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Der PC-Markt lernt klagen, ohne zu leiden

Der PC-Markt lernt klagen, ohne zu leiden

Eine wichtige Fähigkeit in der Welt des Kapitalismus ist „klagen, ohne zu leiden“, also möglichst laut zu jammern, obwohl es einem in Wirklichkeit gar nicht schlecht geht. Nachdem Corona dem PC-Markt einen ungeahnten Boom bescherte, folgt in 2022 wohl wieder eine kräftige Delle. Das Stöhnen der Hersteller über sinkende Absätze ist zwar nachvollziehbar, sollte aber ins rechte Licht gerückt werden.

Dass sich der Markt nach den Rekordjahren 2020 und 2021 in diesem Jahr eher seitwärts bewegen wird, wurde bereits allgemein erwartet. Der Ukraine-Krieg und die Inflation haben die Wirtschaft und die Kauflaune der Verbraucher allerdings deutlich gebremst, der erneute harte Lockdown in China hat außerdem die Teileverfügbarkeit erneut stark belastet.

Welche Auswirkungen das insgesamt auf den PC-Markt haben wird, darüber sind sich nicht alle Analysten einig und auch die Mitteilungen der Hersteller über zu erwartende Absatzrückgänge fallen unterschiedlich aus. Ich greife mir mal exemplarisch die Schätzung von IDC heraus, die für das Jahr 2022 einen Rückgang um 8,2 Prozent vorhersagen.

Ich habe in den letzten Tagen viele Schlagzeilen gelesen, aus denen man den Eindruck gewinnen konnte, der PC-Markt stünde kurz vor dem Kollaps. Schlechte Nachrichten verkaufen sich halt nun mal am besten.

Schaut man sich aber die nachfolgende Grafik an, so kann man sehen, dass 2022 trotz widriger Umstände und selbst, wenn der Rückgang noch stärker ausfallen sollte als angenommen, am Ende wohl ein Jahr sein wird, von dem der gesamte Markt Ende 2019 nur träumen konnte. Zwischen den Jahren 2012 und 2019 gab es allen Grund zu jammern, was wir derzeit erleben, ist aber eher ein kleiner Stimmungsdämpfer denn ein Katastrophenszenario.

PC-Markt 2022 IDC Schätzung

Das wird vor allen Dingen klar, wenn man auf folgenden Jahre schaut: Bis 2026 stehen die Zeichen nämlich weiterhin hervorragend. Der Markt wird sich auf einem hohen Niveau stabilisieren und sogar noch leicht wachsen. Die Faktoren, die derzeit auf die Stimmung drücken, bedeuten also in erster Linie eine Verschiebung. Teils werden geplante Anschaffungen verschoben, teils kann bestehender Bedarf nicht gedeckt werden, weil wieder einmal die Komponenten knapp sind. „Schlechte Zeiten“ sehen allerdings definitiv anders aus.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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