Gadgetcheck: Logitech Slim Folio Pro – Wird das iPad zum Laptop?

Gadgetcheck: Logitech Slim Folio Pro - Wird das iPad zum Laptop?

Nach ein paar Wochen der Abstinenz gibt es wieder mal einen Gadgetcheck von mir. Logitech ist sicherlich jedem von euch bekannt. Schon an meinem ersten PC im Jahre 1998 habe ich mit Eingabegeräten von Logitech gearbeitet und sie haben mich nie im Stich gelassen. Doch schon lange ist Logitech kein reiner Anbieter von PC-Eingabegeräten mehr und stellt schon seit einigen Jahren Zubehör für Apples iPads her. So auch das Slim Folio Pro für das iPad Pro 11″ der ersten und zweiten Generation. Das Slim Folio Pro ist eine Schutzhülle für besagtes iPad mit einer eingebauten Tastatur.

Eine dieser Hüllen hat mir Logitech freundlicherweise für einen Test zur Verfügung gestellt. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Test möchte ich euch hiermit gerne preisgeben.

Das Slim Folio Pro hat den Anspruch, die beste Hülle für professionelles Arbeiten mit dem iPad zu sein, sie bietet auf der einen Seite Schutz und auf der anderen Seite eine ganze Menge Produktivitätsfunktionen rund um das iPad Pro. Im Gegensatz zu den Folios von Apple wird vor allem der Schutz hier deutlich ernster genommen. Trägt das Smart Folio von Apple lediglich eine gummierte Matte auf der Rückseite und einen klappbaren Schutz auf das Display des iPads auf, so will Logitechs Interpretation auch die Kanten des Gerätes schützen, die in Gummielementen eingeklickt werden.

Die beleuchtete Tastatur verbindet sich per Bluetooth LE mit dem iPad und bildet ein vollständiges, deutsches Tastaturlayout ab. Funktionstasten sind ebenfalls vorhanden und können einige Funktionen des iPads direkt ansteuern. Das Case ist 195 x 253 x 22,6 mm groß und bringt stattliche 552 g auf die Wage. Damit ist es wahrhaftig nicht klein und vor allem auch kein Leichtgewicht, aber wie sagt man so schön im Rettungsdienst: „Eigenschutz geht vor“. In der Breite trägt das Slim Folio ca. 15 und in der Höhe ca. 5 mm zur Originalgröße des iPads auf. Die Dicke des iPads vervierfacht sich hingegen nahezu, denn das iPad selbst ist gerade einmal 5,9 mm dick. Das Gewicht wird dabei sogar mehr als verdoppelt, so wiegt ein aktuelles iPad Pro 11″ doch gerade einmal 473 g.

Doch an dieser Stelle erst einmal genug der technischen Eckdaten. Schauen wir einmal, was sich in der Verpackung befindet und wie sich das Slim Folio im Alltag schlägt.

Das Unboxing

Logitech Slim Folio Pro
In der Verpackung befindet sich außer dem Case lediglich noch eine Kurzanleitung und eine Blättchen mit Garantie-Informationen.

Als erstes fällt auf, dass das Cover wirklich mächtig ist. Hält man es im leeren Zustand neben das iPad, stellt es meiner Meinung nach der Name „Slim“ sehr in Frage.
Logitech Slim Folio Pro

Der Einbau des iPads könnte einfacher nicht sein. Zuerst wird das Tablet unten in die Gummilippe eingeschoben und dann werden die oberen beiden Ecken darauf geklappt. Vorteil hier: Es werden nicht nur die Ecken, sondern auch die wenigen Knöpfe des iPad hinreichend geschützt und deren Funktion als kleine Piktogramme („+“, „-“ und „O“) auf der Hülle gekennzeichnet, die weiterhin bedient werden können.

Das Material ist dem der originalen Apple-Folios sehr ähnlich. Es fasst sich genau so griffig an und ist auch ähnlich stabil, wodurch der Geräteschutz nicht in Frage gestellt wird. Nach einer Nutzung von etwas über einem Monat im dienstlichen Umfeld muss ich jedoch feststellen, dass schon die eine oder andere Schramme im Obermaterial ist, was ich von Apples Folio bislang nicht gewohnt war.

Schön ist definitiv, dass die Hülle nicht direkt auf dem Display aufliegt und sich somit kleine Dreckteilchen beim Transport nicht auf dem Display reiben und somit Kratzer verursachen. Dies ist durch die dicken Gummibumper sehr gut gelöst, auf denen dann die Tastatur aufliegt.

Die Kopplung der Tastatur mit dem iPad läuft wie mit jedem anderen Bluetooth Device auch über die Einstellungen des iPad. Zur Sicherheit muss noch ein sechsstelliger Prüfcode auf der Tastatur eingegeben werden, und schon kann es losgehen.

Wie auf dem Foto des Unboxing zu sehen, wird das iPad magnetisch auf der Tastatur arretiert. Der Winkel ist sehr angenehm, auch für längeres Arbeiten. Die Tastatur lässt sich sehr angenehm bedienen und zeigt ganz klar die Erfahrung von Logitech im Bereich Tastaturen. Trotz wirklich minimalem Tastenhub ergibt sich ein sehr angenehmes Tippgefühl und die Anschläge sind gut spürbar. Die Tastatur ist dabei nicht laut und meinem Empfinden nach deutlich besser als bei so manchem Low-Budget-Laptop.

Durch die geringe Größe ist es anfänglich natürlich mit ein bisschen Eingewöhnung verbunden, auch im Blindflug immer die richtigen Tasten zu treffen. Nach wenigen Minuten ist dies allerdings kein Problem mehr. Die Hände gewöhnen sich an den kleineren Maßstab und die Schreibgeschwindigkeit kommt der von meiner gewohnte Desktop-Tastatur gleich. Lediglich die zwei Tasten zwischen Umlauten und Enter-Taste („+“ und „#“) sind wirklich so klein, dass diese faktisch nicht im Blindflug zu bedienen sind. Eine spürbare Verzögerung durch die Übertragung per Bluetooth konnte ich nicht feststellen.

In der oberen Reihe der Tastatur finden sich wichtige Schnellzugriffe wieder. So können der „Home-Button“, die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung, die Suche, die virtuelle Tastatur, die Medienwidergabe, die Lautstärke und die Gerätesperre direkt über die Funktionstasten bedient werden. Die Integration in das iPad OS funktioniert hierbei problemlos.

Über zwei weitere Tasten können der Akkustand der Tastatur abgefragt und das Bluetooth Pairing aktiviert werden. Der Akkustand wird dann über eine kleine LED über der Taste mit grün, gelb oder roten Leuchten angezeigt. Der Akku hat laut Logitech genug Energie für 3 Monate bei zweistündiger Nutzung täglich, welcher per USB-C genau so geladen werden kann, wie das iPad selbst. Dies erklärt auch das nicht vorhandene Ladekabel im Lieferumfang.

Über der Oberkante der Hülle befindet sich eine magnetische Lasche, die sie vor versehentlichem Aufklappen schützt. Schön finde ich hier, dass der Pencil mit bedacht wurde. Dieser kann dabei entweder ganz klassisch magnetisch an der Oberseite des Tablets arretiert sein, um aufgeladen zu werden, oder alternativ in eine kleine Lasche eingeschoben werden, so dass dieser keine Chance mehr hat, in den Untiefen der eigenen Tasche zu verschwinden. In jedem Fall passt der Pencil immer mit in diese Schlaufe. Der Magnet-Verschluss wirkt hier stark genug um das Gesamtpaket sicher zusammenzuhalten.

Logitech Slim Folio Pro

Ist das iPad in die Hülle eingesetzt, lässt diese drei verschiedene Verwendungsmöglichkeiten zu. Die erste Möglichkeit ist das Aufstellen des iPad, sodass die Tastatur genutzt werden kann. Weiter kann das iPad auf die Tastatur gelegt werden. In diesem Zustand ist das Tablet leicht geneigt, was für die Stifteingabe oder zum Zeichnen wunderbar geeignet ist. Für den klassischen Tablet-Betrieb kann die Tastatur als nach hinten umgeklappt werden. In diesem Modus stört mich persönlich jedoch, dass die Tastatur dann stets an den Händen liegt. Eingaben werden jedoch nicht an das iPad übertragen, sodass dieser Modus durchaus auch für kurze Spielereien auf der Couch praktikabel ist, ohne ständig das Tablet aus der Hülle zu entfernen.

Das Fazit

Das Slim Folio Pro von Logitech ist eine wunderbare Erweiterung für das iPad Pro mit vielen Vorteilen gegenüber den klassischen Folios von Apple, aber auch mit kleinen Schwächen. Die Schutzfunktion dieser Hülle ist unbestreitbar deutlich höher als die des Originals und auch der Verschluss der Hülle ist echt genial. Auf der anderen Seite ist das Material anscheinend nicht ganz so widerstandsfähig wie das Original. Bis vor einem Monat hatte ich ein Apple Smart Folio um mein 2018er iPad Pro, welches bislang keine einzige Macke davon getragen hat. Mit dem Slim Folio Pro bin ich jetzt seit gut einem Monat unterwegs und habe schon eine Schramme auf der Rückseite. Dies ist jedoch in meinen Augen nicht weiter schlimm, da es sich hier einfach um einen Gebrauchsgegenstand handelt.

Die Tastatur ist wie von Logitech gewohnt super und auch die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur ist eine super Sache für dunkle Umgebungen.

Der größte Nachteil ist in meinen Augen aber die Größe der Hülle. Mit 22,6 mm erreicht man schon fast die Dicke eines kleinen Notebooks und so fühlt es sich dann mit über 1kg Kampfgewicht auch an. Nichtsdestotrotz ist das Gesamtpaket eine absolute Erleichterung für meinen Arbeitsalltag und ich habe das Smart Folio zunächst einmal gegen das Slim Folio Pro in Rente geschickt. Ob die Bezeichnung Slim im Namen jedoch seine Berechtigung findet, darüber kann man streiten.

Das Slim Folio Pro kann zu einem Preis von 119 Euro direkt bei Logitech oder beispielsweise bei Amazon erworben werden. Aufgrund der aktuellen Lieferengpässe ist es bei vielen großen Onlinehändlern aktuell leider nicht erhältlich. Der Preis ist in meinen Augen fair und absolut angemessen und auch deutlich unter ähnlichen Lösungen mit weniger Funktionen direkt von Apple.

Disclaimer: Enthält Affiliate Links. Das Testmuster wurde uns von Logitech kostenlos überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.

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Über den Autor
Alex Lüttgen
  • Alex Lüttgen auf Twitter
Ich bin Alex Lüttgen, oder auch Utgardus. Als Netz- und Systemadministrator fühle ich mich in so ziemlich allen Produkten von Microsoft im Client-, Server- und Office 365-Bereich zu Hause. Nach der Arbeit wird dann selbstverständlich auch mal die Xbox angeschmissen. Mobil bin ich nach dem Aus von Windows Mobile auf iOS gewechselt und fühle mich dort deutlich wohler, als bei Android. Neben der IT ist Elektromobilität meine absolute Leidenschaft. Ich bin fest der Überzeugung, dass sich dort in naher Zukunft immer mehr tut, bis dann irgendwann die Verbrenner ganz abgelöst werden.
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