Künstliche Intelligenz: Begrenzte Strommengen bremsen neue Rechenzentren aus
Die Betreiber von Rechenzentren werden im aktuellen Wettrennen um KI von einer weiteren Realität eingeholt. Wie die Kollegen bei Golem in einem aktuellen Beitrag berichten, kommen Technologieunternehmen wie OpenAI oder Microsoft zunehmend an die Grenzen dessen, was die Energieversorgung ihrer Rechenzentren betrifft. Die Folge sind nicht nur explodierende Energiepreise, sondern auch ein zunehmend gebremstes Wachstum, was die KI-Kapazitäten angeht.
Explodierende Preise
Die Probleme betreffen die USA und Europa gleichermaßen. In bestimmten Strommärkten wie im US-Bundesstaat Virginia sind die Energiepreise binnen eines Jahres um 833 % in die Höhe geschossen, weswegen der Bundesstaat und dortige Netzbetreiber nun mit Spezialtarifen an die Betreiber heranrücken. Der dort ansässige Energieversorger Dominion Energy verpflichtet Betreiber von Rechenzentren ab 2027 dazu, mindestens 85 % der gebuchten Netzkapzitäten sowie den Löwenanteil der Erzeugungskosten aus eigener Tasche zu bezahlen.
In Europa sieht es kaum besser aus. Im Durchschnitt warten hiesige Betreiber zwischen 7 und 10 Jahre auf einen neuen Netzanschluss, in Ballungsräumen wie in Frankfurt am Main verbrauchen die Rechenzentren schon bis zu 40 % des Stroms und bekommen vor Mitte der 2030er-Jahre keine neuen Großanschlüsse. Projekte wie in Dublin oder Amsterdam wurden auf Eis gelegt, während Investoren in Gegenden wie Spanien oder Skandinavien noch auf Restbestände hoffen. So oder so gefährdet es die Ziele der EU, die eigenen Kapazitäten bei den Rechenzentren binnen 5-7 Jahren zu verdreifachen. Laut Internationaler Energieagentur ist bis 2030 nur ein Aufwuchs um 70 % realistisch.
Selbst ist der Betreiber…
Als Notlösungen bauen die Betreiber derzeit eigene Energieversorgungen mit Gasgeneratoren, wo ein US-Anbieter im Frankfurter Raum eine Anlage mit 61 Megawatt errichten ließ. In Irland werden Betreiber generell dazu verpflichtet, ihre Energieversorgung zu 100 % aus eigenen Generatoren und Batteriespeichern zu sichern, wenn sie überhaupt einen Netzanschluss bekommen wollen. Bei Engpässen im Netz müssen sie gemäß den Auflagen zudem Strom zurückspeisen.
So oder so stößt auch der damit einhergehende Netzausbau bei den Stromtrassen an sein Limit. Der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) sieht bis zum Jahr 2050 für neue Rechenzentren und die weitere Elektrifizierung ein Kostenvolumen von 2 Billionen Euro auf die Steuerzahler zurollen. Alleine in Deutschland wird der Bedarf bis zum Jahr 2033 auf 110 Milliarden Euro geschätzt.
Wer zahlt die Zeche?
Bleibt die Frage, wer das bezahlen soll. Während in den USA wie in Virginia dank den neuen Spezialtarifen normale Haushalte nicht länger die Experimentierfreude der Techriesen bezahlen sollen, wird der Ausbau der Energieinfrastruktur etwa in Deutschland über die Netzentgelte auf Haushalte und Industrie umgelegt. Eine Praxis, die auch Verbraucherschützer massiv kritisieren. Betreiber von Rechenzentren genießen hierzulande zugleich Sonderkonditionen.
Zumindest wird in Deutschland aktuell auch zunehmend über ein Zuschaltmodell diskutiert, wie es in Irland schon praktiziert wird. Betreiber müssten dann eigene Generatoren und/oder Stromspeicher vorhalten, um das Netz zu entlasten, flexibler reagieren zu können und bei Bedarf auch Energie zurück ins Netz zu speisen. In anderen Ländern ist dies ähnlich. Die großen Techriesen reagieren dennoch unterschiedlich auf solche Pläne.
Während OpenAI bereits zugesichert hatte, notwendige Upgrades des Netzes für seine Rechenzentren aus eigener Tasche zu finanzieren, fordern etablierte Kräfte stattdessen staatliche Subventionen und damit ein (deutlich) stärkeres Engagement der jeweiligen Steuerzahler. Auch Microsoft gehört dank indirekter Äußerungen von CEO Satya Nadella dazu.
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Über den Autor

Kevin Kozuszek
Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.


