Handel mit billigen Windows- und Office-Lizenzen: Hat Microsoft zum großen Schlag ausgeholt?

Handel mit billigen Windows- und Office-Lizenzen: Hat Microsoft zum großen Schlag ausgeholt?

Der Handel mit auffällig billigen Office- und Windows-Lizenzen ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der Berichterstattung. Im letzten Jahr bekam das Thema besonders viel Aufmerksamkeit, als Edeka die Gutscheine von Lizengo in sein Sortiment aufnahm. Als Microsoft daraufhin seine Anwälte in Stellung brachte, bekam man bei Edeka aber schnell kalte Füße und stellte den Verkauf wieder ein.

Microsoft kündigte ein rechtliches Vorgehen gegen Lizengo an und hatte nach eigenen Angaben diverse Beweise gesammelt, dass die Lizenzen, die Lizengo vertreibt, aus unsauberen Quellen stammen. Im August gab es deshalb sogar Hausdurchsuchungen im Umfeld von Lizengo.

Nun ist dem Kollegen Günter Born aufgefallen, dass sich die Webseite von Lizengo inzwischen schon seit gut einer Woche im Wartungsmodus befindet, angeblich um die Webseite besser gegen Hackerangriffe zu sichern, die im Rahmen der Corona Pandemie stark zugenommen hätten. Mein erster Gedanke dazu ging in die Richtung „Ja ne, is klar“.

Im Grunde hätte ich nicht mal eine weitere Bestätigung gebraucht, inzwischen schreibt aber auch Lizenzfuchs auf seiner Seite, dass man derzeit wegen Wartungsarbeiten keine Microsoft-Produkte anbieten könne. Ein Zusammenhang ist da eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich. Benutzen beide Shops die gleiche Webserver-Software? Oder denselben Keygenerator? (Ok, der war böse).

Ich kann nur mutmaßen, aber die wahrscheinlichste aller Vermutungen ist für mich jene, dass Microsoft zu einem weiteren juristischen Schlag ausgeholt hat. Ich werde mal sehen, ob ich etwas in Erfahrung bringen kann.

In einem weiteren Beitrag hat Günter zusammen mit einem Leserkontakt noch diverse Fälle dokumentiert, die mehr als offensichtlich dokumentieren, was das für ein Sumpf ist.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare

  1. Die beiden Links zu Born sind identisch. Ist eventuell dieser Link gemeint?
    https://www.borncity.com/blog/2020/11/07/exit-bei-gebrauchtsoftware-verkufern-lizengo-lizenzfuchs-co-offline/
    Man sollte in meinem Alter keine zwei Browsertabs gleichzeitig öffnen :D.
    Danke, ist korrigiert.
    Ich kann die Leute nicht verstehen, die auf der einen Seite bis zu 1000 Euro für ein Smartphone ausgeben und auf der anderen Seite keine 100 Euro für eine einfache MS Office Lizenz übrig haben. Stattdessen wird dann immer erklärt, warum eine OpenSource Software um so viel besser ist und man so viel Geld einspart, abgesehen von den stetigen Formatierungsproblemen...
    skalar, volle Zustimmung. Ein Smartphone ist halt ein Statussymbol, dafür ist immer Geld da. Bei Lizenzen für Software werden dieselben Leute auf einmal ganz knauserig. Für mich gilt: Wenn ein Produkt Qualität bietet bin ich auch bereit den angemessenen Preis dafür zu zahlen. Für MS Office gilt das meiner Meinung nach auf jeden Fall, für eine Windows 10 Lizenz würde ich allerdings momentan kein Geld locker machen. Da fehlt es mir an aktiver Produktpflege.
    und auf der anderen Seite keine 100 Euro für eine einfache MS Office Lizenz übrig haben

    Habe ich auch nicht übrig. Mein letztes Office365 für 1 Jahr habe ich für 49,99 € gekauft (in der Original Microsoft Pappschachtel in Folie eingeschweißt). Man muß nur etwas abwarten, diese Angebote gibt´s immer wieder.
    @skalar
    Viele legen aber nicht 1000€ in Bar hin, läuft dann über den Vertrag. Das viele von denen am Ende noch mehr für das Phone zahlen blicken die gar nicht.
    Die letzte Lizenz die ich von MS gekauft habe war damals W7, für 49.95€ (zwei Lizenzen). Die habe ich dann bis heute auf W10 mit durchgezogen. Mehr würde ich für eine W10 Lizenz aber auch nicht mehr ausgeben. Wie @PeteM92 schon geschrieben hat, ''Angebote gibt es immer wieder''. Bis so ein Angebot kommt kann man sich ja mit L.... bespaßen. So eine Lizenz-Hyäne bekommt von mir keinen Cent und da habe ich auch kein Mitleid bezüglich Lizenzsperrung von MS.
    @PeteM92
    Also in 10 Jahren 500€
    Eine Home Lizenz mit 10 Jahren Support kostet(e) ca. 100€.
    Ja, ist nicht das exakt gleiche Produkt, aber der Grund für den Kauf in vielen Fällen doch sehr ähnlich.
    Wenn es wirklich nur um Office geht, also Word, Excel, PowerPoint, und man keine Lust hat, sich in eine Alternative einzuarbeiten, dann gibt es eigentlich keinen Grund, warum man als Privatnutzer überhaupt noch Geld ausgeben sollte. Die PWAs installieren und gut ist.
    Die Sache wird wirklich spannend(er). Lizengo warb mit Kunden wie Pro7, Bundeswehr, verschiedenen Banken und anderen Organisationen. Ja, behaupten konnten sie vieles, wenn aber z. B. nicht Microsoft dazwischen geht, spricht es sich schon herum, ob und wie seriös dessen Werbeaussagen sind.
    Hat jemand eine Idee, was aus dem Anwaltsheer geworden ist, mit dem Lizengo noch im Sommer seinen Kunden 1000 %ige Legalität garantierte?
    ntoskrnl
    Ja, ist nicht das exakt gleiche Produkt, aber der Grund für den Kauf in vielen Fällen doch sehr ähnlich.

    Ja, Äpfel sind nicht das gleiche wie Birnen, aber doch sehr ähnlich ;)
    Ich habe mir schon genau überlegt, was ich für mein Geld bekomme - und den Preis für Alternativen überprüft.
    So lange es die billigst Angebote gibt, nutze ich die. Schließlich erwerbe ich nur ein Nutzungsrecht, mehr nicht. Bei einem PC-Wechsel geht das Problem los, was ich einfach mit einer neuen billigen Lizenz umgehe. Auf dem aktuellen Notebook war W10 schon drauf, ok. Office 365 für ein Jahr dabei, läuft bald aus. Office 2019 Schlüssel für 6,50€ liegt schon bereit.
    MS soll sich nicht so haben. Das ist der Preis dafür, dass Office die Standard-Anwendungen stellt. Schließlich haben sie ja mit jeder neuen Version einige Millionen alte Lizenzen entwertet - entschädigungslos...
    @Dosenbit: Ich 'begleite' ja die lizengo-Geschichte schon eine ganze Weile ... und vor Jahren waren die sogar einer der Sponsoren in meinem Blog. Es ging da um die Lizenzierung von Gebrauchtsoftware im B2B-Bereich. Im Vorfeld habe ich einiges recherchiert - die Referenzkunden (große Organisationen), die Hinweise des Anbieters, unter welchen Bedingungen Lizenzübertragungen legal möglich sind, samt Urteilen, alles war stimmig (ich habe allerdings nicht beim Einkauf der Referenzkunden wie Polizei Oberbayern oder IT-Beschaffung des deutschen Bundestags angerufen, da es im Netz auch nichts an Negativmeldungen gab). Und die Abato GmbH gab es seit 2014 - also musste ein belastbares Geschäftsmodell dahinter stehen ...
    Lief zuerst scheinbar auch (eine ganze Weile) ganz geräuschlos, bis sich plötzlich erste Einzelkäufer bei mir beschwerten (obwohl ich nichts mit der Firma zu tun, sondern nur zwei sponsored Posts mit Zielgruppe B2B im Blog, hatte). Die Fälle wurden wohl geräuschlos durch den Anbieter reguliert. Und dann konnte ich mit erleben, wie die Webseiten umgestaltet wurden und Aussagen zur rechtssicheren Lizenzübertragung bei Gebrauchtsoftware verschwanden, der Geschäftsführer wechselte und so weiter. B2B-Geschäft wurde durch Verkäufe an Einzelkunden verdrängt - da braucht man einfach ganz andere Gebrauchtsoftware-Mengen und bei den Preisen für Einzelkäufer muss auch anders vorgegangen werden als bei Firmen, die vielleicht 1.000 Gebrauchtlizenzen erwerben.
    Als die Edeka-Geschichte los ging, hatte ich die längst als Sponsor gekickt. Zu dieser Zeit wurde denen von einigen großen deutschen IT-Medien noch 'alles gut' bescheinigt. Irgend etwas ist also in der Zeit seit 2014 (Gründung der Abato GmbH) bis 2019 (Edeka-Deal) passiert. Sollte man im Hinterkopf behalten.
    Meine aktuelle Erkenntnis: Es gibt Firmen, die legal Gebrauchtsoftware samt Lizenz auf Nacherwerber übertragen - wo Microsoft auch nichts unternimmt. Diese Modelle funktionieren aber nur im B2B-Bereich, wo wir über mehrere Tausend Euro Mindest-Rechnungsbeträge reden. Bei Behörden sieht m.W. die Beschaffungsordnung auch vor, solche Anbieter anzufragen.
    Ich habe jemanden als Hinweisgeber, der Gebrauchtsoftware für Organisationen beschafft und die Regularien kennt. Der legt den Händlern eine Freistellungserklärung vor - und dann sieht man schnell, ob dieser das unterschreibt oder sich mit windigen Argumenten aus der Sache rauswinden will.
    Generell ist die Sache aber nicht so eindeutig, was bestimmte Rechtsfragen betrifft. Martin hatte ja auf meinen Blog verlinkt. Kürzlich hatte ich eine Einschätzung von Rechtsanwalt Solmecke thematisiert. Der sah als Jurist einige Sachen, die für mich glasklar schienen, gänzlich anders und meinte 'muss ein Gericht entscheiden'. Ergo werden wir den Gang der Dinge abwarten müssen.
    Was man aber wohl postulieren kann: Die gängigen Angebote (egal ob lizengo oder eBay-Händler) für Privatleute segeln im Graubereich, der erkennbar bereits tief schwarz angehaucht ist. Ich würde die Finger von lassen (das Geld kann man auch direkt zum Fenster raus werfen, dann ist es auch fort) ... nur als Hinweis.
    rb13125
    Schließlich haben sie ja mit jeder neuen Version einige Millionen alte Lizenzen entwertet - entschädigungslos...

    Das stimmt ja wohl gar nicht.
    Du kannst heute noch ein altes Office XP installieren und aktivieren. Das MS irgendwann mal nach 10 oder 15 Jahren sagt, ich stell dafür keine Updates mehr her, ist okay. Es gibt andere Softwarehersteller, da ist nach 3 bis 4 Jahren schon Schluß mit Updates, geschweige den die Software neu zu installieren und zu aktivieren.
    Der neueste Trick bei einigen china-shops ist jetzt, dass man deren Domäne beitritt, also quasi einen Anteil an deren eigenen (womöglich auch betrieblich relevanten) Volume Licensing bekommt. Sprich, du kaufst - Shop sendet dir Domänendaten einer extern angebundenen Windows Domain.
    Sprich: Auch China wird immer mehr professionalisiert und nutzt VLSC Trial Accounts zum Verscherbeln von Lizenzen, die erst im Nachgang von Microsoft gegen den Shop abgerechnet werden.
    Das finde ich insofern spannend, weil man damit tatsächlich u.U. kostendeckend arbeiten kann ohne dass man direkt geleaktes VLSC als Lizenz bekommt.
    Mein neuestes 5€ Office 365 E3 ist auch ein Azure Fullcloud AD Tenant mit von denen erstellten Accounts. Inklusive Teams und Office Domain Adressbuch aller Käufer und den Shopangestellten im chinesischen Laden.
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