Gamestreaming auf den Fernseher: Microsoft darf sich nicht zu lange Zeit lassen

Gamestreaming auf den Fernseher: Microsoft darf sich nicht zu lange Zeit lassen

Im noch jungen und kleinen Markt des Cloud-Gaming scheint Microsoft gut aufgestellt. Kein anderer Anbieter kann ein derart breites Angebot an Spielen vorweisen, die man über den Xbox Game Pass aus der Cloud streamen kann. Bislang allerdings nur auf Android-Smartphones und -Tablets. Eine Erweiterung ist geplant, schon bald will man über den Browser den Sprung auf iOS schaffen und so Apples Blockade umgehen, eine App für Windows 10 ist ebenfalls in Vorbereitung.

Im November kündigte Xbox-Chef Phil Spencer außerdem an, dass man im Jahr 2021 auch eine App für Smart TVs an den Start bringen möchte. Ich glaube, dass Microsoft daran wirklich mit Hochdruck arbeiten muss, wenn sie in Führung bleiben wollen. Die CES sendet diesbezüglich erste Signale. LG will alle 2021er Modelle ab Werk mit Google Stadia und GeForce Now bestücken, bestehende Geräte sollen die Apps über ein Update erhalten. Auf den Smarten Fernsehern mit Android TV ist Google Stadia selbstredend ebenfalls am Start.

Bei den Gamern ist Stadia bislang noch nicht sonderlich populär, das spielt allerdings keine Rolle. Die heutigen Konsolen- und PC-Gamer werden nämlich nicht über Sieger und Verlierer im Cloud-Gaming entscheiden.

Ich habe es in früheren Beiträgen zu dem Thema schon öfter gesagt: Das größte Wachstumspotenzial beim Cloud-Gaming liegt in der Gruppe der Menschen, die heute noch keine Gamer sind, beispielsweise weil sie die Investition in eine Konsole oder einen Gaming-PC scheuen. Wenn das aber auf dem neuen Fernseher einfach so da ist und ein schlauer Marketing-Mensch einen Controller und einen Dreimonats-Gutschein in die Verpackung gelegt hat, dann ändert sich das möglicherweise. Dann probiert man das aus, und möglicherweise bleibt man hängen. Diese Nicht-Gamer ziehen dann auch keine Vergleiche, wer den größeren Katalog an Spielen vorweisen kann, zumindest nicht im ersten Schritt.

Was ich ebenfalls in einem früheren Artikel schon mal gesagt habe: Microsoft hat den Vorteil, dass sie im Gaming bereits ein dicker Fisch sind. Das ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil, weil sie in diesen neuen Markt vordringen müssen, ohne gleichzeitig den Xbox- und PC-Spielern das Gefühl zu vermitteln, sie würden vernachlässigt. Neue Anbieter wie Google oder bald auch Amazon können dagegen sozusagen ohne Rücksicht auf Verluste „all in“ gehen und sich voll und ganz aufs Cloud-Gaming konzentrieren.

Es lässt sich im Moment noch schwer einschätzen, ob die breite Verfügbarkeit von Google Stadia auf Smart TVs tatsächlich dazu führt, dass Cloud-Gaming im Jahr 2021 deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält. Microsoft sollte das aber nicht abwarten, sondern ebenfalls „all in“ gehen. Als möglicher Partner böte sich Samsung an, die im TV-Bereich ebenfalls ein Big Player sind.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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