Fahren im Beta-Status: Autonomes Fahrzeug an tödlichem Unfall beteiligt

Fahren im Beta-Status: Autonomes Fahrzeug an tödlichem Unfall beteiligt

Im Prinzip jeder Autohersteller und auch neue Mitstreiter entwickeln am autonomen Fahrzeug. Generell soll durch das selbstfahrende Automobil die Unfallzahl und Unfallschwere reduziert werden. Hierbei ist der Vorteil, dass die durchaus „langsame“ menschliche Reaktionszeit durch den schnelleren Computer ersetzt wird. Doch autonom ist nicht gleich autonom. Oftmals gerät die Berichterstattung etwas durcheinander mit den Begriffen. Darum zunächst eine kurze Definition.

Definitionen des „autonomen Fahrens“

Der Verband der Automobilingenieure – Society of Automotive Engineers oder kurz: SAE International – hat verschiedene Stufen definiert. Nach den SAE-Leveln werden sechs verschiedene Automatisierungsgrade unterschieden. Stufe 0 bedeutet keinerlei Fahrerassistenz, Stufe 1 steht für Systeme wie Abstandswarner („Parkpiepser“) oder einen Einparkassistenten, bei dem der Fahrer selbst Gas und Bremse bedient und das Auto lenkt. Teilweise automatisiert ist Stufe 2, womit beispielsweise ein vom System ausgeführtes Abbremsen bis zum Stillstand gemeint ist. Hierbei muss der Fahrer im Auto sein und aktiv auf die Umwelt achten. Er ist verantwortlich im Schadensfall. Momentan sind die meisten PKWs mit Assistenzsystemen der Stufe 1 oder 2 ausgestattet. Im Folgenden eine kurze Auflistung:

Es werden sechs verschiedene Grade an Automatisierung unterschieden.

Schon als aufpreispflichtige Sonderausstattung in der Hinterhand, aber in Deutschland noch nicht zugelassen, befinden sich Systeme auf Level 3-Niveau. Hierzu zählt beispielsweise ein Staupilot im neuen Audi A8. Dieser lässt sich nur auf Autobahnen aktivieren, die durch GPS-Ortung erkannt werden. Der teilautonome Assistent soll für Geschwindigkeiten bis 60 km/h funktionieren und im Stau sowie in Engstellen das Fahren komplett übernehmen. Wenn der Fahrer die Autobahn verlässt, wird ihm die Kontrolle wieder übertragen. Ebenfalls muss der Mensch einbezogen werden, wenn das redundant ausgelegte System nicht mehr weiter weiß. Im Audi sind alle Sensoren und Kameras für den Staupiloten doppelt vorhanden, um auch bei einem möglichen Ausfall einer Einheit die konditionierte Automation weiterhin offerieren zu können.

Noch Zukunftsmusik sind Fahrzeuge mit Level 4 oder 5. Hierbei spielt der Mensch quasi keine Rolle mehr. Er kann nicht mehr aktiv eingreifen. Bei Level 4 ist die Ausfallsicherung das System selbst, das daher doppelt vorhanden sein muss. Der autonome Fahrmodus steht jedoch nur in bestimmten Situationen, beispielsweise einer abgesperrten Strecke, zur Verfügung. Im Falle von Level 5 ist es so, dass das Auto in allen Fahrsituationen selbständig fahren kann. Diese hoch- oder vollautomatisierten (die Bundesregierung spricht im Falle von Level 5 vom autonomen, „fahrerlosen“ Fahren) Fahrsysteme werden derzeit von verschiedenen Herstellern getestet. Beispielsweise will GM ab nächstem Jahr ein Auto komplett ohne Lenkrad anbieten (siehe hier). Mit dabei ist in den USA auch der Mitfahrdienst Uber. Das Unternehmen verwendet umgebaute Ford und Volvo-Modelle.

Hoch-/Vollautonomes Fahren – Eine Frage der Verantwortung

Nun hat sich in Tempe/Arizona auf einer öffentlichen Straße ein Unfall mit einem hochautomatisierten Volvo ereignet. Das Auto hat eine Fußgängerin angefahren, diese starb wenig später im Krankenhaus an den Verletzungen. Der im Testfahrzeug sitzende Fahrer, der eigentlich beim Systemausfall eingreifen sollte, griff offenbar nicht ein. Genaue Erkenntnisse zum Unfallhergang sind noch unklar, nach ersten Ermittlungen geht die Polizei allerdings davon aus, dass der Unfall nur schwer zu verhindern gewesen sei, egal ob von einem System oder einem menschlichen Fahrer. Die Frau war aus dem Schatten heraus unvermittelt auf die Fahrbahn getreten.

Unabhängig von der Schuldfrage heizt der Fall die Diskussionen ums autonome Fahren natürlich an, Kritiker und Befürworter liefern sich Wortgefechte. Grund genug, die Diskussion auch hier in der Community anzuregen. Martin, der eigentlich einen Kommentar-Artikel schreiben wollte und dem ich hier zuvor gekommen bin, darf anfangen – und ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen.

Weitere Informationsquellen zum Thema findet ihr hier:

Bundesregierung: Automatisiertes Fahren.
Donath, Andreas: Autonomes Auto verletzt Fußgängerin tödlich.
Greis, Friedhelm: Neuer Audi A8 vorgestellt. Staupilot steckt noch im Zulassungsstau. 
SAE: Automated Driving.
Wilkens, Andreas: Fußgängerin stirbt nach Unfall. Uber stoppt seine autonomen Autos.

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Über den Autor
Claus Ludewig
Ich bin mit Windows 98 aufgewachsen und habe seitdem jede Windows- und Office-Version genutzt. Zum Entspannen dient die Xbox. Neben der engen Verbundenheit zu Microsoft-Produkten, schaue ich auch gerne mal über den Tellerrand hinaus in die weite Welt. Ich interessiere mich für alles, was vier Räder hat. In diesem Sinne nehme ich Euch gerne zu einer Spritztour mit.
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