Flutter: Google bittet Microsoft um Unterstützung für Windows 10 und weitere Plattformen

Flutter: Google bittet Microsoft um Unterstützung für Windows 10 und weitere Plattformen

Während Google für die Microsoft-Community in vielen Fällen immer noch ein rotes Tuch ist und sie in der Regel alles dafür tun, um den Kontakt mit dem Unternehmen aus Mountain View so gut es geht zu vermeiden, arbeiten die beiden Technologiekonzerne hinter den Kulissen immer enger zusammen. Sichtbar wird das vor allem bei Chromium, wo Edge und Chrome gleichermaßen von verschiedenen Verbesserungen wie der Anbindung an die Windows Spellcheck API profitieren, aber auch sonst arbeiten beide Unternehmen oft eng zusammen. Nun geht Google einen großen Schritt und bittet Microsoft offiziell um Unterstützung bei Flutter.

Flutter selbst ist ein OpenSource-Framework zum Entwickeln plattformübergreifender Apps, welches unter der BSD-Lizenz steht und die Programmiersprache Dart verwendet. Das Prinzip gleicht dem, was Facebook mit React Native oder Microsoft mit Xamarin und Blazor innerhalb des .NET-Frameworks verfolgen. Die Anwendungen werden also in einer spezifischen Sprache entwickelt und dann über einen Cross-Compiler in den nativen Code der jeweiligen Plattform umgewandelt. Google hatte mit Flutter zunächst iOS und Android ins Visier genommen und später auf das eigene Fuchsia sowie Webanwendungen ausgeweitet. Nun soll die Unterstützung für Win32- und UWP-Anwendungen ebenso folgen wie der Support für Windows 10X und die Xbox.

Google hat bereits informell mit mehreren Unterstützern gesprochen, um die beste Lösung für Windows und angeschlossene Plattformen zu finden, aber Tim Sneath, einer der PMs für Flutter bei Google, hebt Microsoft als Unternehmen ganz besonders hervor.

„Wir haben informell mit verschiedenen Mitwirkenden zusammengearbeitet, um verschiedene Lösungen hier zu erkunden, und würden gerne eine enge Zusammenarbeit mit Microsoft unterstützen, um eine qualitativ hochwertige Lösung zu vervollständigen. Mit der Surface-Produktfamilie, die um Android und Windows erweitert wurde, denken wir, dass Flutter Microsoft eine überzeugende Plattform bietet, um schöne native Erlebnisse zu erstellen, die ihr gesamtes Portfolio umfassen.“

Es sind schon interessante Zeiten, was sich aktuell nicht nur bei der Windows-Entwicklung, sondern generell rund um Microsoft tut. Im November läutet .NET 5 eine neue Ära bei Microsofts Kern-Framework ein, daneben adaptiert Microsoft im Zeichen der speicher-sicheren Sprachen auch die von Mozilla entwickelte Programmiersprache Rust und treibt mit Project Verona ein eigenes Projekt voran, und im Bereich der Websprachen werden TypeScript und die Unterstützung weiterer JavaScript-Frameworks weiter ausgebaut.

Auch wenn die Microsoft-Community das im ersten Moment nicht gern hören wird: Wenn Microsoft zugreift und die Entwicklung von Flutter und Dart in Zukunft aktiv unterstützt, wäre das für Windows und andere Plattformen im Grunde ein Segen. Flutter selbst ist für seine hohe Qualität bekannt und das wäre am Ende auch eine Chance, neben den Möglichkeiten von .NET und C# sowie der JavaScript-Entwicklung über React Native eine dritte Säule zu etablieren, die nicht nur Sachen wie eine sehr gute Performance bietet, sondern auch ein guter Ersatz für ungeliebte Entwicklungen wie das Electron-Framework werden kann.

Wer Flutter einmal in Aktion sehen will, hat bereits am 25. Juni die nächste Gelegenheit dazu, wenn Google zu einem 24-stündigen Flutter Day einlädt. Nähere Informationen findet ihr hier. Wer Flutter dann auch noch aktiv als Entwickler ausprobieren möchte, geht am Besten den Weg über Visual Studio Code oder Googles eigene Entwicklungsumgebung Android Studio, wo jeweils offizielle Erweiterungen für Dart und Flutter zur Verfügung stehen.

Quelle: Thurrott.com via: Flutter Blog

Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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Kommentare

  1. Was für eine Absicht verfolgt Google dabei? Geht es dabei nur um Win32 Programme, um diese auf ChromeOS zum laufen zu bringen?
    @skalar
    Nein, es geht darum, dass es ein Framework gibt, womit man nach der Entwicklung über einen Cross-Compiler nativen Code für alle unterstützten Plattformen bekommt. Die Entwicklung erfolgt erstmal in der Programmiersprache Dart, aber am Ende spuckt der Compiler dann je nach Plattform eben Swift, Kotlin, JavaScript oder eben C# aus, wenn der Plan von Google aufgeht und Microsoft sie unterstützt.
    Man muss nicht immer hinter allem einen Hintergedanken vermuten. Solche Kooperationen sind im Technologieumfeld ganz normal, auch wenn sie der Endnutzer in der Regel nicht zu Gesicht bekommt oder in seiner Blase/Echokammer hockt. Abgesehen davon ist Flutter bei der hybriden Entwicklung ohnehin so ziemlich das Beste, was du aktuell auf dem Markt bekommen kannst.
    Ich finde es super wenn die ganzen Tech Giganten enger zusammen arbeiten.
    Wir Nutzer können davon sicher viel mehr profitieren als von den üblichen Grabenkämpfen.
    @Kevin Kozuszek:
    "Keinen Hintergedanken" hatte sicherlich Google auch gehabt, als umgekehrt MS zu WindowsPhone-Zeiten Unterstützung haben wollte. Hinter alle dem Steckt immer ein Zweck, unabhängig wer wo hockt...
    @skalar
    Ja, mit dem Unterschied, dass Windows Phone von den Nutzerzahlen her damals schon ein irrelevanter Fliegensch*ss war und vor allem ein konkretes Produkt, gegen das Google seine Marktmacht eingesetzt. Fand ich auch nicht gut, aber hier reden wir nicht über ein Produkt. Hier geht es darum, dass die großen Technologiekonzerne entweder in Stiftungen, Kooperationen oder ganz direkt zusammenarbeiten, um den technischen Fortschritt weiterzuentwickeln.
    Abgesehen davon... wenn du wüsstest, wo die beiden schon überall aufeinander hocken, dann würdest du dich wundern. Beispiele? Bitte:
    - Die Zusammenarbeit bei Chromium hatte ich ja schon erwähnt, hinter Google ist Microsoft da so ziemlich der zweitgrößte Entwickler, der da Code beisteuert.
    - Google sitzt mit in der ersten Reihe, wenn es um die Arbeit in der .NET Foundation geht. Heißt auf Deutsch: Was Google ohnehin schon bei .NET macht, soll Microsoft bei Flutter zurückgeben.
    - Es gibt eine Zusammenarbeit bei zahlreichen Cloud-Projekten, die von Google mal angestoßen und von Microsoft dann maßgeblich weiterentwickelt wurden. Das betrifft zum Beispiel die Programmiersprache Go und das Orchestrierungswerkzeug Kubernetes.
    - Microsoft sitzt in der ersten Reihe, wenn es - auch wegen dem Surface Duo - um die Verbesserungen für Dual Screens und Foldables geht, sowohl bei Android als auch bei Android Studio.
    - Microsofts Sprache TypeScript ist mittlerweile die Standardsprache für Googles JavaScript-Framework Angular.
    - Google setzt bewusst in einigen Punkten auf Tools von Microsoft, darunter GitHub und Visual Studio Code.
    - Die Zusammenarbeit in Organisationen wie der Eclipse Foundation oder der Linux Foundation kommt noch obendrauf.
    Das sind nur ein paar Beispiele, und auch nur welche für Microsoft und Google. Du kannst andere wie IBM, Facebook, Intel, Amazon und Co. da genauso in den Ring schmeißen. Es gibt immer noch eine Konkurrenz bei konkreten Produkten, dafür aber immer weniger bei den Standards und den Basistechnologien. Von sowas reden wir hier.
    @Walhallas.Voice:
    Keine Grabenkämpfe, sondern wirtschaftliche Interessen der Unternehmen!
    @Kevin Kozuszek:
    Dem allem muss immer ein Produkt folgen, welches gewinnbringend "verkauft" werden muss. Das man an Basics zusammenarbeitet, zeigt nur, dass ein Unternehmen nicht mehr alleine bestehen kann. Hierbei geht es bestimmt nicht um ein nettes beisammen sein...
    skalar
    Das man an Basics zusammenarbeitet, zeigt nur, dass ein Unternehmen nicht mehr alleine bestehen kann. Hierbei geht es bestimmt nicht um ein nettes beisammen sein...

    Die Leute sollen sich auch nicht zum Kaffeekränzchen treffen, sondern an gemeinsamen Technologien und Standards arbeiten. Mal abgesehen davon, dass nach deiner Logik mittlerweile die weltweise IT-Industrie zusammengebrochen wäre und wir uns alle in der Steinzeit wiedersehen.... jaja...
    Sei mir nicht böse, skalar, aber an dir merkt man mal wieder, wenn jemand nicht den blassesten Schimmer hat, wie richtige OpenSource-Entwicklung überhaupt funktioniert. Du vergleichst hier nicht nur Äpfel mit Birnen, sondern sieht auch in etwas ein Unheil, was in Wirklichkeit bei der FOSS-Entwicklung und der Entwicklung von Standards seit mindestens 10 bis sicherlich über 15 Jahren schlicht und ergreifend normal ist. Davon, dass Unternehmen wie Microsoft oder Google mit Sicherheit Lichtjahre davon entfernt sind, Konkurs anmelden zu müssen, reden wir mal lieber nicht.
    Ich sehe es dir nach, dass du das nur aus der Blase bzw. der Perspektive eines One-and-only-Microsoft siehst, aber du kannst mir das, was ich sage, auch einfach mal so glauben. Ich verfolge den Kram jetzt auch schon sehr lange und sehe, wie die unterschiedlichen Akteure in der Industrie an unterschiedlichsten Sachen zusammenarbeiten und, ja, dabei trotzdem zum Teil Milliardenumsätze scheffeln, selbst mit freier Software und obwohl es eine identische Basis gibt. Ich weiß, wovon ich rede. Insofern braucht man keine Angst haben, dass Microsoft deswegen in zwei oder drei Jahren nicht mehr da ist oder seine Leute nicht mehr bezahlen kann.
    Das ist nunmal die Welt, in der sich Anwendungsentwicklung abspielt, und das ist offen gesagt auch gut so. Bedeutet nicht, dass es keine Mängel oder Raum für Verbesserungen gibt, aber es schließt glücklicherweise auch nicht aus, dass freie, quelloffene und proprietäre Software nebeneinander existieren können.
    @Kevin Kozuszek:
    Du überinterpretierst jetzt einiges und möchtest aus der Ferne das von mir gesagte bewerten, inkl. mich selbst. Zunächst bin ich nicht in einer MS Blase nur unterwegs, deine erste falsche Bewertung, sondern auch darüber hinaus (schon bemerkenswert so eine Aussage zu treffen, hallo, wir kennen uns nicht). Zweitens, sagst du, dass ich überhaupt keine Ahnung zu OpenSource hätte, stimmt auch nicht! Drittens, ich soll Angst um MS haben. Ich hab lediglich nur ein Interesse daran.
    Es gibt sicherlich zahlreiche Idealisten im OpenSorce Bereich, jedoch bewerte ich die Dinge immer so, was unterm Strich heraus kommt. MS hat seine "Liebe" zu OpenSorce nicht dadurch entdeckt, weil es vollkommen uneigennützig ist, sondern, weil hinter dem idealistischen Schein ein wirtschaftliches Interesse steckt! Das selbe gilt für Google!
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