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Künstliche Intelligenz: Microsoft und Anthropic rücken wohl näher zusammen

Künstliche Intelligenz: Microsoft und Anthropic rücken wohl näher zusammen

Für gewöhnlich verbindet man mit Microsoft die Zusammenarbeit mit OpenAI, wenn es um vorrangige Partnerschaften bei Künstlicher Intelligenz geht. Diese Partnerschaft, die für beide Seiten nicht frei von Zwistigkeiten ist, macht Microsoft nicht nur zu einem weitreichenden strategischen Investor, sondern die GPT-Modelle von OpenAI auch zum Motor hinter den verschiedenen Varianten von Copilot. Neue Berichte könnten nun andeuten, dass man in Redmond durchaus mit einer Alternative flirtet.

Wie Tom Warren bei TheVerge berichtet, setzt Microsoft für die eigene Arbeit zunehmend auf den KI-Assistenten Claude von Anthropic. Das betrifft vor allem Claude Code für die Entwicklungsarbeit – wobei wir hier nicht von den KI-Modellen Haiku, Sonnet und Opus reden, die vor allem zahlender Kundschaft auch bei GitHub Copilot zur Verfügung stehen. Tatsächlich wird Claude Code auf breiter Front intern mittlerweile bevorzugt gegenüber dem hauseigenen GitHub Copilot verwendet.

Mehrere tausend Mitarbeiter sollen Claude bereits innerhalb des CoreAI-Teams verwenden, wo die Testläufe bereits seit mehreren Monaten andauern sollen. Mittlerweile wurden auch die Teams hinter Windows, Microsoft 365, Bing, Edge, Teams, Outlook und Surface aufgefordert, Claude zu installieren und sich in die Testreihe eingliedern. Offiziell dienen diese nur dem Vergleich und weiteren Evaluation, (GitHub) Copilot sei weiterhin das bevorzugte Werkzeug. Wer Microsoft allerdings kennt und merkt, wenn sie mit dem Schwadronieren beginnen, dann ist das immer ein ganz guter Indikator dafür, dass da mehr im Busch ist.

Auffällig ist das schon deshalb, weil neben den Entwicklern bei Microsoft auch Designer und Projektmanager nun bevorzugt auf Claude zurückgreifen sollen, die mit Programmierung nichts am Hut haben, so aber Prototypen und andere Sachen auf den Weg bringen sollen. Ein späterer Vertrieb von Claude Code über Microsoft Azure wird erwogen.

Obendrein gestattet Microsoft Anthropic besondere Konditionen, was die Verträge betrifft. Anthropic hat zwar Kapazitäten in einem Gesamtwert von 30 Milliarden USD bei Azure zugesagt, allerdings ist Microsoft laut The Information nicht nur einer der Topkunden bei Anthropic, sondern rechnet die eigene Nutzung von Claude auf Anthropics Azure-Nutzung an. Eine solche Kondition hat sonst nur OpenAI zugestanden bekommen.

Noch muss das nichts bedeuten, aber da es OpenAI nach aktuellen Berichten nicht allzu gut geht, Gemini von Google gegenüber ChatGPT schnell aufholt und die eigenen Modelle wie MAI-1 noch weiter reifen müssen, könnte das ein eleganter Plan B für die Redmonder werden, um bei Eintreten nicht mit ins schwarze Loch von OpenAI gesogen zu werden. Dass wir ein KI-Modell wie Claude Sonnet in den nächsten Monaten zumindest als alternative Option neben GPT-5 in Copilot sehen werden, liegt also durchaus im Bereich der Möglichkeiten.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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