EU-Haushalt: Microsoft fordert neue Behörde und Investitionsfonds für Open Source
Momentan wird der neue EU-Haushalt für den kommenden Zeitraum von 2028 bis 2035 verhandelt, und wenn es nach Microsoft und seiner Tochter GitHub geht, sollen die 27 Mitgliedsstaaten gerade bei der Finanzierung von Open Source-Projekten massiv aufrüsten. Mindestens 350 Millionen Euro an öffentlichen Geldern sollen als Anschubfinanzierung fließen, zusätzlich soll eine neue EU-Behörde oder eine Gruppe von Mitgliedsstaaten, die mit gutem Beispiel vorangehen, gegründet werden.
Microsofts Tochter GitHub verweist in ihrem zugehörigen Blogbeitrag auf die Bedeutung von Open Source für die Weltwirtschaft. In 96 % aller Projekte sind zumindest kleine Elemente von quelloffenem Code vorhanden, die geschätzte 8,8 Milliarden USD pro Jahr zur Entwicklung der Weltwirtschaft beitragen. Microsoft fordert daher, dass sich die EU-Länder auf 5 Kernbereiche konzentrieren: Identifikation von kritischen FOSS-Abhängigkeiten, Stärkung des gesamten Ökosystems sowie Investitionen in Instandhaltung, Sicherheit und weitere Verbesserungen.
Neben der Anschubfinanzierung von 350 Millionen Euro aus dem kommenden EU-Haushalt müssten die Mitgliedsstaaten zudem bereit sein, weitere Mittel aus dem kommenden Haushalt ggf. umzuschichten oder neu zu beantragen. Die Umsetzung würde unterm Strich einer Hochskalierung des deutschen Souvereign Tech Funds auf die europäische Ebene entsprechen. Microsoft kündigt zudem an, sich in der nächsten Zeit mit verschiedenen EU-Vertretern treffen zu wollen, um sich aktiv für einen Investitionsfonds einzusetzen.
Ehrliche Meinung: Die Idee an sich ist grundsätzlich richtig, da Open Source-Projekte in den allermeisten Fällen einem chronischen Ressourcenmangel in struktureller, personeller und/oder finanzieller Hinsicht unteworfen sind. Dass hier in erster Linie aber öffentliche Gelder (aka Steuermittel der EU-Bürger) fließen sollen, ist aber ein falscher Ansatz, denn auch alle (Tech-)Unternehmen profitieren unabhängig von ihrer Größe von solchen Investitionen und sollten sich in gestaffelter Form nach ihrer Leistungsfähigkeit an der Finanzierung beteiligen, wenn sie im EU-Binnenmarkt wirtschaftlich aktiv sind.
Könnte vielleicht eine schöne Alternative oder Ergänzung zur europäischen Digitalsteuer sein, die immer wieder mal hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird, was meint ihr?
DrWindows News per WhatsApp: Abonniere unseren Kanal.- Quelle: OMG! Ubuntu
Thema:
- Microsoft
Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.


