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Gedanken zur Windows 10-Entwicklung und zum Insider Programm

Gedanken zur Windows 10-Entwicklung und zum Insider Programm

Seit Microsoft überraschend mit dem Test des 20H1-Updates begonnen hat, also jenem Windows 10 Release, welches erst im Frühjahr 2020 veröffentlicht wird, haben viele Windows-Beobachter gerätselt, ob das Herbst-Update eventuell ins Wasser fallen wird. Diese Spekulationen waren im Grunde unnötig, denn Microsoft hatte eindeutig formuliert, dass es ein 19H2-Update geben wird und man dieses auch mit den Insidern testen will.

Vor einigen Tagen kamen die Spekulationen um einen Ausfall von 19H2 erneut auf, und Mary Jo Foley twitterte dazu, es werde definitiv kommen, aber eher ein „kleines Release“ werden, vergleichbar mit einem Service Pack.

Das entspricht auch meinen Erwartungen, während aber auch Foley davon ausgeht, dass es sich um eine Ausnahme handelt, weil mit 20H1 verschiedene Entwicklungsstränge zusammengeführt werden, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um den neuen grundsätzlichen Zyklus handelt, der da lautet: „Großes“ Update im Frühjahr, „Kleines“ Update im Herbst. Wobei das kleine Herbst-Update das jeweils wichtigere sein wird.

Wie ich darauf komme? Ich hatte das schon einmal vermutet, als Microsoft die Support-Zyklen für Windows 10 einmal mehr überarbeitet hatte. Seit Version 1809 werden die Herbst-Updates für Windows 10 nämlich für 30 Monate unterstützt – zumindest bei Windows 10 Enterprise und Education. De facto bedeutet dies, dass Unternehmen nur noch alle zweieinhalb Jahre eine neue Windows 10-Version ausrollen müssen, und es sollte mich überraschen, wenn viele Kunden es sehr viel eiliger hätten. Eine logische Konsequenz wäre, dass man größere Änderungen im Frühjahr einbaut und beim Herbst-Update den Fokus auf Stabilität und Fehlerfreiheit legt.

Um den Gedanken weiter zu spinnen, rechne ich damit, dass auch das Insider-Programm neu strukturiert wird. Bislang hatten wir drei Ringe für ein und das selbe Windows 10 Release. Die neue dauerhafte Rolle des Release Preview Ring sehe ich so, wie sie jetzt aktuell gerade ist: Ein im Grunde fertiges Update wird dort über einen längeren Zeitraum gründlich getestet, bevor es veröffentlicht wird. Der Slow Ring übernimmt die Tests der herbstlichen „Stabilitäts-Updates“, während der Fast Ring wie bisher mit fliegenden Fahnen voraus eilt. Alles fast nur geraten, aber es wäre eine sinnvolle Aufteilung – sinvoller als das, was wir jetzt haben.

So ganz grundsätzlich glaube ich, dass die Entwicklung von Windows 10 in Zukunft langsamer und nüchterner ablaufen wird. Ich fand die Feature-Rallyes eigentlich immer ganz unterhaltsam und spannend, aber auch ich habe mein Visier inzwischen neu eingestellt und sehe: Es ist einfach nicht das, was die Kundschaft will. Beim Versuch, die Nutzer zum Umstieg von Windows 7 auf Windows 10 zu überzeugen, bekommt Microsoft das aktuell nochmal besonders zu spüren. Der Desktop ist ein Ort der Produktivität , wo Veränderungen nur ganz behutsam umgesetzt werden dürfen. Mit einem Satz formuliert lautet meine Prognose: Windows 10 wird in Zukunft nicht mehr versuchen, Fragen zu beantworten, die niemand gestellt hat.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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