Am Puls von Microsoft

Künstliche Intelligenz: Streckt Microsoft seine Finger nach OpenAI aus?

Künstliche Intelligenz: Streckt Microsoft seine Finger nach OpenAI aus?

Spätestens seit der auf künstlicher Intelligenz basierende Chatbot ChatGPT für Erstaunen sorgt, ist das Unternehmen OpenAI in aller Munde. Dabei will es eigentlich gar kein richtiges Unternehmen sein. Das könnte sich jedoch bald ändern, wenn Berichte stimmen, wonach Microsoft sein Engagement bei OpenAI deutlich ausbauen will.

OpenAI beschreibt sich selbst als ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen, welches die Vorteile der künstlichen Intelligenz zu allen Menschen bringen möchte. Gewinnerzielung steht also nicht im Vordergrund, darum finanziert man sich in erster Linie durch Geld von Investoren. Eine Milliarde Dollar hat man beispielsweise vor einigen Jahren von Microsoft erhalten.

Diese Investition zahlt sich für Microsoft offenbar langsam aus. Neue Kreativ-Tools wie der Microsoft Designer integrieren das von OpenAI entwickelte DALL-E, das auf Basis von Sprachbefehlen Bilder generiert, und das ist durchaus beeindruckend: Eine Katze mit Cowboyhut auf einer Parkbank: Microsoft Designer ausprobiert.

In der letzten Woche erfuhren wir, dass Microsoft das oben erwähnte ChatGPT in seine Suchmaschine Bing integrieren will, kurze Zeit später gab es einen weiteren Bericht, wonach ChatGPT auch in Office-Produkte wie Word, Excel, PowerPoint und Outlook eingebaut werden soll. Es sieht also ganz so aus, als wolle sich Microsoft die von OpenAI entwickelten Technologien „einverleiben“.

Um daraus einen Wettbewerbsvorteil zu machen, könnte Microsoft planen, sein Engagement bei OpenAI deutlich auszubauen, damit die Konkurrenz nicht auch davon profitiert. Wie Semafor (via Neowin) berichtet, soll Microsoft darüber beraten haben, die stolze Summe von 10 Milliarden US Dollar in OpenAI zu pumpen. Ob eine Entscheidung darüber schon gefallen ist, lässt der Bericht allerdings offen.

Mit dem Non-Profit-Gedanken wäre es damit bei OpenAI wohl vorbei, der Name wäre dann schon beinahe irreführend. Microsoft will sein Geld natürlich wieder zurück und würde im Gegenzug 75% der Gewinne von OpenAI einstreichen – und zwar so lange, bis das investierte Kapital wieder zurückgeflossen ist.

Microsoft würde, wenn die kolportierten Pläne umgesetzt würden, einen Anteil von 49 Prozent an OpenAI halten. Damit hätten sie zwar nicht das Sagen, aber ein starkes Mitspracherecht darüber, wer welche Technologie zu welchen Konditionen erhält. Weitere 49 Prozent sollen an andere Investoren gehen, der Non-Profit-Träger von OpenAI würde nur noch 2% halten.

Für Microsoft wäre das einerseits wohl ein Erfolg, man muss sich allerdings die Frage stellen, ob OpenAI in der Zukunft dann noch so frei arbeiten kann wie bisher, oder ob sich die Entwicklung neuer Produkte nicht zu sehr an den Unternehmenszielen der Investoren ausrichtet. Eine Frage, die sich unmittelbar selbst beantwortet.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige