Das wünsche ich mir als Entwickler von Microsoft im neuen Jahr

Wenn sich meine kleine Entwicklerseele etwas von Microsoft für das kommende Jahr 2020 wünschen könnte, dann wäre dies vor allem die Standardisierung von (aufgekauften) Frameworks und Sprachen der Redmonder als auch endlich eine Kontinuität bestehender Dinge.

Eigene Communities nicht weiter verfallen lassen

Microsoft hat es geschafft, wieder für mehr Entwickler aus allen Himmelsrichtungen spannend und interessant zu werden. Zeitgleich fallen in meinen Augen die von Microsoft geförderten oder verwalteten Communities immer mehr weg.

Zwar helfen sehr viele Angestellte des Softwaregiganten auf bekannten Plattformen wie stackoverflow.com oder reddit.com mit meist sehr durchdachten Ratschlägen bei etwaigen Problemen weiter, jedoch bieten diese Plattformen nicht mehr das „Gruppengefühl“ der Microsoft-eigenen TechNet (Wiki) Communities. Diese bündelten nicht nur „Frage-und-Antwort“-Foren, sondern brachten sowohl themenzentrierte Wikis als auch die Möglichkeit mit, direkt Beispielquelltexte zum Herunterladen bereitzustellen. Wie es einmal war, könnt ihr im Dr. Windows Beitrag „Blick in die Vergangenheit: Der Windows 8 Student Developer Club“ gerne nachlesen.

XAML Standard

Schon vor etlichen BUILD Entwickler-Konferenzen hat Microsoft angekündigt, die verschiedenen XAML-Dialekte zu vereinheitlichen. Diesbezüglich ist meines Erachtens und bei einem Blick auf das entsprechende GitHub Repository (Issue: Is this repo dead?) im Jahr 2019 genau gar nichts geschehen.

Zwar ist der XAML-Syntax beispielsweise zwischen UWP- und Xamarin-Entwicklung in sehr vielen Belangen gleich, jedoch eben nicht allen. Um hier wirklich ein gemeinsames und in sich einheitliches Ökosystem zu schaffen, muss hier eine Vereinheitlichung stattfinden.

Für mich als Freizeitentwickler in diesen Bereich des Microsoft-Ökosystems könnte dies bedeuten, dass ich einmal meine Logik und meine Oberfläche beschreibe und diese mit einem Klick sofort auf iOS, Android und Windows 10, Xbox und Co via UWP-Apps bereitstellen kann.

Azure Free Tier vergleichbar zu Google Spark

Mit den vielen verschiedenen Azure Services hat Microsoft eine unglaubliche Spielweise in petto, welche nicht nur für professionelle Anwendungszwecke eine Hilfe für jeden Entwickler darstellen.

Damit hier auch ohne Reue und Angst vor hohen Kosten Maker und Hobbyentwickler profitieren können, muss ein klar kostenfreier Bereich geschaffen werden. Google hat dies mit dem Spark-Plan in ihren Firebase Services vorgemacht.

Das kostenfreie Programm kann von mir aus stark eingeschränkt in den Quotas der zur Verfügung stehenden Ressourcen sein. Zudem würde dies super in das Visual Studio AppCenter Produkt passen, da hier bereits stark die Komplexität mancher Azure Services vor dem Nutzer versteckt wird.

Microsoft könnte hier eventuell auch durch die massiv gesunkene Einstiegshürde profitieren. Denn ist man mal an ein Ökosystem gewohnt und fühlt sich wohl, sitzt auch der Geldbeutel für weitere oder größere Tiers lockerer.

Gut zu sehen ist dies in den kostenfreien Lizenzen für die kleinen Versionen von Visual Studio oder auch beim gratis angebotenen Office für Schüler und Studenten. Beides scheint sich ja wohl seit sehr vielen Jahren für Microsoft auszuzahlen.

Surface Duo Unterstützung

Schon allein aus Eigeninteresse für meine „Road to Surface Duo“-Artikelreihe wünsche ich mir, dass das Surface Duo als auch das Neo nicht nur eine Randbemerkung bleiben, sondern im Jahr 2020 von Microsoft gepusht wird. Es könnte in der jeweiligen Nische, welche beide Geräte bedienen, genau das Richtige sein, was es bisher noch nicht gegeben hat. Dies, mit den bereits existierenden Productivity Apps des Softwarekonzerns gepaart, könnte wirklich ein Knüller werden. Leider habe ich als grantelnder Bayer hier immer noch das Microsoft Band und die Smartphones von Microsoft im Sinn, welche erst angepriesen und dann doch schnell zu Boden geworfen wurden. Hierbei rede ich nicht von Windows 10 Mobile, sondern – wer kann sich noch erinnern? – an das Microsoft Kin (Wiki).

Weiterhin Open Source wagen

Wer Microsoft schon einen längeren Zeitraum verfolgt, der bemerkt, dass das heutige Unternehmen in seiner Geschäftsmentalität nichts mehr mit den Ballmer’schen Kriegstreibereien hinsichtlich Linux vom Anfang dieses Millenniums zu tun hat.

Linux und andere quelloffene Software (Wiki: Open Source) spielen, auch finanziell, für Microsoft eine immer größere Rolle. Seien es virtuelle Linux Maschinen in Azure, sei es das hauseigene und quelloffene .NET Core Framework oder Editoren wie Visual Studio Code, welche nicht mehr hinter gepanzerten Türen entwickelt werden.

Jedoch stößt man ab und zu immer noch auf „Windows only“ Programme, welche es eventuell nicht sein müssten.

Beispielsweise ist das Entwickeln und Verwalten von Azure plattformunabhängig möglich. Jedoch wird unter anderem zum lokalen Aufsetzen von Azure Data Lakes (Docs) weiterhin eine Windows Maschine benötigt.

Weitere Beispiele wären die noch großen Funktionsunterschiede zwischen Office für Windows, Mac und Web. Wenn Microsoft wirklich ein plattformneutraler Service-Anbieter sein will, müssen auch diese Anwendungen featuregleich sein. Dass auch andere Office Programme als nur die für Windows Excel Makros unterstützen könnten, steht wohl auch in diesem neuen Jahrzehnt weiterhin in den Sternen.

PWA nicht fallen lassen

Die Beziehung zwischen Microsoft und Webtechnologien war in der Vergangenheit desöfteren kompliziert. Die Standardkonformität von Internet Explorer, Silverlight im Browser oder auch der (gescheiterte?) Versuch, mit WinJS (Wiki) im Web Fuß zu fassen, waren zur jeweiligen Zeit immer Gegenstand von kontroversen Diskussionen. In den letzten Jahren hat Microsoft hier jedoch etliches richtig gemacht. Neben dem immer weiter verbreiteten TypeScript (Wiki) und der Migration der Engine von Edge hin zu einem auf Chromium basierenden Unterbau sorgen für ein immer besseres Image des Softwaregiganten hinsichtlich eines offenen Webs. Auch erfahren die Office Web-Apps zu großen Teilen sehr gute Resonanz und werden stetig weiterentwickelt.

Jedoch scheint es für mich, als versuche Microsoft mit den Progressive Web Apps eigene Unzulänglichkeiten, was die Förderung eines eigenen App-Ökosystems anbelangt, mit der Brechstange ausgleichen zu wollen. Hierbei taten sie sich nicht immer einen Gefallen. Der eine oder andere Leser kann sich eventuell noch an die massenhaft automatisch importierten Webseiten als halbgare Progressive Web Apps im Windows 10 Store erinnern.

Nichtsdestotrotz, wenn Microsoft hier einen guten Ankerpunkt findet und sich in diesem Ökosystem einen guten Namen im Jahr 2020 aufbaut, bin ich der Letzte, der meckert. Der in meinen Augen gefahrene Schlingerkurs in der Vergangenheit stimmt mich allerdings nachdenklich.

Eure Meinung?

An was sollte eurer Meinung nach Microsoft in diesem Jahr arbeiten? Seid ihr mit dem aktuellen Entwickler-Ökosystem der Redmonder zufrieden? Habt ihr Sorge, dass sich etwas zum Negativen ändern wird oder freut ihr euch auf neue Dienste, Programme und Co. des Softwareherstellers?

Über den Autor
Tobias Scholze
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Bayrischer Open Source- und Community-Enthusiast, Verfechter des neuen Microsoft und Wandler zwischen den Betriebssystemwelten. #communityrocks Von Herzen ein Nerd mit der festen Überzeugung, dass man gemeinsam und durch den Einsatz von moderner IT die Welt für jeden ein Stückchen besser machen kann.

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Kommentare

  1. Woran MSFT arbeiten soll? An Durchhaltekraft. Sie sollten nicht so schnell aufgeben, wenn etwas am Markt nicht sofort ankommt. Gut Ding will Weile haben. ?
    Was mir auch helfen würde, ist eine kostenlose Version von Azure für die Entwicklungszeit und zum Testen von neuen Diensten. Ich hatte zwar das 12 Monate kostenlose Konto, die Zeit ist aber leider schon vorbei.
    Außerdem Wünsche ich mir, dass Microsoft Blazor schnell weiter ausbaut. Blazor Server gefällt mir schon richtig gut. Dinge, an denen ich mangels Javascript-Kenntnissen verzweifelt bin, sind damit ganz einfach. Leider ist Blazor Server nur die erste Ausbaustufe. Wirklich Interessant wird es erst mit Stufe 3 Blazor PWA und Blazor Native. Wobei Gerade letztere noch sehr weit entfernt ist. Microsoft hängt hier leider wieder hinterher.
    Für mich als reiner Consumer liest sich der Artikel so, das es für mich die Bestätigung ist das Apps unter W10 eine Randerscheinung sind weil MS es nicht auf die Reihe bekommt.
    Wie ich immer vermutet habe liegt es anscheinend nicht an den Entwicklern das qualitativ gute Apps unter W10 kaum vorhanden sind.
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