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HP Elite Folio ausprobiert: Oh wie schön kann Windows on ARM sein

HP Elite Folio ausprobiert: Oh wie schön kann Windows on ARM sein

Vor einigen Wochen fragte HP bei mir an, ob ich Interesse hätte, das HP Elite Folio mit Windows on ARM auszuprobieren. Selbstverständlich hatte ich Interesse, ich schrieb aber fairerweise zurück, dass ich mir das Gerät sehr gerne anschaue, es aber praktisch ausgeschlossen ist, dass ich eine Kaufempfehlung aussprechen werde.

Sie schickten mir das Gerät trotzdem zu, diese Schlingel. Jetzt bin ich ganz verliebt in das Elite Folio. Eine objektive Kaufempfehlung erhält es trotzdem nicht, und zwar aus den Gründen, die ich HP in meiner Antwort mitgeteilt hatte: Die Hardware wird schon bald überholt sein, außerdem ist der Preis zu hoch.

Im HP Elite Folio steckt der Qualcomm Snapdragon 8cx Gen 2, der seit dieser Woche offiziell ein Auslaufmodell ist, denn Qualcomm hat die dritte Generation seines ARM-Chips für Laptops angekündigt, die fast doppelt so schnell ist und die schon in Kürze in neuen Geräten zum Einsatz kommen soll. Ob der neue Chip die vollmundigen Marketing-Versprechungen einlöst, bleibt abzuwarten, dennoch würde ich niemandem empfehlen, jetzt noch ein Gerät mit der zweiten Generation zu kaufen, zumindest nicht zum regulären Preis.

Damit kommen wir zum Killerargument Nummer zwei: Das HP Elite Folio in der hier vorliegenden Ausstattung kostet rund 2.000 Euro. Wenn man sich anschaut, welche Leistung man für dieses Geld bei x86-Geräten bekommt, liegt dieser Preis jenseits von Gut und Böse. Das Surface Pro X mit Type Cover und Stift kostet allerdings nur rund 30 Euro weniger und hat kein 5G, relativ betrachtet liegt HP also gar nicht so falsch. Es ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die ARM-Geräte schlicht zu teuer sind.

HP Elite Folio im Laptopmodus

Nachdem ich also nun ausführlich erklärt habe, warum man dieses Gerät nicht kaufen sollte, betrachten wir die folgenden Zeilen bitte als „Testbericht außer Konkurrenz“. Wenn wir das tun, muss ich mich nämlich mit meiner Begeisterung nicht zurückhalten und kann sagen: Das HP Elite Folio ist ein fantastisches Gerät – und sexy obendrein.

Wie immer zu Beginn – der Steckbrief:

Technische Daten des HP Elite Folio

  • 13,5 Zoll Display, Seitenverhältnis 3:2, 1.920×1.280 Pixel
  • Qualcomm Snapdragon 8cx Gen2
  • 16 GB RAM
  • 512 GB SSD
  • Konnektivität: 5G, WiFi 6
  • Ports: 2 x USB-C 3.2, 3,5mm Klinke
  • Kamera: 720p, IR-Kamera mit Windows Hello
  • Maße: 298.60 x 229.60 x 15.95mm
  • Farbe: Schwarz
  • Gewicht: ca. 1,3 kg
  • Betriebssystem: Windows 10 on ARM, Upgrade auf Windows 11 verfügbar
  • Preis: 1.999 Euro

HP Elite Folio Seitenansicht

Design

Das HP Elite Folio kommt in einem Leder-Einband. Es ist nicht das erste Mal, dass HP dieses Konzept bei einem Gerät verwendet, aber beim Elite Folio ist das prima gelungen, das Leder wirkt nicht aufgesetzt, sondern ist ein natürlicher Teil des Gehäuses. Die flache und lüfterlose Bauweise, welche die ARM-Plattform ermöglich, hat HP 1:1 in Schönheit investiert. Man kann gar nicht genug davon bekommen, es anzufassen und von allen Seiten zu betrachten.

HP Elite Folio geschlossen

Das 2in1-Konzept hat HP so umgesetzt, wie das Microsoft beim Surface Laptop Studio getan hat. Korrektur: Es war umgekehrt: Das HP Elite Folio wurde nämlich lange vor dem Surface Laptop Studio vorgestellt. Weil das Elite Folio aber deutlich filigraner ist, wirkt es auch im Tabletmodus keineswegs klobig und ist im „Normalbetrieb“ ein vollwertiges Laptop.

HP Elite Folio im Studiomodus

Display

HP setzt beim Elite Folio auf das bei produktiv genutzten Geräten perfekte Seitenverhältnis von 3:2. Dass es sich in erster Linie um ein Arbeitsgerät handelt, sieht man auch an der Auflösung von „nur“ 1.920 mal 1.280 Pixel, was sich im Office-Betrieb allerdings nicht negativ auswirkt.

Obwohl es sich um ein Hochglanz-Touchdisplay handelt, spiegelt es nur minimal. Die Entspiegelung bezahlt man andererseits mit einem Mangel an Brillanz – man kann eben nicht alles haben.

Mit „HP Sure View“ ist ein Sicherheitsfeature integriert, welches beim Arbeiten im öffentlichen Bereich Vorteile hat. Es wird durch Drücken der F2-Taste aktiviert und reduziert den Blickwinkel, sodass ein seitliches Ausspähen des Bildschirms nichts mehr möglich ist. Die Lesbarkeit des Bildschirms verringert sich dadurch allerdings auch für die frontal davor sitzende Person geringfügig.

Tastatur und Touchpad

Die HP-Tastaturen gehören meiner Meinung nach zu den besten im Laptop-Segment, der Druckpunkt ist so perfekt abgestimmt wie bei keinem anderen Hersteller. Das HP Elite Folio macht da erfreulicherweise keine Ausnahme. Auf der Tastatur tippt man mit wachsender Begeisterung, außerdem hat HP endlich diese so furchtbar unästhetisch wirkenden kleingedruckten Umlaute in Ordnung gebracht – hoffentlich wird das bei allen Geräten Standard.

Die Tasten verfügen über eine zweistufige und sehr ausgewogene Tastenbeleuchtung. In der zweiten Stufe könnte sie für meinen Geschmack noch einen Tick heller sein. Das Touchpad arbeitet präzise und hat ein sehr dumpfes, weiches Klicken (irgendwie ist das bei mir so eine Art Fetisch geworden).

HP Elite Folio Tastatur

Performance

Die Performance von Windows on ARM zu diskutieren, ist immer so schrecklich kompliziert. Da ist einerseits die unbestreitbare Tatsache, dass die Leistung von x86-Prozessoren nicht erreicht wird und das Qualcomm bisher zu wenig geliefert hat. Das ist alles richtig, es gibt aber auch noch eine andere Tastsache, die ebenso unbestreitbar ist: Windows on ARM funktioniert.

Die Alltagsperformance des Snapdragon 8cx Gen 2 ist ausreichend, zu keinem Zeitpunkt hatte ich während meiner typischen Office-Tätigkeiten das Gefühl, ein Gerät mit reduzierter Leistung zu benutzen.

Gefühlt ist die Geschwindigkeit unter Windows 11 nochmals besser geworden, was man logischerweise aber nur durch einen Side-by-Side Test herausfinden könnte. Da unter Windows 11 nun auch 64 Bit Programme emuliert werden können, ist die Kompatibilität ebenfalls kein Thema mehr.

Ich wage die kühne Behauptung: Wer dieses Gerät kauft, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was er da kauft, wird es nicht zurückbringen müssen, weil irgendetwas nicht funktioniert. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist bei ARM-Geräten weiterhin ein Thema, die Kompatibilität ist keins mehr.

Akkulaufzeit

Den ohnehin meist praxisfernen Angaben zur Akkulaufzeit geht HP elegant aus dem Weg, indem sie in der offiziellen Produktbeschreibung einfach gar keine Aussage machen, sondern lediglich Leistung für den ganzen Tag versprechen.

Dieses Versprechen wird auch eingehalten, je nach Helligkeit kommt man auf eine Laufzeit von mindestens zehn Stunden, bei reduzierter Bildschirmhelligkeit ist auch deutlich mehr drin. Geladen wird über USB-C, das mitgelieferte Netzteil leistet 65W und lädt den Akku binnen 90 Minuten auf 90 Prozent auf.

HP Elite Folio im Tabletmodus

Sicherheit, Sound, Sonstiges

Neben dem bereits erwähnten Blickschutz Sure View hat HP noch einen mechanischen Shutter für die Webcam eingebaut. Rein emotional nach wie vor die beste Form der Webcam-Deaktivierung. Außerdem ist Windows Hello per Gesichtserkennung für die passwortlose Anmeldung an Bord.

Den Sound steuert wie üblich Bang&Olufsen bei. Der Klang ist kräftig und fast schon brachial laut, zum gelegentlichen Musikhören oder Filme schauen ist das Elite Folio prima geeignet. Im Tablet-Betrieb verdeckt der Bildschirm allerdings die beiden großen Stereo-Lautsprecher, das hat einen hörbar negativen Einfluss, der durch die zusätzlichen, seitlich abstrahlenden Lautsprecher allerdings teilweise ausgeglichen wird.

Den Stift legt HP ebenfalls bei, anders als beim Surface Pro X hat man hier also direkt ein komplettes Paket. Der Stift selbst ähnelt dem Slim Pen von Microsoft, er liegt insgesamt gut in der Hand, ist allerdings meiner Meinung nach etwas zu flach.

Die Funktionstaste, die man zum Löschen drücken muss, ist seitlich angebracht. Je nachdem, wie man den Stift hält, ist sie entweder schwer zu erreichen oder man läuft Gefahr, sie versehentlich zu drücken, das ist nicht sehr gut gelöst. Die Stifteingabe an sich ist allerdings einwandfrei.

HP Elite Folio im Tabletmodus

Fazit

Das HP Elite Folio ist ein tolles Gerät, das wunderbar demonstriert, wie schön Windows on ARM sein kann: Schlank, hübsch, lüfterlos, langatmig sowie überall und jederzeit online.

Von den beiden KO-Kriterien blieb am Ende nur eines übrig: Neue Generation hin oder her, auch mit dem Snapdragon 8cx Gen 2 ist die Performance absolut alltagstauglich. Der Preis von 2.000 Euro ist aber selbstverständlich indiskutabel. Es lohnt sich eventuell, die Augen nach einem Ausverkaufs-Schnäppchen offen zu halten.

Disclaimer: Das hier besprochene Geräte wurde von HP leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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