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Ehemaliger Microsoft-Manager: Der Nachfolger von Windows Mobile heißt Android

Ehemaliger Microsoft-Manager: Der Nachfolger von Windows Mobile heißt Android

Das Thema „Windows auf Smartphones“ ist erledigt und wir haben nun eine ganze Menge Analysen gehört und gelesen, warum es so gekommen ist. Mein Bedarf an weiteren Meinungen dazu bewegt sich offen gesagt in sehr engen Grenzen. Wenn aber jemand darüber spricht, der direkt beteiligt war, dann hört man natürlich aufmerksam zu.

Hal Berenson, inzwischen pensioniert, war früher bei Microsoft tätig und unter anderem für Entwickler-Themen zuständig. Auf seinem privaten Blog beschreibt er die mobilen Entwicklungen bei den Redmondern von Windows Phone 7 bis hin zur Gegenwart, und er wagt einen Ausblick auf die Zukunft. Relativierend muss man allerdings sofort anmerken, dass Berenson Microsoft bereits im Oktober 2010 verlassen hat, er arbeitete dann noch als freier Consultant und bei Amazon, eher er im Oktober in den Ruhestand ging. Durch seine früheren Kollegen ist er aber natürlich dennoch bestens informiert, was sich bei Microsoft geändert hat.

Am Montag startete er seine Analyse mit „Microsoft Phone – Part 1“. Insgesamt steht da nichts, was wir nicht schon wussten, interessant ist allerdings die Aussage, dass sich Microsoft schon vor 2010 für plattformübergreifende Entwicklung interessiert hat. Zusammen mit den Arbeiten an Windows Phone 7 seien aber alle derartigen Bemühungen eingestellt worden, und man wollte sich voll und ganz auf die eigene Plattform konzentrieren. Wie wir wissen, ging das schief, und inzwischen ist Microsoft auf einem völlig anderen Weg.

Im zweiten Teil geht Berenson dann näher auf Einzelheiten ein. Er fragt süffisant, ob es denn wohl Zufall gewesen sei, dass Joe Belfiore zuerst den Browser Edge für Android und iOS ankündigt, den Arrow Launcher vom Bastler-Projekt zum offiziellen Microsoft Launcher befördert, um kurz darauf Windows Mobile auf Twitter öffentlich zu beerdigen? Auch wenn das in dieser Konsequenz nicht kommuniziert wurde, für ihn ist die Botschaft klar: Die Nachfolgestrategie für Windows Phone liege nun auf dem Tisch, und sie lautet (Zitat): It is Android, brought to you by the Windows team.

Wie diverse andere Beobachter ist also auch Berenson der Meinung, dass Microsoft sein eigenes Android-Phone braucht, entweder selbst gebaut oder in Zusammenarbeit mit einem Partner. Allerdings ist sein Ansatz weniger „radikal“. Jeder Versuch, Google auszusperren, also die Google-Dienste zu limitieren, den Play Store wegzulassen oder die Bing-Suche als festen Standard zu definieren, würde unweigerlich zum Tod eines solchen Projektes führen. Dieser Meinung schließe ich mich vorbehaltlos an – und das ist auch der Grund, warum ich bisher gefragt habe: Warum sollte Microsoft das tun? Schon jetzt kann ich mit den verfügbaren Apps jedes Android-Smartphone in ein „Microsoft Phone“ verwandeln.

Die Antwort, die Berenson darauf gibt, ist ganz simpel: Genau das ist das Problem – man muss es selbst tun. Und jeder, der bereits ein Android-Smartphone nutzt und es „microsoftiziert“ hat, weiß: Das ist in der Tat ein gewisser Aufwand und auch nicht so ganz einfach. Wenn man mit einer eigenen „Microsoft-Experience“ auf Android so richtig durchstarten möchte, dann muss diese direkt nach dem Auspacken des Geräts zur Verfügung stehen. Er glaubt daher, dass sich Microsoft im kommenden Jahr sehr intensiv darum bemühen wird, für dieses Vorhaben willige Partner zu finden.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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