Erste Eindrücke von Xbox Series X und S: Du fühlst die neue Generation, bevor du sie siehst

Erste Eindrücke von Xbox Series X und S: Du fühlst die neue Generation, bevor du sie siehst

Am kommenden Dienstag ist es soweit, die Xbox Series X und S gehen an den Start. Wir gehörten zu den Glücklichen, die schon vorher die Gelegenheit hatten, die beiden neuen Konsolen auszuprobieren. „Wir“ sind in diesem Fall mein Teamkollege Daniel Ollesch alias NoDeschPro und ich. Der nachfolgende Beitrag ist also unser gemeinsames Werk, abweichende Eindrücke sind entsprechend namentlich gekennzeichnet. Die gibt es allerdings kaum.

Vielleicht noch eine Sache vorweg: Wir sind keine Gaming-Seite und auch kein Hardware-Testlabor. Womit wir euch also nicht dienen können, sind irgendwelche Farb- und Frame-Messungen mit hochkomplexen Messgeräten. Wir verwenden zum Testen das gleiche Equipment, welches ihr auch zu Hause habt: Die eigenen Augen. Auf die wiederum kam es im bisherigen Testverlauf gar nicht so sehr an. Aber immer schön der Reihe nach.

Das Interesse der Gamer konzentriert sich derzeit klar auf die Xbox Series X, das ist zum Start der neuen Generation völlig normal. Die Fans scharren mit den Hufen und wollen die neue Konsole, selbstverständlich muss es dann auch die mit der besten Leistung sein. Ich persönlich halte die Xbox Series S aufgrund des attraktiven Preispunktes dennoch nach wie vor für den heimlichen Star der neuen Generation, und dieser Eindruck hat sich im Test nur noch verstärkt. Gleichwohl wissen wir, dass das Hauptinteresse derzeit auf der Series X liegt.

Vertikal oder horizontal?

Vor dem Einschalten kommt das Aufstellen. Beide neuen Konsolen, sowohl die Xbox Series X als auch die Series S, können horizontal oder vertikal aufgestellt und betrieben werden, das hat auf die Funktionalität oder die Kühlung keinen Einfluss.

Xbox Series S und X vertikal

Wie ihr die Konsole bei euch platziert, bleibt also eurem persönlichen Geschmack überlassen. Während wir der Meinung sind, dass die Xbox Series S in beiden Ausrichtungen eine gute Figur macht, sieht man der Xbox Series X deutlich an, dass sie für den „Standbetrieb“ gestaltet wurde. Im Liegen sieht sie einfach nur unmöglich aus.

An der Ausrichtung des Xbox Logos auf dem Ein-/Aus-Schalter kann man sehen, was Microsoft als optimal ansieht: Series S horizontal, Series X vertikal.

Xbox Series S und X horizontal

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme und Einrichtung der neuen Konsole erfolgt idealerweise über die Xbox App. Diesem Thema haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet: So simpel ist die Einrichtung einer neuen Xbox-Konsole mit der mobilen App.

Ein Tipp an dieser Stelle: Wenn ihr von der Xbox One auf die Xbox Series S oder X umzieht und eure Spiele im internen Speicher liegen, dann nutzt den Netzwerktransfer, so müsst ihr nicht mit externen Festplatten hantieren. Außerdem geht das recht fix, weil das Netzwerkmodul in der neuen Generation (endlich) richtig schnell ist. dazu aber gleich mehr.

Der verfügbare Speicherplatz beträgt nach Abzug von System, vorinstallierten Apps und dem für Recovery und Quick Resume reservierten Bereich auf der Xbox Series S übrigens 364 und auf der Xbox Series X 802 Gigabyte. Die Xbox One X bietet zum Vergleich 780 GB nutzbaren Speicher, Microsoft hat es also geschafft, das System ein wenig einzudampfen.

Die rückseitigen Anschlüsse sind bei Xbox Series S und X gleich, es gibt Netzwerk, zwei Mal USB, HDMI und den Slot für die Speichererweiterung. Ein nettes Detail sind die Braille-Symbole unterhalb der Anschlüsse, sodass man sich den passenden Anschluss auch ertasten kann.

Xbox Series S von hinten

Den neuen Controller der Xbox Series X und S stellen wir ebenfalls in einem eigenen Beitrag vor, um den Rahmen nicht komplett zu sprengen: Der neue Xbox Wireless Controller überzeugt mit sinnvollen Neuerungen.

Noch mehr Bilder von den Konsolen gibt’s in den Unboxing-Artikeln:

Und ab geht die wilde FahrtXbox Series S und X Dashboard

Die neue Konsolengeneration ist schnell. Richtig schnell. Und das gilt sowohl für die Xbox Series S als auch die Series X. Jeder langjährige PC-Nutzer wird in diesem Punkt kein bisschen überrascht sein. Egal wieviel Geld man in die Aufrüstung seines PCs versenkt hat, kein Upgrade hatte vergleichbar signifikante Auswirkungen als der Wechsel von einer mechanischen Festplatte auf eine SSD. Und so erlebt man das nun auch bei den neuen Xbox-Konsolen.

Beispiel: Ein echter „Kaltstart“ der Xbox Series X dauert rund 20 Sekunden. Für einen Neustart aus dem laufenden Betrieb benötigt die Xbox One S 55 Sekunden, mit 49 Sekunden ist die Series X noch einen Tick schneller (Die Xbox One X benötigt dafür gut zwei Minuten). Dass man bei der Einrichtung der neuen Konsolen weiterhin zwischen den Modi „Energiesparend“ und „Schnelles Hochfahren“ wählen kann, ist beinahe irreführend. Schnelles Hochfahren ist mit den neuen Konsolen nicht zu verhindern.

Der Performance-Schub ist auch deutlich spürbar, wenn man sich im Dashboard oder generell innerhalb der Systemoberfläche bewegt. Die letzten Updates haben da bei der alten Generation schon zahlreiche Verbesserungen gebracht, nun aber ist die Zeit der kurzen Aussetzer und Gedenksekunden endgültig vorbei. Das System von Xbox Series S und X fliegt uns nur so um die Ohren (selbstverständlich kann man es auch verhaltener formulieren und sagen: Es ist endlich so, wie es schon längst hätte sein sollen).

Xbox Series S und X Dashboard

Richtig schnell ist wie oben erwähnt auch das Netzwerkmodul der neuen Konsolengeneration. Als beim Download von Spielen aus dem Store meine 250 Mbit-Leistung praktisch voll ausgelastet wurde, traute ich meinen Augen kaum. Mit 800 Mbit erreichte der Datentransfer zwischen den beiden neuen Konsolen ebenfalls fast die Grenze dessen, was mein Netzwerk hergibt.

Das Dashboard ist, wie ihr den Screenshots entnehmen könnt, praktisch unverändert. Lediglich die animierten Hintergründe, die exklusiv der neuen Generation vorbehalten sind, fallen ins Auge (bislang gibt es hier allerdings auch nur einen verfügbaren Effekt). Das hat den großen Vorteil, dass man sich sofort wieder zurechtfindet, aber auch den Nachteil, dass einem das Gefühl des „Neuen“ dabei ein wenig abgeht. Es war eine bewusste Entscheidung von Microsoft, die wir nachvollziehen können. Man soll sich „zu Hause“ fühlen und das identische Dashboard soll sicher auch so etwas wie ein Sinnbild für die Abwärtskompatibilität sein.

Achso, spielen wollen wir ja auch noch. Wir möchten euch an dieser Stelle nicht mit einer epischen Tabelle von Ladezeiten erschlagen, sondern stattdessen einfach pauschal festhalten: Die Ladezeiten der Spiele wurden radikal eingedampft. Die Effekte sind unterschiedlich groß, aber immer signifikant. Das betrifft nicht nur den Start von Spielen, sondern auch die Ladezeiten in den Spielen wie z.B. beim Starten eines neuen Levels.

Hier mal nur ein paar Beispiele:

Ladezeiten Xbox Series X:
The Touryst: 12 Sekunden bis Levelstart
DIRT 5: etwa 30 Sekunden bis zum Start des Intros
Madden NFL 21: 14 Sekunden bis zum „EA Sports“-Intro
Marvel Avengers: 30 Sekunden bis zum Laden der Kampagne
Watch Dogs Legion: 23 Sekunden für das Laden der Kampagne

Ladezeiten Xbox Series S:
The Touryst: 13 Sekunden bis Levelstart
DIRT 5: etwa 33 Sekunden bis zum Start des Intros
Madden NFL 21: 15 Sekunden bis „EA Sports“-Intro
Watch Dogs Legion: 23 Sekunden für das Laden der Kampagne

Ladezeiten Xbox One X:
The Touryst: 19 Sekunden bis Levelstart
DIRT 5: etwa 44 Sekunden bis zum Start des Intros
Marvel Avengers: 84 Sekunden bis zum Laden der Kampagne
Watch Dogs Legion: 65 Sekunden für das Laden der Kampagne

Und noch ein Beispiel „mitten aus dem Spiel“: Bei Witcher 3 dauert die „Schnellreise“ auf der Xbox One X rund zehn Sekunden, auf der Xbox Series X keine Sekunde.

Ihr seht, die Unterschiede zur alten Generation sind bemerkenswert und die kleine Series S steht der großen Series X hier kaum nach. Das Marketing-Versprechen, Ladezeiten würden eliminiert, war selbstverständlich übertrieben, aber das sollte uns jetzt nicht wirklich überraschen.

Leider ist die Gier nach Performance unersättlich und man gewöhnt sich an die superschnellen Ladezeiten ebenfalls superschnell. An Tag 1 denkt man noch „ist das krass“, am zweiten „cool“ und am dritten „also ein bisschen schneller könnte es schon noch sein.“ So ist er halt, der Mensch.

Müssten wir die neue Xbox-Generation mit vier Worten zusammenfassen, dann wären das diese: „Kürzer warten, länger spielen“.

Dazu trägt noch eine weitere Funktion bei, auf die wir nun eingehen:

Quick ResumeQuick Resume bei Xbox Series S und X

Das Feature „Quick Resume“ der neuen Konsolengeneration verspricht einen schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Spielen und eine schnelle Wiederaufnahme des Spiels an dem Punkt, wo man vorher aufgehört hat. Inwieweit der erste Punkt in der Praxis relevant ist, hängt vom Spielertyp ab. Viele konzentrieren sich meist auf ein einziges Game, dann spielt das keine so große Rolle. Ich persönlich springe dagegen gerne mal hin und her.

Bei Quick Resume werden die Daten teilweise auch auf die interne SSD geschrieben, das bedeutet die schnelle Wiederaufnahme funktioniert sogar nach einem Neustart der Konsole. Soweit die Theorie.

In der Praxis zeigen sich aktuell noch große Unterschiede. Bei Ori and the Blind Forest kann man beispielsweise selbst nach einem Neustart der Konsole einfach direkt weiterspielen. Bei Marvel Avengers funktioniert Quick Resume dagegen nur, solange die Konsole nicht ausgeschaltet wurde, ansonsten startet das Spiel wieder neu. Bei Titeln wie Forza Horizon 4 oder Rocket League, die eine Onlineanbindung benötigen, hat Quick Resume dagegen keinen Effekt.

Microsoft hat kurz vor Ablauf des Embargos noch mitgeteilt, dass „aufgrund eines Plattform-Problems Quick Resume derzeit noch bei einigen Titeln deaktiviert ist“.

Wie sehen die Spiele denn nun aus?

Mutmaßlich kommt nun der Abschnitt, auf den ihr beim Lesen am meisten gespannt seid, vielleicht ist der eine oder andere Leser auch ganz schnell über den Artikel geflogen und direkt hier gelandet.

Es mag daher überraschen, dass wir uns in diesem Punkt vorerst noch recht kurz fassen. Es ist kein Geheimnis, dass es nicht allzu viele Launch-Titel für die neue Generation gibt. Rund 30 Spiele sollen zum Start ein Update erhalten, die meisten dieser Updates stehen derzeit allerdings noch nicht zur Verfügung. Intensiver angeschaut haben wir uns bislang nur die optimierte Version von Forza Horizon 4, und ganz offen gesagt fiel es uns schwer, signifikante Unterschiede zwischen Xbox One X und Xbox Series X zu erkennen.

Ich dachte erst, es liegt an meinen alten Augen, außerdem habe ich bei mir einen ziemlich komplexen Vergleichsaufbau eingerichtet, weil ich ja gleichzeitig mit den neuen Konsolen auch noch ein neues TV-Gerät teste, den Q90T von Samsung. Dadurch habe ich mich ein bisschen selbst verwirrt, denn der grafische Sprung vom alten auf den neuen Fernseher war mit der Xbox One X schon gewaltig groß.

Daniel hat die neuen Konsolen sowie die Xbox One X an seinem Fernseher quer verglichen und sagte mir zwischendurch: „Zum Glück haben meine Controller unterschiedliche Farben, ich wüsste sonst gar nicht, an welcher Konsole ich gerade spiele.“

Im Detail ergeben sich selbstverständlich Unterschiede. In den letzten Wochen habe ich jeden Tag mindestens 1-2 Stunden F1 2019 auf der Xbox One X gespielt und daher haben sich alle Details zu Menüs, Autos, Strecken etc. gut in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich kann daher verlässlich sagen, dass auch die älteren Spiele, die nicht für die Xbox Series X optimiert wurden, auf der neuen Konsole noch einen Tick besser aussehen.

Selbst so „simple“ Spiele wie das Klötzchen-Jump’n Run „The Touryst“ kommen auf der Xbox Series X besser zur Geltung. Alles sieht schöner aus und läuft noch ein bisschen flüssiger.

Trotzdem wollen wir an dieser Stelle zusammenfassend festhalten: Wer sich die Xbox Series X in der Erwartung vorbestellt hat, dass ihn die Grafikpracht rückwärts aus dem Sessel haut, der sollte seine Erwartungen zurücknehmen. Mit der enormen Rechenleistung der Konsole hat Microsoft die Basis gelegt und wir haben keine Zweifel, dass wir in den kommenden Monaten (und Jahren) genügend Spiele sehen werden, die diese neuen Möglichkeiten voll ausreizen.

Noch ein Satz zur Xbox Series S: Die Annahme, dass einige Spiele auf der „kleinen“ neuen Konsole weniger gut aussehen werden als auf der Xbox One X, konnte Daniel anhand von Watch Dogs Legion nachvollziehen. Hier machte die geringere Auflösung von 1440p in der Tat einen sichtbaren Unterschied. Allerdings tun wir uns schwer damit, darin ein Problem zu sehen. Von der Xbox One X zur Series S ist kein „Upgradepfad“, den allzu viele Leute gehen werden. Die Series S ist der Nachfolger der Xbox One S.

Vorläufiges Fazit

Das Killerfeature beider Konsolen der neuen Generation ist die Geschwindigkeit. Weniger warten, mehr spielen lautet das Motto, und was so simpel klingt, ist genau das, was dafür sorgt, dass man mit der neuen Generation von der ersten Sekunde an viel mehr Spaß hat.

Selbstverständlich wäre es schöner gewesen, zum Start einen echten Kracher wie Halo Infinite zu haben, der mit seiner Grafikpracht das Gaumenzäpfchen austrocknen lässt, weil man den Mund nicht mehr zu bekommt. Das sich daraus alternativ ergebende Motto „Der Star ist die Konsole selbst“ können wir allerdings nur doppelt unterstreichen.

Man kann es auch umgekehrt sehen und sagen: Xbox Series X und S sind ein signifikantes Performance-Update für restlos alle Spiele, selbst für die uralten Xbox-Spiele, die aufgrund der Abwärtskompatibilität weiterhin funktionieren, schneller starten und noch ein bisschen hübscher werden. Der Sprung von 30 FPS auf 60 FPS bei vielen älteren Spielen tut sein Übriges.

Zahlreiche neue und aktualisierte Spiele stehen in den Startlöchern, um die neue Generation dann auch grafisch durchstarten zu lassen. Da sehen wir selbstverständlich Microsoft mit seinen zahlreichen Studios besonders in der Bringschuld.

Der Test der neuen Konsolengeneration ist damit selbstverständlich noch nicht zu Ende, wir werden uns in den kommenden Wochen weitere Spiele anschauen und auch noch die Speichererweiterung von Seagate unter die Lupe nehmen.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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