Gadgetcheck: OpenRock Link 20 – TWS Kopfhörer für jeden Zweck?
Ich liebe TWS-Kopfhörer (True Wireless Stereo). Die Nutzung ist einfach, bequem, die Verbindung stabil und die Qualität mittlerweile nahezu immer gut. Wobei, nicht immer, sondern meist nur, wenn man die Kopfhörer ausschließlich für den Medienkonsum nutzt. Zwar haben eigentlich alle TWS-Kopfhörer auch Mikrofone eingebaut und damit grundsätzlich die Möglichkeit, damit zu telefonieren, allerdings sitzen die Mikrofone eben direkt am Ohr und nicht in der Nähe des Mundes, um das gesprochene Wort zu erfassen.
Verschiedene Hersteller nutzen hier Techniken, um die eigene Stimme zu isolieren und dem Gesprächspartner zu vermitteln, dass man in einer ruhigen Umgebung ist. Klappt oft gut, hat aber auch seine Grenzen. Meine Frau versteht mich insbesondere häufig dann nicht, wenn ich in der Mittagspause durch den Supermarkt gehe und dabei mit ihr telefoniere. Entweder versteht sie nur die verschiedenen Gruppen Jugendlicher, die gerade aus der Schule kommen, oder die Sängerin aus den Lautsprechern vom Supermarktradio wird isoliert.
Von OpenRock habe ich jüngst die Open Ear-Kopfhörer S2 getestet und war hier schon recht angetan. Mit einem neuen Modell, dem Link 20, versucht OpenRock jetzt das oben beschriebene Problem anzugehen. Bei den Link 20 handelt es sich – wie bei OpenRock gewohnt – um einen Open-Ear-Kopfhörer, dieses Mal allerdings als sogenannte 2-in-1-Lösung.
Sie wollen sowohl Kopfhörer als auch Headset sein. Diese werden ebenfalls über das Ohr gehängt und setzen gewissermaßen einen offenen Lautsprecher vor das Ohr. Sie sind ab dem heutigen 23.09. bei Kickstarter verfügbar und kommen nach der Kampagne in den freien Handel. OpenRock hat mir vorab ein Muster zukommen lassen.
Hier zunächst wie immer die technischen Daten.
- 2-in-1 Kopfhörer und Headset für Arbeit und Freizeit
- Abnehmbares Mikrofon
- 5 Mikrofon für KI-gestützte aktive Geräuschunterdrückung
- 15 x 10 mm, 30 mW aktive Treiber
- IP55-Wasserfestigkeit des Mikrofons
- IPX7 schweißresistente Kopfhörer
- Bluetooth 6.0
- 9 g pro Kopfhörer / 2 g Mikrofon / 65 g Case
- 7 + 21 h Gesprächszeit / 13 + 39 h Akkulaufzeit beim Musikhören
- 1 h Gesprächszeit in 5 Minuten nachgeladen
- Casegröße: 104 x 52,6 x 27,5 mm
Unboxing und Inbetriebnahme
In der kleinen, orangefarbenen Box befinden sich das ungewohnt große Ladecase, eine mehrsprachige Anleitung und ein USB-A auf USB-C-Kabel. Das Case ist mit seiner Breite von 10,4 cm deutlich größer als die meisten TWS-Cases. Es beherbergt aber auch das 7 cm lange Mikrofon. Dieses ist im Deckel des Cases magnetisch befestigt.
Die Kopfhörer sind beim Auspacken auf einer kleinen Plastikfolie abgelegt, sodass sie erst beim Auspacken und nicht versehentlich schon in der Packung aktiviert werden. Folie entfernt, Kopfhörer erneut eingelegt und schon gehen sie in den Pairing-Modus. Dies wird über ein Blinken der verbauten LEDs signalisiert. Wie auch schon bei den oben genannten S2 ist es bei den Link 20 möglich, sie mit zwei verschiedenen Geräten gleichzeitig zu verbinden. Zu aktivieren ist diese Funktion durch das Drücken des Knopfes am Case für 2 Sekunden, während die Kopfhörer eingelegt sind. Sie schalten dann erneut in den Pairing Modus und können mit einem weiteren Gerät verbunden werden. Wer dann als Erstes Musik abspielt, gewinnt.
- Case geschlossen
- Case geöffnet
Der Sound der Kopfhörer ist gewohnt gut für diese Bauart. Starke Bässe sind bei dieser Bauart einfach nicht drin. Dennoch sind Stimmen, Musik und Videos stets gut verständlich und – für mich der große Pluspunkt – ohne Transparenzmodus oder sonstige Filter ist die Umwelt immer wahrnehmbar.
Der Komfort ist durch das Silikon und den Akku hinter dem Ohr wie schon bei den S2 hervorragend. Es ist problemlos möglich, die Kopfhörer den gesamten Tag zu tragen, ohne ein Druckgefühl zu empfinden. Das Gewicht von 11 g mit montiertem Mikrofon ist auch in keinem Fall störend.
Das beigefügte Mikrofon wird über zwei starke Magnetkontakte mit den Kopfhörern verbunden und lässt sich sowohl links als auch rechts anschließen. Es ist also möglich, entweder nur einen Kopfhörer mit Mikro oder beide mit Mikro an der Lieblingsseite zu nutzen. Wird das Mikrofon angeschlossen, wechseln die Kopfhörer sofort hörbar in den „Vocal Mode“, in dem stimmtypische Frequenzen hervorgehoben werden. Andere Klangprofile lassen sich über die App von OpenRock auswählen.
Auf den Kopfhörern ist ein Knopf auf den Lautsprecherteilen vorhanden, der die Wiedergabe und Gesprächsannahme steuern kann. Viele Klickmuster sind standardmäßig belegt, einige Gesten können aber zusätzlich noch über die App konfiguriert werden. An dem Mikrofon ist ebenfalls ein Knopf vorhanden, welcher das Mikrofon stumm und wieder aktiv schalten kann.
Für die Link 20 gab es bei der ersten Inbetriebnahme direkt ein Firmwareupdate, welches ebenfalls schnell über die App zu installieren war. Auch ein Suchmodus ist möglich, wodurch ein sehr lauter Ton aus den Kopfhörern wiedergegeben wird. Vor der Aktivierung warnt die App explizit davor, die Kopfhörer dabei nicht zu tragen, da dies zu Hörschädigungen führen könnte.
Ich habe die Kopfhörer aktuell mit meinem Dienstlaptop und meinem Diensttelefon verbunden. Typisch für den öffentlichen Dienst handelt es sich hierbei natürlich um zwei Geräte und nicht um eine mit dem Netzwerk gekoppelte Telefonanlage, welche über den Rechner gesteuert werden kann. Der Wechsel zwischen beiden Geräten funktioniert von Besprechung zu Besprechung problemlos und einen vollen Arbeitstag von 8:15 h schaffen die Link 20 problemlos. Die angegebenen 7 Stunden wären bei einer durchgehenden Besprechung wahrscheinlich realistisch, jedoch befinde ich mich nicht 100 % meiner Arbeitszeit in Besprechungen, ich muss ja schließlich auch noch arbeiten ;-).
Grundsätzlich habe ich meine Gesprächspartner nach Besprechungen mit beiden Geräten einmal nach der Klangqualität gefragt. Bei Gesprächen über Teams habe ich Aussagen wie „glasklarer Klang“ zu hören bekommen, bei Gesprächen über das Telefon klang ich teilweise „kartoffelig“ und komprimiert, wie es häufig bei sogenannten Gaming-Headsets oder in alten Filmen der Fall ist. Kann aber an der Stelle auch am jeweils genutzten Bluetooth Profil liegen. Verständlich war die Stimme allemal. Wirkliche Beschwerden zur Verständlichkeit und Tonqualität habe ich noch keine bekommen.
Sind die Kopfhörer einmal leer, bietet der Akku des Case Ladung für drei weitere vollständige Runden, wodurch sich auch die Laufzeiten aus den Produktspezifikationen ergeben. Für die ersten 5 Minuten gibt es eine Schnellladefunktion, sodass auch bei einer vergessenen Ladung binnen 5 Minuten ein einstündiges Onlinemeeting kein Problem darstellen sollte.
Dank Bluetooth 6 ist auf Sicht eine Reichweite von bis zu 30 m möglich. Selbst in großen Büroräumlichkeiten kann also ohne Probleme auch der gesamte Büroraum „bereist“ werden. Sobald Wände dazwischen sind, verschlechtert sich die Verbindung Bluetooth-typisch sehr schnell.
Dank IPX7 Schutzklasse sind die Kopfhörer natürlich auch für den Sport erstklassig geeignet und können sogar zeitweilig untergetaucht werden. Selbst das Mikrofon ist dank IP55 vor Strahlwasser und Staub geschützt.
Fazit
Nach wie vor bin ich mit den Kopfhörern von OpenRock sehr zufrieden. Die Link 20 ersetzen zwar bei mir nicht die S2 für den Sport, das liegt aber primär daran, dass ich die Link 20 hauptsächlich im Büro verwende und sie auch normalerweise dort lasse. Bei verschiedenen Laufstrecken habe ich sie getestet und empfinde sie als gleichwertig mit den S2. Das Lautsprecherteil ist hier ein wenig größer ausgefallen, spielt aber ganz klar in einer ähnlichen Liga.
Für meinen Büroalltag möchte ich die Link 20 nach nun zwei Wochen gar nicht mehr missen, da ich sie unglaublich praktisch finde. Eventuell ist der Klang meiner Stimme etwas schlechter als mit Telefonhörer in der Hand. Sofern ich aber keine Beschwerden zur Verständlichkeit bekomme, erachte ich das nicht als Problem.
Um also meine Eingangsfrage zu beantworten: Fast für jeden Zweck! Zum wirklich intensiven Musikhören würde ich die Kopfhörer nicht empfehlen. Für längere Meetings, Sport, Freizeit usw. kann ich die Kopfhörer uneingeschränkt empfehlen.
Vermarktet wird der Link 20 ab heute ausschließlich über Kickstarter. Da die Massenproduktion bereits gestartet ist, sehe ich die Finanzierung über Crowdfunding in dieser Sache nicht als problematisch. Der Preis wird bei 90 $ starten, was ich als fair erachte. Hier solltet ihr aber aufpassen, dass gegebenenfalls noch weitere Gebühren wie Zoll, Versand und Steuer hinzukommen könnten.
Ab November sollen die Kopfhörer dann regulär über Amazon für 149,99 $ (Europreis steht bislang nicht fest) verfügbar sein. Hier liefern wir einen Link nach, wenn dieser vorliegt. Sollte der Preis in Euro dem Dollarpreis entsprechen, erachte ich ihn als geringfügig zu teuer, da man hier schon im Bereich der sehr guten AirPods ist, die zwar kein Ansteckmikro, aber dafür eine sehr gute Filterung besitzen.
Aus Erfahrung rechne ich aber auch hier mit einem nahezu dauerhaft reduzierten „Straßenpreis“ von ca. 110 €, was ich als guten Preis für das gebotene Paket empfinde.
Disclaimer: Die Testmuster wurden mir vom Hersteller kostenlos überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.
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Über den Autor

Alex Lüttgen
Ich bin Alex Lüttgen, oder auch Utgardus. Als Netz- und Systemadministrator fühle ich mich in so ziemlich allen Produkten von Microsoft im Client-, Server- und Office 365-Bereich zu Hause. Nach der Arbeit wird dann selbstverständlich auch mal die Xbox angeschmissen. Mobil bin ich nach dem Aus von Windows Mobile auf iOS gewechselt und fühle mich dort deutlich wohler, als bei Android. Neben der IT ist Elektromobilität meine absolute Leidenschaft. Ich bin fest der Überzeugung, dass sich dort in naher Zukunft immer mehr tut, bis dann irgendwann die Verbrenner ganz abgelöst werden.






