Kommentar: Die Sache mit den Sticky Notes

Kommentar: Die Sache mit den Sticky Notes

Wenn es um das Verfassen oder das Festhalten wichtiger Sachen geht, hat Microsoft eine ganze Reihe an entsprechenden Werkzeugen im Angebot. An vorderster Front befindet sich dabei natürlich immer das gewaltige OneNote, aber auch kleinere Projekte wie Microsoft To Do, Microsoft Whiteboard oder gar das in Outlook integrierte Project Moca gehören sicherlich dazu. Eine Anwendung, die in der Regel nicht im Fokus ist und für Viele doch eine praktische Ergänzung sein dürfte, sind aber die Sticky Notes. Sie zeigen aber auch, dass Microsoft hier die Möglichkeiten nicht wirklich ausreizt.

Ich bin persönlich eher der Typ, der seine Gedanken einfach mal in OneNote runterschreibt und sie anschließend über Microsoft To Do in eine entsprechende Reihenfolge bringt, um sie dann zu bearbeiten. In letzter Zeit habe ich aber auch vermehrt mit Möglichkeiten experimentiert, um Ideen und Gedanken besser zu visualisieren, und in dem Kontext sind Sticky Notes mit einem entsprechenden Color Code für mich immer eine gute Hilfe, wenn ich nur schnell was aufschreiben möchte. Microsoft hat bei den eigenen Sticky Notes viele Fortschritte gemacht, indem es Integrationen in OneNote und Outlook gibt und die synchronisierten Notizen auch in der neuen Office-App für iOS und Android landen, wo man sie dann weiter verwalten und bearbeiten kann.

Dass Microsoft hier trotzdem hinter den eigenen Möglichkeiten zurück bleibt, merkt man an einem direkten Vergleich mit Google Keep. Das Unternehmen aus Mountain View mag nicht sonderlich viele Ressourcen in seinen Notizdienst stecken und in manchen Punkten ist Microsoft auch besser (z.B. Microsoft To Do vs. Google Tasks), aber in Google Keep stecken einige clevere Ideen. Man kann die Notizen mit einem Label versehen und so besser sortieren, man kann Notizen oben anpinnen (so gehen sie nicht verloren oder unter), es gibt eine gute Browser-Erweiterung mit ähnlichen Möglichkeiten wie Pocket, es gibt mehr Farben und die Übersicht mit einer eigenen App ist bei Google Keep nochmal deutlich übersichtlicher als die Umsetzung in der Office-App bei Microsoft.

Nun ist es müßig, über die Vorteile von Google Keep gegenüber den Microsoft Sticky Notes zu diskutieren, wenn man sich überwiegend im Microsoft-Kosmos bewegt und die Erweiterung von Google in Microsoft Edge sowieso nicht (richtig) funktioniert. Es zeigt aber auch, dass Microsoft hier mehr rausholen könnte. Neben mehr Farben – Microsoft bietet sieben, Google zwölf – würde ich mir vor allem die Möglichkeit wünschen, den Notizen auch Labels oder Hashtags zuweisen zu können, um sie dann über die Suche besser zu filtern. Dass man die Notizen in der eigenen App für Windows 10 sowie in der mobilen Office-App für iOS und Android auch oben anpinnen könnte, wäre ein weiterer schöner Bonus.

Besonders schade ist in meinen Augen aber die fehlende Integration in die Sammlungen bei Microsoft Edge. Hier kann man in den einzelnen Sammlungen zwar auch eigene Notizen integrieren, diese sind aber komplett losgelöst von den eigentlichen Sticky Notes und Microsoft bietet hier zudem auch nur fünf statt sieben Farben, wie es bei der normalen App der Fall ist. Könnte man einfach die normalen Sticky Notes über einen entsprechenden Dialog in eine Sammlung einfügen, würde das die Integration in den sonstigen Microsoft-Kosmos, bei dem Microsoft ansonsten viel Wert auf ein gutes Zusammenspiel der einzelnen Produkte legt, nochmal deutlich aufwerten und verbessern.

Natürlich sind die Sticky Notes gegenüber einem Schwergewicht wie OneNote nur ein Nebenprojekt, aber gleichzeitig sind es auch nur kleine Funktionen, die das Produkt nochmal deutlich aufwerten würden. Mehr Farben, die Einbindung von Labels oder Hashtags, die Möglichkeit zum Anpinnen einzelner Notizen und vor allem die Integration in die Sammlungen bei Microsoft Edge sind Verbesserungen, auf die sich sicherlich nicht nur ich wirklich freuen würde. Ich bin kein „Google-Guy“ und ich bin mit dem jetzigen Umfang der Sticky Notes auch soweit zufrieden, aber in Zeiten, wo es auch immer mehr um die plattformübergreifende Verfügbarkeit geht, können solche zusätzlichen Funktionen gerade für fortgeschrittene Nutzer einen Unterschied machen. Hoffen wir mal, dass Microsoft das auch weiß.

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Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.
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