Huawei MateBook X im Test: Gelungene Notebook-Premiere

Huawei MateBook X im Test: Gelungene Notebook-Premiere

Mit dem MateBook hat Huawei im letzten Jahr einen erfolgversprechenden Start als Hersteller von Windows-PCs hingelegt. Der Nachfolger des 2in1-Gerätes ist das kürzlich erschienene MateBook E, über welches wir heute aber nicht sprechen. Mit dem MateBook X liefert Huawei in diesem Jahr nämlich sein erstes reinrassiges Notebook ab, und genau dieses habe ich in den letzten 14 Tagen ausgiebig getestet. Warum ich es für ein Sahnestück halte und warum es am Ende trotzdem nicht mein neuer Favorit wurde, erzähle ich euch jetzt.

Wie immer starten wir mit einem kurzen Steckbrief – das hier sind die technischen Daten:

  • 13,3 Zoll IPS-Display, 2160×1440 Pixel, kein Touch, 100% RGB Abdeckung
  • CPU: Intel Core i5-7200u oder i7-7500U
  • Intel HD Grafik 620
  • RAM: 8 GB
  • Festplatte: 256 GB SSD oder 512 GB
  • Schnittstellen: 2 x USB-C, 3,5mm Audio
  • Bluetooth 4.1
  • Wifi: 802.11a/b/g/n/ac, 2.4/5 GHz
  • Windows Hello kompatibler Fingerprint-Reader im Power-Button
  • Abmessungen: 211 x 286 x 12 mm
  • Gewicht: 1.050 Gramm
  • Betriebssystem: Windows 10 Home
  • Akku: 5.449 mAh, Laufzeit 10 Stunden (offizielle Angabe)
  • Farbe: Space Grau (die Farbvarianten Prestige Gold und Rose Gold sind hierzulande nicht erhältlich)

Ich hatte die Version mit Core i5 CPU, 8 GB RAM und 256 GB SSD. Alle Varianten des Matebook X sind lüfterlos, was beim i5 unkritisch ist. Inwiefern es bei der i7-Variante zu temperaturbedingten Drosselungen kommt, vermag ich nicht einzuschätzen.

Design und Verarbeitung

Wen Huawei mit dem MateBook X angreifen möchte, sieht man auf den ersten Blick. Das Design ist eindeutig vom MacBook inspiriert und Huawei bemühte sich bei der Präsentation im Mai in Berlin gar nicht erst, diesen Eindruck zu vermeiden. Was Gewicht, Größe und Laufzeit angeht, wurden direkte Vergleiche mit dem Apple-Flaggschiff angestellt. Überflüssig zu erwähnen, wer in allen Disziplinen die Nase vorn hatte.
Das kompakte Design des MateBook X wird in den Slogan „Kleiner als ein DIN A4 Blatt“ verpackt, und das ist in der Tat korrekt, wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann:

Das Gerät ist ohne Frage sehr sexy. Man hält einen Hauch von Nichts in der Hand, und die Verarbeitung ist so erstklassig, wie man das von einem Gerät dieser Preisklasse (knapp 1.400 Euro) auch erwarten kann. Das ohnehin schon sehr dünne Gehäuse wirkt durch abgefräste, glänzende Kanten nochmals dünner und sorgt dafür, dass sich das MateBook X rund herum gut anfühlt.
Den „kann ich es mit einer Hand öffnen?“-Test besteht es ebenfalls. Nicht, dass dies eine entscheidende Eigenschaft wäre, aber bei Premium-Notebooks ist das einfach ein Qualitätsmerkmal.

Display: Nur gucken, nicht anfassen

Das 13,3 Zoll Display des MateBook X bietet eine Auflösung von 2.160×1.440 Pixel. Damit ist es zwar nicht Klassenbester, in Punkto Bildqualität aber dennoch ganz vorne dabei. Dank 100%iger Abdeckung des RGB-Farbraums eignet es sich auch zur Bildbearbeitung und zeigt beim Betrachten von Fotos und Videos ein originalgetreues Bild. Auch am Kontrast und an der Darstellung von Text gibt es nichts auszusetzen.

Anders als die meisten aktuellen Windows-Notebooks verzichtet das MateBook X auf Touch. Es gibt nach wie vor eine Zielgruppe, für das eher ein positives denn ein negatives Merkmal ist. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, nochmals ein Notebook ohne Touch zu kaufen, das ist allerdings eine subjektive Auffassung und soll daher nicht in die Wertung einfließen. Was ich aber sehr wohl kritisiere ist der Umstand, dass das Display dennoch sehr stark spiegelt. Das kann man bei einem Non-Touch-Display auf jeden Fall besser machen.

Sound: Blow me away

Ein Ausstattungs-Highlight des MateBook X ist Dolby Atmos. Wenn man erzählt, dass aus einem nur wenige Millimeter dünnen Gehäuse ein beeindruckender Sound kommt, dann werden Audiophile sofort laut ausrufen: „Erzähl mir keine Märchen!“ Darum formuliere ich es gleich in der richtigen Relation und sage: Ich kann mir kaum vorstellen, dass man den Sound unter diesen Rahmenbedingungen noch signifikant verbessern kann. Was aus den Lautsprechern des MateBook X kommt, kann sich absolut hören lassen. Die virtuellen Surround-Effekte sind beim Anschauen von Filmen deutlich hörbar. Ohne jede Übertreibung: Ich habe nie etwas Vergleichbares aus so kleinen Lautsprechern gehört.

Von Null auf Desktop in zehn Sekunden

Das MateBook X verfügt einen mit Windows Hello kompatiblen Fingerabdruck-Leser. Der Clou: Dieser ist direkt in den Power-Knopf verbaut und authentifiziert den Nutzer schon beim Einschalten, das System startet scheinbar ohne Anmeldung sofort in den Desktop durch. Dieses Verfahren schlägt jede noch so schnelle Gesichtserkennung, eine wirklich geniale Idee.

Ich hatte Sicherheitsbedenken, weil der Fingerabdruck in diesem Fall nicht direkt von Windows gelesen werden kann, denn das läuft beim Einschalten noch nicht. Es ist allerdings so, dass der Fingerabdruck in einen speziell geschützten Bereich der Firmware geschrieben wird, der wiederum nur von Windows Hello ausgelesen werden kann. Das Verfahren ist also lediglich asynchron, aber nicht mehr oder weniger sicher als die Identifizierung nach dem Systemstart.

Tastatur / Touchpad

Für jemanden, der so viel schreibt wie ich, ist die Tastatur eine ganz entscheidende Komponente. Sie kann über Defizite hinweg trösten oder einen dunklen Schatten auf positive Eigenschaften werfen. Das Keyboard des MateBook X ist so hochwertig wie der Rest des Geräts, die Tasten fassen sich gut an und haben einen angenehmen Druckpunkt. Allerdings ist der Tastenhub dann doch arg kurz, was der ultradünnen Bauweise geschuldet ist. Ich kann damit arbeiten und ich könnte mich auch daran gewöhnen, will ich aber nicht. Wer kein Hardcore-Schreiber ist, bei dem fällt das weniger stark ins Gewicht, außerdem ist die Beurteilung des Tastenhub ohnehin eine rein subjektive Geschichte.

Das Touchpad ist angenehm groß und arbeitet präzise (wie regelmäßige Leser wissen, bin ich generell kein Touchpad-Nutzer und greife bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zur Maus). Während des Tippens wird es automatisch deaktiviert, und ich hatte den Eindruck, dass es hin und wieder etwas träge beim „Anspringen“ war, wenn man es zwischendurch benutzen möchte.

Akku

Die schlanke Bauweise des MateBook X hat wenig überraschend zur Folge, dass man bei der Akkulaufzeit Kompromisse eingehen muss. Offiziell ist sie mit „bis zu 10 Stunden“ angegeben, und wie man sich denken kann, erreicht man diese nur unter optimalen Bedingungen. Bei meinem typischen Aufgaben-Mix – Internet, Office, Musik hören, hier und da etwas Bildbearbeitung und Video schauen – komme ich auf etwa 6-7 Stunden. Mir persönlich ist das deutlich zu wenig, darum schrieb ich im letzten Jahr: Ich will keine dünneren Notebooks, sondern stärkere Akkus. Das MateBook X ist allerdings dermaßen auf „Schönheit“ getrimmt, dass die Käufer, die es anzieht, vermutlich gut damit leben können. Beim Aufladen (via USB-C) werden in 30 Minuten rund 40 Prozent und in 60 Minuten 75 Prozent der Kapazität erreicht, voll aufgeladen ist das MateBook X nach rund zwei Stunden.

Mate Dock 2

Das MateBook X besitzt nur eine USB-C Schnittstelle (die andere kann exklusiv nur zum Aufladen verwendet werden). Sozusagen ganz wie beim Vorbild benötigt man einen Adapter für Peripherie-Geräte. Das Mate Dock 2 bietet USB-C, USB Type A, VGA und HDMI in einem Adapter vereint. Es ist im Lieferumfang des MateBook X enthalten.

Weg mit Pokki

Bevor wir zum positiven Fazit kommen, müssen wir noch über eine unangenehme Sache reden. Huawei packt einen „App Explorer“ auf das MateBook X, der gängige Desktop-Programme wie z.B. Skype zur Installation anbietet, dabei aber die Adware Pokki als „benötigte Komponente“ ausweist und gleich mit installiert. Das ist „Crapware at it’s best“. Viele Eigenschaften eines Produkts kann man nicht mehr ändern, wenn es auf dem Markt ist, das hier aber lässt sich korrigieren. Huawei, macht das weg! Das ist ein überflüssiger Schandfleck für ein ansonsten tolles Produkt.

Fazit: Function follows Form

Ist das Huawei MateBook X ein Apple-Killer? Kann ich nicht beantworten, ich habe keine Mac-Erfahrung. Optisch kann es aber in jedem Fall mithalten. Es ist ein Ultrabook mit jeder Menge Sexappeal und echten Highlights wie dem tollen Sound oder dem clever umgesetzten Fingerabdruck-Leser. Wer ein hochwertiges, leichtes und möglichst kompaktes Windows-Notebook sucht sowie auf Touch verzichten kann, dem kann ich es ohne Gewissensbisse ans Herz legen.

Meine Kritikpunkte – kein Touch, zu flacher Tastenhub, zu kurze Laufzeit – sind allesamt dem Design geschuldet und damit wohl auch bewusste Entscheidungen gewesen. Die Vorgabe war „Function follows Form“, das ist nicht zu übersehen. Für die Zielgruppe, die mit dem MateBook X angesprochen werden soll, fallen diese Punkte vermutlich nicht so sehr ins Gewicht, sie erfreut sich an einem superschicken Windows-Notebook, welches sicher den einen oder anderen Blick vom Nebentisch auf sich zieht. Unterm Strich eine gelungene Notebook-Premiere von Huawei.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Danke für den Testbericht! Ein wirklich schönes Gerät, jetzt müsste der Preis nur noch auf 999€ fallen und es könnte mein Surface pro 3 ersetzen. Im Gegensatz zu Martin ist für mich die touch Bedienung unter Windows 10 unnötig bzw. Einfach schlecht. Daher kann ich auch auf diese verzichten.
    Warum werden die Arbeitsbereiche immer kleiner? Sollte nicht der Anreiz eher dahingehend bestehen 14-15er kompakter zu bauen?
    Ich hoffe, ich lese hier vom ersten Mate 10-Hands-On! Bestes Huawei-Blog, dass ich bisher finden konnte. Freue mich schon auf die Android 8-Releases.
    @quisel die Teilnahmegebühr des Kurses "Sarkasmus für Anfänger" hast du dir hoffentlich erstatten lassen ;).
    Es ist mir immer noch schleierhaft dass man an einem klassischen Laptop Touch benötigt, geschweige denn damit arbeiten kann. Und ich meine mich zu erinnern dass martin und miriam genau diesen Aspekt bei ihrer Onecast "live Review" des Surface laptop belächelt haben, oder ?
    Korrektur: Es war die Stifteingabe die belächelt wurde.
    Der Nutzen von Stifteingabe ist bei diesem Formfaktor fraglich. Für Kleinigkeiten mag es sicher gehen (markieren, streichen, unterstreichen kleine Anmerkung etc.), aber es nicht wirklich ergonomisch.
    Über die Touchbedienung kann man sich streiten - ich nutze sie eigentlich kaum, was aber eher der Gewohnheit geschuldet ist. Meine Kurzen grabschen gerne.
    So wirklich mag ich jedoch die Option auch nicht unbedingt hergeben wollen, könnte jedoch darauf verzichten wenn das Angebot passt.
    Das Gerät wirkt wirklich schick, jedoch auch wieder keines für mich. Mir sind die Displays zu klein.
    Ich sehe das wie Setter. Immer kleiner, immer weniger Ausstattung an Anschlüssen und kürzerer Akkulaufzeiten. Die Preise sind unverschämt hoch. Wäre das gleiche, wenn ich einen Käfer tiefer lege und dann zum Preis von nem Porsche verkaufen will.
    Ich sehe das wie Setter. Immer kleiner, immer weniger Ausstattung an Anschlüssen und kürzerer Akkulaufzeiten. Die Preise sind unverschämt hoch. Wäre das gleiche, wenn ich einen Käfer tiefer lege und dann zum Preis von nem Porsche verkaufen will.

    Da bin ich bei dir!
    Und das mit dem Käfer,könnte sogar klappen!!!;)
    Warum werden die Arbeitsbereiche immer kleiner? Sollte nicht der Anreiz eher dahingehend bestehen 14-15er kompakter zu bauen?

    Ganz meine Meinung. Unter 15 Zoll fällt es bei mir direk durch das Raster. Die meisten Taschen oder Rucksäcke können solche Maße ohne Probleme verstauen. Auch teile ich Martins Ansicht, dass ich ohne Touch ebenfalls nicht mehr Arbeiten möchte. Apple wird das auch noch verstehen (weil hier der Vergleich zum Mac Book gezogen wurde)....
    Wie lange @ Martin hat es denn gedauert das Gerät auf einen aktuellen Stand zu bringen, bis man damit arbeiten konnte?
    Ich habe heute morgen für meine Frau ein SP 4 erhalten und das Ding ist immer noch nicht flott. Am liebsten tät ichs einpacken und zurück schicken. Langsam wird mir die Zeit zu schade....:mad:
    Jetzt mal unabhängig davon, es wäre doch sicher mal ein Thema wert. Gerade eben auch durch die die Service-Politik von Windows 10.
    Wie gesagt, das Gerät habe ich heute so gegen 11.00 erhalten. Wir haben jetzt 23.30 und es ist immer noch nicht arbeitsfähig. Da laufen Updates ohne Ende und zusätzlich noch das Upgrade. Zum Glück kann man OneDrive pausieren, aber per Default würde das auch noch fleißig synchronisieren. Das trübt die Freude doch ganz erheblich. Zumal die Updateorgie der Apps nach dem Upgrade weiter geht.
    Ich habe noch nicht mal Programme installiert resp die Apps welche benötigt werden.
    Also wenn man vor hat sowas als Geburtstagsgeschenk zu verschenken, sollte man zwei Tage vorher das nötigste vorbereiten. Es sei denn, man will das Geburtstagskind beschäftigen und sich über den Kuchen alleine hermachen.
    Ja, so ist das, so kenne ich das auch und so war es auch früher, zumindest bei meinen Rechnern. Ich habe die "Geschenke" nebenbei eingerichtet, aktualisiert, neu installiert und fand das ein wenig wie vorige auf Weihnachten. Auf die Schnelle ging nie was (gut). Selbst das Windows Phone für meine Frau hatte ich vorher tagelang in der Mache, damit es sicher läuft. Ich dachte bisher immer, das ist so., das muss so sein. Getreu dem Motto: Willst du, dass es gut wird, mach es selbst!
    Ohne euch beiden etwas unterstellen zu wollen, aber es gibt Leute die sind einfach nicht dafür geeignet. Vor allem Setter. Spät. Nach zwei drei Stunden fängt man doch langsam an zu überlegen ob es üblich ist, dass ein solches Gerät wirklich so lange benötigt. Naja. Alles Gute
    Nicht geeignet so so.....
    Nach zwei drei Stunden fängt man doch langsam an zu überlegen ob es üblich ist, dass ein solches Gerät wirklich so lange benötigt.

    Na dann überleg mal warum das so ist.......vielleicht kommst selber drauf.....
    Stichwort Displaygrößen: Mein erstes Notebook hatte 15 Zoll, das nächste 17, das übernächste wieder 15 Zoll. Inzwischen betrachte ich 13,x Zoll als die optimale Größe - unter der Voraussetzung, dass man sehr oft unterwegs ist. In Zügen, Flugzeugen etc. wird es mit einem 15-Zoll-Bomber schnell eng. Würde ich ein Notebook überwiegend zu Hause und vielleicht noch als primären PC nutzen, dann müsste das auch mindestens ein 15-Zöller sein.
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