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Firmenkunden wechseln zu iOS: Schreckensmeldung oder Business as usual?

Firmenkunden wechseln zu iOS: Schreckensmeldung oder Business as usual?

Am Wochenende machten gleich zwei Meldungen die Runde, in denen zu lesen war, dass Microsoft wichtige Kunden an Apple verliert. Die Eine davon kommt mehr oder weniger erwartungsgemäß, die andere ist allerdings schlicht falsch – zumindest, was die Kernaussage betrifft.

Beginnen wir mit Delta Airlines: Die Fluggesellschaft war vor ein paar Jahren in der Tat ein Vorzeigekunde für Microsoft: Im Jahr 2013 wurde die Beschaffung von insgesamt 19.000 Lumias (überwiegend Lumia 1520) eingeleitet, ein Jahr später wurden noch 11.000 Surface 2 mit Windows RT bestellt. Die Geräte kamen sowohl im Cockpit als auch bei den Flugbegleitern zum Einsatz, zum Beispiel beim Verkauf von Waren an die Passagiere.

Was Stand der Dinge ist, wissen wir: Die eine Plattform ist tot, die andere so gut wie. Dass Delta Airlines nun auf iOS umsteigt und die vorhandenen Geräte durch iPhones und iPads ersetzt, wie aus einer geleakten internen Mail hervor geht, kann man also ganz entspannt mit der Frage “Was sollen sie auch sonst tun?” beantworten. Alle Unternehmen, die aktuell noch Windows Smartphones einsetzen, werden diese in absehbarer Zeit ablösen – weil sie keine andere Wahl haben. Während im Consumer-Bereich die meisten Umsteiger bei Android landen, wird bei den Business-Kunden iOS zum Standard. Davon kann – inklusive Microsoft-  niemand so wirklich überrascht sein.

Auch die Firma General Electrics wechselt zu iOS. Die Schlagzeile, dass die 330.000 Angestellten von Windows auf Mac OS migriert werden, ist allerdings schlicht falsch (schon alleine deshalb, weil bei Weitem nicht alle Angestellten einen PC haben). Apple hat lediglich vor ein paar Tagen angekündigt, dass iOS zur Standard-Plattform für mobile Geräte bei General Electrics wird, und dass einige spezielle Industrie-Apps entwickelt werden, die auf diesen Geräten laufen. Zwar steht in der Pressemeldung, General Electrics werde seinen Mitarbeitern die Nutzung eines Mac ans Herz legen, das dürfte aber einfach nur Teil des Deals sein: Ihr macht ein bisschen Werbung, wir machen es ein bisschen billiger. Davon, dass Windows als Desktop-System abgelöst wird, ist nicht die Rede.

Und um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: Für den Moment ist es in der Tat “Business as usual”. Microsoft hat keine mobile Plattform mehr, also wandern die wenigen verbliebenen Kunden ab – vornehmlich zu Apple, weil es für Android keinen Partner von vergleichbarer Qualität gibt. In der Zukunft kann daraus allerdings in der Tat eine “Schreckensmeldung” für Microsoft werden. Mit dem eigenen Rückzug hat man Apple ein gigantisches Geschenk gemacht, welches man in Cupertino gerne annimmt. Man muss die Kunden gar nicht erst anwerben, die kommen von ganz alleine angelaufen. Ich bin mir ehrlich gesagt gar nicht sicher, wie man das in Redmond sieht. Wird man unruhig, oder sieht man es tatsächlich entspannt und denkt “so lange wir genug Office 365 Abos und andere Cloud-Dienste verkaufen, ist alles im grünen Bereich”? Das halte ich in der Tat für möglich, denn was das angeht, sind die Kunden bei Apple aus Sicht von Microsoft schon fast “gut aufgehoben” – Apple hat in dem Punkt nämlich nichts Vergleichbares zu bieten.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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