Digitale Souveränität: Aktuelle Entwicklungen aus dem März im Newssplitter
Angesichts neuer geopolitischer Realitäten wird die Stärkung der digitalen Souveränität in Europa zu einer immer wichtigeren Angelegenheit. In einigen Punkten werden dabei schon konkrete Vorhaben angestoßen. So soll Wero unter der Aufsicht der EZB zum europaweiten Zahlungsstandard ausgebaut werden und auch in Deutschland sollen Bürger etwa mit der Kommunikationsplattform Project Neo bald nachhaltige Verbesserungen erfahren.
Das sind aber nicht die einzigen Punkte, die aktuell vorangetrieben werden. Einige weitere Vorstöße fasse ich euch deswegen mal in diesem Überblick zusammen.
Project EUSP
Dass das deutsche Unternehmen Ecosia aus Berlin und sein französisches Pendant Qwant an einem eigenen europäischen Suchindex arbeiten, ist schon länger bekannt. Nachdem Staan (Search Trusted API Access Network) im vergangenen Jahr offiziell gestartet wurde, bauen die beiden Unternehmen diese Kooperation jetzt im Rahmen der European Search Perspective (EUSP) weiter aus. Verbunden ist damit ein konkreter Vorschlag an die EU-Regierungschefs, die Möglichkeiten von Staan über nationale Indexe als öffentliche Infrastruktur auszubauen und auf andere EU-Staaten auszudehnen.
Derzeit gibt es zwar europäische Suchmaschinen, allerdings haben nur sehr wenige wie Mojeek auch einen eigenen Suchindex. Neben Qwant, Ecosia und Startpage als drittem großen Vertreter setzen die meisten derzeit auf die vorhandenen Indexe von Google und/oder Bing – noch jedenfalls.
Android
Auch bei den Entwicklern europäischer Android-Derivate kommt Bewegung in einen wichtigen Aspekt. Unter der Federführung des deutschen Unternehmens Volla Systeme GmbH arbeitet man mit Murena, der /e/ Foundation, iode und Apostrophy an einer quelloffenen Alternative zu Google Play Integrity, die auf den Namen UnifiedAttestations hören wird. Das neue Projekt würde damit microG als quelloffene Reimplementierung der Google Play Services ergänzen.
Das neue Projekt würde die Integritätsprüfung auf Geräten mit alternativen Android-Derivaten deutlich verbessern, was vor allem für essentielle Apps wie digitale Wallets, Identitätsnachweises, Banken- oder Behördenanwendungen wichtig ist. Nicht alle Projekte wie etwa GrapheneOS sind begeistert, de facto würde das eine europäische Android-Distribution im Tandem mit Sailfish OS als zweitem Pfeiler aber stärken. Volla führt zudem bereits Gespräche mit ersten Entwicklern als auch auf politischer Ebene, um die Vision von einem „europäischen Android“ im weitesten Sinne weiter voranzutreiben.
PayPal
Unterdessen könnte ein extrem bekannter Name aus dem Silicon Valley bald sehr viel europäischer werden. PayPal gehört zu den Pionieren bei den Zahlungsdienstleistern, musste zuletzt aber deutlicher Federn lassen. Die aktuell schlechten Zahlen und die wirtschaftliche Perspektive in diesem Jahr wecken Spekulationen über eine kommende Übernahme des Finanzriesen. Der Favorit darauf ist mit Stripe eines der Schwergewichte aus der Europäischen Union.
Zugegeben: Stripe hat auch einen Unternehmenssitz in San Francisco und ist damit teilweise im Silicon Valley beheimatet. De facto kommt der Finanzriese aber aus Irland und hat seinen zweiten Hauptsitz immer noch in Dublin. Geführt wird er von den irischen Gebrüdern Collison. Patrick Collison leitet das Unternehmen als CEO, während John Collison als Präsident von Stripe fungiert.
Digital Fairness Act
Auch bei den europäischen Digitalgesetzen zeichnet sich ein weiterer Neuzugang ab. Nach DSGVO, AI Act, Digital Markets Act und Digital Services Act arbeitet man in Brüssel aktuell am neuen Digital Fairness Act, der vor allem den Verbraucherschutz im digitalen Raum deutlich verbessern soll. Anders als fokussierte Einzelmaßnahmen, wie es zum Beispiel das viel zitierte Social-Media-Verbot für Minderjährige ist, setzt man dabei auf einen besseren Schutz für alle Altersgruppen. Vulnerable Gruppen im allgemeinen sollen aber dennoch besonders in den Fokus genommen werden.
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Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Edge, Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

