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Foto oder KI-Fake? Kannst du es unterscheiden?

Foto oder KI-Fake? Kannst du es unterscheiden?

Mit moderner KI sind Dinge möglich, die noch bis vor Kurzem unvorstellbar waren, dieser Satz passt universell auf jede Sparte der Datenverarbeitung. Es gibt auch so gut wie keinen Lebensbereich, der sich durch KI nicht verändern wird – teils mehr, teils weniger radikal.

Für Bilder und Videos, die wir im Internet sehen, gilt im Grunde schon jetzt ein einfacher Grundsatz: So lange die Echtheit nicht verifiziert wurde, ist von einer Fälschung auszugehen.

Vielleicht ist der eine oder andere Leser bereits über die Webseite https://thispersondoesnotexist.com/ gestolpert. Diese zeigt bei jedem Aufruf bzw. Reload ein Gesicht an, welches es garantiert nicht gibt. Aus einer Datenbank von Millionen Fotos generiert eine KI neue „Menschen“. In manchen Fällen fällt das auf den ersten Blick auf (vielleicht aber auch nur deshalb, weil man sicher weiß, dass es sich um Fake-Bilder handelt), in der Mehrzahl der Fälle aber sind die Ergebnisse geradezu erschreckend gut.

Mitarbeiter der Universität Washington haben daraus nun ein Spiel mit dem Titel „Which face is real?“ gemacht. Sie zeigen auf einer Webseite eines der künstlich erzeugten Bilder und daneben ein garantiert echtes Foto eines Menschen. Auf dem Artikelbild könnt ihr gleich anfangen zu üben: Welches Bild ist echt, das linke oder das rechte? Ich habe bewusst ein leichtes Beispiel gewählt.

Ich habe mich mal durchgeklickt und war überrascht, dass ich in 90 Prozent der Fälle richtig lag. Und das sogar, obwohl sich nicht alle Fake-Bilder beim genauen Hinsehen durch technische Fehler zu erkennen geben. Einige Male habe ich die Bilder einfach nur angestarrt und hatte irgendwann ein Gefühl, von welchem mich ein echter Mensch anschaut.

Das hat mir dann wieder ein wenig Hoffnung gemacht, bis mir bewusst wurde, dass diese Technologie erst am Anfang steht. Schon in wenigen Jahren wird es unmöglich sein, den Unterschied zu erkennen. In einem zweiten Durchlauf habe ich mich dann außerdem noch gezwungen, binnen drei Sekunden eine Entscheidung zu treffen – und schon war es purer Zufall, ob ich richtig lag oder nicht.

Ich hatte das Thema schon einmal in einem Kommentar mit dem Titel KI-Marketing: Lasst bitte die Ethik aus dem Spiel aufgegriffen, in dem ich mich wohl etwas unglücklich ausgedrückt hatte. Einige Leser glaubten, ich wolle damit ethische und moralische Bedenken beiseite wischen, es war aber eher resignierend gemeint. Der Zug ist bereits abgefahren.

Wenn Microsoft über KI und Ethik spricht, dann fällt oft die Formulierung „wir sollten nicht diskutieren, was ein Computer tun kann, sondern darüber, was er tun sollte“. Aber wer zieht wo die Grenze? Wenn man mich fragt, ist sie bei dem hier beschriebenen Thema schon überschritten. So etwas sollte es nicht geben, ich wüsste keinen sinnstiftenden Grund.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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