulationen also vorbei, Microsoft hat das Surface Duo offiziell vorgestellt. Praktisch alle im Vorfeld kolportierten Informationen haben sich bestätigt, und somit können wir alle Diskussionen, die schon vor dem Start auf Basis jener Gerüchte stattfinden, als belastbare Grundlage für eine Analyse verwenden.

Immer und immer wieder wurde das Surface Duo mit Smartphones verglichen. Das ist zunächst mal fair, weil es genau das ist. Oder, wenn man Microsoft nicht direkt widersprechen möchte: Es ist ein Gerät, welches man sich anstelle eines Smartphones kauft.

Warum sollte man das tun? Dafür gibt’s objektiv betrachtet in der Tat wenig Gründe. Mit seinem Preis von 1.400 Euro ist es maßlos überteuert und bietet dafür nicht einmal die Funktionen, die für uns ein typisches Smartphone ausmachen. „Dead on Arrival“ nennt man sowas dann gerne, oder in diesem Fall scherzhaft „Surface DOA“.

Ich will den Leuten, die so argumentieren, nicht widersprechen, denn sie haben im Grundsatz Recht. Dass man das Surface Duo in den Reviews mit anderen Flaggschiff-Smartphones vergleichen und anschließend zerreißen wird, scheint unvermeidlich.

Zu sagen, Microsoft will hier überhaupt niemanden angreifen, sondern nach einem Publikum für seine Vision von einem modernen mobilen Arbeitsgerät suchen, klingt verdächtig nach Fanboyism und Schönrederei. Aber setzen wir das doch mal in die richtige Perspektive.

Im letzten Jahr wurden weltweit rund 1,3 Milliarden Smartphones verkauft. 1,3 f*cking Milliarden, was für eine unfassbare Zahl. Wollte Microsoft also nur ein kümmerliches Prozent Marktanteil erreichen, müssten sie 13 Millionen Surface Duo verkaufen. Ich denke, wir sind uns einig, dass dies völlig utopisch ist und schon eine siebenstellige Verkaufszahl für Microsoft ein ambitioniertes Ziel wäre. Ich bin mir sogar sicher, dass Panos Panay vor Freude ausflippen würde, wenn es so käme. Mit einer Million verkauften Geräten hätte Microsoft einen Anteil von 0,076 Prozenzt am Smartphone-Markt.

Es bedarf keinerlei hellseherischer Fähigkeiten, um zu wissen, dass das Surface Duo nach den Gesetzen und Statistiken des Smartphone Markts ein absoluter Flop wird, es wird in keiner Statistik auftauchen.

Es wird vor diesem Hintergrund offenkundig, dass es lächerlich ist, von einem „Smartphone-Comeback“ Microsofts zu sprechen. Das findet nicht statt – und damit kann es auch nicht scheitern. Der Erfolg oder Misserfolg des Surface Duo definiert sich nicht über den Gesamtmarkt, da es eine winzige Nische bedient. Ohne schlecht über das Gerät zu sprechen, kann man feststellen, dass es für 99,x Prozent aller Smartphone-Nutzer keine Option ist. Es hängt am Ende also nur davon ab, ob Microsoft die sich selbst gesteckten Ziele (die wir nicht kennen) erreichen kann.

Ohne es selbst verwendet zu haben, sage ich aus heutiger Sicht wie viele Andere: Ohne konkurrenzfähige Kamera ist das Surface Duo für mich nicht interessant. Könnte es aber sein, dass 0,1 Prozent der Smartphone-Kunden tatsächlich keine gute Kamera brauchen, stattdessen aber die Vorzüge des Dual-Display-Konzepts zu schätzen wissen? Ja, absolut.

Die Trauben für das Surface Duo hängen viel tiefer, als es den Anschein hat. Es könnte ein großartiger Erfolg werden, ohne dass irgendjemand am Smartphone-Markt davon etwas mitbekommt. Ein Flop ist es nur dann, wenn sich tatsächlich zu wenig Leute für die Dual-Display-Idee begeistern können.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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