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Irre(?) Prognose: Microsoft wird im kommenden Jahr die Übernahme von Netflix anstreben

Irre(?) Prognose: Microsoft wird im kommenden Jahr die Übernahme von Netflix anstreben

Zum Jahreswechsel sind Rückblicke und Prognosen immer besonders beliebt, so auch in diesem Jahr. Eine Vorhersage lautet: Microsoft wird sich im kommenden Jahr um eine Übernahme von Netflix bemühen.

Aufgestellt hat diese kühne These die Journalistin Jennifer Saba von Reuters (via Winfuture). Sie rechnet vor, dass eine Übernahme von Netflix ungefähr 190 Milliarden US-Dollar kosten könnte, wenn Microsoft einen 30prozentigen Aufschlag auf den aktuellen Börsenwert bezahlt. Die Rechnung stimmt zwar nicht so ganz, gemessen am tagesaktuellen Börsenwert von Netflix wären es inklusive des Aufschlags „nur“ 165 Milliarden, aber dennoch eine gewaltige Summe und deutlich mehr als das Doppelte dessen, was Microsoft für Activision zu zahlen bereit ist. Microsoft, das an der Börse derzeit ca. 1,8 Billionen Dollar wert ist und auf gewaltigen Überschüssen sitzt, die man in den letzten Jahren angesammelt hat, wäre allerdings eines von nur ganz wenigen Unternehmen, die überhaupt in der Lage wären, eine solche Übernahme zu stemmen.

Saba stützt ihre Vermutung auf die Tatsache, dass Microsoft und Netflix schon heute eng verbandelt sind. Microsofts Chef-Justitiar Brad Smith sitzt seit 2015 im „Board of Directors“ von Netflix, bei seinem werbefinanzierten Angebot setzt der Streamingdienst außerdem auf die Technologie der Redmonder. Vor allen Dingen Letzteres hat viele Beobachter überrascht, denn Microsoft galt bis dahin nicht gerade als erste Adresse für derartige Projekte.

Vorhersagen, Microsoft könnte seine Finger nach Netflix ausstrecken, sind keineswegs neu, seit mehreren Jahren macht das immer mal wieder die Runde. Der Abschluss des Werbedeals wurde stellenweise sogar so gedeutet, dass sich Netflix an Microsoft „ranschmeißt“, um sich für eine Übernahme interessant zu machen.

Sollte da tatsächlich etwas Wahres dran sein, wäre der Zeitpunkt günstig, denn der Börsenwert von Netflix hat sich nach dem Corona-Höhenflug binnen eines Jahres mehr als halbiert, noch vor einem Jahr wäre dieser Fisch selbst für Microsoft zu dick gewesen. Argumente dafür sind leicht zu finden: Netflix will ins Gaming-Geschäft, ein solches alleine aufzubauen, ist aber enorm aufwändig. Wenn man unter das Dach von Microsoft schlüpft, könnte man daran einen Haken machen. Für Microsoft wiederum wäre Netflix ein mächtiger Hebel, um sein Cloudgaming zu pushen. Außerdem hätten die Redmonder endlich wieder einen richtig dicken Fuß im Consumer-Markt, nachdem in den letzten Jahren diverse Versuche, sich dort einzukaufen, gescheitert waren.

Trotz des gewaltigen Volumens wäre ein solcher Deal gegenüber den Kartellbehörden leichter durchzusetzen, denn Microsoft ist ein Niemand im Videostreaming, die Marktverhältnisse würden sich nicht ändern. Für den Moment sind wir allerdings wohl gut beraten, es als das zu sehen, was es ist: Eine mögliche Geschichte, die sich jemand zusammengereimt hat.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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