Homeoffice Koller - die Gefahr ist real

Homeoffice Koller - die Gefahr ist real

Als die Corona Pandemie im Frühling ihren Anfang nahm und Homeoffice über Nacht zum Buzzword wurde, habe ich noch gescherzt: „Für mich ändert sich eigentlich gar nichts.“ Ich habe mich furchtbar geirrt. Und dabei hatte ich mich sozusagen sogar selbst gewarnt.

In dem Artikel „Plötzlich HomeOffice: Man geht nicht einfach heim und arbeitet“ habe ich meine eigene Wandlung vom Präsenz- zum Heimarbeiter beschrieben, welche Lernprozesse ich dabei durchlief und wie ich inzwischen damit zurechtkomme. Die von mir selbst am Ende ausgesprochene Warnung, dass diese Krise in keiner Weise geeignet ist, repräsentative Erkenntnisse zum Thema Homeoffice zu gewinnen, habe ich für mich selbst aber nicht ernst genommen.

Meine Arbeit für DrWindows erledige ich seit Jahren von zu Hause. Den Teilzeitjob in meinem „zweiten Leben“ übte ich ebenfalls schon seit Jahren im Mischbetrieb aus, grundsätzlich war ich aber lieber daheim. Obwohl mir meine Vorgesetzte öfter gesagt hatte, dass ich nicht ins Büro kommen muss, so lange es die Arbeit nicht zwingend erfordert, hatte ich immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich es nach meinem Empfinden mit der Heimarbeit übertrieben hatte, und dann ging ich wieder eine Zeit lang vermehrt ins Büro.

Als es im Frühjahr hieß „wer von zu Hause arbeiten kann, sollte das auch tun“, betrachtete ich das in gewisser Weise als Glück im Unglück. Mir war schnell bewusst, dass diese Phase sehr lange dauern wird, und das sah ich als meine Chance: Jetzt lege ich den Hebel um, ab sofort arbeite ich fest von zu Hause und gehe wirklich nur noch ins Büro, wenn es sich nicht vermeiden lässt.“

Dazu muss ich ergänzen, dass ich mich bis vor etwa sechs Monaten als klassischen Einzelgänger bezeichnet hätte. Jemand, der sich selbst genügt und keine Gesellschaft braucht. So war ich schon immer, ich bin gerne zu Hause und ich bin auch ganz gerne mal allein. In großen Cliquen hat man mich nie angetroffen, mein Freundeskreis war schon immer überschaubar und ist seit Jahrzehnten stabil, es gibt da kaum Fluktuation. Das heißt nicht, dass ich nicht gesellig wäre, im Gegenteil. Ich dachte nur bislang, ich brauche das nicht.

So verbrachte ich nun also die folgenden Monate zu Hause. Was meinen Angestellten-Job angeht, war es ein Wechsel zwischen Homeoffice und Kurzarbeit. Dass meine allgemeine Stimmung im Lauf der Zeit immer schlechter wurde, schob ich auf die äußeren Umstände. Es gab in meinem unmittelbaren Umfeld keinen Krankheitsfall, dennoch macht man sich in einer Pandemie verständlicherweise Sorgen, mehr um andere als um sich selbst. Dazu kam, dass ich mir zum ersten Mal seit Jahren Gedanken darüber machen musste, ob das Geld reicht oder ob ich meine Ersparnisse anzapfen muss. Ich schämte mich gleichzeitig dafür, denn ich wusste, da draußen bangen gerade Menschen um ihre Existenz, verglichen damit waren meine Sorgen Pillepalle. Aber sie waren halt trotzdem da.

Weiterhin redete ich mir aber ein: Alles ist okay. Mir geht es gut. Kopf hoch, Brust raus, lächeln, alles wird gut. Dann gab es einen Tag, ich weiß nicht mehr genau, wann, da flogen zwischen mir und meiner Frau die Fetzen. Dazu muss man wissen, dass zwischen uns nie ein wirklich böses Wort fällt. Und damit meine ich nicht „selten“, sondern wirklich nie. Nicht in den mindestens letzten 6-7 Jahren. Das war der Tag, an dem ich mir eingestand, dass eben doch nicht alles in Butter ist. Etwas stimmte nicht mit mir.

Dann geschah etwas Unglaubliches (sind wir hier bei Buzzfeed?) Wir fuhren im sich langsam wieder aus der Starre bewegenden Land ein paar Tage weg und trafen dort mit Freunden zusammen. Zuvor hatten wir uns auch im engsten Familien- und Freundeskreis an die empfohlenen Kontaktbeschränkungen gehalten, auch wenn es schwerfiel.

Innerhalb kürzester Zeit besserte sich mein Allgemeinzustand. Klingt, als wäre ich krank gewesen, vielleicht stimmt das sogar. Ich war jedenfalls gut gelaunt, und die Gedanken, wie das wohl mit der Pandemie allgemein und speziell für mich/uns weiter geht, waren zwar logischerweise immer noch da, aber sie lagen mir nicht mehr so schwer auf der Seele. Ich war wieder in der positiven Grundstimmung, die ich von mir selbst gewohnt bin.

Da dämmertes es mir: Ich litt an Vereinsamung. Alles, was mir fehlte, war ein wenig menschlicher Kontakt. Ich musste beinahe lachen, als mir das bewusst wurde. Ich hatte nur deshalb all die Jahre geglaubt, ich käme prima mit mir selbst klar, weil ich das niemals unter Beweis stellen musste.

Mit dieser Erkenntnis fiel es mir fortan leichter, mit der allgemeinen Situation umzugehen. Um mein Defizit an menschlichen Kontakten nicht allzu groß werden zu lassen, beschloss ich, doch wieder öfter ins Büro zu gehen. Dort war allerdings nur selten jemand anzutreffen, also ließ ich es wieder sein. Ich hatte früher gedacht, ich würde mich nach ein paar Tagen Büroarbeit deshalb besser fühlen, weil ich mein schlechtes Gewissen wegen zu viel Homeoffice beruhigt hätte. Tatsächlich hatte ich aber mein Kontaktdefizit abgebaut und war deshalb besser drauf.

Ich habe in der letzten Zeit öfter mal das Haus verlassen, nur um unter Menschen zu kommen. Das wäre mir früher niemals in den Sinn gekommen. In den kommenden vier Wochen – und möglicherweise darüber hinaus – wird das alles wieder sehr viel schwieriger werden. Ich fühle mich dennoch besser vorbereitet, weil ich jetzt weiß, was da in Wahrheit an mir nagt – und wie ich gegensteuern kann. Nicht immer muss es ein physisches Treffen sein, menschliche Wärme lässt sich ja auch auf anderen Kommunikationswegen übertragen.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare

  1. Ganz starker, offener & sehr ehrlicher Beitrag, Martin!
    musste mich seit Juli 2019 auch auf sehr viel mehr Home Office umstellen, viele Hardware Vorbereitungen von zu Hause aus...
    Und übe immer noch, die Balance zu finden...
    war der ähnlichen Meinung wie Du, doch ich merke, dass trotz allen Kanälen die man online zur Verfügung hat, ist es mir sehr wichtig mich mit Freunden... und sei es an der frischen Luft, zu treffen, uns auszutauschen.
    Tja, die Tücken "of a new aera" ;)
    Lieber Martin! Ich kann das alles sehr gut nachempfinden und danke dir für deine offenen Worte. Das macht das besondere an dieser Seite aus - es geht zwar um Technik, es sind aber Menschen, die dahinter stecken. Das merkt man und das macht es unverwechselbar. Ich wünsche uns allen, dass wir gut durch die nun anstehende Zeit kommen, die ja sowieso schon eher dunkel und kalt ist. Schön, dass es dieses Forum gibt und gut, dass wir uns alle gewiss sein können, dass wir mit unseren kleinen und großen Problemen ganz sicher nicht alleine sind. Alles Gute!
    Martin, so lange du auf einen Ball kein Gesicht malst und dich beginnst mit dem Ball zu unterhalten, so lange ist noch alles gut...
    Kann da sehr gut mit dir mitfühlen.
    Bei mir gibt es seit 2018 aber gar kein Büro, bei dem man bei Bedarf Offline-Kontakt pflegen kann, wenn der Akku leer ist.. Der Akku für persönliche Interaktion.
    Nicht nur deshalb gibt es Bestrebungen diesen Einzelkämpfer-Modus teilweise gegen Team auszutauschen. Auch meine Versuch mich hier einzubringen gehen klar auf das zurück, was du beschreibst.
    Meine Frau ist Psychologin in der Kinder und Jugendpsychiatrie und ich arbeite in einer besonderen Wohnform für psychisch kranke Menschen als Sozialarbeiter. Das Arbeitsleben ist für uns stressiger unter den aktuellen Umständen geworden, sonst ändert sich im Arbeitsumfeld nichts. - Leider ,,durften" wir in der Zeit vom 15.03. bis nach den Sommerferien nicht zu Hause bleiben und unsere Kinder betreuen, die weder in die Schule noch in die KiTa gehen konnten. - Natürlich hätten wir sie in die Notbetreuung bringen können, unsere Tätigkeiten waren dafür vorgesehen, jedoch war uns das Risiko zu groß COVID-19 in die Einrichtungen zu tragen.
    Soziale Kontakte hatten wir nur noch am Arbeitsplatz und unsere Kinder hatten ab dem späten Nachmittag genervte Eltern zu Hause. - Diese freuten sich ja eigentlich, dass wir nach Hause kommen, jedoch blieb im Laufe der Zeit einfach keine Kraft mehr unsererseits übrig. Bis Anfang August hatte gefühlt jeder zu Hause einen Dachschaden. Die Kinder schliefen nicht mehr, weinten nur noch klagten uns an man würde sie nicht mehr lieben usw. - Dann hatten wir ,,Gott sei Dank" unseren Jahresurlaub, drei Wochen. - Das hat wieder irgendwie Normalität in unser Leben gebracht.
    Ich hoffe einfach, dass Schulen und Kindergärten in den nächsten Monaten weitestgehend geöffnet bleiben damit die Kinder ein möglichst normales Leben haben können.
    Und falls wieder alles den Bach runtergeht, schicken wir sie auch in die Notbetreuung. - Die seelische Belastung für alle ist einfach zu hoch. - Wir versuchen auf jeden Fall uns den Umständen entsprechend zu Verhalten...
    (Weiß gar nicht warum ich das Schreibe, aber ich denke zur Zeit ist alles Sch...!)
    Ich vermisse weniger die Kollegen (die machen eh nur MEINE Systeme kaputt!), ich vermisse viel mehr die 20 jährige Routine.
    Aufstehen, Duschen, Frühstücken, fertig machen, zum Auto trotten, Jeden zweiten Tag beim Bäcker für das gemeinsame Frühstück halten, arbeiten, Pause, arbeiten, heim fahren....
    Da ich mich noch nicht eingelebt habe sieht es eher so aus:
    Wecker klingeln lassen denn man hat ja 45 Minuten mehr Zeit, Duschen zum wach werden, arbeiten, frühstücken, arbeiten, Mittag, arbeiten, Kinder begrüßen, arbeiten, panisch raus rennen weil ich noch keinen Pokestop gedreht habe, essen, arbeiten...
    Was mir hilft sind meine eisernen Eheregeln: Nie gemeinsam mit meiner Frau aufstehen, nie ungeduscht den Kindern gegenüber treten und das wichtigste, niemals auch nur das kleinste bisschen in mich rein fressen. Eheleute sind dafür da, dass man sich auch mal richtig anschreien kann :)
    Ich tippe ja, dass Martins Persönlichkeitsprofil auf ca. 75% der hier anwesenden Zielgruppe zutrifft :_) Ich bin jedenfalls auch dabei.
    Ja, wer die Ursache des Problems der zunehmenden Home-Muffelei erkannt hat, ist schon einen entscheidenden Schritt weiter (Problem erkannt - Gefahr gebannt).
    Das Umsetzen der Lösung ist dann auch Organisation und Selbstdisziplin.
    Da bei uns in der Firma seit Sommer nun Teams flächig im Einsatz ist, bietet das schonmal eine bessere Basis für stimmungshebendes Gelaber als nur Mail oder Telefon.
    Und dann: viel rausgehen. Wo das Wetter nun schön schlechter wird, ist es ein Reizklima und das ist gut für alles, Körper und Geist.
    Bei uns wohnen keine Kinder mehr und Frau geht täglich ins Büro, weil sie ihre GIS-Datenmengen nicht hier aufs Dorf geschaufelt bekommt. Das hilft schon, wenn zumindest einer von beiden noch Input von "draußen" mitbringt. Insofern kann ich nicht klagen zumal mir Alleinsein auch nichts ausmacht.
    An alle: Kopf hoch, Brust raus (s.o.) und Arschbacken zusammengekniffen, es wird auch wieder besser. Ob es jemals wieder richtig gut wird, bei allen anstehenden Problemen von denen C. nur eines ist, weiß ich nicht. Aber "gut" ist auch nur eine Gewohnheitssache bzw. Definitionsfrage.
    Habe lange gewartet um hier einen Kommentar zu schreiben, aber jetzt muss es raus. Ja ich glaube so geht es einigen die immer im Büro arbeiten und nicht raus kommen. Aber es gibt immer Zwei Seiten der Medaille dazu gehöre ich . Als Anlagenmechaniker der Fachrichtung..Heizung Sanitär Gas und Lüftung muss ich sagen seit März wo alles anfing hat sich für mich nichts geändert. Home Office gibt es für Handwerker nicht also immer Kunden konntak und das IMMER ohne Maske .Überall hört man was alles so toll ist im Home Office und die Helden der Nation..Applaus...Applaus aber was machen die ohne Handwerker? Der Strom fällt aus ? Die Heizung geht nicht? Kein Wasser? Wenn rufe ich da ..na ! Ohne Handwerker keine Helden.
    Ach Martin, in Teilen kann ich mit dir (und den anderen), als Single, mitfühlen. Ohne Menschen geht es nicht und mit ihnen fangen die Probleme erst an. Eine alte orientalische Weisheit zum Schluss:
    Es ist nicht gut, dass der Mensch allein' sei.
    Das ist Jammern auf unangenehmen Niveau!
    Versetz dich mal in die Lage von Produktionsmitarbeitern, Handwerkern, Krankenschwestern, etc. etc. etc.
    Diese riskieren täglich ihre Gesundheit sowohl bei der Arbeit, und auf dem Weg dorthin in vollen Bussen und Zügen. Diese Kollegen würden liebend gerne mit dir tauschen!
    Ich kenne auch Kollegen, die vom Arbeitgeber eine Homeoffice-Entschädigung für den Mehrverbrauch von Strom, Wasser und Klopapier erwarten. Am Besten auf Kosten derjenigen, die an ihrem Arbeitsplatz erscheinen müssen.
    Vielleicht hilft ja ein Gedanke an 5 köpfige Familien, die auf 60 qm leben, etwas gegen "Vereinsamung".
    Wer spricht denn hier von "Helden" im Homeoffice? Wir reden von Menschen, die dort im Zusammenhang mit der Pandemie ihre spezifischen Probleme haben.
    Menschen in anderen Berufen und an anderen Orten oder im Erdbebengebiet der Türkei oder in den Kriegsgebieten dieser Welt haben andere Probleme. Und die meisten dieser Probleme sind wiederum größer als die eines auf Maske verzichtenden Monteurs im Außendienst.
    Niemand schreibt hier im Anspruch einer Vollkommenheit oder allumfassenden Wahrheit.
    Also ich allein habe kein Problem zu Hause zu bleiben. Beschäftigen kann ich mich drin. Also ich muss nicht unbedingt jeden Tag jemanden sehen. Ok ab und zu muss ich auch mal raus, aber das ist ja auch erlaubt, nur kein Gruppenkuscheln^^
    Schwerer sehe ich das bei 5 Köpfiger Familie, je nach wie groß die Bude ist, kann man sich auch auf dem Sack gehen, Home Office wird da bestimmt auch nicht einfach.
    Kurz gesagt, bei jeden eh anders und man muss gucken wie das bei einem gut machbar ist.
    Also ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich bin Selbständiger Handwerker, wenn ich nur zwei Tage an meinen Schreibtisch sitzen muß, krieg ich schon die Krise. Ohne den täglichen Kundenkontakt am Telefon oder Vorort würde ich kaputt gehen. Ich kann dem Homeoffice sogar was gutes abgewinnen. Die Terminplanung war noch nie so einfach, da immer jemand zu Hause ist, Dank Homeoffice...
    @SandyB
    Ich habe kein Jammern erkannt. Und seinen Artikeln zufolge scheint er auch nicht dazu zu neigen. Martin hat beschrieben, wie er persönlich die Situation wahrgenommen und sich dabei teils neu kennengelernt hat. Mir scheint er eher etwas schockiert gewesen. Es ist doch gut wenn jemand offen über seine Gefühle spricht. Mitforisten haben ja entsprechendes Feedback gegeben.
    Der fünfköpfigen Familie auf 60m² geht es sicher wesentlich besser als der fünfköpfigen Familie auf 20m² in Thailand. Das könnte man immer so weiter führen... Ich denke schon, dass sich Martin dessen bewusst ist.
    Hallo zusammen :-)
    jetzt gebe ich hier auch noch meinen Sermon dazu.
    @Martin: das war ehrlich. Und mutig. Genauso wie Kevin, der uns sehr offen an seiner Problematik teilhaben lässt. By the way...so etwas lese ich in anderen technik-affinen Blog seltenst bis gar nicht.
    Aber es macht Euch als Menschen hinter den Buchstaben hier greifbarer. Habt Dank dafür.
    Ich arbeite als Erzieher und medienpädagogische Fachkraft im Kontext Grundschule.
    Wir sind ein 14-köpfiges Team, die wenigstens von uns technisch bewandert.
    Als Lockdown I begann, waren wir zunächst zwischen Hoffen und Bangen. Bis auch für uns der Home Office Betrieb begann. Ich könnte hier jetzt Anekdoten erzählen...aber ich möchte als Nicht-ITler wenigstens noch ein bissel ernst genommen werden ;-)
    Ich betreute meinen Sohn (4) parallel zuhause. Meine Frau arbeitet im Labor.
    Wir kannten also die Zahlen ganz gut und es war schnell klar, dass das lange gehen wird.
    Wie viele Andere verlor auch ich irgendwann den Antrieb, mich "stadtfein" zu machen. Und der rote Faden bestand nur aus Teamen, Vorbereiten, E-Mails bearbeiten, Spielen, Essen kochen, spazieren und dann das ganze von vorn.
    Ich konnte irgendwann die Werk-von den Wochenendtagen nur noch dadurch unterscheiden, dass MS Teams und Outlook verdächtig still waren.
    Und auch meine Laune sank in den Keller. Als ich nach 11 Wochen endlich wieder in die Schule durfte, war das wie ein Fest für mich. Endlich nicht mehr nur Kind und Frau.
    Mir hat der direkte menschliche Austausch mit den Schülern und den Kollegen mehr gefehlt, als ich mir je hätte träumen lassen. Ich und viele Kollegen blühten auf.
    Dann kam das neue Schuljahr. Und es dauerte nicht lange, bis die ersten Verdachtsfälle auftauchten.
    Jetzt sind mehrere Klassen Quarantäne, wir Mitarbeiter tragen 3-6 Stunden täglich Maske, sind reduziert auf unsere eigene Klasse. Und sehen uns als Team weniger als je zuvor. Abstand, Laufwege, Separieren wo es geht.
    Ich gehe mit Angst auf die Arbeit. Die ersten Kollegen haben den Virus.
    Bin ich deshalb ein Held? Nein. Genausowenig wie all die Heimarbeiter, Ärzte, Schwestern, Busfahrer, Aktienhändler usw....
    Wir alle machen unseren Job. So gut es geht. An dem Platz, wo wir am Nützlichsten sind. Es gibt kein Besser oder Schlechter.
    Und Leidensdruck ist etwas sehr Subjektives.
    Ich kenne Menschen, die seit März zuhause arbeiten, finanziell gesichert, die außer den Kontaktbeschränkungen wenig von Allem tangiert sind. Die leiden sehr.
    Und ich kenne eine Schwester, die in einer Notaufnahme arbeitet. Die sich sorgt, aber keine Angst hat. Und die kein Leiden verspürt.
    Menschliche Grenzen sind individuell. Es gilt sie zu respektieren, unabhängig davon ob es den eigenen entspricht.
    Ich finde es mutig und toll, dass so viele Mitforisten ihre Erfahrungen hier geteilt haben.
    Danke dafür :-)
    Danke Martin.
    Super Text der ziemlich genau meine Psyche derzeit beschreibt.
    Obwohl ich im Saturn jeden Tag arbeiten darf. Mit und unter Menschen.
    Dies macht diese Seite so besonders. Hier geht es menschlich zu.
    @MichaR
    Vermutlich 90 bis 95% mit ähnlichem Persönlichkeitsprofil.
    Wir Menschen sind soziale Wesen, auch wenn wir es manchmal vielleicht nicht glauben.
    Wir brauchen auch Ablenkung um nicht zu viel nachzudenken, oft kann da eine sehr einseitige, verzerrte Wahrnehmung entstehen.
    Da merkt man dann, dass es anderen ähnlich geht und man nicht allein ist.
    Habe ja eine Zeitlang viel gelesen, gebloggt (siehe Signatur) - im Endeffekt fehlt da aber der REALE Austausch mit MENSCHEN.
    Auf meinem Blog sind etliche Tipps und Gedanken zu finden und schöne Bilder, Videos vom Nationalpark Thayatal (im Osten Österreichs an der Grenze zu Tschechien).
    Wettercam...diese Bilden versprühen viel positive Energie, bei Sonne noch mehr.
    Webcam in Hardegg - Nationalpark Thayatal | Livecam Hardegg - Nationalpark Thayatal | Wetterkamera : feratel.com
    Gut ist Natur, frische Luft, Bewegung, Sonne, der Austausch mit anderen.
    Wichtig ist LEBEN, zwischendurch Energie tanken mit schönen Erlebnissen. Erden.
    Oft fällt man wieder zurück in alte, antrainierte Verhaltensweisen.
    Weiss, dass mir NATUR gut tut, oft wieder Bildschirm - wie jetzt gerade.
    Ist wohl uU auch Frage des Alters, wenn Du plötzlich nachdenkst was man eigentlich noch alles machen könnte ....
    Sehr hilfreich gegen Home-Office Koller ist ein Hund: man muss mind. 2 mal am Tag raus aus dem "Office", trifft gleichgesinnte 2 und 4-Beiner und denkt mal an etwas anderes.
    @emk: Danke sehr, besonders für diesen Satz:
    "Menschliche Grenzen sind individuell. Es gilt sie zu respektieren, unabhängig davon ob es den eigenen entspricht."
    Ja. Menschen sind verschieden, sind unterschiedlich geprägt von ihrer Kindheit/Erziehung, haben unterschiedliche Ziele, (Wert)vorstellungen, usw.
    Was für den Einen wichtig ist geht dem Anderen völlig am Ar*** vorbei.
    Bin auch mal dem Denkfehler erlegen, dass alle Menschen GLEICH sind.
    @Administratoor ich habe einen Hund, besser gesagt eine Hündin, da die aber jedem anderen Hund erzählt, sie habe schon genug Freunde, komme ich selten mit anderen Leuten ins Gespräch, wenn wir unterwegs sind. Aber zum "Kopf frei bekommen" ist das prima geeignet. Vor allen Dingen, weil der Hund ohne jede Rücksichtnahme einfach gute Laune hat, wenn es raus geht :).
    Vielen lieben Dank auch für das zahlreiche andere Feedback, da waren auch für mich wieder ein paar gute Anregungen dabei.
    Wäre ich froh, wenn ich auch mal Home Office machen könnte. Alleine und zuhause wäre ich tausend mal produktiver.
    Wir können viel von der Natur und auch von den Tieren lernen.
    Glaube es ist in einem Video von Robert Betz vorgekommen...
    sinngemäß "Nur MENSCHEN denken über Sinn und Unsinn nach, hinterfragen, reflektieren, grübeln usw., z.B. ein Vogel wird nicht in der Früh munter und sagt: Geh bitte, jetzt muss ich wieder rumfliegen, Nahrung suchen und mich auf einen Ast setzen und singen - der TUT es einfach.
    Oder die Katze - streunt rum solange es Spaß macht, jagt vielleicht wenn nicht zu verwöhnt, frisst und wenn sie müde ist legt sie sich hin".
    Ausführlicher aber auch ein schonungslos ehrlicher Bericht! Home Office kann schon eine ganz nette Sache sein, aber man muss zwischendurch auch mal raus, mal andere Menschen sehen oder einfach nur um den Kopf frei zu kriegen, auch wenn man sich eigentlich gut selbst beschäftigen kann. Hilfreich ist es natürlich wenn man da einen Hund hat. :-)
    Ich denke das Thema Corona geht uns mittlerweile allen nur noch auf die Nerven und man wünscht sich das es aufhört.
    Wow, sehr toller Bericht.Ich und meine Frau wurden immer bemitleidet dass wir kein Homeoffice machen konnten (Produktionsplanung und Tech. Betreuung Etikettendruck; Artzpraxis), inzwischen hat sich das Blatt ein bisschen gewendet und die die 100% Homeoffice hatten orientieren sich inzwschen ein bisschen um. Ist nicht einfach die Zeit und man muss besonnen und offen damit umgehen damit man nicht unter geht, im Büro oder zu Hause.
    Dann hau ich einen Vorschlag heraus:
    Martin kann ein bis zwei Mal im Monat ein Zoom Meeting, mit seinem Dr.Windows- Netzwerk bzw. seiner Fans veranstalten. So in der Art machen wir es in unserem DJ Netzwerk auch. Wir tauschen uns aus und geben uns Hilfestellung in der schwierigen Zeit. So hast Du mehr Abwechslung in deiner freien Zeit und kannst dich mit Leuten bzw. Gleichgesinnten unterhalten.
    Nebenbei baust du dir einen Online Dr.Windows Fan Artikel Shop auf. Hier verkaufst du von Maus mit Dr.Windows Logo, bis hin zum Mauspad und T-Shirt. Abwechslung zu deinem Alltag hast du hierbei bestimmt und du verdienst noch etwas Geld nebenbei.
    Am Wochenende, bei uns ist es zum Beispiel der Sonntag, bietet sich ein schöner längerer Spaziergang, im schönen Pfälzer Wald an. Alternativ wäre das Bülhlertal in deiner Nähe. So kommt ihr zusammen raus und die Gedanken lösen sich von selbst auf.
    Ich glaube, dass Home Office in vielen Situationen zwar Sinnvoll sein kann, aber auf Dauer auf die Psyche schlägt. Deshalb ist es wichtig sich und seine Familie inkl. seiner Freunde und Bekannten zu organisieren.
    Zur Not holst dir einen Hund und rennst mit ihm täglich um den Block. Das befreit auch ungemein :-D
    Kopf Hoch! Es kommen hoffentlich auch wieder einfachere Zeiten......
    Danke für diesen offenen Beitrag! :-) Dein Bericht hat mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Schön, dass Du für Dich einen guten Weg gefunden hast!
    @Martin
    Ich kann das überhaupt nicht nachempfinden, aber wenn es Dir dadurch besser geht, ist da etwas dran, dann musst Du eine Balance finden, wofür ich Dir so verspätet Glück wünsche.
    Ich vermisse bis jetzt so gar nichts, vielleicht sollte ich mich für einsame Jobs auf irgendwelchen Messstationen anmelden.
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