Erste Eindrücke vom Surface Laptop Go

Erste Eindrücke vom Surface Laptop Go

Das Surface Laptop Go hat mich in einen gedanklichen Konflikt gestürzt, noch ehe ich es zum ersten Mal in den Händen hatte. Es ist das zweite „Budget-Surface“ nach dem Surface Go, im Gegensatz zu diesem hat Microsoft aber nicht einfach nur einen Formfaktor bei ansonsten praktisch unveränderten Hardware-Eigenschaften geschrumpft, sondern auch echte Abstriche gemacht.

Beim Gehäuse des Surface Laptop Go wurde beispielsweise gespart. Es besteht nicht vollständig aus der Magnesiumlegierung, die Microsoft VaporMg nennt. Stattdessen wurde die Unterseite aus einem Polycarbonat/Glasfaser-Gemisch gefertigt. Außerdem spart sich Microsoft beim Surface Laptop Go die Windows Hello Kamera sowie eine Tastenbeleuchtung.

Surface Laptop Go

Diese Abstriche wurden gemacht, um in niedrigere Preisregionen vorstoßen zu können, das Surface Laptop Go ist ab 613 Euro zu haben. Mein Testgerät mit 8 GB RAM und 256 GB SSD kostet allerdings 973 Euro, damit ist es alles andere als ein Preisbrecher. Auch das Surface Go ist nicht günstig, aber es hat den Vorteil, dass es in seiner Geräteklasse mehr oder weniger allein ist.

Ich fragte mich also, ob das Surface Laptop Go insgesamt eine gute Idee ist. Nach den ersten paar Tagen habe ich zumindest schon paar Ansätze für die Antwort gefunden. Beginnen möchte ich aber mit einem interessanten Detail.

Nicht für die aktuelle Windows 10 Version gebaut?

Es gibt ein kleines Detail am Surface Laptop Go, welches ein Indiz dafür sein könnte, dass die Hardware vor der Software fertig wurde und das Surface Laptop Go eigentlich mit einer neueren Version von Windows 10 hätte ausgeliefert werden sollen: Die Ecken des Bildschirms sind minimal abgerundet. Also nicht die des Gehäuses, sondern wirklich die des Bildschirms. Das fällt im Grunde kaum auf, weil sich so weit in den Ecken üblicherweise keine wichtigen Inhalte befinden. Bei manchen Programmen wie beispielsweise Skype sieht man das dann aber doch, sobald man sie schließen möchte.

Abgerundete Bildschirmecken beim Surface Laptop Go

Zu den Design-Änderungen, die Microsoft im kommenden Jahr für Windows 10 plant, gehören die minimal gerundeten Fensterecken, dann wird das wieder zusammenpassen.

Die Entwicklung von Windows 10 wurde in diesem Jahr von zwei Großereignissen beeinflusst: Die Corona-Pandemie hat wie überall sämtliche Terminpläne durchgeschüttelt, einen weit größeren Einfluss aber dürfte die Ernennung von Panos Panay zum Windows-Chef gewesen sein. Was an dem „neuen Fokus“ auf Windows 10 wirklich dran ist, werden wir im kommenden Jahr erfahren.

Die Hardware-Entwicklung konnte auf dieses kleine Detail nicht mehr reagieren, das finale Design des Surface Laptop Go dürfte schon seit mindestens einem Jahr festgestanden haben.

Huch, ist das klein

Ich kannte die Abmessungen des Surface Laptop Go vom Datenblatt, ich wusste, es würde ein recht kompaktes Gerät sein. Angesichts der Tatsache, dass der Bildschirm nur knapp 1 Zoll kleiner ist als beim großen Bruder Surface Laptop, erwartete ich aber nicht zu viel. Als ich es dann auspackte und zum ersten Mal in die Hand nahm, war ich sehr überrascht, wie klein es tatsächlich ist – hier ein Vergleichsfoto mit dem Surface Laptop.

Surface Laptop Go im Vergleich mit dem Surface Laptop

Den ersten Abend mit dem Surface Laptop Go verbrachte ich im Fernsehsessel, um es nebenher einzurichten. Schon nach wenigen Minuten merkte ich: Das ist DIE perfekte Größe für mich, um ein Gerät auf dem Schoß zu bedienen. Leider bemerkte ich aber auch, dass die fehlende Tastaturbeleuchtung für mich zum Dealbreaker wird, denn genau in diesem Szenario als abendlicher TV-Begleiter ist sie unverzichtbar.

Display, Touchpad, Tastatur auf Surface-Niveau

Die Auflösung des 12,5 Zoll großen Bildschirms ist mit 1.536 x 1.024 Pixel beim Surface Laptop Go eher unterdurchschnittlich, diesbezüglich hatte ich meine Bedenken. Die daraus resultierende, geringere Pixeldichte ist in der Nahaufnahme oben gut zu sehen, davon sollte man sich aber nicht schrecken lassen. Die Darstellung ist gewohnt gut, auch Kleingeschriebenes wird scharf dargestellt und lässt sich gut lesen. Inwiefern sich das Gerät für Grafiker eignet, muss nicht diskutiert werden, die sind nicht die Zielgruppe.

Die Tastatur und das Touchpad sind ebenfalls hervorragend. Meiner Meinung nach baut Microsoft die besten mobilen Tastaturen überhaupt, das stellen sie beim Surface Laptop Go einmal mehr unter Beweis. In diesen Disziplinen handelt es sich um ein „echtes Surface“.

Surface Laptop Go Tastatur

Haptik

Die Unterseite des Surface Laptop Go ist im Vergleich zu den anderen Geräten „minderwertiger“, daran ist objektiv nicht zu rütteln. Ich mag sie trotzdem, sie fühlt sich wärmer, weicher und damit komfortabler an. Ironischerweise fand ich bei meinem Testgerät einen Mangel im Lid, welches aus dem gleichen Material besteht wie beim großen Laptop. Überschüssiger Kleber war zwischen Display und Gehäuserand ausgetreten und hatte dort kleine Klümpchen hinterlassen. Sie ließen sich vorsichtig abkratzen und rückstandslos entfernen.

Obwohl ich Alcantara-Fan war und bin, finde ich mehr und mehr Gefallen an den Modellen, die darauf verzichten. Man hat einfach weniger Angst, etwas zu verschmutzen, obwohl ich sagen muss, dass ich in all den Jahren nie ernsthafte Probleme mit der Langlebigkeit hatte.

Sonstiges

Zur Akkulaufzeit kann ich noch nicht viel sagen. Nach der Ersteinrichtung und einigen Spielereien sind noch 48 Prozent Restkapazität im Akku. Gefühlt ist das sehr gut, allerdings habe ich nicht auf die Uhr geschaut, wie lange ich das Gerät tatsächlich benutzt habe. Der Fingerabdruck-Scanner im Einschaltknopf funktioniert nach bisherigen Erkenntnissen schnell und zuverlässig. Gesichtserkennung wäre selbstverständlich schöner gewesen, aber das gibt es in dieser Preisklasse auch sonst nirgends, diesen Kompromiss muss man Microsoft einfach zugestehen.

Erstes Zwischenfazit

Ich mag das kleine Ding. Als Surface-Fan, -Enthusiast oder was auch immer man mich bezeichnen möchte, könnte ich mir gut vorstellen, es zu kaufen. Das Surface Laptop Go hat durchaus Alleinstellungsmerkmale, ein vergleichbar kompaktes Laptop mit einer erstklassigen Tastatur dürfte schwer zu finden sein, dennoch fällt es mir schwer, die Zielgruppe dafür zu finden. Im Bildungsbereich? Ohne massive Rabatte und/oder gleichzeitige Quersubventionen für Office und Co. zu teuer, da gibt es von anderen Windows-OEMs deutlich günstigere Lösungen. Für Consumer? Möglicherweise, wenn es ein möglichst kompaktes Gerät sein soll. Ansonsten ist der Teich, in dem das Surface Laptop Go schwimmt, einfach zu gut gefüllt. Fürs Business? Als ultrakompaktes Mobilgerät für Vielreisende ganz sicher interessant – dummerweise gibt es die derzeit nicht. Mal sehen, ob mir mit zunehmender Nutzungsdauer noch weitere Ideen kommen.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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