Dell vermeidet „Künstliche Intelligenz“ im Marketing für seine PCs: Es interessiert die Kunden nicht
Eine uralte Weisheit sagt: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Seit dem Ausbruch des KI-Hypes hat die gesamte Tech-Branche diese Weisheit über Bord geworfen. Es gibt praktisch kein neues Produkt mehr, das nicht mit KI beworben wird, so offensichtlich sinnbefreit das in vielen Fällen auch ist.
Bei den neuen PCs, die über eine integrierte NPU (Neural Processing Unit) verfügen, ist das KI-Marketing nicht falsch. Man sollte in der Tat keinen neuen PC mehr ohne NPU kaufen. Ich habe vor längerer Zeit eine klare Empfehlung ausgesprochen: Copilot+PC ist ein Marketing-Slogan – Du solltest Dir trotzdem einen kaufen.
Als das Surface Laptop 7 und das Surface Pro 11 auf den Markt kamen, habe ich kritisiert, dass Microsoft im Marketing zu sehr auf dem Copilot-Begriff herumreitet, statt das eigentliche Killer-Argument hervorzuheben: ARM-PCs sind jetzt alltagstauglich.
Aber was verstehe ich schon von Marketing? Vielleicht lag ich mit dieser Ansicht ja voll daneben. Vielleicht aber auch nicht, denn Dell spricht jetzt aus, was für viele von uns schon lange eine gefühlte Wahrheit ist: KI-Marketing kommt bei den Kunden nicht an. Es interessiert sie nicht und geht ihnen im Zweifel eher auf den Wecker.
„… was wir im Laufe dieses Jahres, besonders aus Verbrauchersicht, gelernt haben, ist, dass sie nicht auf Basis von KI kaufen“, wird Dells Produktchef Kevin Terwilliger im Gespräch mit PC-Gamer zitiert. „Tatsächlich denke ich, dass KI sie wahrscheinlich mehr verwirrt, als dass sie ihnen hilft, ein bestimmtes Ergebnis zu verstehen.“
Na so was, wer hätte das gedacht? Dell verzichtet daher ganz bewusst darauf, bei seinen neuen Produkten den Begriff „KI“ überzustrapazieren.
Selbstverständlich haben auch die neuen Dell-PCs eine NPU, denn es gibt gar keine neuen Geräte mehr ohne KI-Prozessor. Das ist gut so. Es wäre verantwortungslos, jemandem noch einen PC ohne NPU zu verkaufen. Dell hat lediglich gelernt, dass das für die Kunden kein Kaufargument ist. Schickes Design, geringes Gewicht, lange Akkulaufzeit, leise Lüfter usw. Das sind nach wie vor die Köder, die dem Fisch am besten schmecken.
Höchste Zeit, dass weitere Hersteller dem Beispiel von Dell folgen und beim Marketing für KI-Funktionen noch eine weitere, ebenso alte Weisheit befolgen: Weniger ist manchmal mehr.
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Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!


