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Joe Belfiores Window 10 Mobile Statement: Nicht viel Neues, aber eine Chance

Joe Belfiores Window 10 Mobile Statement: Nicht viel Neues, aber eine Chance

Joe Belfiore von Microsoft nutzte das freie Wochenende, um sich auf Twitter ausführlich über Windows 10 Mobile auszulassen. Was er zu berichten hatte, war nicht schön, es war im Grunde aber auch nichts Neues. Neu war lediglich die Deutlichkeit, mit der er bestätigte: Windows 10 Mobile wird nur noch gewartet, aber nicht mehr weiterentwickelt. Wer es nutzt, kann sich vorerst der weiteren Unterstützung sicher sein, es wird aber nichts Spannendes mehr passieren.

Ich hatte mir sofort vorgenommen, das nicht anzurühren, inzwischen wurden die Tweets (wer sie tatsächlich noch nicht kennen sollte, die Links stehen weiter unten) aber zum medialen Großereignis. So schlecht, wie sich Windows Phones verkaufen, so gut verkaufen sich offenbar schlechte Nachrichten über die Plattform. Vom endgültigen, offiziellen Ende können wir jetzt lesen. Aber keine Sorge. Keine Schlagzeile ist so endgültig, dass ihr noch nicht weitere, noch endgültigere folgen können. Man wird in der Zukunft ähnliche Äußerungen immer wieder zum Anlass nehmen, um zu berichten, dass es jetzt so richtig aus ist. Endgültig. Tot. Heute aber wirklich.

Im Grunde sind Joe Belfiores Statements die komprimierte Form dessen, was schon mehrfach gesagt wurde, auch von Offiziellen. So „am Stück abgefeuert“ bekommt das aber natürlich ein anderes Gewicht. Insofern waren sie hoffentlich geeignet, die irrationalen Hoffnungen auf ein unerwartetes, glorreiches Comeback mit dem Surface Phone endgültig zu begraben. Gleichwohl muss man anmerken: Für die „Ich behalte mein Windows Phone so lange wie nur irgend möglich“ hat sich einmal mehr gar nichts geändert.

Ich frage mich natürlich auch, wie es sein kann, dass den Business-Kunden noch vor einigen Monaten eine andere Geschichte aufgetischt wurde. Ich habe zwei mögliche Erklärungen. Nr.1: Das Interesse der Kunden im Rahmen dieser Werbetour war so gering, dass man sich entschlossen hat, die restlichen Pläne auch noch zu begraben. Oder Nr. 2: Ein paar motivierte Microsoft-Mitarbeiter haben ein letztes Mal versucht, Bewegung in die Sache zu bringen, um so natürlich auch ihre eigenen Arbeitsplätze zu sichern. Dass mein damaliger Bericht auf Tatsachen beruhte, dafür lege ich jedenfalls die Hand ins Feuer.

Wie dem auch sei: Nehmen wir die Aussagen von Joe Belfiore ruhig als hochoffizielles Statement, dass die Tage von Windows Phone / Windows 10 Mobile gezählt sind und es eine Frage der Zeit ist, wann das letzte Windows Smartphone außer Betrieb genommen wird. Offizieller, als er es getan hat, werden wir es vermutlich ohnehin niemals bekommen.

Diese „neue“ Situation gibt uns eine Chance. Ich habe die feste Absicht, sie zu nutzen, und ich kann jedem enttäuschten Fan nur raten, es mir gleich zu tun. Wir haben jetzt unzählige Male diskutiert, gemeckert, zwischendurch auch wieder gehofft und dann wieder gemeckert. Wir können jetzt ein weiteres Mal analysieren, warum das mit den Windows Smartphones nicht geklappt hat, welche Fehler gemacht wurden, dass sowieso nur der böse Herr Nadella für das alles verantwortlich ist etc. Wir können das aber auch sein lassen, die Umstände akzeptieren und nach vorne schauen.

Viele Fans sind so sauer, dass sie bei einem Wechsel des Ökosystems auch unbedingt alles andere von Microsoft los werden wollen, um es den Redmondern so richtig zu zeigen. Wer das so tun möchte, kann das tun, dafür habe ich sogar Verständnis.

Ich selbst bleibe neugierig und gespannt, auch was die mobilen Aktivitäten von Microsoft angeht. So sehr wie niemand sonst wird Microsoft jetzt die Integration von Geräten und Diensten unabhängig vom verwendeten Betriebssystem vorantreiben. Und auch wenn das aus der Not geboren ist, so ist dieses Szenario näher an der Realität als alle anderen. Da Joe Belfiore am eifrigsten über den Microsoft Launcher für Android und den Edge-Browser für Android und iOS getiwttert hat, habe ich die Hoffnung, dass er dort seine Finger mit ihm Spiel hat. Bei Windows Phone haben wir gesehen, was er bewegen kann, wenn er mit Herzblut hinter einer Sache steht.

Windows-PC und Nicht-Windows-Smartphone – das ist die in der Realität am häufigsten benutzte Kombination, und das ist auch die Realität, in der ich seit Monaten lebe. Ob sich das in ein paar Jahren ändert, ist aktuell eine ebenso müßige Diskussion wie jene über die Ursachen des Scheiterns von Windows Phone. Für die nähere Zukunft werden uns Microsofts Bemühungen, diese Welten miteinander zu verbinden, genug spannenden Stoff liefern. Ich mache mir daher auch keine Sorgen, dass uns hier die Arbeit ausgeht.

Wie viele von euch hätte ich mir einen anderen Verlauf der Geschichte gewünscht, aber es ist an der Zeit, den Dingen nicht mehr nachzuhängen, sondern nach vorne zu schauen.

Quellen: Twitter 1, Twitter 2, Twitter 3, Twitter 4

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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