In eigener Sache: Größere Veränderungen in meinem Themenzuschnitt
Momentan wird es immer mehr zur Gewissheit, dass die Community-Projekte, die Microsoft traditionell nahe stehen, in absehbarer Zeit vor größeren Herausforderungen stehen werden, wie sie mit dem Techriesen aus Redmond in seiner aktuell kaum funktionierenden KI-Strategie umgehen sollen. Gerade das letzte Jahr war mit vielen Einstellungen, Preiserhöhungen und manchen Entgleisungen der Verantwortlichen nicht einfach und das Jahr 2026 dürfte diesen Trend nahtlos fortsetzen.
So oder so: Auch unabhängig davon steht schon länger fest, dass es in meinem Themenzuschnitt und den Ressourcen, die ich für das Projekt künftig aufwenden kann, zu größeren Veränderungen und Einschnitten kommen wird. Teilweise hatte ich das im letzten Jahr etwa mit der Wiedereinführung der Entwickler Rundschau bereits angedeutet, aber hinter den Kulissen gab es in den letzten Wochen längere Gespräche im Team und mit meiner Assistenz, wie ich dieses Projekt trotzdem weiter bestmöglich begleiten kann.
Lest euch den Beitrag bitte bis zum Ende durch, damit hier kein falscher Eindruck entsteht. Grundsätzlich reden wir nicht nur von Kürzungen, sondern vor allem über Umschichtungen, die meine Ressourcen auch in konkrete Impulse lenken, mit denen wir einen ersten Schritt gehen, um von Microsoft wieder unabhängiger zu werden.
Microsoft
Schrittweise habt ihr bereits im letzten Jahr die ersten Änderungen zu sehen bekommen und ich mache auch keinen Hehl daraus, dass ich immer wieder mal Tests durchgeführt habe, wie das Feedback auf eine bestimmte Idee von mir ausfallen würde. Zahlreiche Beiträge aus dem Sonderprogramm zum Jahreswechsel wie der längere Beitrag zu Longhorn gehörten ebenso dazu wie die stark gekürzte Berichterstattung zu .NET Conf im November. Radikale Veränderungen stehen hier nicht bevor, aber spürbar wird es trotzdem werden.
Den Schwerpunkt setze ich vor allem bei den Entwicklerthemen, deren Relevanz bei uns zuletzt ohnehin immer mehr zurückgegangen ist. Die Entwickler Rundschau war ein Testlauf, inwieweit man mit einem abgespeckten Programm das Interesse nochmal bündeln kann, der sich in dem Sinne aber nicht bewährt hat. Abgesehen davon zentrieren sich die Aktionen bei Microsoft, die wir unter anderem bei Visual Studio Code, GitHub, WSL 2 und anderen Bereichen gesehen haben, parallel zu Copilot zunehmend auf kommerzielle Kunden und einen wesentlich stärkeren Lock-in im eigenen Stack.
Entsprechend fallen die Änderungen nun wiefolgt aus:
- Dauerhafte Release-Beiträge werden von mir weiterhin für drei konkrete Projekte verfasst, wenn diese kommen: Microsoft Edge, PowerToys, Windows Terminal. Hinzu kommen jährliche Beiträge zur PowerShell und .NET, wenn die neue Hauptversion kommt.
- Mit der .NET Conf werden wir uns ab diesem Jahr eine der drei Großveranstaltungen sparen, die ich ansonsten begleite. Bei der BUILD im Mai und der Ignite im November geht es wie gewohnt weiter.
- Die Entwickler Rundschau wird eingestellt. Bei den wenigen Punkten, die auch für Consumer und Hobbyentwickler noch interessant sind, spielt es zeitlich keine große Rolle, ob ich diese doch in einem kurzen Beitrag bearbeite oder eben nicht. Für Visual Studio und Visual Studio Code wird ein Thread im Entwickler Showroom hinterlegt, wo ich kurz über neue Funktionsupdates informiere.
- Wenn es in meinem Bereich relevante Nachrichten zu Copilot gibt, werden diese weiter uneingeschränkt betreut, auch wenn Microsofts KI-Assistent de facto auf einem eher absteigenden Ast ist, was seine Relevanz betrifft. Angesichts des weiter laufenden KI-Wettrennens wäre eine andere Entscheidung hier auch kontraproduktiv.
- Nicht betroffen sind außerdem Urlaubsvertretungen und gelegentliche Übernahmen in anderen Microsoft-Bereichen, wenn ein Kollege mal verhindert ist. Die Grundversorgung, wie ich sie bereits seit 2022 während Martins Urlauben etc. übernehme, ist hier schon eingepreist.
Längere Beiträge möchte ich künftig gerne wieder etwas häufiger machen, nachdem die Resonanz zwischen den Jahren so gut war. Dazu werde ich aber keine zeitlichen Zusagen machen, insofern wird das weiterhin eine gelegentliche Sache bleiben.
Woran ich momentan noch arbeite, ist eine stärkere Präsenz der weiteren Open Source-Community, die Windows und die Microsoft-Technologien wie .NET haben und womit wir ein gewisses Gegengewicht zu Linux-orientierten Seiten in der Hinsicht bilden wollen. Hiesige Projekte wie ImageGlass, VidCoder, MPC-HC, Playnite und weitere sind ja in der öffentlichen Debatte immer noch weniger präsent und hier können wir mit unserer Reichweite einen Beitrag leisten, damit sich das ein Stück weit verbessert.
Mozilla
Dieser Punkt verändert sich gegenüber dem, was ich bereits im vergangenen November angekündigt hatte, nicht grundlegend. Wichtig ist mir aber, dass neben den klassischen Projekten wie Firefox vor allem auch Mozilla.ai in die Berichterstattung einfließen wird, damit ihr wie in der Vergangenheit auch ein Pendant als Gegenvergleich zu Microsoft habt, wie sich das entwickelt.
An einer fairen Berichterstattung zu Thunderbird wird weiter gearbeitet. Momentan ist es weiter so, dass das Rapid Release von Thunderbird gegenüber dem, was ich bei Firefox an relevanten Neuerung rausholen kann, ziemlich schwach bleibt, sodass sich das nicht wirklich lohnt. Mit dem Start von Thunderbird Pro hoffe ich aber, dass auch beim Mailclient mehr Bewegung reinkommen wird.
Dass sich ansonsten an den Beiträgen zu Firefox und Co. nichts ändert, sollte klar sein.
Europäische Alternativen
Nachdem wir in den vergangenen Tagen eine Anleitung mit europäischen Alternativen zu US-Diensten veröffentlicht haben, war der Bedarf und das Interesse spürbar groß und öfter kam der Wunsch im Kommentarthread auf, das zu sowas wie einer Empfehlungsecke weiterzuentwickeln, was tatsächlich möglich wäre. Dem kommen wir nach und da experimentiere ich mit einigen Ideen, ohne dass ich jetzt schon eine feste Zusage mache, wie es am Ende wirklich aussehen wird. Die Umsetzung wird noch etwas dauern.
Eine feste Berichterstattung im Sinne von regelmäßig eingetakteten Beiträgen ist damit aber nicht verbunden. Dafür fehlen mir die Ressourcen. Gelegentliche Beiträge werden aber sicherlich kommen.
Inklusive Informatik (Netzkontakt)
Das Thema ist die Veränderung, wo ich am Intensivsten mit mir gerungen habe, wie und in welcher Form ich das umsetze. Kleinere Testballons hatte ich in den vergangenen Monaten schon unter dem Label digital|inklusiv steigen lassen und ursprünglich hatte ich zunächst auch überlegt, die inklusive Informatik als eigenes Nebenprojekt auszugliedern und dafür ein altes Projekt von mir zu reaktivieren. Stattdessen wird Netzkontakt jetzt andere Rubriken wie Connected Roadtrip, den Gadgetcheck oder das Entwicklertagebuch von Tobi ergänzen und soll einen Beitrag zur stärkeren Unabhängigkeit von Microsoft leisten.
Mit der Idee will ich eine Reihe verschiedener Themen ansprechen, die so nach meinem Wissen noch keiner macht und womit ich hoffentlich einen deutlich größeren Mehrwert bieten kann, als man das momentan vielleicht noch erwarten würde. Einige Themen auf der Liste:
- Neue Möglichkeiten in der Barrierefreiheit, wo wir zum Beispiel in Schleswig-Holstein ein Projekt für ALS-Patienten hatten, die ihren Alltag und Ausdrucksmöglichkeiten mit einer Augensteuerung und KI verbessern konnten
- Digitale Bildung und wie Schüler, Studenten und ältere Leute mit teils besonderen Herausforderungen davon profitieren können
- Digitale Projekte u.a. gegen Einsamkeit und eine Diskussion von Chancen und Risiken
- Kritische Begleitung von Künstlicher Intelligenz, etwa wenn KI-Assistenten als Pseudo-Psychotherapeuten eingesetzt werden, obwohl sie nicht als digitale Gesundheitsanwendungen zertifiziert und zugelassen sind
- Retrospektiven und längere Beiträge zu kritischen Netzphänomenen wie Pro-Ana
- Stärkere Betrachtung der Telepräsenzrobotik, VR-Einsatz etwa in Psychotherapien und weiteren Feldern, aber ohne Fokus auf medizinische Ratschläge – das kann, darf und werde ich nicht tun
- Kritische Begleitung der Digitalisierung und Staatsmodernisierung in Deutschland mit den wichtigen Gesetzen und Vorhaben wie den Modernisierungsagenden von Bund und Ländern, dem Onlinezugangsgesetz und mehr
Das ist mittlerweile ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt und wo ich am Liebsten so weit gehen würde, dass ich auch Betroffenen, die zum Beispiel an Me/CFS oder wie ich an einer psychischen Erkrankung leiden und bei denen Digitalisierung aus Gründen einen wesentlichen Anteil an der Alltagsbewältigung hat, zu Wort kommen lasse, aber über die genaue Umsetzung muss ich mir hier noch Gedanken machen. Dass es einen deutlichen Mehrwert bieten kann, da bin ich mir jedenfalls sicher.
Sonst noch was?
Es gibt noch einige weitere Kleinigkeiten, wo sich ebenfalls Änderungen vollziehen werden. Diese sind aber weit weniger drastisch und betreffen organisatorische Fragen sowie kleinere Spaßprojekte:
- Die nostalgisch angehauchten Beiträge zur immer noch aktiven Community von Windows Mobile, wo wir immer mal wieder auf die aktuellen Bemühungen bei Reddit schauen, werden fortgesetzt. Das ist für mich keine große Arbeit und euch bringen sie ja auch Spaß, insofern ist das kein großes Ding.
- Die Sonderbeiträge werden ebenfalls fortgesetzt, jedoch in kleinerem Rahmen. Solch lange Brecher wie den Beitrag über Windows Longhorn kann ich einfach nicht immer bringen und müsste das dann notfalls auch auf zwei oder drei Teile aufspalten.
- Die Konzentration liegt bei mir künftig auf dem Blog und entsprechend werde ich mich aus dem Forum ein Stück weit zurückziehen, wenn auch nicht verschwinden. Das liegt nicht zwingend am Projekt selbst, sondern vor allem an den Absprachen mit dem Team und der Assistenz und dem Fokus auf den Sachen, mit denen auch mein reguläres Leben wieder bergauf gehen soll. Betroffen ist vor allem die Moderation, an den Hilfestellungen oder der Teilnahme an Diskussionen von meiner Seite ändert sich nichts.
Abseits davon gibt es noch einen Punkt, wo ich mir noch unsicher bin, ob ich den in konkreten Inhalt für Dr. Windows verwandeln möchte. Dass Rust mein persönlicher Liebling unter den Programmiersprachen ist, ist kein sonderlich großes Geheimnis, nur hatte ich gerade in den letzten Jahren kaum Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen und die Sprache selbst endlich besser zu lernen. Mittlerweile gibt es mit RustRover eine ziemlich gute Entwicklungsumgebung, die ähnlich wie Visual Studio Community für die nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos ist.
Die technischen Ausreden fallen also weg. Allerdings bin und bleibe ich ein ziemlich verplanter und eher scheuer Mensch, der sich nicht unbedingt gerne über die Schulter schauen lässt, wenn er sich auf sowas konzentriert. Insofern… mal schaun.
Schlusswort
Jetzt habt ihr einen ungefähren Eindruck davon, wie es zumindest von meiner Seite aus hier weitergehen wird und womit endgültig ein Schlussstrich unter das Herumgeeiere gezogen wird. Natürlich wird es immer mal so sein, dass ich auch eine Anleitung schreibe oder es kurzfristig ein Thema gibt, was mir für einen Beitrag in den Nägeln brennt, aber ich mach auch keinen Hehl daraus, dass mich der bisherige Zuschnitt, der sich seit 2017 eigentlich nie groß oder bestenfalls in Nuancen verändert hat, immer unzufriedener werden ließ. Es ist keine gute Sache, wenn man aufgrund von geltenden Umständen wie im letzten Jahr bei Microsoft massenhaft nur Einstellungen oder Irrfahrten berichten und damit letztlich schlechte Laune verbreiten muss.
Die Neuregelung entspricht deutlich mehr dem Menschen, der ich heute wirklich bin und den Themen, die mich wirklich abholen. In den letzten Jahren habe ich mich hier stark weiterentwickelt und das hat sich gerade in den letzten Monaten nochmal ordentlich beschleunigt. Dass ich parallel an Bereichen wie meiner Pipeline gearbeitet habe, kommt noch dazu. Gleichzeitig bekommt Dr. Windows jetzt einen ersten Schwung neuer Impulse, um sich besser für die Zukunft aufzustellen. Auch das hat ja durchweg was Positives.
Falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt sie gerne in den Kommentarthread. Die Neuregelungen an sich greifen ansonsten ab Anfang Februar.
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Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.


