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Gamestreaming: Geht Google mit Stadia den typischen Microsoft-Weg?

Gamestreaming: Geht Google mit Stadia den typischen Microsoft-Weg?

Google und Microsoft konkurrieren im neuen Markt des Gamestreaming aus der Cloud miteinander. Es gibt selbstverständlich noch weitere Anbieter, die sollen für diesen Artikel aber keine Rolle spielen, denn es geht um eine interessante Beobachtung: Google könnte mit Stadia den Weg einschlagen, der ansonten für Microsofts Cloud-Dienste geradezu „typisch“ ist.

Bei Microsofts Gamestreaming ist die Eintrittskarte der Xbox Game Pass. Ohne diesen geht nichts, mehr braucht man aber auch nicht, denn alle Abonnenten können alle im Game Pass enthaltenen Spiele über die Cloud streamen, sofern das jeweilige Spiel es unterstützt. Eigene Spiele kann man dagegen nicht „mitbringen“, allerdings kann man die heimische Xbox als Streamingserver verwenden.

Bei Googles Stadia Pro sind zwar auch einige Spiele inklusive, das Angebot ist allerdings überschaubar und kann es inhaltlich nicht einmal im Entferntesten mit dem Game Pass aufnehmen. Was bei Stadia nach wie vor viele Spieler abschreckt ist der Umstand, dass man Spiele kaufen und anschließend darauf vertrauen muss, dass Google die Plattform nicht irgendwann abschaltet. Wer glaubt, Microsoft sei beim Abschalten von Produkten und im „Vor-die-Tür-setzen“ von Kunden skrupellos, der hat noch nie ein Produkt genutzt, an dem Google die Lust verloren hat.

Der Xbox Game Pass ist für sich genommen schon ein attraktives Angebot, die Möglichkeit zum Streamen kommt als Zusatzleistung noch dazu. Stadia muss von sich aus überzeugen, da ist Google in einer deutlich schwächeren Position. Darum beginnt man bei Google nun damit, die Technologie zu vermarkten und nicht das Produkt selbst.

Die Idee: Der Publisher eines Spiels bietet die Möglichkeit zum Cloud-Streaming als Zusatzleistung an und kauft die dafür notwendige Technologie bei Google ein. Der Käufer des Spiels bleibt auf seiner Lieblings-Plattform, wird aber gleichzeitig Stadia-Kunde, ohne es zu wissen. Mit dem Spiel „Batman: Arkham Knight“ wird das in den USA bereits so praktiziert, hier wird Stadia als White Label Produkt genutzt.

Nicht in den direkten Kontakt mit dem Endkunden zu treten, sondern anderen die dafür notwendige Technologie zu verkaufen, das war und ist in vielen Bereichen die bevorzugte Microsoft-Strategie. Satya Nadella soll das mal in der Aussage zusammengefasst haben, dass man bei Microsoft nicht arbeiten sollte, wenn man selbst cool sein will. Man sollte vielmehr das Ziel verfolgen, andere cool zu machen. Lediglich die Gaming-Sparte spielt derzeit wieder Monopoly und scheint nach und nach alle wichtigen Felder des Spielbretts besetzen zu wollen.

Beliebige Spiele über die vorhandene Backend-Plattform cloudfähig zu machen und das dann vielleicht doch irgendwie mit einem Stadia-Abo zu verknüpfen, könnte für Google jedenfalls eine interessante Strategie sein.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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