Kommentar: Warum es gut ist, dass es Xbox Live Gold weiterhin gibt

Kommentar: Warum es gut ist, dass es Xbox Live Gold weiterhin gibt

Martin hat gestern einen Artikel zum Thema Xbox Live Gold verfasst und seine Meinung geäußert, wie „unnötig“ dieses Abonnement heutzutage ist. Wir sind intern bei Dr. Windows nicht immer einer Meinung, darum möchte ich in diesem Kommentar meine Sicht der Dinge schildern.

Ich stimme mit Martin überein, dass es ein Abonnement vergangener Tage ist, doch steckt hinter Xbox Live Gold mehr als nur eine „Paywall“.

Xbox Live Gold deckt viele Aspekte ab, die man bedenken muss.

Zum Einen ist da der Preisfaktor.

Der Xbox Game Pass Ultimate – ab September mit Xbox Streaming – kostet 12,99 €. Er deckt Xbox Live Gold ab, den Xbox Game Pass für Konsole und PC sowie das Streaming. Eine Menge Leistung zum überschaubaren Preis. Aber mal ehrlich und gemessen am Umfang: Wer nutzt das volle Potential aus?

Ich habe ihn, weil er meinen Bedarf an Xbox Live Gold abdeckt und alle 1st Party Titel von Microsoft ab dem ersten Tag ihres Erscheinens inkludiert sind. Das Streaming nutze ich höchstens mal am Wochenende, wenn ich meine Eltern besuche.

Der normale Xbox Game Pass kostet 9,99 € und bietet „nur“ Zugriff auf die Spielebibliothek inklusive der 1st Party Titel. Xbox Live Gold beinhaltet er nicht, damit ist er preislich die unattraktivste Variante der drei Abonnements.

Und dann ist da eben noch Xbox Live Gold, der Klassiker. Kostet in Deutschland seit je her 6,99 € pro Monat. Dieses Abo ermöglicht es, online zu spielen, Rabatte bei speziellen Aktionen zu erhalten und natürlich die monatlichen Gratis-Spiele abzustauben.

Ziehen wir kurz einen Vergleich zu Sony: Seit Einführung der PS4 müssen Spieler, die online spielen wollen, das kostenpflichtige PSN+ haben. Ausgenommen davon sind Free 2 Play Spiele.

Die Meisten, die Xbox Live Gold gerne abgeschafft sehen wollen, stören sich daran, dass Gold zum Spielen von Free 2 Play Titeln notwendig ist.

Jetzt spiele ich mal den Advocatus Diaboli:

Man stelle sich vor, Xbox Live Gold wird abgeschafft, Onlinegaming auf der Xbox wird generell kostenlos.
Das würde bedeuten: Das erste kostenpflichtige Abonnement wäre der Xbox Game Pass für 9,99 €, stand jetzt ohne die monatlichen Gratis-Spiele und damit deutlich teurer als das Standard PSN+ Abonnement.
Wer sich an 2013 erinnert, der weiß, dass die Xbox One mit Kinect, egal ob man sie brauchte, merklich teurer war und sich nur schwer verkaufte. Eine teureres Standardabonnement im direkten Vergleich zum Mitbewerber hätte eine vergleichbar starke, negative psychologische Note.

Daneben gäbe es dann noch  den Xbox Game Pass Ultimate als All in One Paket. Für 12,99 € bekommt man das ganze Paket, ob man es braucht oder nicht. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und genau deshalb kann dieses Angebot sogar überfordern. Regelmäßig werden Memes rausgehauen, in denen thematisiert wird, wie neue Spiele hinzukommen, man die alten Spiele, die wieder rausfliegen, aber noch nicht fertig hat, während das Backlog unerbittlich anwächst.

Auch kenne ich genug Spieler, die tatsächlich nur 1-5 Games spielen. Ein Arbeitskollege von mir spielt seit 2012 eigentlich nur Skyrim, ein anderer nur GTA und GTA Online. Selbiges gilt für kompetitive Shooter wie Rainbow 6,  Overwatch, PUBG oder Call of Duty:Warzone.

Die Frage ist also, ob die teureren Abonnements die gleiche Anzahl von Abonnementen anziehen würden wie Xbox Live Gold.

Jetzt kommt die spannende Frage:
WARUM brauchen wir (und auch Microsoft) Xbox Live Gold?

Dazu müssen wir ein wenig reflektieren.
Die Leute, die Xbox Live Gold loswerden wollen, sagen: Online spielen sollte kostenlos sein wie auf dem PC.

Doch jetzt kommt’s: Online spielen kostet Geld. Physikalische Server, die aufgebaut, eingerichtet, gewartet und auch gesichert werden müssen. Viele haben es verdrängt, aber 2011, als man noch auf der PS3 kostenlos spielte, hatte Sony einen immensen Data Breach Skandal, bei dem tausende Kreditkartendaten und Accounts gekapert wurden.

Wie man es dreht und wendet, die Kosten für das Onlinegaming müssen gegenfinanziert werden. Was wäre also die Alternative?
Den Game Pass teurer machen? Wohl kaum.
Der Xbox Game Pass sieht sich einem ähnlichen Problem gegenüber wie Netflix: Wachsenden Nutzerzahlen stehen ebenso massive Investitionen gegenüber, seien es Studio-Akquisitionen, Game Pass Launch Deals für 3rd Party Titel oder Lizenzen für 3rd Party Titel, die zügig nach Erscheinen aufgenommen werden.

Bliebe also nur die heilige Kuh, um zusätzliches Geld zu verdienen: Der Verkaufspreis des Spiels an sich. AAA-Konsolen-Spiele kosten in Deutschland seit vielen Jahren stabil 69,99 Euro. Zum Vergleich: 119, teilweise 139 DM habe ich für meine Sega Mega Drive Cartridges anno 1991 gezahlt. PC-Spiele bewegten sich fast immer auf einem Niveau von 89,99 oder 99,99 DM.

Berücksichtigt man, dass seit der Euro-Einführung 2001 die Preisteuerungsrate 20-30% betrug und auch Löhne (leider nicht ganz so hoch) anstiegen, sind die Spielepreise gleich geblieben. Gleichzeitig sind  die Entwicklungskosten von Spielen explodiert. Nicht nur durch den immer größeren Aufwand, sondern auch durch immer höhere PR-Kosten (Bei GTA sprach man von einem Etat von mehreren 100 Millionen Dollar).

Was wäre die andere Alternative?
Die Spiele noch mehr mit In-App Käufen vollstopfen? Loot-Boxen, die bereits in manchen Ländern verboten sind? DLCs?
Multiplayer-DLCs sind bei 1st Party Titeln tabu, damit alle auf demselben Inhaltsstand spielen können.

In den USA haben erste Publisher die heilige Kuh gemolken. Neue Spiele kosten ab Herbst bei 2K einen Zehner mehr, also 79,99€.
Der Aufschrei war gewaltig, einige Spieler kündigten gar an, statt zu einer neuen Konsole zum PC wechseln zu wollen.
Das ist natürlich auf den ersten Blick unsinnig, denn ein PC, der auf dem Niveau einer Spielekonsole mehrere Jahre durchhalten soll, kostet ein Vielfaches.
Die Spiele kosten dann zwar noch immer etwas weniger, dafür hat man nicht immer dedizierte Server, Party/Sprachchat-Server wie bei Xbox Live, sondern man greift auf 3rd Party Tools wie Discord zurück.

Was ist also die Quintessenz?

Ja, Xbox Live Gold ist vielleicht alt und in den Augen Vieler überholt.
Aber dennoch wird damit eine Menge an Dingen abgedeckt, die man nicht sieht oder im Kopf hat.
Qualität kostet Geld, und das Argument, dass Microsoft genug Geld mit Azure und Office 365 verdient, passt auch nicht. Microsoft ist ein Aktienunternehmen. Eine Abteilung, die von anderen durchgefüttert werden muss, ist kurz über lang kein Teil des Teams mehr.

Kommen wir aber zu einem positiven Abschluss:
Dieses Wochenende ist Online Multiplayer Gaming für alle auf Xbox Live kostenlos!
Dazu kann man Titel wie Borderlands 3, Dragon Ball Fighterz und Black Desert runterladen und spielen. Auf PC und Konsole zusätzlich auch Gears 5, Subnautica und ARK: Survival.

 

 

Über den Autor
Daniel Heithorn
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Microsoft-Padawan seit MS-DOS 5.0 und Windows 3.1 | Überzeugter Surface, Office 365 und Xbox One X User | Xbox FanFest süchtig | RIP Windows Phone & Microsoft Band 2

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Kommentare

  1. Sehe ich es doch leicht anders:
    Die Meisten, die Xbox Live Gold gerne abgeschafft sehen wollen, stören sich daran, dass Gold zum Spielen von Free 2 Play Titeln notwendig ist.
    Gibt es dafür eine halbwegs seriöse / repräsentative Quelle mit Zahlen?
    2011, als man noch auf der PS3 kostenlos spielte, hatte Sony einen immensen Data Breach Skandal
    Was hat A mit B zu tun? Soll damit angedeutet werden es wäre nicht dazu gekommen, wenn Online-MP kostenpflichtig gewesen wäre?
    Wie man es dreht und wendet, die Kosten für das Onlinegaming müssen gegenfinanziert werden. Was wäre also die Alternative?
    Wie wäre es mit den 30%, die bei JEDEM Digitalkauf – vom Spiel über DLC bis hin zu MTX & Ingamewährung – vom Kaufpreis an MS gehen? 30% von 79,99 bei Take 2 reichen für MS nicht für den Onlinemodus? Ein Onlinemodus, der zu 99% über Take 2 Server läuft?
    Glaubt man „Gerüchten“, dann wird inzwischen immer mehr digital verkauft und die Einnahmen (30%) steigen somit immer weiter (wobei auch der Gewinn für Entwickler / Publisher deutlich besser ausfällt, als bei einer Retail-Version). Davon lassen sich keine Basics im Onlinebereich finanzieren?
    AAA-Konsolen-Spiele kosten in Deutschland seit vielen Jahren stabil 69,99 Euro.
    Bis auf das unwesentliche Detail, dass man damit immer weniger vom eigentlichen Spiel bekommt. Mit 69,99 hat man oftmals nur einen Teil des Spiels erworben, wie man an den vielen Versionen und DLCs (+ MTX) sehen kann. Welches AAA Game kommt ohne 90-100+€ Edition?
    Von der Qualität (Bugs, etc.) noch gar nicht gesprochen. Mitunter bekommt man ja auch für 70€ nur eine Beta. Beispiel direkt von MS: Halo MCC Collection. Nach ~6 Jahren und mehreren Anläufen hat man vielleicht endlich mal ein fertig entwickelt / gepatchtes Spiel. Von MTX im Spiel noch gar nicht gesprochen…
    Server kosten Geld? Dann wäre es sicherlich ein guter Ansatz mal die Updategrößen in den Griff zu bekommen. Im Spiel selbst werden 5 Kleinigkeiten geändert, aber das Update gönnt sich 15+GB. Allein damit dürften bei 90% der Spiele mehr Serverkosten entstehen, als jemals für die Chatnachrichten & Verbindungsvermittlungen im MP im gleichen Spiel je anfallen würden.
    Eine Abteilung, die von anderen durchgefüttert werden muss, ist kurz über lang kein Teil des Teams mehr.
    Geht man danach, dann dürfte der Gamepass wohl bald verschwinden...
    Unterschlagen im Kommentar wurde auch, dass der gleiche Xbox Onlinemodus am PC kostenlos ist und auch wurde nicht bedacht, dass jeder User, der nicht für den Onlinemodus zahlt, auch sehr viel weniger Geld durch den Kauf von MP-Spielen einbringt.
    Hallo Sabine,
    eine Studie gibt es natürlich nicht bezüglich Free2Play. es ist aber Fakt, dass man Spiele wie Fortnite, Neverwinter Nights, Path of Exile, CoD Warzone kostenlos auf PS4 spielen kann im Gegensatz zu Xbox.
    Zu Sonys Data Breach, es finden sich genug Artikel, dass Sony IT und Serverkosten auf das absolut notwendigste beschränkten bzw zusammen sparten. Die Chance wäre durchaus wahrscheinlich, dass es nicht so gross ausgefallen wäre.
    Das mit dem Digitalkauf klingt nach einer guten Idee. Aber das ist eine Einmalzahlung. Hast du dann ein Spiel wie Diablo, die über Jahre hinweg Online Anbindung ohne weitere Kaufoptionen, wäre dieses ein erheblicher Schlag in die Bilanz.
    zum Thema Kaufpreis, der sich quasi von selbst verdoppelt ist heute normal aber es gibt auch Gegenentwürfe wie The Witcher oder Cyberpunk.
    Der Game Pass obwohl "schon" 3 Jahre alt, steht er immer noch am Anfang. Schau dir an wie das Angebot von Netflix oder Hulu die ersten 3 Jahre aussah und wie jetzt.
    mit dem PC spielen hast du natürlich Recht, aber genau dafür ist ja der Xbox Game Pass für PC gedacht. Um mit einem Abonnement einen regelmäßigen Cash Flow zu haben. Etwas das EA mit Origin und Ubisoft mit UbiPlay ebenfalls im Blick haben.
    Ich Danke dir aber auf jeden Fall für deine Sicht der Dinge (o?o)
    Und das Goldabo hält uns viele Kiddis vom Hals. Von denen gibt es jetzt schon unmengen vorallem in Spielen wo die noch nichts zu suchen haben ohne Gold wäre das wohl noch schlimmer
    DAs Problem ist ja nicht der Dienst an sich, eher, dass Xbox zuviele hat.
    Game Pass, Game Pass Ultimate, Live Gold, Game Pass für PC, xCloud, Xbox All Access.
    Die sollten das ein wenig bündeln und in dem Falle vielleicht auch neu benennen
    Am PC geht das alles komischerweise ohne Zusatzkosten.
    Warum sollte kein Gold Spiele teurer machen? Drittanbieter werden doch nicht von XBL Gold bezahlt.
    DanielHeithorn
    Zu Sonys Data Breach, es finden sich genug Artikel, dass Sony IT und Serverkosten auf das absolut notwendigste beschränkten bzw zusammen sparten. Die Chance wäre durchaus wahrscheinlich, dass es nicht so gross ausgefallen wäre.
    Mindestens genauso groß wäre die Chance, dass man mehr Geld eingenommen, aber nicht zwangsweise in die IT investiert hätte. Oder gibt es etwa bessere Behandlung /Service bei MS-Usern im Fall einer Kontosperrung, wenn sie viel Geld investiert oder Abo abgeschlossen haben? (Siehe die Meldungen auf drwindows dazu). Antwort: Leider nein.
    DanielHeithorn
    Das mit dem Digitalkauf klingt nach einer guten Idee. Aber das ist eine Einmalzahlung. Hast du dann ein Spiel wie Diablo, die über Jahre hinweg Online Anbindung ohne weitere Kaufoptionen, wäre dieses ein erheblicher Schlag in die Bilanz.
    Deswegen gibt es Blizzard nicht mehr. ^^ Davon ab haben 9 von 10 Spielen ja durchaus einen Fokus / ordentliches Aufgebot an MTX im Onlinemodus und gleichzeitig haben all die großen Namen / Publisher eigene Server.
    DanielHeithorn
    zum Thema Kaufpreis, der sich quasi von selbst verdoppelt ist heute normal aber es gibt auch Gegenentwürfe wie The Witcher oder Cyberpunk.
    Völlig richtig und nicht nur das sondern auch ohne MTX und CO. Spiele für Spieler mit Fokus auf Gameplay. Klasse. Da zahle ich mit Freude Day #1 den Vollpreis. :)
    DanielHeithorn
    Der Game Pass obwohl "schon" 3 Jahre alt, steht er immer noch am Anfang. Schau dir an wie das Angebot von Netflix oder Hulu die ersten 3 Jahre aussah und wie jetzt.
    Ging um Gewinne bzw. "durchfüttern". Um bei Netflix zu bleiben: Inzwischen ein Schuldenberg von 14 Milliarden. Das Ziel von MS mit dem Gamepass? Wohl eher nicht, wie man ja auch an der Monetarisierung sehen kann.
    DanielHeithorn
    mit dem PC spielen hast du natürlich Recht, aber genau dafür ist ja der Xbox Game Pass für PC gedacht.
    Trotzdem ohne Gold-/Abo-Zwang für Zugriff auf den Onlinemodus, wenn man das Spiel erworben hat. Für ein Halo MCC kann man MS 69,99€ fürs Spiel und 2 x 10€ für die DLCs auf der Konsole bezahlt haben. Will man dann den Onlinemodus auf der Konsole spielen, dann wird zusätzlich ein Abo benötigt. Spielt man dagegen am Rechner, dann ist das alles kostenlos. Da passt doch was nicht.
    DanielHeithorn
    Um mit einem Abonnement einen regelmäßigen Cash Flow zu haben. Etwas das EA mit Origin und Ubisoft mit UbiPlay ebenfalls im Blick haben.
    Aber trotzdem verlangt keiner der Anbieter Geld für den Onlinemodus. Der letzte Versuch waren die Onlinepässe (kostenpflichtig für Gebrauchtkäufer), aber die sind ja auch schon länger verschwunden.
    Wo ich dir aber durchaus zustimme und das vielleicht auch zuerst etwas überlesen haben, aber so wäre es durchaus kontraproduktiv den Leuten viel Online für 0 Geld zu bieten. Geht ja - und das habe ich vergessen / verdrängt, da selbst kein Interesse - mit strammen Schritten für MS in Richtung Abo-Zukunft. Entsprechend kann man es sich auch leisten Cloud-Gaming als Bonus via GPU in den Markt zu drücken.
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