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Das Surface Laptop Studio im Test: Ein würdiger Nachfolger für das Surface Book?

Das Surface Laptop Studio im Test: Ein würdiger Nachfolger für das Surface Book?

Sechseinhalb Jahre sind vergangen, seit Microsoft das erste Surface Book vorgestellt hat. In der schnelllebigen Technikwelt eine kleine Ewigkeit, und wenn man bedenkt, dass sich das äußere Design niemals verändert hat, dann war es offensichtlich, dass etwas passieren musste. Das Surface Laptop Studio tritt nun offiziell die Nachfolge an – aber ist neuer auch gleichzeitig besser?

Das Surface Book wurde von Microsoft seinerzeit als der „ultimative Laptop“ gefeiert. Als Panos Panay bei der Präsentation plötzlich das Tablet von der Basis entfernte, war das zweifellos einer der spektakulärsten Wow-Momente, die es in den letzten zehn Jahren bei einer Technik-Keynote gegeben hat. Das Konzept, den PC komplett im Tablet unterzubringen, hatte allerdings auch seine Schwächen. Trotzdem war das Surface Book auch bei vielen Leuten beliebt, die das Tablet selten bis nie abgenommen haben.

Nun haben wir mit dem Surface Laptop Studio einen Nachfolger vor uns, der konzeptionell einen ganz anderen Weg geht. Ein 360-Grad-Convertible kam für Surface-Chefdesigner Ralf Groene aus ästhetischen Gründen nie in Betracht, wie er mir in einem persönlichen Gespräch erzählte. Das war im November 2018, im selben Gespräch erzählte mir Ralf, dass für ihn Produktvorstellungen immer ein wenig „langweilig“ seien, weil er tagtäglich mit den Dingen zu tun hat, die  erst in drei Jahren auf den Markt kommen. Wie das Surface Laptop Studio aussehen würde, hat er also womöglich damals schon gewusst.

Die Studio-Mechanik

Surface Laptop Studio

Ich bitte um Verzeihung, dass ich diesem Thema das längste Kapitel dieses Testberichts widme, aber diese Ausführlichkeit ist wichtig, um zu verstehen, wie ich zu meinem Gesamturteil gekommen bin.

Man mag von den Surface-Geräten halten, was man will, in einem Punkt haben die Produktentwickler jedoch zweifellos eine Glanzleistung nach der anderen abgeliefert: Bei den Scharnieren.

Die ersten beiden Generationen des Surface (Pro) klammern wir als Gesellenstücke einfach mal aus, was danach kam, waren ausnahmslos Meisterwerke. Da wäre der hochflexible und unkaputtbare Kickstand des Surface Pro, das unsichtbare Scharnier im Surface Laptop, das kontrovers diskutierte, aber außergewöhnliche Scharnier im Surface Book, der beinahe schwerelose Verstellmechanismus des Surface Studio und zuletzt die Scharniere im Surface Duo. Das war hohe Ingenieurskunst, man fragte sich teilweise „wie machen die das nur?“ Es machte Spaß, mit diesen Mechaniken herumzuspielen und die Geräte grundlos auf- und zuzuklappen, um den Scharnieren bei der Arbeit zuzuschauen. Von dem Anblick, wie sich das Surface Book entrollt, kann ich noch immer nicht genug bekommen.

Der Verstellmechanismus des Surface Laptop Studio, mit dem man es in den Studio- oder Tabletmodus konvertiert, hat rein gar nichts von dieser Faszination. Er funktioniert, das war es aber auch schon.

Surface Laptop Studio im Tablet-Modus

Weiß man beim Aufklappen schon, dass man in den Studiomodus wechseln möchte und drückt dementsprechend auf den unteren Teil, um die magnetische Fixierung zu lösen, knallt man die Unterkante des Bildschirms auf die Tastatur. Beim Wechsel vom Studio- in den Laptopmodus ist es mir außerdem öfter passiert, dass ich den Bildschirm versehentlich über die Basis geschleift habe, was nicht nur hässliche Geräusche macht, sondern auf Dauer ganz sicher nicht ohne optische Folgen bleiben wird.

Durch das recht hohe Gewicht der Displayeinheit schlägt diese auch gerne mal willkürlich in die eine oder andere Richtung, wenn man sie beim Wechsel zwischen den verschiedenen Positionen nicht permanent festhält.

Das wirkt insgesamt unausgereift und es fällt außerdem schwer, Vertrauen in die Langlebigkeit diese Konstruktion aufzubauen.

Es ist sehr gut möglich, dass ein zufriedener Besitzer eines Surface Laptop Studio diesen Abschnitt liest und denkt „Spinnt der? Es funktioniert doch alles, wie es soll!“ Daher sei nochmal betont: Ja, es funktioniert, man kann mit dem Surface Laptop Studio das machen, was Microsoft verspricht. Aber es fehlt nun mal dieses Besondere, was die Surface-Reihe ansonsten auszeichnet.

Surface Laptop Studio mit umgeklapptem Bildschirm

Display

Gegenüber dem Surface Book ist die Bildschirmdiagonale um 0,9 auf jetzt 14,4 Zoll gewachsen, das typische Seitenverhältnis von 3:2 wurde beibehalten. Die Auflösung ist ein „Rückschritt“, statt 3.000 mal 2.000 Pixel beim Surface Book gibt es jetzt 2.400 mal 1.600 Bildpunkte. Das wirkt sich allerdings nicht negativ aus und verlängert die Akkulaufzeit, daher würde ich dieses „Downgrade“ unter dem Strich sogar positiv bewerten.

Das Display arbeitet jetzt mit einer Aktualisierungsrate von 120 Hz und unterstützt außerdem Dolby Vision, mit maximal 487 nits leuchtet es außerdem heller als das Surface Book (450 nits). In der Praxis ist der Unterschied deutlicher als auf dem Papier. Kam das Surface Book in hellen Umgebungen schnell an die Grenze zur Unleserlichkeit, liegt diese Schwelle beim Laptop Studio deutlich höher.

Die Bildqualität hat subjektiv einen Schritt nach vorne gemacht, auch die dynamische Anpassung des Kontrasts, die bei den älteren Surface-Geräten zunehmend zum Ärgernis wurde, arbeitet jetzt deutlich schneller. Nach wie vor empfehle ich dennoch die Installation der App „Intel Grafik Kontrollraum“ aus dem Microsoft Store, mit der man die Funktion des „energiesparenden Displays“ deaktivieren kann.

Zusammenfassend kann man sagen: Der Bildschirm des Surface Laptop Studio hat die dringend notwendigen Verbesserungen erhalten und zeigt keine nennenswerten Schwächen, ohne allerdings herauszuragen, an die Bildqualität eines OLED-Displays kommt er nicht heran.

Tastatur und Trackpad

Ich muss eine Sache vorwegschicken: Die Tastatur des Surface Book war und ist für mich mit das Beste, was ich je in den Fingern hatte. Meine Erwartung an das Surface Laptop Studio war daher, dass es in diesem Punkt keinesfalls schlechter werden darf. Was es aber leider ist.

Dass die Haptik der Tasten nicht mit dem Surface Book mithalten kann, habe ich im Grunde schon auf den Fotos gesehen, dies hat sich über alle anderen Aspekte wie Druckpunkt, Tastenhub etc. fortgesetzt. Die Tastatur im Surface Laptop Studio kann es nicht einmal im Ansatz mit dem Surface Book aufnehmen, im Gesamteindruck fällt sie für mich sogar hinter das Surface Laptop zurück.

Surface Laptop Studio Tastatur

Es gibt keine erkennbaren Schwächen, es bleibt immer noch eine sehr gute Laptop-Tastatur, aber wenn man weiß, dass der selbe Hersteller schon Besseres abgeliefert hat, dann fragt man sich eben, was da falsch gelaufen ist. Der einzige Fortschritt gegenüber dem Vorgänger ist die Tastenbeleuchtung, beim Surface Book konnte man die Buchstaben kaum noch erkennen, wenn man die Beleuchtung bei Tageslicht aktivierte, das passiert beim Surface Laptop Studio nicht mehr.

Nach dieser Kritik darf ich nun auch ein wenig Begeisterung versprühen, ohne dass es verdächtig wird: Das Trackpad des Surface Laptop Studio ist der absolute Hammer – und das sage ich als jemand, der diese Dinger grundsätzlich eher nicht mag und jeder noch so billigen Maus den Vorzug gibt. Hier aber nicht.

Mit 12x8cm ist das Trackpad ausreichend groß und es fühlt sich umwerfend an. Eine weitere technische Eigenschaft kann ich deshalb als „perfekt“ beurteilen, weil ich zunächst gar nichts von ihr wusste: Bei der Inbetriebnahme des Surface Laptop Studio fiel mir das besonders angenehme Klicken des Trackpads auf, das auch in den Randbereichen noch perfekt funktionierte. Erst später im ausgeschalteten Zustand fiel mir auf: Da klickt überhaupt nichts. Das Trackpad des Surface Laptop Studio ist stocksteif und das Klicken wird durch einen haptischen Vibrationseffekt simuliert. Ich wusste das nicht und habe es nicht bemerkt, und das ist die beste Bewertung, die man einem solchen Feature geben kann.

Stifteingabe

Das Surface Laptop Studio arbeitet mit allen Surface Pens zusammen, konzipiert ist es aber für das Zusammenspiel mit dem Surface Slim Pen 2, der an der Vorder-Unterseite des Geräts magnetisch befestigt werden kann und dabei induktiv aufgeladen wird.

Der Digitizer unterstützt das haptische Feedback des Surface Slim Pen 2, allerdings ist der Effekt längst nicht so gut umgesetzt wie beim Surface Pro 8, wo die Illusion des Schreibens auf Papier nahezu perfekt umgesetzt wurde. Dieser Nachteil fällt allerdings auch deswegen nicht weiter ins Gewicht, da viele Anwendungen das haptische Feedback ohnehin noch nicht unterstützen.

Insgesamt ist die Stifteingabe gewohnt erstklassig. Sichtbare Nachzieh-Effekte gibt es nur, wenn man es darauf anlegt, beim Schreiben oder Zeichnen arbeitet der Stift quasi verzögerungsfrei.

Der Surface Slim Pen 2 am Surface Laptop Studio

Performance

Das Surface Laptop Studio ist wahlweise mit einem Intel Core i5-11300H oder einem Core i7-11370H ausgestattet. Bei der i5-Version nutzt man die integrierte Intel Iris Xe-Grafik, das i7-Modell kommt mit einer mobilen Version von Nvidias GeForce RTX 3050 Ti. Letztere Konfiguration taugt durchaus auch für Spiele, wenngleich man mit Abstrichen bei den Details leben muss.

Grundsätzlich läuft das Surface Laptop Studio mit leicht angezogener Handbremse, was auf die Alltagsperformance allerdings keinen spürbaren Einfluss hat. Als Belohnung dafür erhält man ein beinahe geräuschloses Gerät. Bei Alltags-Tätigkeiten habe ich den Lüfter meines Testgeräts mit Intel Core i7 zu keinem Zeitpunkt wahrgenommen.

Sound

Der Klang des Surface Laptop Studio ist gut bis sehr gut und für Laptop-Verhältnisse beinahe schon brachial laut, ohne im oberen Bereich zu verzerren. Ein bisschen mehr Bass dürfte es sein, das Gehäuse sollte das eigentlich hergeben. Dolby Atmos wird unterstützt.

Wie beim Surface Laptop strahlen die Lautsprecher durch die Tastatur, was im Tablet-Modus leider einen deutlich hörbaren Dämpfeffekt hat. Wer sich also auf dem Gerät einen Film anschaut, sollte das besser im Studio -Modus tun.

Akkulaufzeit

„Bis zu 18 Stunden“ lautet die offizielle Angabe zur Akkulaufzeit, und schon in meinen ersten Eindrücken schrieb ich: Es nicht die Frage ob, sondern wie weit dieser Wert in der Praxis unterschritten wird. Das ist leider nach wie vor bei allen Laptops so, und so lange sich die Hersteller nicht darauf verständigen, in dieser Disziplin nicht zu übertreiben, wird sich auch keiner trauen, den Anfang zu machen.

In der Praxis komme ich in meinem typischen Mix aus Office, Internet, Musikstreaming und Bildbearbeitung auf rund acht Stunden bei etwa 70 Prozent Helligkeit. Das ist nicht herausragend, aber immerhin ordentlich.

Das beigelegte Netzteil leistet 102 Watt (beim i7, 65W beim i5), hat also genügend Reserven, um den Akku auch unter Last noch zu laden.

Design

Das Surface Laptop Studio ist groß und schwer, es bringt 1,8 Kilo auf die Waage und ist 18mm „dick“. Kaschiert wird der Umstand durch das abgestufte Gehäuse, das Surface Laptop Studio steht quasi auf einer etwas kleineren Basis. Das ist zweifellos Geschmackssache und ich sage ganz offen: Mir gefällt das.

Surface Laptop Studio Seitenansicht

Das platinfarbene Gehäuse aus Magnesium und Aluminium fühlt sich vertraut an, ich möchte beinahe behaupten, dass ich es mit verbundenen Augen sofort als ein Surface erkennen würde. Über das Scharnier habe ich mich weiter oben bereits ausgelassen, davon abgesehen präsentiert sich das Surface Laptop Studio aber einwandfrei verarbeitet.

Anschlüsse und Sonstiges

Neben dem obligatorischen Surface Connect Port gibt es beim Surface Laptop Studio noch einen 3,5mm Klinkenstecker sowie zwei USB-C Anschlüsse mit Thunderbolt 4. Der Kartenleser wurde geopfert. Insgesamt ist das ein wenig „knausrig“.

Drahtlose Verbindungen werden via Wifi 6 oder Bluetooth 5.1 hergestellt. Eine Mobilfunkoption ist beim Surface Laptop Studio nicht verfügbar.

Für die passwortlose Anmeldung steht Windows Hello per Gesichtserkennung zur Verfügung, die Anmeldung arbeitet gewohnt zuverlässig und schnell.

Fazit

Das Surface Laptop Studio ist ein solides Laptop ohne eklatante Schwächen. Gleichzeitig ist es aber auch (abgesehen vom Touchpad) in keiner Disziplin herausragend. Wer den Studio- oder Tablet-Modus nicht benötigt, für den gibt es keinen Grund, dieses Gerät zu kaufen. Das war beim Vorgänger anders.

Ob der geänderte Formfaktor gegenüber dem Surface Book ein Schritt vor oder zurück ist, lässt sich objektiv nicht beurteilen, das hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Ich finde das neue Konzept besser, weil es einfacher ist, gelegentlich in den Tablet-Betrieb zu wechseln. Im Laptop-Modus vermag der Nachfolger dem Vorgänger aufgrund der deutlich schlechteren Tastatur aber nicht den Rang abzulaufen, daran ändert auch das geniale Trackpad nichts.

Grundsätzlich aber halte ich den Formfaktor des Surface Laptop Studio für überlegen, auch und vor allen Dingen im Vergleich mit 360-Grad-Convertibles, bei denen die Tastatur im Tablet-Betrieb auf dem Tisch liegen muss und somit dem Risiko von Verschmutzungen und Beschädigungen ausgesetzt ist. Wir haben es hier mit einer typischen ersten Generation zu tun, die Mechanik wirkt wie oben beschrieben noch unausgereift. Vielleicht gelingt es Microsoft aber, diese Technik zu perfektionieren und auf Jahre hinaus einen industrieweiten Trend zu setzen wie einst beim Surface Pro. Wenn das gelingt, hat das Surface Laptop Studio seine Rechtfertigung.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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