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Kommentar: Microsoft macht Windows überflüssig – und das ist auch gut so

Kommentar: Microsoft macht Windows überflüssig - und das ist auch gut so

Dieser Kommentar spiegelt meine Erfahrungen aus den letzten Wochen und meinen persönlichen Wandel in der privaten Nutzung von Microsoft-Software und -Diensten wider. Er handelt von meinen nicht erfüllten Wünschen und Erkenntnissen während meiner Rückreise zu macOS.

Ich habe mich zunehmend über gewisse Dinge geärgert, welche mich in der täglichen Benutzung von Windows eingeschränkt haben. Dies gärte in mir, bis ich schließlich beschloss, wieder zurück zu macOS zu wechseln.

Mich hielt vor allem der Gedanke zurück, dass ich dadurch viel an den Microsoft-Diensten verliere, die ich nun wirklich nicht missen möchte. Sei es das Microsoft 365 Paket, sei es Teams für die interne Kommunikation im tollen Dr. Windows Team, der OneDrive Cloudspeicher, welcher mich davon befreit, mich selber um die Last eines immer funktionierenden Backups wichtiger Dateien zu kümmern, oder auch um die Chance der Weiterentwicklung unserer Dr. Windows Community App für das Microsoft Surface Duo.

Nichtsdestotrotz wurden die unbequemen Einschränkungen, welche ich mit Windows 10 im Vergleich zum natürlich auch nicht fehlerfreien macOS hatte, immer größer. So stark, dass ich diesen, im ersten Moment als sehr einschneidend empfundenen, Schritt zurück von Windows 10 zu macOS gegangen bin.

Was ich vermisse

Für alle Leser, welche gern wissen möchten, welche Einschränkungen für mich persönlich Windows 10 hat, hier ein kleiner Auszug davon.

Keine zweisprachige Texteingabe mit funktionierender Autokorrektur

Da ich digital sehr viel im Englischen als auch natürlich im Deutschen unterwegs bin, habe ich sehr oft das Szenario, dass ich in einem Moment auf Deutsch etwas tippe und einen Augenblick später auf Englisch wechsle. Ich habe Windows 10 nicht beibringen können, beide Sprachen gleichzeitig in der Autokorrektur zu berücksichtigen. Da ich Englisch meist nur aus der technischen Sicht kenne, ist es immer etwas komisch, wenn der komplette Text rot unterlegt ist. Dies gibt mir kein Vertrauen in meinen geschriebenen Text, welchen man vor allem bei wichtigen Dokumenten gerne hätte.

Mangelhafte Unterstützung hochauflösender Anzeigen

Dieser Punkt mag wohl auch deshalb so wichtig für mich sein, da ich von Berufswegen viel mit UI, UX und Oberflächengestaltung im Allgemeinen zu tun habe.

Jedoch fühlt es sich für mich sehr „billig“ und nach „nicht an den Benutzer gedacht“ an, wenn ich selbst in Windows 10 enthaltene Programme öffne, und diese auf meinem High-Res Bildschirm klein und unscharf dargestellt werden. Von Programmen anderer Hersteller will ich an der Stelle gar nicht sprechen. Wie lange gibt es nun Windows 10 und Bildschirme, welche über FullHD auflösen?

Keine Möglichkeit, meine Smart Home Geräte zu steuern

Zuhause habe ich über die Zeit verschiedene Smart Home Geräten verschiedener Hersteller angesammelt und schätzen gelernt. Windows bietet keine Möglichkeit, diese gesammelt über eine Oberfläche steuern zu können. macOS bietet hier mit der Home.app eine herstelleragnostische Ansicht, über die ich nicht nur Geräte steuern, sondern beispielsweise auch Raumklimasensoren auslesen kann.

Stark auf externe Programme angewiesen

Diese Einschränkung mag auch wohl sehr persönlicher Natur sein. Ich selbst schätze es sehr, wenn ich mit den Programmen des Betriebssystemherstellers bereits die meisten meiner Aufgaben erledigen kann. Natürlich bietet Windows 10 auch ein rudimentäre Mailprogramm, einen (mittlerweile) Weltklasse Browser und andere sehr nützliche Programme des täglichen Lebens an. Jedoch fehlen mir Programme beziehungsweise deren Weiterentwicklung wie auf Consumer abgestimmte Apps zur rudimentären Fotobearbeitung, zum Video- und Audioschnitt, ein PDF-Reader, der zum Beispiel gleich unterschreiben kann oder auch simple Dinge wie ein Musikplayer mit einem nicht weggeworfenen Ökosystem im Hintergrund.

Falls die Dr. Windows Community hier Tipps hat, wie diese Punkte doch mit Windows 10 erledigt werden können, lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Microsoft geht auch ohne Windows

Nachdem ich meine Scheuklappen bezüglich dieser Schritte abgelegt habe, realisierte ich, dass Microsoft mir mittlerweile ermöglicht, mein favorisiertes Betriebssystem zu nutzen und dennoch weiterhin tief im Ökosystem der Redmonder eingetaucht zu bleiben.

Plattformunabhängige Programme

Alle Programme, welche ich bisher nutze, hat Microsoft auch für macOS, respektive für iOS und iPadOS, veröffentlicht. Im Privaten stören hier auch nicht fehlende Features wie Makros in Excel. OneDrive bindet sich sogar tief in das System ein, sodass es sich genau so wie ein Teil des Dateisystems anfühlt wie unter Windows. Selbst die mit dem iPhone geschossenen Fotos landen dort, ohne wirklich Aufwand damit zu haben.

Selbst für mich als passionierten Softwareentwickler bietet Microsoft alle wichtigen Werkzeuge auch für macOS an. So konnte ich die unter Windows 10 mit Visual Studio begonnene Arbeit an der #roadToSurfaceDuo App ebenfalls mit Visual Studio auf dem Mac nahtlos weiterführen.

Dank des seit einigen Jahren intensiv von Microsoft entwickelten und quelloffenen Frameworks .NET Core ist man als Developer auch ohne Windows in der Lage, nicht nur moderne Webanwendungen mit ASP.NET Core zu erstellen, sondern auch beispielsweise an mobilen Apps und Spielen zu schrauben.

Dass ich die Möglichkeit verliere, UWP Apps zu entwickeln, ist zwar ein unschöner Begleiteffekt, da Microsoft das Veröffentlichungsdatum des für mich sehr spannenden Windows 10X als auch die dazugehörigen Geräte weit nach hinten verschoben hat, kann ich damit im Moment allerdings gut leben.

Alle profitieren von dieser Freiheit

Anzumerken sei, dass von der gelebten Plattformunabhängigkeit nicht nur Apple profitiert, sondern auch Android. Denn nur dadurch haben wir sehr gut funktionierende mobile Apps für nahezu jeden Bereich des Microsoft Ökosystems. Auch Linux im Allgemeinen profitiert davon stark, da viele Programme wie Office zum Beispiel auch einfach über einen Webbrowser sehr gut nutzbar sind.

Somit kann ich dank der seit wenigen Jahren gelebten neuen Microsoft Philosophie genau die Mischung aus Hard- und Software zusammenstellen, mit der ich am produktivsten bin. Ohne Abstriche und mit viel Potential für Spaß an der Arbeit mit Computern.

Windows wird vorerst im Privaten nicht verschwinden

Trotz dieses Kommentars sollte uns allen klar sein, dass Windows in absehbarer Zeit auch nicht aus Privathaushalten verschwinden wird. Dafür sorgt schon alleine die Tatsache, dass man Windows nicht vorbei kommt, wenn man ernsthaft auf dem Computer spielen möchte. Daran werden auch Stadia und Co. so schnell nichts ändern.

Weiter gibt es dank des starken Wettbewerbes unter Computerherstellern, welche Windows-Maschinen ausliefern, eine deutlich interessantere Preisgestaltung für Käufer. Dass Windows-Rechner nicht immer schwarz und öde sein müssen, beweist nicht nur Microsoft mit dem aktuellen Surface Lineup.

Schlussendlich ermöglicht Microsoft den Kunden eine Wahl, was sie wo und wie nutzen möchten. Davon profitieren alle Nutzer. Diese Aussage wäre meines Erachtens vor wenigen Jahren noch völlig unvorstellbar gewesen, wenn man über den Softwaregiganten aus Redmond geredet hat. Schön, dass sich die Zeiten geändert haben.

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Über den Autor

Tobias Scholze

Tobias Scholze

Bayrischer Open Source- und Community-Enthusiast, Verfechter des neuen Microsoft und Wandler zwischen den Betriebssystemwelten. #communityrocks Von Herzen ein Nerd mit der festen Überzeugung, dass man gemeinsam und durch den Einsatz von moderner IT die Welt für jeden ein Stückchen besser machen kann.

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