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Freitagsgedanken: Surface lebt!

Freitagsgedanken: Surface lebt!

In dieser Woche hat Microsoft neue Surface Hardware vorgestellt. Es war nicht nur rein quantitativ die bisher umfangreichste Surface-Präsentation, die neuen Produkte markieren auch endlich wieder Fortschritt und brachten neu Ideen auf den Tisch. Die Marke Surface hat das dringend benötigte Lebenszeichen gesendet.

Im Frühjahr hatte ich mich in meinem Kommentar „In Sorge um die Marke Surface“ kritisch darüber geäußert, dass die vorhandenen Produkte mit dem geringstmöglichen Aufwand gepflegt werden, während gänzlich neue Ideen wie das Surface Neo oder das modulare Konzept des Surface Hub 2X gestrichen wurden. Ich schrieb seinerzeit, man könnte fast meinen, der Abteilung wurden die Entwicklungsbudgets gestrichen und sie muss mit dem Vorhandenen nun irgendwie weiterarbeiten.

Microsoft hat auf dem Surface-Event in dieser Woche das Rad nicht neu erfunden, zu großen Teilen haben wir erneut Produktpflege gesehen. Selbst das einzig wirklich neue Produkt im Lineup, das Surface Laptop Studio, ist nicht wirklich neu. Verschiedene Hersteller, unter anderem Acer mit der Marke „ConceptD„, haben schon vergleichbare Geräte vorgestellt. Hier im Bild sehen wir das ConceptD 7 Ezel, darunter dann das Surface Laptop Studio. Acer ConceptD 7 Ezel

Surface Laptop Studio

Will man das vorgestellte neue Lineup kleinreden, dann ist das grundsätzlich gar nicht mal so schwer. Thunderbolt für das Surface Pro 8? Schön und gut, aber auch lange überfällig. NFC, 5G, ein schneller Prozessor und eine bessere Kamera für das Duo 2? Nicht mehr als das, was unbedingt getan werden musste, um sich nicht zu blamieren.

Alles richtig, aber es trifft nicht den Punkt, den ich hier ansprechen möchte. Das Event in dieser Woche hat gezeigt: Surface ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Das Surface Pro 8 wurde rundum modernisiert, ohne seine DNA aufzugeben, und wenn das taktile Feedback des neuen Surface Slim Pen 2 sein Versprechen einlöst, dann wird beim Thema Stifteingabe eine neue Evolutionsstufe gezündet, an der sich andere Hersteller erst mal wieder messen lassen müssen.

Das Surface Go 3 behält seinen günstigen Preispunkt, bietet nun aber auch eine Option für jene Kunden, die mehr Leistung wollen. Zugegeben, ich hätte mir etwas mehr Modernisierung gewünscht und ich teile die Ansicht vieler Beobachter, dass es für eine ARM-Version prädestiniert wäre, weil die nach wie vor vorhandenen Einschränkungen hinsichtlich der Software-Kompatibilität praktisch nicht zum Tragen kommen. Was man mit diesem Gerät macht, kann Windows on ARM. Allerdings ist der Snapdragon 8c zu teuer und der 7c Gen2 mutmaßlich noch langsamer als der Pentium Gold. Ich erwarte den nächsten Entwicklungsschritt bei Windows on ARM erst gegen Ende 2022, insofern hat Microsoft beim Surface Go 3 das gemacht, was derzeit möglich ist.

Beim Surface Duo 2 hat Microsoft praktisch alle Kritikpunkte am Vorgänger aufgegriffen. Ich will mit Vorschusslorbeeren vorsichtig sein, aber aufgrund der Tatsache, dass Android 11 von Haus aus zahlreiche Optimierungen für Dual Screen Geräte enthält, weil Google selbst an diese Geräteklasse glaubt, gehe ich einfach mal davon aus, dass viele kleine Ärgernisse bei der Benutzung nun nicht mehr auftreten werden.

Das Duo 2 bleibt ein Nischengerät, das ist es per Definition, auch eine dritte, vierte und fünfte Generation wird daran nichts ändern. Wer darauf lauert, es einen Flop zu nennen, wird garantiert Glück haben, denn in diesem riesigen Markt müsste Microsoft einen Jahresabsatz im zweistelligen Millionenbereich erreichen, um in den Statistiken nicht im allgemeinen Rauschen unterzugehen.

Wichtig ist daher einzig und allein die Feststellung: Dem im Frühjahr ausgesprochenen Bekenntnis zum Surface Duo hat Microsoft Taten folgen lassen. Schade, dass der Preis nicht wenigstens ein kleines bisschen gesenkt wurde.

Stichwort Nische: Eine solche bedient auch das Surface Laptop Studio. Ich hatte lange Zeit ein Surface Book, obwohl ich seine wichtigste Funktion – das Abnehmen des Bildschirms – nie genutzt habe, weil es mir letztlich immer zu umständlich war. Beim Laptop Studio geht dieser Wechsel deutlich einfacher, dafür hat es den Nachteil, das man immer das volle Gewicht des Geräts tragen muss. Ich verstehe daher die Stimmen, die das Laptop Studio im Vergleich zum Surface Book eher als Rückschritt sehen, aber letztlich gab es keine Alternative, das Book musste einfach zu viele Kompromisse machen, was beispielsweise die CPU-Leistung angeht.

Ob man es kauft oder nicht – für das Prestige der Marke Surface ist das Laptop Studio eine wohltuende Auffrischung – wie es auch das Surface Pro 8 und das Surface Duo 2 sind.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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