Das Surface Laptop 3: Vom begeisterten Empfang bis zur Rücksendung in 36 Stunden

Das Surface Laptop 3: Vom begeisterten Empfang bis zur Rücksendung in 36 Stunden

Kann man nach weniger als zwei Tagen einen Testbericht über ein Produkt schreiben? Nein, ganz sicher nicht. Man kann allerdings nach weniger als zwei Tagen sicher sein, dass man ein Produkt nicht behalten möchte. Das ist mir mit dem Surface Laptop 3 passiert. Es enttäuscht mich in mehreren Punkten, und nur einer davon ist meine eigene Schuld.

Ich habe mir das Surface Laptop 3 in der 15 Zoll-Version in Schwarz vorbestellt, ausgestattet mit AMD Ryzen 5 CPU, 16 GB RAM und 256 GB. Kostenpunkt: 1.849 Euro.

Fangen wir mit „selbst schuld“ an: Ich wusste, dass schwarz eine sehr edle, aber auch empfindliche Farbe ist, auf der man Staub und Fingerabdrücke sehr gut sehen kann. Das wusste ich, aber ich hatte ja keine Ahnung, wie schlimm es wirklich ist. Ich glaube manchmal, Bakterien mit bloßem Auge erkennen zu können. Wie gesagt mein Fehler, ich weiß nicht, ob ich mich getraut hätte, das Gerät umzutauschen, wäre ich ansonsten rundum glücklich damit.

Kommen wir zu den Ärgernissen, die in der Verantwortung des Herstellers liegen.

Performance

Die Frage aller Fragen war: Wie schlägt sich der AMD Ryzen im Vergleich mit der aktuellen Intel-Generation? Diese Frage kann ich nicht beantworten, weil ich kein Gerät mit einer Intel-CPU der 10. Generation hier habe. In Benchmarks, die ich in anderen Reviews sah, lag die Performance des Ryzen 5 in etwa auf dem Niveau des Intel Core i5. Das kann ich nach ein paar Praxistests genau so bestätigen. Ich habe hier ein Surface Book 2 mit einem Intel Core i7 und ein Surface Laptop 2 mit einem Intel Core i5 (beides 8. Generation).

In allen Tests, die ich durchgeführt habe, beispielsweise Systemstart, Start von diversen Programmen, Aufrufen einer sehr großen Excel- oder PowerPoint-Datei usw. lag das Surface Laptop mit Ryzen 5 auf dem Niveau des Surface Laptop 2 mit Core i5. Nun könnte man sagen „das passt“, denn es gibt ja auch noch ein Modell mit Ryzen 7. Das ist aber nicht der Punkt. Mein Modell kostet genau so viel wie die Business-Version des Surface Laptop 3 mit Intel Core i7 der zehnten Generation (die 100 Euro müssen für Windows 10 Pro statt Home bezahlt werden). Für’s gleiche Geld sollte man die gleiche Leistung erwarten dürfen.

Oder zumindest eine bessere…

Akkulaufzeit

Microsoft gibt für das Surface Laptop 3 eine Laufzeit von bis zu 11,5 Stunden bei „typischer Nutzung“ an (siehe dazu hier: Neue Surface-Generation: Angegebene Akkulaufzeit soll realistischer sein). Dass ich diesen Wert nicht erreichen würde, war mir vorab klar, da Microsofts Referenz-Messung bei sehr geringer Helligkeit stattfindet. Ich habe erst zwei Durchläufe hinter mir, von daher kann mein Erfahrungswert noch nicht als repräsentativ angesehen werden. Bei der Einrichtung achte ich überhaupt nicht auf die Laufzeit, weil das ja eine besondere Stresssituation für das Gerät ist. An meinem ersten „normalen Arbeitstag“, an dem ich tue, was ich immer tue, nämlich hauptsächlich Webseiten lesen, selbst Beiträge schreiben, nebenher noch Outlook und Twitter im Blick behalten sowie hier und da ein Bild bearbeiten, komme ich auf eine Laufzeit von nicht ganz sieben Stunden. Das ist nicht sonderlich beeindruckend. Das Surface Laptop 2 hält da locker ein Stündchen länger durch, vermutlich bedingt durch das kleinere Display.

Display

Kommen wir zum Hauptärgernis. Alle Surface-Geräte haben ein wirklich fantastisches Display, das Surface Laptop 3 macht da keine Ausnahme. Wer ein Surface besitzt, der kennt aber vielleicht das Problem, dass die automatische Anpassung von Helligkeit und Kontrast nicht immer zuverlässig funktioniert. Meine Hoffnung, dies würde sich beim Surface Laptop 3 bessern, hat sich nicht erfüllt, im Gegenteil. Ich kann es leider nur als Katastrophe bezeichnen.

Der Kontrast ändert sich mitunter willkürlich, auch bei stabilen Lichtverhältnissen. Rufe ich die Twitter-Homepage im dunklen Modus auf, wird der Kontrast heruntergefahren und die Anzeige wirkt schon fast milchig. Wechsle ich wieder zurück auf eine helle Seite wie diese hier, ist die Schrift entsprechend schlecht lesbar, aber der Kontrast pegelt sich langsam wieder ein. Und wenn ich sage langsam, dann meine ich auch langsam. Ich habe es mit der Hand gestoppt: Der Vorgang dauert acht Sekunden.

Natürlich ist das ein Problem, welches mit einem Update gelöst werden kann. Im Hinblick darauf, dass Microsoft die Justierung auch auf den anderen Geräten noch nicht wirklich im Griff hat, ist es mir jedoch einfach zu riskant, 1.849 Euro darauf zu wetten, dass dieses Problem irgendwann behoben wird.

Dieser Punkt allein hätte mich nach ein paar Tagen vermutlich dazu bewogen, das Surface Laptop 3 wieder einzupacken. In Kombination mit der enttäuschenden Performance und der bescheidenen Laufzeit war es aber der Punkt, an dem ich dachte: Danke, ich hab genug gesehen.

Natürlich gibt es auch viel Positives. Das Surface Laptop 3 ist zweifellos ein wunderschönes Gerät. Die Tastatur ist gewohnt großartig und das Touchpad ist eine Wucht. Es ist nicht nur größer, sondern auch super präzise, fasst sich nochmals glatter an als beim Surface Laptop 2 und es „klickt“ sehr viel angenehmer als beim Vorgänger, das habe ich auf Twitter in einem kurzen Video festgehalten:

Microsoft verspricht, dass ein entladenes Surface Laptop 3 in einer Stunde auf 80 % geladen wird. Das scheint realistisch, ich kam binnen einer Stunde von 3 auf 67 Prozent, habe während dieser Zeit aber ganz normal weiter gearbeitet. Im ausgeschalteten Zustand wären die 80 Prozent wohl erreicht worden.

Es tut mir selbstverständlich leid, dass ich euch nicht mit weiteren Eindrücken werde dienen können. Ich will an dieser Stelle auch nicht ausdrücklich abraten – das wäre angesichts der kurzen Zeit, die ich mit dem Surface Laptop 3 verbracht habe, schlicht unseriös. Wer mit der AMD-Version liebäugelt, dem möchte ich allerdings dringend empfehlen, vor dem Kauf noch ein paar weitere Testberichte abzuwarten. Für mich sieht es leider so aus, als hätte Microsoft weder sich noch AMD einen Gefallen getan.

Ich hatte bei Microsoft aufgrund meiner eigenen Vorbestellung kein Testgerät geordert, mit einem so schnellen Abschied konnte ich ja nicht rechnen. Ich werde mich nun hinten anstellen müssen, die Intel-Variante will ich nun aber in jedem Fall noch ausprobieren.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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