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Intelligent Edge und die Zukunft des Computing: Ein Er-Klärungsversuch

Intelligent Edge und die Zukunft des Computing: Ein Er-Klärungsversuch

Am Montag beginnt die Microsoft Build 2018 in Seattle. Sie ist nicht nur für die Entwickler im Microsoft-Umfeld, sondern auch für das Unternehmen selbst eines der wichtigsten Events des Jahres, denn hier wird die Vision für kurz- und langfristige Entwicklungen aufgezeigt.

Vor einem Jahr fiel dabei erstmals der Begriff „Edge Computing“. Ein Begriff, mit dem ich mich selbst zugegebenermaßen schwer tue, dennoch habe ich mich seinerzeit an einer Erklärung von Azure IoT Edge versucht, das bei Microsoft das Herzstück dieses Ansatzes bilden soll.

Inzwischen wurden daraus die Schlagworte „Intelligent Cloud“ und „Intelligent Edge“. Ich denke, man verstößt gegen keine Geheimhaltungsklausel, wenn man verrät, dass diese Themen auf der BUILD 2018 einen ganz besonders wichtigen Platz einnehmen werden.

Für unsere Leserschaft, die sich vornehmlich für persönliche Technologie interessiert, die man anfassen und in die Hand nehmen kann, mögen diese Themen langweilig sein, was ich niemandem verübeln kann. Anders als für ein Smartphone oder ein schickes Windows-Gerät kann man dafür in der Tat keinen „Enthusiasmus“ entwickeln. Spannend ist das aber trotzdem, denn über was wir hier sprechen, ist nichts anderes als die nächste „Big Wave“ im Zeitalter des Computing. Und diese Zukunft lässt sich in der Tat nur sehr schwer (be)greifen.

Intelligent Cloud und Intelligent Edge
Bildquelle: Microsoft

„Ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Zuhause“ – das war einst die große Vision von Microsoft, mit der man in die PC-Ära startete und die man schließlich dominieren sollte. Worum es Bill Gates seinerzeit ging, als er diese Vision formulierte: Jedem Menschen sollen die sich durch die PCs ergebenden Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, alle sollen in gleicher Weise davon profitieren.

Diese Vision hat sich erfüllt, hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Man musste sich an seinen Computer setzen, um all die Wunder geschehen zu lassen, zu denen diese Geräte imstande sind. Darin liegt auch die Ursache für den Smartphone-Boom begründet, den Microsoft leider komplett verpasst hat: Man musste keinen bestimmten Ort mehr aufsuchen und an diesem verbleiben, man konnte diese Leistungsfähigkeit einfach mitnehmen (natürlich mit Abstrichen, aber ich denke, es ist klar, was ich meine).

Aber auch die Smartphones sind nur eine Übergangstechnologie, denn auch sie haben diverse Nachteile: Man muss sie immer bei sich tragen, man kann nichts anderes tun, während man sie benutzt, und die Laufzeit ist begrenzt.

Die Zukunft, an deren Schwelle wir gerade stehen, ist das, was Microsoft als „The Intelligent Edge“ bezeichnen. Es gibt noch viele andere Umschreibungen, die im Grunde das Gleiche ausdrücken, am besten gefällt mir davon noch der Begriff „Ambient Computing“. Es geschieht nicht an einem bestimmten Ort, es ist auch nicht an  ein spezifisches Gerät gebunden – es umgibt uns einfach und steckt in  all diesen Geräten, die in der obigen Grafik zu sehen sind. Das sind nach wie vor PCs und Smartphones, aber auch Fahrzeuge, Flugzeuge und alle möglichen Alltagsgegenstände, die in Zukunft mit der Cloud und untereinander vernetzt sind, aber auch zu einem guten Teil über eigene Intelligenz verfügen und somit eigenständig arbeiten können.

In einem Computer arbeiten ganz viele einzelne Komponenten zusammen, um dem davor sitzenden Anwender das gewünschte Ergebnis zu präsentieren. Oftmals wird für eine Aufgabe nur eine dieser Komponenten benötigt, aber konstruktionsbedingt muss immer das komplette System arbeiten, damit alles funktioniert.

Man kann sich die Zukunft gewissermaßen so vorstellen, dass wir selbst ein Teil dieses Systems werden. Die Welt wird gewissermaßen zu einem einzigen großen PC, und wir arbeiten immer direkt mit der Komponente, die wir für den jeweiligen Zweck gerade benötigen. Das ist nicht mehr an ein bestimmtes Gerät, eine bestimmte Marke oder eine bestimmte Plattform gebunden – im Idealfall arbeitet alles mit allem zusammen. Vorlieben für oder Abneigungen gegen eine bestimmte Marke haben in dieser Welt voraussichtlich gar keinen Platz mehr, weil man letztlich oft gar nicht weiß, wer gerade alles beteiligt ist.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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