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EMUI Desktop im Test: Kann das Huawei Mate 10 Pro den PC ersetzen?

EMUI Desktop im Test: Kann das Huawei Mate 10 Pro den PC ersetzen?

Mit Windows 10 Mobile und dem Lumia 950 führte Microsoft vor gut zwei Jahren die Funktion Continuum ein. „Das Smartphone, das deinen PC ersetzen kann“ hieß damals der Werbeslogan. Ein guter Ansatz, bei dem es aber leider blieb. In diesem Jahr legte Samsung mit seiner Lösung „DeX“ nach, die im Grunde sehr viel besser funktionierte, sich aber dadurch disqualifizierte, dass man das Telefon während des Desktop-Betriebs nicht benutzen kann (siehe Test und den zweiten Bericht dazu).

Ende November erscheint mit dem Mate 10 Pro das neueste Flaggschiff von Huawei, und auch dieses bringt erstmals einen Desktop-Modus mit. Kann das Mate 10 Pro die Stärken von Microsoft und Samsung kombinieren und gleichzeitig die Schwächen ausmerzen? Die Präsentation ließ genau das vermuten, denn der Modus, der beim Mate 10 Pro schlicht „Projektion“ heißt, besitzt einen echten Windows-Desktop und kann Apps in Fenstern ausführen, außerdem lässt sich das Smartphone während des Desktop-Betriebs regulär weiter benutzen.

Klingt gut? Ist es auch. Allerdings hat auch dieses Konzept Schwächen und liefert nicht die perfekte Experience, die am Ende dazu führt, dass man ernsthaft darüber nachdenkt, das Mate 10 Pro als das „Eine für Alles“ zu benutzen.

Einrichtung

Beginnen wir mit dem Setup. Um den Desktop-Modus nutzen zu können, genügt ein handelsübliches USB-C-zu-HDMI-Kabel. Sobald man dieses mit Telefon und Bildschirm verbindet, startet die Projektion von selbst. Maus und Tastatur werden per Bluetooth gekoppelt. Alternativ kann man noch das Mate Dock verwenden, welches Huawei auch für seine Mate Books anbietet und das unter anderem vollwertige USB-Anschlüsse bietet (Das Microsoft Display Dock oder das HP Lap Dock sind mit Huaweis Lösung nicht kompatibel).

Bedienung

Mittels Maus und Tastatur lässt sich der Desktop-Modus des Mate 10 Pro wie ein gewöhnlicher Windows-PC bedienen. Optional gibt es wie beim Lumia 950 die Möglichkeit, das Displays als virtuelles Touchpad bzw. auch als virtuelle Tastatur zu verwenden. Der Desktop ist Windows nachempfunden: Es gibt Verknüpfungen auf der Oberfläche, einen Start-Button, Elemente in der Taskleiste sowie einen Info-Bereich unten rechts, über den auch die Benachrichtigungen aufgerufen werden können. Jeder, der schon mal einen Windows-PC bedient hat, wird hier ohne Anlaufschwierigkeiten sofort zurecht kommen.

Stärken und Schwächen

Die unterstützten Anwendungen werden im Startmenü aufgelistet und lassen sich nach dem Start entweder im Vollbild oder im Fenster-Modus benutzen. Microsoft zeigt sich hier einmal mehr als vorbildlicher Unterstützer dieses (für Huawei) neuen Ansatzes: Word, Excel, PowerPoint, Outlook, To-Do, OneDrive, Skype, Teams etc. – es ist alles da, was man braucht, um mit dem Mate 10 Pro auch wirklich produktiv arbeiten zu können.

Die Performance ist erstklassig, am Desktop selbst läuft alles sehr flüssig, und es wird auch dann nicht langsam, wenn viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet sind. Lediglich, wenn man gleichzeitig noch das Phone in die Hand nimmt, bemerkt man auf diesem eine leichte Verlangsamung – diese ist aber beinahe nicht der Rede wert.

Ein weiterer Vorteil, den bisher kein Hersteller bieten konnte: Trennt man das Kabel und beendet damit die Desktop-Session, wird die vorherige Session wiederhergestellt, sobald man das Kabel wieder anstöpselt. Man kann also dort weiter arbeiten, wo man zuvor aufgehört hat.

Schwächen gibt es allerdings auch: Im Startmenü tauchen nur die Apps auf, die auch tatsächlich für den Desktop-Betrieb optimiert wurden. Will man auch Phone-Apps auf dem großen Bildschirm anzeigen, muss man am Gerät zwischen Desktop- und Phone-Modus umschalten. Dann wird allerdings nur die aktive App im Vollbild angezeigt, die geöffneten Desktop-Anwendungen verschwinden. Das hat Samsung mit DeX besser gelöst – hier lassen sich einfach alle Apps auf den Desktop werfen, die dann in einem fixierten Mini-Fenster angezeigt werden.

Fazit

Wie bei Microsofts Continuum hat man beim Mate 10 Pro im Desktop-Modus den Eindruck, im Grunde zwei Geräte zu besitzen – ein Telefon und einen PC. Allerdings hat man auch das selbe Problem: Nämlich jenes, dass man nur die optimierten Apps öffnen kann. Durch Umschalten auch Phone-Apps auf den Bildschirm zu bringen, ist eine Notlösung und ergibt nur bedingt einen Sinn. Das ist wie gesagt bei Samsungs DeX besser, bei dem im Desktop-Modus allerdings die Phone-Oberfläche ins Koma fällt.

Die perfekte Lösung gibt es also nach wie vor nicht, und ich bleibe bei dem, was ich auch im Fazit zum Test von Samsung DeX geschrieben habe: Microsoft hält nach wie vor die Trümpfe in der Hand, als Erster ein „echtes Continuum-Erlebnis“ zu realisieren. So lange die Unterstützung nicht nativ im System steckt und die OEMs selbst aktiv werden müssen, um a) einen entsprechenden Modus zu realisieren und b) die Entwickler zu animieren, ihre Apps daran anzupassen, sehe ich unter Android keinen Durchbruch.

Nichtsdestotrotz: Wenn ich unter dem Strich zwischen Samsung Dex und dem EMUI-Desktop entscheiden muss, dann hat Huawei für mich die Nase vorn, weil die Displays voneinander unabhängig agieren und man so ein echtes 2in1-Erlebnis hat.

P.S.: Ich habe das Mate 10 Pro noch bis Ende der Woche hier und werde dann natürlich auch noch ein paar allgemeine Worte dazu schreiben.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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