Google und das Antitrust-Verfahren: Mozilla fürchtet Kollateralschäden für kleinere Unternehmen

Google und das Antitrust-Verfahren: Mozilla fürchtet Kollateralschäden für kleinere Unternehmen

In dieser Woche hat das Justizministerium in den USA Nägel mit Köpfen gemacht und ein eigenes Antitrust-Verfahren gegen Google eingeleitet, welches sich gegen seine Dominanz bei der Suchmaschine und am Werbemarkt richtet. Die möglichen Folgen hatte ich bereits in diesem Beitrag näher beleuchtet. Unter anderem werden ein möglicher Zwangsverkauf von Google Chrome sowie Teilen des Anzeigengeschäfts erwogen, es liegen aber auch noch andere Maßnahmen auf dem Tisch.

Nun hat sich auch Mozilla zu dem Kartellverfahren geäußert und eindringlich vor den Folgen für kleinere Unternehmen gewarnt. Das Unternehmen hat bei seinem eigenen Erfolg nicht nur durch das damalige Antitrust-Verfahren gegen Microsoft profitiert, wobei das Unternehmen aus Redmond fast zerschlagen worden wäre. Auch bei dem neuen Verfahren gegen Google wurde der Vertrag mit Mozilla bezüglich der Standardsuche in Firefox explizit als ein entsprechendes Beispiel hervorgehoben.

Während Mozilla selbst vor allem vor den Folgen für kleinere Unternehmen warnt, kann das Verfahren auch eine existenzielle Dimension für den Firefox-Entwickler annehmen. Zwischen 400 und 450 Millionen USD überweist Google pro Jahr an Mozilla, was über 90 % der Gesamteinnahmen des Unternehmens ausmacht. Auf dieses Geld ist man für das eigene Überleben auch dringend angewiesen, denn die als Alternative angedachten Abodienste wie Mozilla VPN oder Pocket können die Abhängigkeit von Google bisher nicht annähernd reduzieren und stecken zum Teil selbst noch in der Preview. Dass Spenden einen dreistelligen Millionenbetrag nicht ausgleichen können, sollte ebenfalls klar sein.

Letztlich braucht Mozilla so im Notfall entweder einen anderen Partner wie Microsoft Bing und/oder einen signifikanten Erfolg bei den eigenen Abodiensten wie Pocket, Mozilla VPN oder der Hubs Cloud. Ein möglicher Weg könnte zu den Unternehmenskunden führen, wofür Mozilla mit Hubs oder Firefox Premium auch schon entsprechende Angebote im Portfolio hat. Zudem bietet der europäische Markt aufgrund der Anstrengungen, unabhänger von großen amerikanischen und chinesischen Unternehmen zu werden und mit quelloffenen Projekten die digitale Souveränität auszubauen, ebenfalls große Chancen.

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Quelle: Mozilla Blog

Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.
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