Das Surface Go 2 und die doppelte Sinnfrage bezüglich Windows on ARM

Das Surface Go 2 und die doppelte Sinnfrage bezüglich Windows on ARM

Als die ersten Gerüchte um das Surface Go 2 aufkamen, tauchte damit verbunden die Frage auf: Wäre das nicht ein ideales Gerät für Windows on ARM? Ich hatte diesen Gedanken auch, und ich war ein wenig enttäuscht, als ich erfuhr, dass es keine ARM-Version geben würde. Als dann jedoch die Spezifikationen des Surface Go 2 bekannt wurden und klar war, dass es eine leistungsfähigere Version mit Intel Core m3 CPU und LTE geben würde, hatte ich plötzlich einen anderen Gedanken: Das Surface Go 2 könnte zum Sargnagel für Windows on ARM werden, wenn es alle Versprechen einlöst, die ansonsten für die ARM-Plattform stehen.

Nachdem ich nun einige Zeit mit dem Surface Go 2 verbracht habe, komme ich in beiden Punkten zu dem Schluss: So wie es ist, ist es gut.

Surface Go 2 mit ARM? Kaum zu schaffen

Wie eingangs schon erwähnt: Ein Gerät wie das Surface Go 2 scheint wie geschaffen für Windows on ARM. Es ist schon durch den Formfaktor limitiert, als vollwertiger PC-Ersatz ist es überhaupt nicht gedacht, insofern würden die vorhandenen Software-Beschränkungen auf diesem Gerät nicht schwer wiegen. Wer will schon auf einem 10 Zoll-Bildschirm ernsthaft mit Photoshop arbeiten?

Die erste Hürde, an der eine ARM-Version scheitern würde, ist der Preis. Mit dem auf dem Snapdragon 8cx basierenden Microsoft SQ1 würde das Surface Go 2 zu teuer. An den Ende 2019 vorgestellten Mittelklasse-Chips Snapdragon 7c und 8c hat bislang noch kein Hersteller Interesse gezeigt, ich fürchte daher, dass sie schlicht zu schwachbrüstig sind, erst recht für ein Gerät aus dem Premium-Segment.

Die zweite Hürde ergibt sich aus dem kompakten Formfaktor. Im Surface Pro X steckt ein Akku mit 38,2 Wh, der hätte im Surface Go 2 mutmaßlich gar keinen Platz (dessen Akku bietet 27 Wh). Wenn Microsoft den SQ1 ins Surface Go 2 gesteckt hätte, dann wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bescheidene Akkulaufzeit das Ergebnis gewesen.

Zumindest für den Moment scheint eine ARM-Version des Surface Go noch keine gute Idee zu sein. Was uns zu der Frage bringt:

Braucht man Windows on ARM überhaupt noch?

Ich hatte „befürchtet“, bei der Nutzung des Surface Go 2 mit LTE zu der Erkenntnis zu gelangen, dass man Windows on ARM überhaupt nicht mehr braucht. Ich habe mich allerdings getäuscht – in allen dafür maßgeblichen Punkten.

Es beginnt schon beim Design. Auch das Surface Go 2 ist lüfterlos, dafür aber um einen ganzen Millimeter dicker als das Surface Pro X. Klingt lächerlich, wenn man das so liest, aber das ist relativ gesehen ein Unterschied von 13 Prozent und den sieht man dann auch deutlich.

Surface Go 2 Seitenansicht

Seitenansicht des Surface Pro X zugeklappt

Der zweite kleine große Unterschied ist das Aufwachen aus dem Standby. Das Surface Go 2 ist schnell, in unter drei Sekunden nach dem Aufklappen des Type Cover ist man per Windows Hello eingeloggt und kann loslegen. „Instant on“ wie beim Pro X ist das aber eben nicht.

Die ersten beiden Punkte sind selbstverständlich echte „1st World Problems“. Aber auch bei der Performance zeigen sich Unterschiede: Mit dem Core m3 geht das Surface Go 2 deutlich flotter zu Werke als mit dem Pentium Gold und bietet einen gute Alltagsperformance – an die Geschwindigkeit des Pro X kommt es aber nicht ran. Selbiges gilt auch für die Akkulaufzeit, die auch bei der zweiten Generation des Surface Go leider der Schwachpunkt bleibt. Details folgen im Review des Geräts, von den versprochenen 10 Stunden sind wir aber leider weit entfernt (Insofern wäre ein ARM-Gerät mit kurzer Laufzeit auch nicht schlechter gewesen, aber die Enttäuschung aufgrund der höheren Erwartungshaltung wäre größer).

Zusammenfassend komme ich zu dem Ergebnis, dass es aus technischer Sicht zwar ok ist, dass Microsoft keine ARM-Version des Surface Go 2 gebracht hat, gleichzeitig zeigt mir das Gerät aber auch, wie sinnvoll eine solche wäre.

Alles hängt an der Hardware-Entwicklung, die schnellen ARM-Chips müssen billiger oder die billigen Chips schneller werden. Leider scheint sich Qualcomm bei der Preisgestaltung derzeit ein wenig zu sicher zu fühlen, auf den Snapdragon 865 haben ja diverse Smartphone OEMs bereits verzichtet, weil er ihnen zu teuer ist.

Mit Intels neuer mobiler Lakefield-Serie könnten die Karten freilich wieder ganz neu gemischt werden.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare

  1. Geht ein Kaltstart mit dem Core m3 denn auch deutlich flotter? Ich hab bei meinem Surface Go 1 immer das Problem, dass es recht lange dauert wenn das Gerät komplett in den Ruhezustand gewechselt oder manuell ganz heruntergefahren wurde, bis es wieder vernünftig benutzbar ist.
    Wenn dann nach einigen Tagen oder Wochen beim ersten wieder Einschalten die ganze Updateorgie (WU+Store) auch noch anläuft, ist das Gerät dadurch erstmal minutenlang so stark ausgelastet, dass an ein "mal eben schnell was damit machen" kaum zu denken ist. Das geht so weit, dass ich, wenn ich weiß ich brauche das Gerät irgendwann an dem Tag, das morgens schonmal vorbereitend einschalte um es den ganzen Wartungs-/Routinekram machen zu lassen und dann wirklich bereit zu sein wenn ich es brauche.
    Windows ist einfach kein Tablet-Betriebssystem für Minimalgeräte, die man wie Spielzeug behandelt. Ist ja nett, wenn Microsoft es immer wieder versucht, auch die Zielgruppe der technischen Laien zu erreichen. Aber die sind meiner Meinung nach besser bei Android aufgehoben. Was ihren Ansprüchen auch genügen dürfte.
    Ist ja nett, wenn Microsoft es immer wieder versucht, auch die Zielgruppe der technischen Laien zu erreichen. Aber die sind meiner Meinung nach besser bei Android aufgehoben. Was ihren Ansprüchen auch genügen dürfte.
    Das ist so überheblich wie Quatsch. Lass Deine schlechte Laune doch woanders aus.
    @mh0001: Das SG ist nicht Formel1. Dafür ist es auch nicht gebaut. Daher ist es in der Tat sinnvoll, es öfter als alle paar Tage/Wochen zu starten, damit es seine Routinen abarbeitet. Ich benötige es zwar häufiger, starte es aber auch zwischendurch nur für eben diese Dinge. Abgesehen davon hast Du natürlich Recht: der Kaltstart ist einfach zu lahm. Das SG2 soll da ja besser sein. Wäre ihm zu wünschen. Liebe Grüße.
    Schade, dass das Go2 also immer noch nur eingeschränkt empfehlenswert ist... hatte ich mir doch gedacht, dass es mit intel nicht an ARM herankommt - zumal das Pro X und das Go 2 ja fast gleich teuer sind.
    "Alles hängt an der Hardware-Entwicklung, die schnellen ARM-Chips müssen billiger oder die billigen Chips schneller werden"
    Ich würde eher sagen, dass alles daran liegt, wie gut Win10X mit ARM funktionieren wird. Windows 10X als "leichtes" Betriebssystem mit Fokus auf Consumer wäre die ideale Basis für ein Surface Go. Ein ARM-Chip wäre dann schön sparsam (sind Intel-Chips auch). Wenn man den Fokus auf PWA und UWP-Apps legt, sollten auch Mittelklasse-Chips passable Leistungen bieten können. Ein Surface Go ist ja eben für eine leichte Nutzung ohne großen Anspruch gedacht. Ich kann mir das jedenfalls sehr gut vorstellen.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein go2 mit arm teurer gewesen wäre. Die go2 Lte version ist vom Preis her eine Frechheit. Ich habe 2 Theorien, für das Surface go 2 kam arm zu spät. Ich weiß nicht wielang die Entwicklungszyklen genau sind aber ich könnte mir vorstellen, dass MS einfach mehrzeit braucht um ein Go Arm Tablet zu entwickeln. Vielleicht nächstes Jahr, ich warte mit dem Kauf noch bis es ein Go on arm gibt
    mh0001,das Startverhalten finde ich schon merkwürdig. Ich habe ein ganz einfaches HP Notebook mit dem Pentium Gold und das startet kalt (also bis der grüne Hacken am Defender Symbol kommt) in 23 Sekunden, aus dem Ruhemodus in 11 und aus der Energiesparen in 2-3 Sekunden.
    Windows on ARM hat halt das Pech das Microsoft nicht Apple ist und Nadella schon mal garnicht Jobs.
    Die ARM Lizenz verwendet Microsoft lieber da wo in Zukunft das Geld liegt: fuer eine eigene IoT-CPU. Damit erspart man sich ja auch sowohl in Konkurrenz zu Intel, Qualcom und den ganzen Windows OEMs zu gehen...
    -
    Und wenn Microsoft Apple waere. dann haette es schon laengst eine "Ansage" gegeben das ab Tag X alles aus dem Microsoft Store rausfliegt was nicht sowohl als x64 UND ARM vorliegt. Den Entwicklern koennte man ja guenstige Surface Pro X anbieten was dessen VKZ auch zugutekaeme...
    -
    Was das Go 2 angeht - hat ja eh nicht viel Konkurrenz. Wer sich das holt will den kleinen Formfaktor "ueber alles". Und ich glaube gerade das Basis-Model wird sich gut verkaufen. Microsoft sollte da halt evtl. mal ein Bundle mit Tastatur UND Stift machen. Und wer sich dann das Dock gleich auch noch holt spart nochmals...
    "dann haette es schon laengst eine "Ansage" gegeben das ab Tag X alles aus dem Microsoft Store rausfliegt was nicht sowohl als x64 UND ARM vorliegt. "
    Also z.B. alle Forza Spiele.
    Diese kleinen Geräte machen doch nur Sinn wenn ich die auch produktiv einsetzen kann. Dazu braucht es aber einen Dock auf den sich solche Geräte einfach Aufsetzen lassen und nicht seitlich angefummelt wird. Dazu noch ein Akkumanagement das zwischen Erhaltung bei 50% und Laden unterscheiden kann.
    Unbegreiflich……
    …..ist mir, warum abgespeckte Versionen von WINDOWS immer wieder probiert und dann auch noch gehypt werden, obwohl jedem »Berichterstatter« glasklar sein dürfte, es ist nur die nächste „Totgegurt“. Es nimmt sogar immer wieder denselben Lauf, es passieren dieselben Dinge. Und immer wieder geht „man“ mit. Das ist echt befremdlich!
    Das einzig sinnvolle Projekt in diese Richtung war WP. Der Rest sind feuchte Träume mit schlechtem Ausgang.
    Niemand will ein abgespecktes WINDOWS!
    »Wer Apps will, kauft kein WINDOWS und wer WINDOWS kauft will keine Apps« Das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern.
    Das SurfaceGO wäre längst vom Markt, gäbe es nicht die Möglichkeit das Ding auf WINDOWS upzugraden. Kann wer diese Behauptung mal eben beweisen bitte :-) ?? Gibt es dazu irgendwo offizielle Zahlen?
    Und eins noch: Gibt es schon den Termin für die Schließung des Stores?
    @ntoskrnl: dann würden Forza für ARM "durchgenudelt" aber nicht optimiert... BTW: es sind nicht gerade wenige Sachen aus dem iOS AppStore verschwunden als 32bit "abgeschafft" wurde...
    FZ61
    Dazu braucht es aber einen Dock auf den sich solche Geräte einfach Aufsetzen lassen und nicht seitlich angefummelt wird.

    Das angebliche seitliche Gefummel ist doch gar keines bei den Surface-Geräten. Der Surface Connector lässt sich häufig deutlich einfacher und schneller anbringen und entfernen, als man ein Gerät in eine Dockingstation eingsetzt oder wieder herausgenommen hat. Von dem Platz, den diese Dinger auf dem Schreibtisch wegnehmen, mal gar nicht zu reden.
    Da kommen wir auch zu dem Punkt, dass das Go 2 angeblich kein vollwertiger PC-Ersatz sein kann. Warum nicht? Man kann es doch am Surface Dock mit großen Monitoren und mit Funk-Tastatur und -Maus betreiben. Dann spielt der Formfaktor eines solchen Geräts überhaupt keine Rolle mehr.
    Da mir das Surface Go 2 aber dann unterwegs doch zu klein wäre, würde ich lieber zu einem Pro X oder einem Pro 7 greifen. So viel mehr wiegt das auch nicht und in eine Aktentasche bekomme ich es immer noch gut rein.
    @Keksvertilger
    Bingo. Es gibt nur 1 Windows. Und zwar das jeweils aktuelle. Alles andere ist kalter Kaffee. Damit beschäftige ich mich auch nicht weiter, weil ich eine Beschränkung von Möglichkeiten generell ablehne. Bei jedem Gerät, das ich erwerbe, ist entweder Windows Pro drauf (wg. Bitlocker), oder ich rüste nach. Wenn die Hardware dafür nicht ausgelegt ist, kaufe ich sowas nicht. Pro oder nix.
    @Martin
    Du schreibst die ARM Chips müssen billiger werden. Ist es bei einem Tablet, das als Endprodukt 500-750€ kostet überhaupt relevant? Ich glaube kaum.
    Hier krankt es eher am Gedanken immer irgendwie ein Premiumprodukt hervorzubringen. Was auch immer Microsoft unter Premium zu verstehen meint...Qualität ist es zumindest nicht.
    Der Artikel bestätigt: W10 ARM (64 Desktop) hat seine Berechtigung und kann punkten. Vielfalt kurbelt den Konkurrenzkampf an, mit Vorteilen für den Konsumenten.
    @mh0001: ich kann das gut verstehen, bezüglich des "ungünstigen" Startverhaltens nach Kaltstart.
    Ich hatte mich anfangs deswegen auch geärgert, da ich das Gerät auch manchmal nur 1 x kurz am Tag nutze, oder gar nur, um etwas zu testen etc.
    Ich habe das gelößt, indem das Gerät im Netzbetrieb nie in den Ruhemodus geht, (nur Energiespartmodus) und im Akkubetrieb erst nach 24h. Solange davor bleibt das Ding im Energiesoarmodus. Die Selbstentladung ist nicht seht hoch, und der Start ist dann 2 bis 3 Sekunden.
    Auch die Bildschirmsperre muss ja nicht sofort erfolgen. Man kann mit beidem ein klein wenig experimentieren.
    @keksvertilger: auch meine Meinung. Ich will ein Windows, das zudem vollwertig ist, 1x eine Software besorgen, die dann überall läuft. Win on Arm würde ich höchstens auf dem Duo akzeptieren, ich hoffe, es kommt später eine Softwareanpassung bzw nachträglich Option, dann wird ggf das Gerät interessant - sollte es noch Qi bekommen (ich "lade" sehr ungern Geräte, sondern lege sie lieber nur ab).
    Ich schalte mein Pro 6 immer nur in den Modus "Energie sparen", egal, ob Akku- oder Netzbetrieb. Dann ist es nach dem Aufklappen der Tastatur innerhalb weniger Sekunden betriebsbereit (Anmeldung erfolgt per Kamera über Hello) und ich kann es problemlos für mehrere Wochen in der Schublade liegen lassen, ohne dass sich der Akku dramatisch entladen hat. Damit ist das Pro 6 für mich fast so gut nutzbar, wie ein iPad Pro.
    Das bisher schlechteste Energiemanagement hatte ich bei Tablets mit Android (bis 7.1.2), wie z.B. einen Lenovo Yoga Book oder einem Medion Lifetab P9701. Die haben sich viel zu schnell entladen, wenn sie in der Schublade lagen. War für mich so nicht zu gebrauchen, weshalb ich mich von Android-Tablets komplett verabschiedet habe. Kann aber gut sein, dass das mit aktuellen Android-Tablets deutlich besser geworden ist. Trotzdem, Tablets mit Android kaufe ich nicht mehr.
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