FOSDEM 2020: So geht es mit Thunderbird weiter

FOSDEM 2020: So geht es mit Thunderbird weiter

Am Wochenende fand an der Freien Universität Brüssel mit der FOSDEM 2020 eine der größten Konferenzen für freie und quelloffene Software statt, zu der auch das Team von Mozilla Thunderbird angereist war. Ryan Sipes, der Community-Manager und einer der führenden Köpfe hinter dem Projekt, gab in einem Vortrag nun einen Ausblick darauf, wie es mit Thunderbird weitergehen wird und was für die nähere Zukunft zu erwarten ist. Bereits bekannt war, dass das Projekt mit der MZLA Technologies Corporation in ein eigenes Tochterunternehmen ausgegliedert wurde, was nicht zuletzt auch organisatorische Gründe hatte. Der eigentliche Hauptgrund war laut Sipes aber die US-Steuerbehörde IRS, die aufgrund vieler Ausgaben und Tätigkeiten die Gemeinnützigkeit von Thunderbird hätte aberkennen können.

Interessant waren auch Zahlen, die Ryan Sipes im Laufe des Vortrags genannt hat. So wurden 2018 insgesamt 1,5 Millionen USD durch Spenden eingenommen, wodurch insgesamt 10 Vollzeit-Entwickler von dem Projekt bezahlt werden. In diesem Jahr sollen noch 5 bis 7 weitere Entwickler hinzukommen. Etwas erstaunt hat mich persönlich die Zahl von 10 Millionen aktiven Nutzern, zu denen laut Sipes viele weitere Nutzer zählen, die nicht weniger aktiv sind, sich aber schlecht messen lassen. Diese Marke hält Thunderbird mindestens seit Dezember 2015, wobei die Entwickler auch damals schon von bis zu 25 Millionen Nutzern ausgegangen sind. Bestenfalls stagnieren die Nutzerzahlen also, wobei man nicht genau sagen kann, ob die Gesamtzahl bei dem Puffer von 15 Millionen Nutzern nicht doch zurückgegangen sind.

Sehr selbstkritisch ging Sipes mit den deutlichen Schwächen um, die Thunderbird mit sich rumträgt und die das Resultat der seit Jahren weitgehend stagnierenden Weiterentwicklung sind. Um die Mängel abzufedern, sind für die kommenden Monate deutliche Verbesserungen an einigen Archillesfersen des Mail-Clients geplant. So gibt es ein neues Adressbuch und die PGP-Verschlüsselung soll von Enigmail direkt in das eigentliche Projekt wandern. Auch der Kalender Lightning soll fester Bestandteil von Thunderbird werden und nicht mehr als Addon mitgeliefert werden. Neben größeren Verbesserungen an der Benutzeroberfläche soll auch der Chat ausgebaut werden, indem die OTR-Unterstützung erweitert und Support für das Matrix-Protokoll implementiert wird.

Langfristig sind zudem Funktionen geplant, um stärker mit kommerziellen Konkurrenten mithalten zu können. Zu diesem Ideen gehören neben einer Reiseverwaltung, für die Itinerary von KDE als Vorbild dienen könnte, auch eine intelligentere Bearbeitung von Mails. Was das Team sonst noch geplant hat – darunter auch den Umstieg auf die neuen MailExtensions-, könnt ihr in der offiziellen Roadmap nachlesen.

Quelle: Golem.de

Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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