Das Windows-Roundup zur IFA 2019: Evolution, die neue Vernunft der OEMs, Intel zeigt Stärke

Das Windows-Roundup zur IFA 2019: Evolution, die neue Vernunft der OEMs, Intel zeigt Stärke

Spätestens mit dem endgültigen Ende der Cebit ist die IFA die europäische Leitmesse für neue Windows-Geräte geworden, im Grunde ist sie das aber schon seit vielen Jahren. Im Rahmen der IFA werden oft neue Geräte angekündigt, außerdem bekommt man die Geräte, die zuvor im Juni auf der Computex präsentiert wurden, auf der IFA zum ersten Mal zu sehen. So ist das auch in diesem Jahr.

Ich will in diesem Beitrag aber keine Inventarliste der gezeigten Geräte erstellen, weil sicher kaum jemand die Zeit und Kondition hätte, diese intensiv zu studieren. Stattdessen will ich ein paar grundsätzliche Dinge aufgreifen, die mir aufgefallen sind.

Die Update-IFA

Diesen Begriff hat ein Kollege verwendet, mit dem ich über die neuen Geräte diskutiert habe. In der Tat gab es in diesem Jahr keine spektakulären Neuheiten. Verschiedene Hersteller haben erwartungsgemäß die ersten Geräte mit der zehnten Generation Intel-CPUs vorgestellt, so richtig „was getraut“ hat sich in diesem Jahr aber kaum jemand.

Spannende Neuvorstellungen gab es aber dennoch: Das innovativste Gerät war für mich das Asus ZenBook Pro Duo, weil es uns aufzeigt, was mit Dual-Display-Geräten möglich wird. Razer hat mit dem Blade Stealth das erste Gaming-Ultrabook vorgestellt und Samsung bringt mit dem Galaxy Book S in Kürze das erste Windows on ARM Notebook mit Snapdragon 8cx nach Deutschland.

„Leichter und dünner“ ist natürlich auch weiterhin ein Thema, Asus hat das leichteste Laptop der Welt vorgestellt, das AsusPro B9 wiegt nur 880 Gramm. Allzu lange werden sie diesen Titel nicht behalten: Ein anderer Hersteller flüsterte mir, dass man an einem Modell arbeite, bei dem die „7“ vorne stehen wird und das trotzdem nach US-Militärstandards belastbar ist. Verrückt.

Die neue Vernunft

Obwohl, getrieben von den Marketing-Abteilungen, die Jagd nach „dünner, leichter, schneller“ nach wie vor in vollem Gange ist, habe ich so etwas wie eine „neue Vernunft“ bei den Herstellern ausmachen können. Einige erzählten mir, dass man ein Gerät zwar hätte dünner oder leichter hätte machen können, aber dann hätte man auf den einen oder anderen Anschluss oder ein anderes Ausstattungsmerkmal verzichten sowie Kompromisse bei der Laufzeit machen müssen. „Irgendwann ist ja auch mal gut“ war etwas, was ich sinngemäß sehr oft gehört habe.

Es ist mir außerdem aufgefallen, dass viele neue Modelle „nur“ ein FullHD-Display besitzen. Eine höhere Auflösung auf 13 oder 14 Zoll sei in vielen Fällen schlicht sinnlos und selbst bei 15 Zoll noch fragwürdig, haben mir so gut wie alle Hersteller gesagt, mit denen ich gesprochen habe. Das Display ist nun mal Stromverbraucher Nummer 1, darum lässt sich mit dem Verzicht auf eine höhere Auflösung eine erheblich längere Laufzeit erzielen. Natürlich wird es weiterhin Modelle mit 4k geben (Sharp hat für 2020 gar den ersten PC mit 8k-Display angeteasert), aber FullHD wird wohl auf absehbare Zeit der Standard bleiben.

Die Creator Notebooks kommen

Acer hat im Frühjahr mit der ConceptD-Serie den Anfang gemacht und Notebooks für „Kreative“ vorgestellt. Was ich zuerst für die interessante Idee eines einzelnen Herstellers hielt, entpuppt sich als Trend für die gesamte Branche. Asus, Lenovo und sogar Razer haben diese Zielgruppe für sich entdeckt und bedienen sie mit entsprechenden Geräten.

Die Ansprechpartner bei den Herstellern, die ich schon etwas länger kenne, verdrehen im Gespräch beim Stichwort „Creator Notebook“ ironisch lächelnd die Augen, denn natürlich handelt es sich um eine Marketing-Idee: Hochleistungs-Notebooks sollen nicht mehr nur an Gamer verkauft werden, sondern auch an leistungshungrige und investitionsfreudige Nutzer, die zwar reichlich Power wollen, aber kein „Blingbling“ und kein Laptop, das aussieht wie ein UFO. Es erstaunt mich, dass man erst jetzt auf diese Idee kommt, wo sie doch eigentlich so naheliegend ist. Bei diesen Geräten hat man eine ordentliche Marge und braucht keine hohen Stückzahlen, um gutes Geld damit zu verdienen.

Intel zeigt Präsenz

Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei der Präsentation von neuen PCs die Partner mit auf der Bühne stehen. Vertreter von Microsoft, Nvidia oder Intel tauchen regelmäßig auf den Pressekonferenzen auf, um zu sagen, wie lieb man sich hat und wie außergewöhnlich toll die Zusammenarbeit speziell bei diesem einen Produkt war.

Intel war in diesem Jahr auf absolut jeder Pressekonferenz dabei, die ich besucht habe. Und die Auftritte waren jeweils so ausgelegt, dass man sie nicht verpassen konnte. Der Chip-Gigant zeigte Präsenz, ließ demonstrativ die Hosenträger schnalzen und warb für sein Project Athena, das die unmittelbare Antwort auf Windows on ARM ist und dessen Vorzüge auf die x86-Plattform bringen soll. Besonders deutlich war das beim Lenovo Yoga C640, für dessen Präsentation man sogar den Qualcomm-Slogan „Always on, always connected“ klaute. Ob man bei Intel tatsächlich Muffensausen vor dieser Plattform hat, lässt sich schwer sagen, in jedem Fall ist es offensichtlich, dass sie es nicht darauf ankommen lassen und alles dafür tun wollen, dass hier gar nicht erst irgendwas aufblüht. Ich hoffe, sie haben damit keinen Erfolg.

Ausblick

Ein Ausblick auf 2020 ist selbstverständlich äußerst gewagt. Die Evolution wird weiter gehen, dafür muss man kein Hellseher sein. Ich hoffe aber darauf, dass wir im kommenden Jahr noch mehr Geräte mit zwei Displays sehen werden, vielleicht dann auch schon in einem anderen Formfaktor als dem des klassischen Laptops. Bezüglich ARM denke ich, dass wir 2020 mehr Geräte sehen werden als dieses eine von Samsung – oder eben gar keines mehr.

Von den Herstellern würde ich mir mehr Phantasie beim Design wünschen. Natürlich sind die Möglichkeiten bei Notebooks begrenzt, aber HP hat es beispielsweise geschafft, dem Spectre x360 ein wirklich charakteristisches Gehäuse zu verpassen. Was die Farben angeht, darf es auch gerne mal ein wenig mehr Optionen geben als das ewige schwarz/grau/silber-Einerlei.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Eine Entwicklung wie bei den Handys. Es wurde immer kleiner und bunter. Dann wieder größer mit besseren Bildschirmen und Leistung an sich wurde verbessert. Aber an sich ist Ende Gelände erstmal... Keine neuen echten Innovationen. Jetzt kommt man an Verbesserung der Leistung bei besserer Akkulaufzeit.
    Wir sprechen noch mal in 10-20 Jahren wenn wir alle mit Armbändern die Holografische Displays haben rumlaufen und sowohl Handy als auch PC sind gleichermaßen und komfortabel (natürlich per Gesten und Gedanken gesteuert). ;) auf sowas freu ich mich (denke sowas kann ich noch erleben vorm abdanken)
    Stromverbrauch hin- oder her. Alle die viel mit Text oder Fotos arbeiten werden eine hohe Pixeldichte als sehr vorteilhaft empfinden. Haengt wohl davon ab wie "intensiv" man sein Geraet benutzt. Viele decken da ihren "Bedarf" halt mit ultra-hochaufloesenden Smartphones. Da gibts interessanterweise keine Diskussion ob weniger als 144 DPI auch "genug" sind...
    -
    Hat Intel "Muffensausen"? Und wie! Nachdem das mit einer eigenen Smartphone-Platform nicht geklappt hat dachte man dort das man von Notebook, Desktop und vor allem Servern gut leben kann. Bei letzterem hat aber AMD sowas von zugeschlagen, der Rest folgt. Der interne Rundmail bei Intel spricht Baende... .
    Bis die eigene Antwort auf ARM bzgl. Laufzeit da ist vergeht ja noch ein Jahr - zuwenig damit Windows/ARM richtig fahrt aufnimmt. Was Ende 2020 passiert - so denn Intel liefern kann - es wird ueber den Preis geregelt. Intel kann da im Zweifelsfall mal ein paar rote Quartale schreiben - AMD hat das ja auch jahrelang ueberlebt...
    Ich frage mich ständig warum 80% der Geräte häßlich sind. Auch wenn es plastikbomber sind, kann man doch einen Designer ans werklassen, dass es nicht aussieht wie ein lernlaptop für Vorschulkinder.
    Bei manchen Dingern frage ich mich, stellt HP sich vor so ein Gerät und sagen, ja das wollen die Leute sehen.?!!?!!
    Huawei hat auch sehr schöne Laptops gebaut. Nicht zu vergessen
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