KDE: Neue Einschränkungen bei Qt werden zum Problem für quelloffene Software

KDE: Neue Einschränkungen bei Qt werden zum Problem für quelloffene Software

Das Qt-Framework ist seit vielen Jahren eine der wichtigsten Grundlagen, wenn es darum geht, quelloffene Software für eine Reihe verschiedener Plattformen zu realisieren. Das Toolkit bildet nicht nur die Basis für die unterschiedlichen Projekte des KDE e.V., sondern wird auch von zahlreichen anderen Projekten für ihre Arbeit verwendet. Zu den bekanntesten Vertretern gehören zum Beispiel der VLC media player, OBS Studio, Telegram Desktop, Oracle VM VirtualBox und Krita.

Seit einigen Monaten werden die Beziehungen zwischen der Qt Company und den unabhängigen Entwicklern zunehmend frostiger, was vor allem das KDE-Projekt zu spüren bekommt. Im Januar kündigte das Unternehmen bereits an, dass mit dem Release von Qt 5.15 die Releases mit Langzeitunterstützung nur noch für zahlende Kunden verfügbar sind. Nun gehen die Entwickler wohl noch einen Schritt weiter und wollen alle Releases in den ersten 12 Monaten nur noch für zahlende Kunden verfügbar machen. Auch wenn das aus wirtschaftlicher Sicht aufgrund der Coronakrise verständlich erscheint, würde ein solcher Schritt die freien Entwickler relativ hart treffen und die Arbeit in der KDE Free QT Foundation nicht leichter machen.

Normalerweise ist das ein Thema, was uns als Microsoft-Community höchstens am Rande betrifft, aber es zeigt auch ein Problem, was man bei FOSS-Projekten zunehmend sieht, die für alle großen Plattformen veröffentlicht werden. Die Arbeit der Qt Company ist nur ein Beispiel, auch die Gnome Foundation mit dem GTK-Framework unterstützt Plattformen wie Windows und Mac mehr oder weniger nur am Rande und auch das oft streitlustige Oracle hat Java ja immer mehr aus den Bereichen außerhalb der Enterprise-Kundschaft rausgenommen, auch wenn das OpenJDK weiterhin existiert. Rechnet man andere Alternativen wie die wxWidgets dazu, die von einigen Projekten wie Audacity und FileZilla noch verwendet werden, in der breiten Masse aber kaum eine Rolle spielen, ist es in der Summe kein Wunder, dass Lösungen wie Electron auch bei OpenSource-Projekten in ihrer Zahl immer mehr zunehmen.

Unter Windows wird vor allem interessant, wie einzelne Schwergewichte wie VLC, OBS Studio oder Krita damit umgehen werden, die zwar eine größere Popularität genießen, aber finanziell nicht immer über die besten Mittel verfügen. Wichtig ist aber auch, dass es in Zukunft wieder mehr Alternativen für die Entwicklung solcher Projekte geben muss. Vielleicht kann Microsoft hier einen Beitrag leisten, wenn im November dann .NET 5 veröffentlicht wird und damit auch über Blazor entsprechende neue Möglichkeiten geschaffen werden.

Quelle: Phoronix

Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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Kommentare

  1. Ich nehme seit geraumer Zeit wahr, dass die Linux- und Open Source-Geschichte von der wirtschaftlichen Realität eingeholt wird. Das einzige, was ich mich dabei immer frage ist, wie man so verklärt sein konnte, sich solche Inselsysteme zu bauen, wenn man doch ganz genau weiß, dass der Rubel rollen muss. So läuft das nun einmal in unseren Gesellschaften. Auch Linux und Open Source kann professionell nicht existieren, wenn kein Moos gemacht wird.
    Nicht falsch verstehen: Ich finde Open Source sinnvoll, dort, wo es Sinn macht. Und, das ist beileibe nicht bei allem, und, da liegt für mich auch der Denkfehler vieler Open Source Leute. In einer kompetitiven Umgebung macht es eben keinen Sinn. Bei Webtechnologien z.B. ist es ein anderes Thema, denn von der Implementierung dieser Technologien zum Darstellen von Inhalten lebt das Internet.
    Übem ist auch, dass Qt ziemlich relevant für die Softwareentwicklung für Sailfish OS ist - wobei mir die konkreten Verknüpfung da nicht ganz klar sind, da hier im Artikel von niedrigeren Versionsnummern die Rede ist als auf der Developer Seite (https://sailfishos.org/wiki/Qt) von Sailfish OS...
    chakko
    Ich nehme seit geraumer Zeit wahr, dass die Linux- und Open Source-Geschichte von der wirtschaftlichen Realität eingeholt wird. Das einzige, was ich mich dabei immer frage ist, wie man so verklärt sein konnte, sich solche Inselsysteme zu bauen, wenn man doch ganz genau weiß, dass der Rubel rollen muss. So läuft das nun einmal in unseren Gesellschaften. Auch Linux und Open Source kann professionell nicht existieren, wenn kein Moos gemacht wird.

    Das Thema Wirtschaftlichkeit wird in der Szene ja auch immer heftiger diskutiert und es bricht auch bei KDE alte Wunden auf. Ich habe vor ein paar Tagen einen Blogbeitrag von Jos Poortvliet (Nextcloud) gelesen, dass er mit den Leuten von Krita mal vor einiger Zeit gesprochen hat und das Interessante war, dass die Haupteinnahmequellen der Krita Foundation im Wesentlichen von den Einmalkäufen im Microsoft Store abhängig waren, noch vor Steam, dem eigenen Shop und Donations. Dabei ist Krita auch in meinen Augen ein fantastisches Produkt mit einer relativ großen Nutzerbasis (ich erinnere mich an Zahlen jenseits der 1,5 Millionen, was für ein kleines FOSS-Projekt viel ist).
    Jos Poortvlieet sagt aber auch, dass bei der Finanzierung solcher freien Projekte kein Weg an Subscriptions vorbei führt. Wie man das nicht machen darf, sieht man ja an Mozilla. Man muss hier ja klar sagen, dass Firefox eben kein gemeinnütziges Projekt ist, sondern innerhalb der Mozilla Corporation ganz normal von Entwicklern in Vollzeit mit entsprechendem Gehalt entwickelt wird und dementsprechend Geld in die Kasse spülen muss. Das vergessen immer viele, dass er ein kommerzielles OpenSource-Projekt ist und eben nicht von der Wohlfahrt. Das große Problem sieht man aber an den Abomodellen um ihn herum.
    - Firefox Premium als Support-Service im Unternehmenseinsatz ist okay, da macht das Sinn und wird auch woanders so gehandhabt.
    - Pocket hat sein Premium-Paket auch behalten, sehe ich auch noch ein.
    - Firefox Lockwise ist als Passwortmanager auf Firefox am Desktop beschränkt. Kein Chromium, nichts für Safari, nicht mal für andere Gecko-Browser. Bei einer solchen Limitierung wird keiner mit klarem Verstand das Geld monatlich zahlen.
    - Firefox Better Web ist so schon ein totes Pferd, wenn man Geld dafür zahlt, bestimmte Partnerseiten werbefrei zu kriegen.
    - Firefox Private Network ist nur ein rebrandetes Mullvad VPN, und da Mozilla sowieso keinen guten Trackrecord mit Partnerschaften hat, würde ich eher direkt zu Mullvad gehen.
    - Währenddessen vergammeln Firefox Send und Firefox Notes am Wegesrand, obwohl hier wirklich Potenzial vorhanden wäre.
    Und das waren noch lange nicht alle, zumal auch von Thunderbird entsprechende Vorstöße in Sachen Ethical Services zu erwarten sind. Ich hatte das auch schon mal zu Sören Hentzschel gesagt: Wenn Mozilla wirklich schlau sind, stampfen sie solche Totgeburten wie Better Web direkt wieder ein und heben zusammen mit den Thunderbird-Entwicklern ein gemeinsames Paket für mehr Produktivität aus der Taufe, wo dann Pocket, Firefox Lockwise (für alle Browser), Firefox Notes (u.a. als Notizfunktion von Thunderbird als Groupware), vielleicht ein Übersetzungsdienst (Mozilla arbeitet ja an der EU-Initiative Bergamont mit) und noch anderer Kleinkram drinne wäre. Dafür würden manche sicherlich auch bezahlen, aber nicht für diese Luftschüsse.
    Mir ist ehrlich gesagt eh ein Rätsel, wie die Mozilla Corporation 1000 Mitarbeiter bezahlen kann...
    @chakko: durch Verkauf des Standard-Suchmaschineneintrages? Soweit ich weis hatte Google bis vor kurzem da jaehrlich Millionen fuer ueberwiesen...
    chakko
    Mir ist ehrlich gesagt eh ein Rätsel, wie die Mozilla Corporation 1000 Mitarbeiter bezahlen kann...

    Google steuert über verschiedene Verträge wegen der Standardsuchmaschine - nach meinem Wissen - etwa 91 % der Gesamteinnahmen bei, dazu kommen Yandex in Russland und Baidu in China mit eigenen Verträgen. Die restlichen Einnahmen sind nach derzeitigem Stand vor allem Donations, Verkäufe aus dem eigenen Shop und das, was Pocket noch aus seinem Premium-Paket beisteuern kann. Von mehr Einnahmequellen von Mozilla weiß ich aktuell auch nichts, muss ich ehrlich sagen.
    Das ist halt auch ein Grund, wieso Mozilla mit einer umfassenden Subscription-Strategie die Abhängigkeit von den Suchmaschinen reduzieren will. Aber wenn man das großteils so kopflos macht, muss man sich halt auch nicht wundern, wenn die Einnahmen nicht so eintreten wie erhofft und man 70 Leute auf die Straße setzen muss. Firefox Lockwise ist ja zum Beispiel ein interessantes Projekt, ich hatte da auch Interesse, aber es ist kein Projekt, worauf die FOSS-Welt in Zeiten von Alternativen wie zum Beispiel Bitwarden gewartet hätte, zumal KeePass ja auch noch da ist.
    Wow, das war mir nicht bekannt. Danke für die Info. :daumen+
    Irgendwie kurios, dass man dann bei Mozilla immer so gegen den Chrome/Google schießt. :)
    In den neuen Versionen sehe ich kein großes Problem - die benutzt dann einfach niemand.
    Die kurze Supportdauer ist viel problematischer.
    chakko
    Wow, das war mir nicht bekannt. Danke für die Info. :daumen+
    Irgendwie kurios, dass man dann bei Mozilla immer so gegen den Chrome/Google schießt. :)

    Mozilla hat sowieso ein seltenes Talent dafür, immer zielsicher das nächste Fettnäpfchen anzusteuern. Anfang März haben sie dem Standard ein Interview gegeben, wo sie auf die Frage nach einem möglichen Wechsel zu Chromium mit "Niemand kann jemals alles ausschließen." geantwortet haben. Außerdem haben sie sich am Dienstag, wie Firefox 75 veröffentlicht wurde, in einem Blogpost dafür gefeiert, dass sie als FOSS-Projekt, was by Design ja naturgemäß für Remoteentwicklung ausgelegt ist, weiter unvermindert für ihre Nutzer kämpfen, während die anderen ihr Pensum gedrosselt haben. Dass sie selbst erwägen, bestimmte Features nach hinten zu schieben, und dass Microsoft und Google im Gegensatz zu Mozilla tonnenweise Firmenkunden haben, die ihre Browser einsetzen, sagt man da natürlich nicht. ;)
    Ich kann sie ja verstehen, dass sie ihre Einnahmen breiter aufstellen möchten und dafür auch auf Subscription-Modelle zurückgreifen wollen, aber dann müssen sie halt auch ein Paket bieten, wofür ein Nutzer dann auch zu zahlen bereit ist. Letztlich geht es hier um den harten Rubel und da sind Ansätze wie Firefox Better Web oder das Firefox Private Network entweder zu heiß oder sinnlos, zumal sie neben ihrem VPN-Service auch schon länger über einen kostenlosen Super Private Mode mit Tor-Integration nachdenken, wie ihn Brave hat. Außerdem haben vergangene Ansätze wie Firefox Hello und Firefox Screenshots schon gezeigt, dass Mozilla kein wirkliches Durchhaltevermögen bei Services hat. Die sind zumindest als Online-Variante nach ein paar Monaten wieder verschwunden.
    Was ich vor allem nicht verstehe, ist, dass sie ihre drei Tochterunternehmen Pocket Inc., Mozilla Corp. und MZLA Technologies Corp. (die Firma von Thunderbird) nicht zusammenarbeiten lassen und ein großes Consumer-Subscription-Paket entwickeln, was einen Mehrwert bietet, auf Produktivität ausgerichtet ist und neben Firefox Premium für Unternehmen läuft. Das wäre bei ihrer Größe stemmbar und das Potenzial von ihnen liegt da quasi vor der Haustür. Nur mal als Beispiel:
    - Die Integration von Pocket als Read it later-Dienst sollte obligatorisch sein.
    - Firefox Lockwise und Firefox Monitor kommen dazu, aber stehen als Passwortmanager und Checkup-Dienst dann allen Browsern offen.
    - Firefox Notes könnte als Notizfunktion in Thunderbird integriert werden, dazu die Integration in Firefox selbst und natürlich für iOS und Android.
    - Aus der Arbeit an den Sprachtechnologien könnten Funktionen wie eine besondere Diktierfunktion (Firefox Voice geht in die Richtung), ein eigener Übersetzungsdienst und besondere Funktionen für die Barrierefreiheit entstehen, die man in Firefox und Thunderbird integrieren und teilweise kostenpflichtig machen könnte.
    - Im Grunde wäre auch eine Partnerschaft mit NextCloud oder eine eigene NextCloud-Instanz statt Firefox Send denkbar. Die kann Mozilla dann entsprechend umbauen, indem Firefox Screenshots da andockt, indem Thunderbird über seine FileLink-API da andockt und so weiter. Man könnte dann auch Mozilla Lightning, den Kalender von Thunderbird, über die Instanz synchronisieren lassen, einen sicheren Videochat auf Basis von NextCloud Talk in Firefox oder Thunderbird integrieren und manches mehr.
    Das wäre eine Nachhaltigkeit und für sowas wären sicherlich auch einige Leute bereit, einen entsprechenden Obulus pro Monat zu entrichten. Natürlich ist das nicht Google One oder Microsoft 365, aber wenn sie dann ihre 7,99 € oder 9,99 € pro Monat als Basispreis ansetzen und zum Beispiel die Cloud-Instanz im Speicherplatz und nach Zusatzfunktionen staffeln, kommen sie unterm Strich auch auf einen guten Umsatz. Aber mit den bisherigen Luftschüssen und den Einzelkämpfen in den Tochterunternehmen wird das schwierig.
    Dieses elende Gefrickel in Qt war auch der Grund, warum ich von LINUX wieder zurück zu Windows
    gegangen bin. Trolltech hat mir damit zweimal meine Qt-Programme kaputtgemacht...dann war ich
    bedient und das Thema "LINUX auf dem Desktop" war für mich erledigt.
    Ich nutze heute LINUX zwar immer noch und habe damit auch kein Problem.Denn wer wie ich in der
    Cloud arbeitet, kommt an LINUX nicht vorbei. Aber ein LINUX-Desktop?
    Nie mehr wieder...davon bin ich geheilt. Egal ob Qt/KDE oder gtk/Gnome
    Das Toolkit-Chaos unter X11 ist wahrlich ein Grauen.
    Bei Windows hat sich das leider auch nicht gerade positiv entwickelt.
    Seit Windows 8 verursacht MS selbst schon großes Chaos, und neue "Programme" werden oft nur noch als Chromium-Web-App billig hingestellt (auch hier ist MS selbst dabei).
    ntoskrnl schrieb:
    > Das Toolkit-Chaos unter X11 ist wahrlich ein Grauen.
    Richtig. Beim letzten mal änderte Trolltech einfach die interne Signals-Slot-Struktur.
    Abwärtskompatibilität - Fehlanzeige.
    Von jetzt auf Nachher lief kein einziges meiner Qt-Programm mehr....dann sagte ich
    mir: "OK...Schluss. Windows ist nicht perfekt aber so einen Murks gibt es dort nicht".
    > Bei Windows hat sich das leider auch nicht gerade positiv entwickelt.
    > Seit Windows 8 verursacht MS selbst schon großes Chaos,
    Auch Richtig. Die MS-Store-Apps waren ja von Anfang an eine Totgeburt.
    Anfangs gab es kein Sideload, eine Weitergabe an Dritte ging nur über den Store,
    man brauchte ein Entwicklerkonto, dass man regelmäßig "erneuern" musste,
    sonst wurden sogar Apps die nur für den Eigenbedarf bestimmt waren nach einer
    gewisssen Zeit unbrauchbar gemacht (sobald eben das Entwicklerkonto "abgelaufen" war)
    Bestimmte sehr wichtige Dinge (z.B. das Handling von Child-Prozessen) waren in dem
    neuen API nicht mehr vorhanden. Und weil jede App in einer Sandbox lief konnte man
    auch nicht mehr auf beliebige Pfade zugreifen u.s.w....Kurz: ein Unding.
    Dass das nix werden würde war mir zumindest eigentlich recht schnell klar.... und so
    ist es ja auch gekommen.
    Deshalb habe ich bereits ab Windows 8.1 auch keinen Versuch mehr gemacht mich
    mit Store-Apps zu befassen, sondern habe mich auf die Cloud (AWS und GCP) konzentriert...
    und bin damit gut gefahren.
    Wenn ich tatsächlich noch lokal was mache,dafür habe ich ein altes Delphi...das reicht für den Zweck.
    Ansonsten sind auf dem lokalen Rechner eigentlich eher Python und Jupyter Notebooks meine
    meistgenutzten Werkzeuge.
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