Hardware folgt Software: Die App-Story des Surface Duo ist simpler als gedacht

Hardware folgt Software: Die App-Story des Surface Duo ist simpler als gedacht

Vor ein paar Tagen hat Microsoft die erste Version des Surface Duo SDK veröffentlicht. Dieses enthält einen Emulator, mit dem man auch als Nicht-Entwickler schon mal ein wenig testen kann, wie sich das Gerät wohl anfühlen wird. Ich rate jedem, der sich für das Surface Duo interessiert, dies auch zu tun, es geht kinderleicht.

Es gibt im Grunde wenig Neues, was man durch die Nutzung des Emulators über das Surface Duo erfährt, und dennoch hat sich meine Sichtweise auf das Gerät dadurch in einem entscheidenden Punkt verändert.

Beginnen wir nochmal von vorne – bei dem, was sich nicht geändert hat: Es ist einigermaßen unwahrscheinlich, dass sich die Entwickler begeistert auf das SDK stürzen und ihre Apps reihenweise für ein Gerät optimieren, dessen Erfolg maximal ungewiss ist. Man geht auf Nummer sicher, wenn man davon ausgeht, dass für das Surface Duo angepasste Apps auf absehbare Zeit eher die Ausnahme denn die Regel sein werden.

Der interessante Punkt ist: Auf genau diese Situation bereitet sich auch Microsoft vor, und das ist der Grund, warum das Surface Duo zwei geteilte Bildschirme statt einem faltbaren hat. Selbst wenn Haltbarkeit, sichtbare Knicke oder der Preis keine Rolle spielen würden, wären zwei getrennte Displays die sinnvollere Variante.

Android-Apps sind dafür gemacht, auf einem Smartphone-Display dargestellt zu werden. Sowohl auf Tablets als auch auf Chromebooks sind die meisten Android-Apps einfach nur schlecht. Google hat sich jahrelang vergeblich bemüht, daran etwas zu ändern.

Das Surface Duo ist daher primär darauf ausgerichtet, zwei Apps nebeneinander darzustellen – im einzigen Format, das unter Android sinnvoll unterstützt wird. Das sieht man dem Gerät natürlich auf den ersten Blick an, aber erst durch meine Spielerei ist mir das so richtig klar geworden. Mir wurde außerdem bewusst, wie nützlich diese Darstellung ist, weil man nicht mehr zwischen zwei Apps hin und her springen muss, wie man das heute oft tut. Vielleicht ist die folgende Aussage schwer nachzuvollziehen, wenn man es noch nicht selbst ausprobiert hat, aber ich schreibe es trotzdem: Im Surface Duo steckt ganz viel Produktivitäts-Potenzial, selbst wenn keine einzige App dafür angepasst wird.

Die Hoffnung, dass Letzteres doch passieren könnte, stütze ich auf eine weitere Tatsache, die mir bei meinen Experimenten mit dem Emulator bewusst wurde: Eine App für das Surface Duo zu optimieren, ist deutlich einfacher, als sie beispielsweise für einen großen Bildschirm anzupassen. Man muss nämlich nicht die gesamte Oberfläche neu konzipieren, die Apps müssen lediglich lernen, eine zweite Anzeige-Instanz zu öffnen. Das klassische Beispiel ist eine E-Mail App, bei der man nicht zwischen Listen- und Leseansicht hin und her wechseln muss, sondern bei der die geöffnete Mail auf dem zweiten Bildschirm dargestellt wird. Ähnlich kann es mit News- und Shopping-Apps funktionieren. Nichts muss neu gebaut werden, die Ansichten können 1:1 den heutigen entsprechen. Es geht nur darum, die Inhalte auf beide Displays zu verteilen.

Microsoft geht sogar so weit, dass man die Nutzer vor schlechten Ideen der Entwickler schützt. Eine App im Fullscreen-Modus darzustellen, ist nämlich „verboten“. Soll heißen: Es gibt keine Option, eine App standardmäßig über beide Bildschirme zu strecken. Der Nutzer kann manuell in diesen Modus wechseln, einen anderen Weg gibt es zumindest vorerst nicht.

Dieser Beitrag soll nichts beschönigen: Natürlich kann und wird das Surface Duo seine Stärken nur dann voll ausspielen können, wenn die Entwickler ihre Apps dafür anpassen. Wenn das nicht passiert, dann bleibt das Duo hinter seinen Möglichkeiten. Andererseits – und auch das ist ein nicht unwesentlicher Aspekt: Das Fehlen entsprechend angepasster Apps führt nicht dazu, dass sich auf dem Surface Duo irgendetwas schlechter anfühlt als auf einem anderen Android-Gerät.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Ich bin mal gespannt was Samsung daraus.
    Man stelle sich nur vor das Note verwandelt sich in in zwei Hälften.
    Es hat einen Namen und ist in aller Munde.
    Hoffe das Microsoft da alles richtig macht.
    Es bereits ein LG was so fungiert. Hab ein wenig ausprobiert und war begeistert.
    Martin, ich will wirklich nicht besserwissend sein, aber das was du hier schreibst, genau das habe ich intuitiv schon gewusst.
    So ist es. War von Anfang an klar das die meisten Apps überhaupt nicht angepasst werden müssen bzw Messenger zum Beispiel einen neuen Chat eben im zweiten Display öffnen werden.
    Mir ist es egal, ob ich besserwissend bin, deshalb schreib ich es einfach so wie es ist: Das war mir alles schon klar, nachdem ich das erste Mal Bilder von dem Gerät gesehen habe, da brauch ich nicht erst mit einer SDK rumspielen.
    Zu viele Screen-Formate sollten nicht mehr kommen, sind die Entwickler doch jetzt schon müde, sich den Android-Screens anzunehmen. Das ist übrigens eine Ursache, warum ich Android meide, weil - wie hier geschrieben wurde - die Apps unangepasst sind.
    @reschef:
    Die eigene Ausdrucksform ist auch ein Spiegel unserer Gedanken. Spricht man gewohnt, dann hat man auch gewohnte Gedanken...
    ich stelle mir gerade vor wie schwierig es wäre auf dem Ding zu schreiben wenn zum Beispiel auf der linken Seite WhatsApp offen ist auf der rechten Seite der browser. da wäre mir ein zweiter Bildschirm im Weg. ich hoffe ihr könnt mir folgen.
    @reschef:
    Die eigene Ausdrucksform ist auch ein Spiegel unserer Gedanken. Spricht man gewohnt, dann hat man auch gewohnte Gedanken...

    Bedeutet also du redest immer um den heißen Brei herum und das mit wenig Durchsetzungsfähigkeit und wenig Selbstbewusstsein?
    für das lg g8x gibts ne app namens g8x widemode. da kann man dann über das kontrollcenter jegliche app (oder homescreen) auf beide bildschirme verbreitern, wodurch sich z.b. auch die dr. windows app an den neuen formfaktor anpasst. aber die trennung nervt dann schon ein wenig. jedoch wenn man das handy dreht, also die trennung horizontal ist, kann man sich schnell dran gewöhnen
    @rullu: es geht beim g8x recht gut, entweder ich schreib mit der rechten oder mit der linken hand (mit swipen geht's ja auch recht gut). zudem gibt's ja die Möglichkeit den einen bilschirm als tastatur zu nutzen.
    Es war doch eigentlich von Anfang klar das das Duo darauf ausgelegt ist das man 2 Apps auf zwei Bildschirmen nutzt und das angepasste Apps eher die Seltenheit bleiben. Schon alleine aus dem Grund das es für viele Apps gar keinen Sinn macht diese auf 2 Bildschirme aufzuteilen.
    Klar ist nix. Mit den platzierten Spoilerschnipseln geht MS lediglich in die "alles-kann-nix-muss"- Deckung. Kennen wir doch nun zur Genüge. MS kann man nur bei den "Fakten-Hörnern" packen und selbst dann ist der Griff ins weiche braune eine ernst zu nehmende Option.;)
    Meiner Meinung nach liegt der Fokus des Surface Duo ganz klar im Business-Segment. Das heist die gemeinesame Nutzung von Teams (Chat, Audio, Video) und OneNote/Word/Exel/PowerPoint zum gemeinsam Arbeiten, und das vor allem unterwegs.
    Das es eine 'private' Version geben wird ist gut möglich aber nicht sicher, vom Surface Hub gibt eas ja auch keine keine 'private' Version.
    Was das App-Angebot angeht: Ich denke das MS gut vorbereitet ist, aber welcher Software Hersteller ist das noch?
    Gut zu hören, der Gedanke war mir auch nicht fern, außer dass Apps den zweiten Bildschirm direkt ansprechen können.
    Eine clevere Lösung, die das Gerät nicht schlechter werden lässt, sollte sich nichts ändern.
    Tatsächlich ist es unverständlich, warum Android-Apps auf Tablets manchmal so ganz merkwürdig daher kommen.
    Häufigstes Beispiel: die App arbeitet partout nicht im Landscape Modus. Blöd. Aber es geht noch schlimmer: OneNote einmal auf dem Smartphone und dann auf dem Tablet. Man mag es kaum glauben, aber die untere Leiste "Notizbücher - Suchen - Kurznotizen" fehlt auf dem Tablet komplett. Obwohl es dieselbe App ist. An die "Kurznotizen" aka "Windows Stickies" kommt man so gar nicht ran.
    Latitude
    Meiner Meinung nach liegt der Fokus des Surface Duo ganz klar im Business-Segment.

    Restlos alles, was Microsoft abseits der Marke Xbox tut, hat "Business" im Fokus. Wobei man es besser umschreibt, wenn man statt von Business von "Produktivität" spricht. Die kann ja auch im privaten Umfeld durchaus wichtig sein.
    .. gemeinesame Nutzung von Teams (Chat, Audio, Video) und OneNote/Word/Exel/PowerPoint zum gemeinsam Arbeiten, und das vor allem unterwegs....

    Wie halte ich das Ding UNTERWEGS so dass ich GLEICHZEITIG in die Kamera der Teams-Videokonferenz schauen ALS AUCH ein Dokument lesen und mir darin Notizen machen kann?
    "Ey, kannste mal die Kamera abstellen? Das Gewackel, wenn du tippst, nervt!"
    Auf welchem der Bildschirme geht die Tastatur auf und nimmt dem dort laufenden Programm die Hälfte des Platzes weg?
    Jaja, Ansorg, der Pessimist mal wieder ... geht doch nix über ein gescheites W10 Tablet - das kann auch"nebeneinander gleichzeitig" ;-)
    Mich interessiert da ja eher was die da beim Surface Neo machen. Wenn ich ehrlich bin, dann fasse ich statt zu meinem iPhone immer zu meinem Surface Go wenn es irgendwie geht. Auf diesen Winz-Bildschirmen der Smartphones kann man kaum produktiv arbeiten. Daher würde es mich wirklich sehr interessieren ob das Neo eine Go Alternative ist (und wie es überhaupt beim Go weitergeht).
    Hallo Martin,
    der Begriff Business ist im Zusammenhang mit dem Duo wirklich so gemeint.
    Bsp.: ich komme ich sehr gut mit den Apps Mail, Kalender und Kontakte aus Windows 10 in meinem privaten Umfeld zurecht und benutze diese zu 99% (durchaus auch produktiv).
    Im 'Business' würde ich nicht mal im Traum auf die Idee kommen diese Apps zu verwenden. Im 'Business' benutze ich halt zu 100% Outlook, privat vielleicht, 10- bis 15-mal im Jahr.
    Weitere Beispiele sind Windows Home vs. Windows 10 Pro/Enterprise, Office 365 Home vs. Office 365 E(x) oder die Surfacereihe, selbst für Skype gibt es eine 'private' und eine 'Business' Edition.
    Nicht umsonst gibt es auch einen 'Microsoft Store' und einen 'Microsoft Store for Business', auch Hardware gibt es oft in einer 'Business' Edition (Hedsets etc.). Der Sinn sollte klar sein...
    @rullu: wenn Du die Tastatur "splittest" hast Du auf jedem Screen eine Haelfte der Tastatur am aeusseren Rand. Wobei die Tastenfelder wesentlich groesser und somit leichter zu treffen sein sollten...
    Hoffentlich hat es eine Buchse fuer einen Klinkenstecker, am besten Oben wo sie hinegehoert. Platz sollte im Duo ja mehr als genug sein...
    Ich muss immer wieder schmunzlen wenn erneut die Argumentation auftaucht "das ist fürs Business". Wer heute noch immer strikt zwischen Business und Consumer unterscheidet hat leider die Gegenwart und die Zukufnt verpennt.
    Business und Privat verschmelzen seit Jahren immer mehr miteinander.
    Die Geräte der Surface Reihe sind auch keine reinen Business Geräte.
    Das einzige was diese Geräte von einer größeren Verbereitung im Consumer Bereich abhält ist der App Store. Genau das könnte dem DUO einen Vorteil verschaffen, aber nur wenn man die Apps vom DUO auch alle unter W10 nutzen kann, inklusive uneingeschränkter Synchronisation zwischen W10 und Android.
    Damit steht und fällt meiner Meinung nach der Erfolgt des Duo's.
    Ich finde das Konzept des Samsung Galaxy Fold 5G besser - vorausgesetzt - der Bildschirm hält. Dann finde ich die Idee ein Smartphone und ein Tablet zu haben, ziemlich cool.
    @ansorgj: Unterwegs heißt für mich z.B. 5 Stunden in der Bahn zu fahren, ein-, zwei Stunde auf einen Flughafen- oder 2 Stunden im Auto zu sitzen (natürlich nicht wen ich fahre ;-)), da wackelt wenig. Auch Bildschirm teilen ist echt nützlich, wenn Erkenntnisse direkt in ein Dokumente einfließen sollen... Heutzutage sind Reisezeiten schließlich Arbeitszeit...
    Bingobongogeiferseufz!
    Meine feuchten Träume drehen sich meist um den Lotus Organizer und das Gerät ist, rein von der Hardware, gebaut für diese geniale Software.
    --
    jaja, wird nicht geschehen, aber die nächsten einsamen Nächte sind gesichert :-)
    @reschef:
    Nein Mr. Psychoanalyse. Das bedeutet nur, dass wir die Welt manchmal unterschiedlich wahrnehmen.
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