KI-Marketing: Lasst bitte die Ethik aus dem Spiel

KI-Marketing: Lasst bitte die Ethik aus dem Spiel

Künstliche Intelligenz, kurz KI oder auch AI, wenn aus dem Englischen kommend (Artifical Intelligence), ist seit gut zwei Jahren in aller Munde. Kaum ein neues Produkt aus der Technikbranche, das nicht mit irgendwelchen KI-Fähigkeiten beworben wird. Das ist natürlich in erster Linie ein riesiger Marketing-Stunt, in den wenigsten Fällen steckt bislang dahinter etwas, was die Bezeichnung KI auch tatsächlich verdient hätte.

Man fühlt sich da einmal mehr an den Vergleich mit Teenager-Sex erinnert:  Jeder spricht darüber, niemand weiß, wie es richtig geht, jeder denkt, alle anderen tun es, darum behauptet jeder, er tue es selber auch. Ich habe damit kein Problem, auch nicht mit dem ganzen Marketing-Gedöns. Jede Branche braucht in regelmäßigen Abständen eine frische Buzzword-Sau, auf der sie durch’s Dorf reiten kann. Bis hierhin ist noch alles in Ordnung – ich wüsste nebenbei bemerkt dennoch gerne, welcher Amateur bei Microsoft für die AI-Spots verantwortlich zeichnet, die im Fernsehen laufen und bei denen mindestens 90 Prozent aller Zuschauer nicht den geringsten Schimmer haben, worum es geht.

Ein Begriff, den ich in letzter Zeit immer öfter im Zusammenhang mit KI höre, ist Ethik. Und das stößt mir zunehmend sauer auf. Man hört so schlaue Formulierungen wie jene, dass man in Zukunft nicht nur darüber diskutieren müsse, was ein Computer tun kann, sondern auch, was ein Computer tun sollte. Damit spricht man Bedenken, Vorbehalte und echte Ängste an, die Menschen im Bezug auf KI haben.

Diese Ängste zu erzeugen, ist leicht. Besucht beispielsweise die Seite https://thispersondoesnotexist.com/ und seht dort Fotos von Menschen, die keine sind – eine KI baut aus einer großen Bild-Datenbank willkürlich neue Gesichter, die wie die von echten Menschen aussehen. In Zukunft wird der Grundsatz gelten: Wenn dir ein Mensch nicht aus Fleisch und Blut gegenüber steht, ist seine Echtheit grundsätzlich anzuzweifeln.

„Gruselige Technik“ ist aber nur das Eine, wir hören beispielsweise auch, dass durch KI in Zukunft ganz viele Jobs überflüssig werden. Und auch wenn das im Grunde völlig normal ist, weil der technische Fortschritt schon immer ganze Berufszweige ausgelöscht hat (gleichzeitig aber auch Unmengen neuer Jobs ermöglich) – der Gedanke löst verständlicherweise erst mal Unbehagen aus.

Es gibt noch ganz viele andere Beispiele, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden, in Summe bleibt festzustellen, dass es viele Vorbehalte gegenüber KI gibt – ob sie rational begründbar sind oder nicht, spielt keine Rolle. Um diese Vorbehalte auszuräumen, hatte irgend jemand die schlaue Idee, über Ethik zu sprechen.

Man müsse verantwortungsvoll mit KI-Technologie umgehen, Grenzen festlegen, kritisch überprüfen, wie weit Technologie gehen darf. Das klingt alles wunderbar, ist aber Unsinn, und zwar in jeder Hinsicht. Sind beispielsweise Kampfroboter unethisch? Natürlich nicht, denn wir setzen sie ja nur gegen die Bösen ein. Das war jetzt ein Negativ-Beispiel, es geht aber auch umgekehrt: Sollte man aus ethischen Gründen auf eine KI verzichten, die dem Menschen überlegen ist und die in der Lage wäre, ein Problem zu lösen, das der Mensch nicht lösen kann? Natürlich nicht – finde ich zumindest. Und ganz grundsätzlich: Wer will denn ethische Grenzen definieren, wer will ihre Einhaltung überwachen und einschreiten, wenn sie von Firmen oder Regierungen überschritten werden?

KI wird uns atemberaubende neue Möglichkeiten eröffnen, sie wird aber in anderen Bereichen das Tor zur Hölle aufstoßen – und wir werden das Eine nicht ohne das Andere bekommen. Aber auch das ist eigentlich nichts Neues. Nur bitte, lasst mir die Ethik aus dem Spiel.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Uff. Ich stimme dir in ja in der Regel zu, nicht aber in diesem Fall.
    > Man hört so schlaue Formulierungen wie jene, dass man in Zukunft nicht nur darüber diskutieren müsse, was ein Computer tun kann, sondern auch, was ein Computer tun sollte. Damit spricht man Bedenken, Vorbehalte und echte Ängste an, die Menschen im Bezug auf KI haben.
    Und das ist in meinen Augen auch richtig so. Es ist absolut notwendig, im Bereich der IT über Ethik zu sprechen, dies ist etwas, was den Silicon-Valley-Firmen fehlt. Ist es ethisch korrekt, Menschen basierend auf ihren Suchverläufen, Werbung zu präsentieren, die Vorbehalte schürt (Fake-News, etc.). Ist es ethisch korrekt, beispielsweise als Hosting-Service, Webseiten wie gab.ai oder Waffenhändler zu hosten? Natürlich nicht.
    > Sind beispielsweise Kampfroboter unethisch? Natürlich nicht, denn wir setzen sie ja nur gegen die Bösen ein.
    Ich bin mir absolut nicht sicher, ob das pure Ironie ist. Falls ja, ignoriere man den folgenden Absatz. Falls nein: Natürlich sind Kampfroboter absolut unethisch. Man stelle sich vor, dass Deutschland Kampfroboter in den nahen Osten exportiert, damit sie dort dann irgendwann den Terroristen in die Hände fallen.
    > Sollte man aus ethischen Gründen auf eine KI verzichten, die dem Menschen überlegen ist und die in der Lage wäre, ein Problem zu lösen, das der Mensch nicht lösen kann?
    Ja. Was wäre denn ein solches Problem? Nehmen wir beispielsweise den Klimawandel. Die KI findet es ne ganz tolle Idee, doch einfach Landstriche plattzumachen. Nun leben da aber Menschen? Egal, hauptsache das Klima ist gerettet, was stören mich da die Menschen? Sorry, aber nein danke. Das wäre absolut unethisch und nicht vertretbar.
    Aber bevor das hier ausartet, eine Linkempfehlung: https://tante.cc/2018/05/14/the-software-code-of-ethics/
    Natürlich ist das mit den Kampfrobotern purer Zynismus.
    Meine Botschaft sollte auch nicht sein, dass diese Diskussionen nicht geführt werden sollten - ich wollte damit sagen: Tut doch bitte nicht so, also wolltet ihr sie führen. Welches Technologie-Unternehmen wird sich selbst irgendwelche Grenzen setzen? Zur Not werden kritische Geschäfte dann eben mit "wenn wir es nicht tun, tut es jemand anders" begründet.
    Meine Kritik richtet sich dagegen, dass das Gerede über Ethik Teil der Marketing-Strategie ist.
    Zunächst einmal sind KI-Anwendungen, Computerprogramme wie alle anderen auch. Es ist dort nur sehr viel stärker
    Mathematik/Statistik/Stochastik involviert wie bei anderen "normalen" Programmen. Deshalb tut eine KI-Anwendung
    (genau wie jedes andere Computerprogramm) auch nur das sie von ihrem menschlichen Programmierer als Aufgabe
    bekommt.z.B. Phantasiegesichter zusammensetzen. Das sog. Ethik-Problem liegt also nicht bei der Anwendung, sondern
    nach wie vor beim Menschen....der die Aufgaben eines Programmes(ob KI oder nicht ist irrelevant) vorgibt und definiert
    Denn Mathematik hat keine Ethik. Mathematik ist reine Logik....auch wenn diese im Falle von KI
    von vielen nicht verstanden wird, weil sie eben komplexerer Natur ist.
    Aber daraus (aus diesem Unverständnis) resultiert auch dieses wirklich unsinnige Aluhut-Geschwafel
    rund um KI-Anwendungen....und anderen Technolgieen die die Masse(und ihre Pseudo-Experten und
    Marketing-Schwätzer) nicht verstehen.
    Unabhängig davon, spielt die KI-Musik eh nicht in Deutschland...und andere Länder werden sich von deutschen
    Bedenkenträgern mit Sicherheit nicht beeinflussen lassen.
    Da wäre es vielleicht ganz gut gewesen über Marketing-Beispiele zu schreiben, die einen stören und nicht unbedingt über die Dinge, wo Diskussionen angebracht / wichtig sind. Im Artikel / Text kommt die Kritik so überhaupt nicht rüber.
    Ist ein spannendes Thema und komisches Marketing dürfte eher ein Randthema in Bezug auf die Ethik sein.
    Es wird Zeit, dass die örtlichen Bedenkenträger so richtig darauf einsteigen. Wenn wir es geschafft haben die Kerntechnik, die Gentechnik, die Fahrzeugtechnik und einiges mehr hierzulande zu zertrümmern, werden wir es doch wohl ermöglichen können, dieses zarte Pflänzchen vor der ersten Blüte trocken zu legen.
    Aber dass eventuell erst, wenn der Kompass endlich anzeigt, wo diese verdammte Neuland liegt.
    Es ist hier das gleiche Problem wie mit der Gentechnik: falsch eingesetzt, kann sie furchtbar aus dem Ruder laufen, geschickt verwendet aber sehr segensreich sein. Weiterhin gleich das Problem der Grenze: wo endet die "gute Gentechnik" (oder KI) und wo fängt die "böse" an? Da gibt es immerhin schonmal grundsätzliche Meinungsunterschiede z.B zwischen EU, Amiland oder z.B. Israel. Also diese Diskussion muss in jedem Fall geführt werden, auch mit ethischen Überlegungen, um nicht dem Wildwuchs und Missbrauch Tür und Tor zu öffnen.
    Dass es immer Jemanden geben wird, der Regeln unterläuft, missachtet, oder dahin geht, wo es noch keine gibt, das ist klar. Siehe die Gentechnik-Zwillinge in China, die unter dem Vorwand erzeugt wurden, sie immun gegen AIDS zu machen. Das ist die Taktik der kleinen Schritte, die Öffentlichkeit gewöhnt sich an alles und ist formbar wie Knete.
    Martin hat recht, dass wir alles bekommen werden, Gut und Böse. Aber in welchem Verhältnis, das muss geregelt werden und ethische Argumente gehören dazu - solange sie selbst nicht auch missbraucht werden.
    Dazu hätte ich für heute Abend einen Tipp für das Fernsehprogramm:
    ---
    Killer-Roboter: Dürfen Maschinen töten?
    ---
    Um 21:05 Uhr auf ARD-alpha
    KI ist nicht wirklich was neues. Ich habe den Begriff Anfang der 80er Jahre das erste mal gehört.
    Eigentlich ist es auch nichts Besonderes: man sammelt Daten und versucht die durch Verknüpfen und Gewichten zu einem Ergebnis zusammenzufassen.
    Früher hat man das einen Algorithmus genannt - aber KI klingt natürlich viel spannender...
    Oh weh.
    Die Diskussion ist wieder so steif wie ein Stock.
    Änderungen kommen, das Leben ist Veränderung, aber eine gewisse Menge wünscht sich ewige Gleichheit, lebende Tote sind das.
    Wenn Jobs wegfallen, kommen neue, es wird vielleicht sogar nötig, das ökonomische Spiel zu ändern; wenn da nicht die KI kommt, dann könnte bald die Jugend zurecht einwirken.
    Viel eher kommen die Probleme durch Ignorieren und Vermeiden, dass ein gewisser Teil nur das Gewünschte sehen will, alles andere lieber bekämpft für eine liebgewonnene Ideologie der Vergangenheit.
    Zudem scheint die Mehrheit zu ahnen, dass etwas, das sich an Regeln hält und rational ist, schnell zu dem Schluss käme, dass die Menschheit eher eine Plage geworden ist für sämtliche Bereiche in Natur und Zivilisation, als dass sie ein wünschenswerter Teil des Ganzen wäre. Es wäre auch interessant, das begründete Gegenteil zu hören.
    Es wäre angebracht zu überlegen, wie die Änderungen ablaufen könnten, ohne einen Teil der Menschheit vereinfachend und faul in die Tonne zu treten.
    Lustige Diskussion... Was ist denn KI? Und was bedeutet Ethik? Welche technischen Errungenschaften der letzten 100 Jahre wurden denn jemals während der Entwicklung auf ihre Vereinbarkeit mit Ethik überprüft??? Wenn es irgendjemand auf dieser Welt nutzt (auch wenn es gleichzeitig Millionen Menschen schadet), wird es gemacht, egal ob wir über Ethik schwafeln oder nicht...
    Uff. Ich stimme dir in ja in der Regel zu, nicht aber in diesem Fall.
    > Man hört so schlaue Formulierungen wie jene, dass man in Zukunft nicht nur darüber diskutieren müsse, was ein Computer tun kann, sondern auch, was ein Computer tun sollte. Damit spricht man Bedenken, Vorbehalte und echte Ängste an, die Menschen im Bezug auf KI haben.
    Und das ist in meinen Augen auch richtig so. Es ist absolut notwendig, im Bereich der IT über Ethik zu sprechen, dies ist etwas, was den Silicon-Valley-Firmen fehlt. Ist es ethisch korrekt, Menschen basierend auf ihren Suchverläufen, Werbung zu präsentieren, die Vorbehalte schürt (Fake-News, etc.). Ist es ethisch korrekt, beispielsweise als Hosting-Service, Webseiten wie gab.ai oder Waffenhändler zu hosten? Natürlich nicht.
    > Sind beispielsweise Kampfroboter unethisch? Natürlich nicht, denn wir setzen sie ja nur gegen die Bösen ein.
    Ich bin mir absolut nicht sicher, ob das pure Ironie ist. Falls ja, ignoriere man den folgenden Absatz. Falls nein: Natürlich sind Kampfroboter absolut unethisch. Man stelle sich vor, dass Deutschland Kampfroboter in den nahen Osten exportiert, damit sie dort dann irgendwann den Terroristen in die Hände fallen.
    > Sollte man aus ethischen Gründen auf eine KI verzichten, die dem Menschen überlegen ist und die in der Lage wäre, ein Problem zu lösen, das der Mensch nicht lösen kann?
    Ja. Was wäre denn ein solches Problem? Nehmen wir beispielsweise den Klimawandel. Die KI findet es ne ganz tolle Idee, doch einfach Landstriche plattzumachen. Nun leben da aber Menschen? Egal, hauptsache das Klima ist gerettet, was stören mich da die Menschen? Sorry, aber nein danke. Das wäre absolut unethisch und nicht vertretbar.
    Aber bevor das hier ausartet, eine Linkempfehlung: https://tante.cc/2018/05/14/the-software-code-of-ethics/

    Genau ?
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht worin dein Problem besteht, das hier eine Diskussion über Ethik unangebracht sei. Wo, wenn nicht gerade dort wo moralische Werte in Form von true or false, von einer kleinen Gruppe festgelegt werden, ist es wichtiger über Ethik zu diskutieren? Möchtest du dir von einer Gruppe Menschen moralisch Handeln diktieren lassen, auch dann, wenn dieses Handeln deinen eigenen moralischen und kulturellen Werten entgegensteht und sich darin nicht begründen lässt?
    Sollte man aus ethischen Gründen auf eine KI verzichten, die dem Menschen überlegen ist und die in der Lage wäre, ein Problem zu lösen, das der Mensch nicht lösen kann? Natürlich nicht – finde ich zumindest. Und ganz grundsätzlich: Wer will denn ethische Grenzen definieren, wer will ihre Einhaltung überwachen und einschreiten, wenn sie von Firmen oder Regierungen überschritten werden?

    Ist dir beim Schreiben nicht selbst der Widerspruch aufgefallen? Du stellst zurecht in Frage ob Firmen und Regierungen fähig genug sind, die zuvor definierten ethischen Grenzen einzuhalten bzw. sie zu überwachen.
    Vertraust aber zugleich auf ethischen Grenzen einer Maschine, die wiederum von Firmen und Regierungen bzw. von der Gesellschaft, in der sie leben definiert werden?
    Ein wesentlicher Punkt hierbei – das eigene individuelle moralische Handeln, wird komplett ausgeklammert. Das was uns Menschen ausmacht, mit eigenem Gewissen zu handeln und zu verantworten fällt raus.
    Ich fände es grusselig, wenn "Spocklogik" die Menschheit regieren würde.
    Und ganz grundsätzlich: Wer will denn ethische Grenzen definieren, wer will ihre Einhaltung überwachen und einschreiten, wenn sie von Firmen oder Regierungen überschritten werden?

    Solche Aussagen empfinde ich immer irgendwie wie das Schwenken der weißen Flagge. Ich meine, nur weil es schwer (bis unmöglich?) wird, etwas zu überwachen, heißt es doch nicht, dass man den Kopf in den Sand steckt und gar nichts macht. Ethik an dieser Stelle liegt ganz einfach am Menschen. Und bei diesem Thema schneiden wir ganz schön beschissen ab. Wenn es das Ziel einer KI ist, Mensch sein zu simulieren und sich dabei nicht ertappen zu lassen, dann muss die Maschine den Menschen glauben lassen, selbst Mensch zu sein: Unethisch.
    @Setter: Der Widerspruch war genau so geplant. Ich stimme beiden Standpunkten zu, obwohl das nicht geht. Genau das ist ja das Dilemma.
    Haha, jetzt erst gelesen. Ein typischer "ich-starte-eine-Diskussion mit einer provozierenden Meinung"- Beitrag von Martin. Schade, hab zu wenig Zeit, um mich an der Diskussion zu beteiligen. Da müsste ich weit ausholen.
    Hmm, mit der Schlussaussage des Textes kann ich mich nicht wirklich anfreunden. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass die zentralen Begriffe Ethik, KI und Werbung nicht hinreichend konkretisiert sind.
    "Ethik" bedeutet im technischen Kontext vereinfacht, ob man alles, was menschenmöglich ist auch tatsächlich umsetzt oder ob es sittliche und moralische Schranken gibt.
    Bei der "KI" ist zu differenzieren. Bei diesem Modewort ist zunächst zu fragen, was man überhaupt unter "Intelligenz" verstehen möchte. Wissensbasierte "KI"-Systeme sind nun mal etwas ganz anderes als eine eines Tages vielleicht erschaffbare Superintelligenz. Je nachdem. wovon wir hier reden, stellen sich natürlich auch unterschiedliche ethische Fragen.
    Und schließlich bei der "Werbung" wurde mir nicht klar, welche Werbung überhaupt gemeint sein soll.
    So bleibt der Beitrag sicherlich sehr interessant, aber auch ein wenig oberflächlich. Der Schlusssatz, man möge bei der Werbung (welcher?) die Ethik aus dem Spiel lassen, ist zumindest missverständlich. Die Konsequenz könnte eine kritiklose Fortschrittsgläubigkeit jenseits aller sittlichen und moralischen Bedenken sein. Das will wohl niemand.
    @Martin, du hast sicher damit recht, wenn es darum gehen soll das Einwände bezüglich der Ethik hier und da auf den Senkel gehen. Der Grund dürfte jedoch eher darin bestehen, dass zu befürchten ist, dass ethischen Bedenken die Entwicklung und somit den Fortschritt ausbremsen oder gar zum erliegen bringen könnte. Das erinnert etwas an die Stammzellenforschung. Hier besteht zum einem die Chance für neue Möglichkeiten die für die Menschheit bedeuten sein können, gleichzeitig werden Grenzen gesprengt deren Folgen nicht abzuschätzen sind. Ähnlich dem Überwinden von Hemmschwellen wird hier eine moralische Schwelle überwunden auf das man sich anschickt die nächste in Angriff zu nehmen. Wohin dies am Ende einmal führen wird, wird niemand sicher vorhersagen können.
    Der Forschung und hier explizit die technische Forschung eingeschlossen, muss stetig ermahnt werden die Ehrfurcht für die Schöpfung nicht zu verlieren.
    Um einmal frei von Unbekannt zu zitieren. "Die vergangenen Zivilisationen sind im Höhepunkt der Dekadenz untergegangen". Eines hatten sie alle gemein, ihre Herrscher strebten an Gottgleich zu sein und stellten sich mit der Schöpfung auf einer Stufe.
    Ich selbst bin nicht wirklich sehr religiös, auch wenn es gerade den Eindruck erwecken sollte, dennoch empfinde ich eine gewissen Ehrfurcht.
    Mein lieber Martin, wir werden nicht darum herum kommen, wenn wir uns nicht vollständig der Technik ergeben wollen, über moralische Werte und dem daraus resultierenden Handeln – sprich der Ethik, zu diskutieren. Und ich finde, dass es auch gut so ist. Auch wenn die Menschheit gelegentlich einen Anschub benötigt, weil sie ein Problem zulange aussitzt. Jetzt am Ende muss ich mal wieder an den Osterspaziergang denken in der Faust für einem Moment das göttliche im Menschen, in mitten seiner Verzweiflung, erblickt.
    zweiundvierzig
    So bleibt der Beitrag sicherlich sehr interessant, aber auch ein wenig oberflächlich.

    Exakt! Die Begriffe werden in dem Beitrag nicht präzisiert. Die Semantik des Begriffs "Künstliche Intelligenz" ist in der öffentlichen Debatte uneindeutig und hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Man müsste bei diesem Thema weit mehr ausholen als es ein kleiner Blogbeitrag möglich macht. Das Resultat dieser inhaltlichen Kürze sind Missverständnisse und platte, dem komplexen Thema nicht gerecht werdende Schlussfolgerungen. Von daher bin ich raus.
    Wie schon gesagt: Mir ging es nicht darum, den Sinn der Diskussion in Frage zu stellen. Mir ging es darum, dass "Ethik" als Marketing-Gag verwendet wird. Man wirft mit dem Begriff um sich, weil es schön klingt. Diese Scheinheiligkeit ist es, was mich so aufregt.
    Ja, sicherlich hat der Beitrag nur an der Oberfläche gekratzt, und er liefert auch kein Lösung, er sollte in der Tat in erster Linie eine Diskussion in Gang bringen. Aus dieser hab ich auch schon den einen oder anderen Denkansatz mitgenommen.
    mäcci
    Solche Aussagen empfinde ich immer irgendwie wie das Schwenken der weißen Flagge. Ich meine, nur weil es schwer (bis unmöglich?) wird, etwas zu überwachen, heißt es doch nicht, dass man den Kopf in den Sand steckt und gar nichts macht.
    Leider das typische Verhalten in der IT-Branche. Google und Co. machen das auch: Es ist schwer uns an bestehende Regeln und Gesetze zu halten, also sind die Gesetze zu ändern oder abzuschaffen. Inzwischen sind die großen Konzerne mit ihrer Marktmacht dazu übergegangen, die Gesetze zu ignorieren und darauf zu vertrauen, daß keiner in der Lage ist sie zu verklagen. Bestes Beispiel dazu ist Facebook und das Verfahren um das Erbe an einem Facebook-Konto.
    Und man hat sie zum Wohle des Fortschritts seitens der Politik jahrelange gewähren lassen und so getan als ob dieses IT ein komplett von den übrigen juristischen Problemen losgelöstes Thema und damit von den bestehenden Gesetzen nicht zu fassen sei. Dabei hätte man nur die bestehenden Gesetze folgerichtig anwenden müssen, statt Einzelfallregelungen zu treffen, die mit Regelungen außerhalb der IT nicht im Einklang stehen.
    Martin
    Wie schon gesagt: Mir ging es nicht darum, den Sinn der Diskussion in Frage zu stellen.

    Die Diskussion ist ja bereits voll im gange und zwar dort, wo es uns aktuell am ehesten etwas angehen wird. Nämlich beim autonomen Fahren.
    Hier soll ja einer Maschine das richtige Handeln im Notfall beigebracht werden. Wir werden also sehen wie menschlich instinktives Handeln technisch definiert wird.
    Etwas kalt läuft es mir hierbei schon den Rücken herunter.
    Die Diskussion ist ja bereits voll im gange und zwar dort, wo es uns aktuell am ehesten etwas angehen wird. Nämlich beim autonomen Fahren.
    Aktuell aber nur, wenn sich das auf die Zukunft in zehn oder mehr Jahren bezieht. Denn abseits des Marketinggetöses sind alle auf den gleichen Stand und der ist bisher über die üblichen Assistenten noch nicht hinausgekommen. Daß man aufgrund des Marketings diese Assistenten unter professioneller Begleitung unter idealen Bedingungen selbst fahren läßt, ist kein Fortschritt. Auch die offensiver auftretenden Unternehmen haben dabei nämlich keinen Vorteil gegenüber z.B. den herkömmlichen Autoherstellern, denn die haben auch Versuchsfahrzeuge, die das gleiche können, nur werden die eben ohne Passagiere getestet. Dazu kommt, daß die Mehrheit der Kunden nicht in Gegenden mit idealen Bedingungen lebt und ein Auto benötigt, welches auch abseits von "Always sunny" selbst fahren kann.
    Selbst der Meister der Ankündigungen rudert inzwischen auf den eigenen Webseiten zurück und verklausuliert seine Aussagen zu selbstfahrenden Teslas. Wohl aufgrund der erneut aufgetretenen Unfälle im Rahmen der als Autopilot verklärten Assistentensammlung.
    Wenn man über die Ethik nicht mehr diskutieren darf, verliert das Konzept der Ethik jegliche Bedeutung!
    Ich würde mir wünschen dass eine KI die Kontrolle übernimmt. Die würde dann erkennen, dass einzelne Menschen hilfsbereit sind, Mitgefühl haben, sich umweltschonend (nicht nur in Bezug auf die Natur) verhalten, die große Masse aber für das Überleben der Spezies wie auch für das Leben an sich eine Gefahr darstellt und den Kill Switch betätigen ???
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