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Lenovo ThinkBook 16p ausprobiert: Der unscheinbare Bruder

Lenovo ThinkBook 16p ausprobiert: Der unscheinbare Bruder

Ende Dezember 2021 habe ich an dieser Stelle das Lenovo Legion S7 getestet. In den letzten Wochen hat mich das ThinkBook 16p des gleichen Herstellers begleitet, das man gewissermaßen als ein Bruder- oder Schwestergerät bezeichnen kann, denn die technische Ausstattung ist ähnlich und äußerlich zeigt sich das ThinkBook 16p deutlich „unscheinbarer“. Das ist allerdings pures Understatement.

Zunächst wie üblich der Steckbrief.

Technische Daten des ThinkBook 16p:

  • Display: 16 Zoll WQXGA (2560×1600), matt und entspiegelt, ohne Touch, maximale Helligkeit 400 nits, Dolby Vision, 100% sRGB
  • CPU: AMD Ryzen 9 5900HX
  • Grafik: Nvidia Geforce RTX3060 mit 6 GB Grafikspeicher
  • RAM: 32 GB DDR4-3200, davon 16 GB verlötet und 16 GB austauschbar
  • SSD: 1 TB M.2 SSD PCIe 3.0, ein freier M.2 Slot
  • Anschlüsse: SD-Cardreader, 2xUSB-C 3.2, 2xUSB-A 3.2, 3,5mm Klinke, Kensington Lock
  • Sicherheit: Fingerabdruck-Leser im Netzschalter
  • Drahtlos: Wifi 6, Bluetooth 5.2
  • Audio: Harman Stereo Sound
  • Webcam: 1080p mit manueller Blende
  • Maße: 356 x 252 x 16.3-19.9 mm
  • Gewicht: 1,99 kg
  • Betriebssystem: Windows 10 Pro
  • Preis: ca. 1.700 Euro
  • Produkt-Webseite beim Hersteller

Design und Verarbeitung

Das Gehäuse, des ThinkBook 16p besteht aus eloxiertem, sandgestrahltem Aluminium. Dadurch fühlt es sich sehr edel, aber auch vergleichsweise kühl an. Die Verarbeitung ist erwartungsgemäß einwandfrei.

Das graue Gehäuse mag fast ein wenig langweilig anmuten, gleichzeitig erweist sich die Oberfläche aber als äußerst pflegeleicht, da Fingerabdrücke nicht haften bleiben, solange man vorher nicht gerade ein Grillhähnchen gegessen hat.

Die Anschlüsse sitzen seitlich und auch hinten am Gehäuse. Vor allem die rückseitig-mittige Position des Stromanschlusses finde ich ziemlich ideal, denn ansonsten hat man ja gerne mal das Glück, dass der Anschluss auf der unpassenden Seite liegt.

Die Rückseite lässt sich mit acht Torx-Schrauben öffnen, was ich allerdings nicht getan habe. Dadurch kann man den Arbeitsspeicher aufrüsten und bei Bedarf den freien M.2 Slot mit einer zusätzlichen SSD bestücken.

Mit knapp unter zwei Kilogramm ist das ThinkBook 16p kein Leichtgewicht, aber Leistung wiegt eben nach wie vor ein bisschen was.

Lenovo ThinkBook 16p seitlich

Display

Das 16 Zoll große Display des Lenovo ThinkBook 16p bietet eine Auflösung von 2.560 mal 1.600 Pixel, was ich persönlich für einen guten Kompromiss zwischen Ausstattung und Akkulaufzeit halte. Die maximale Helligkeit liegt mit 400 nits im Klassendurchschnitt, da wir es hier mit einem matten und entspiegelten Display zu tun haben, kommt man im Freien damit dennoch besser zurecht als mit vielen Hochglanz-Displays, die heller leuchten. Im Gegenzug muss man auf Touch verzichten.

Nicht verzichten muss man auf Dolby Vision und eine 100%ige Abdeckung des sRGB Farbraums, wodurch die Bildqualität kaum Wünsche offen lässt. Im Vergleich zu den Hochglanz-Displays wirken beispielsweise farbenprächtige Bilder weniger brillant, als Gegenleistung davon schaut man sich bei dunkleren Bildern nicht ständig selbst an – der Vorteil des einen ist halt immer der Nachteil des anderen.

Tastatur und Touchpad

Die Tasten sind, wie man das bei Lenovo gewohnt ist, recht straff abgestimmt und haben einen vergleichsweise festen Druckpunkt. Da dies nicht meinen Vorlieben entspricht, habe ich ein paar Tage der Eingewöhnung benötigt und auch dann passierte es mir immer mal wieder, dass ein Buchstabe verschluckt wurde, weil ich nicht fest genug angeschlagen hatte. Das sind subjektive Erlebnisse, für andere Leute mag die straffere Abstimmung wiederum ein Vorteil sein. Qualitativ gibt es an der Tastatur auf jeden Fall nichts auszusetzen.

Lenovo ThinkBook 16p Tastatur

Die Tasten sind dreistufig beleuchtet, wobei sich die Helligkeit in Stufe 1 nach der Umgebung richtet. Bei Tageslicht bleibt die Beleuchtung aus, was den Akku entsprechend schont, bei Dämmerung schaltet sie sich automatisch ein – das ist äußerst praktisch.

Beim Touchpad kann ich die Bewertung aus dem Test des Legion S7 1:1 übernehmen: Es ist mit 12×8 cm großzügig bemessen und arbeitet sehr präzise. Im oberen Drittel aber fällt das „Klicken“ sehr schwer. Das wirkt in Verbindung mit dem recht lauten Klickgeräusch nicht mehr so ganz zeitgemäß.

Performance

Im Office-Alltag verbringt der verbaute AMD Ryzen 9 5900HX den Großteil der Zeit damit, sich zu langweilen. Das hat den Vorteil, dass der integrierte Lüfter selten bis nie anspringt, solange man Routineaufgaben wie Surfen, Mailen, Videos schauen etc. erledigt. Setzt man das System unter Last, können die Lüfter dagegen aufdrehen und sind dann deutlich hörbar, alles andere wäre auch verwunderlich.

Das Rendern von Videos oder andere anspruchsvolle Aufgaben sind mit dem ThinkBook 16p kein Problem, auch zum Spielen ist es gut geeignet. Durch das bauartbedingte, dezentere Lüftungskonzept kommt man zwar nicht an die Spieleleistung des Legion S7 heran, dennoch verweise ich an dieser Stelle auf den entsprechenden Abschnitt in dessen Testbericht. Mehr als „Casual Gaming“ geht auf jeden Fall.

Sound

Der Sound im ThinkBook 16p stammt von Harman und ist erwartungsgemäß sehr gut. Der Klang präsentiert sich insgesamt sehr ausgewogen, für meinem Geschmack ist er etwas zu mittenbetont. Über die integrierten Lautsprecher wird der Klang oberhalb der Tastatur sowie links und rechts an der Gehäuseunterseite abgestrahlt, was ihm ein großzügiges Volumen verleiht.

In Summe ist das zwar nicht die Referenzklasse, aber auch keinesfalls ein echter Schwachpunkt. Wer Musik hört oder spielt und höhere Ansprüche hat, wird ohnehin Kopfhörer benutzen. Über den 3,5mm Klinkenanschluss lassen sich außerdem auch problemlos externe Lautsprecher anschließen.

Akku

Positiv überrascht war ich von der Akkulaufzeit. Hier macht Lenovo mit 6,9 Stunden eine äußerst defensive Ansage. Wie immer reicht die Praxis von der offiziellen Angabe ab, in diesem Fall aber ausnahmsweise nach oben. Neun, vielleicht sogar zehn Stunden Office-Betrieb sind locker drin, bei leistungshungrigen Anwendungen oder Spielen rauscht die Laufzeit selbstredend in den Keller. Insofern scheint mir die Herstellerangabe ein gesunder Mittelwert zu sein.

Das beigelegte Netzteil ist groß und schwer, dafür mit 230 Watt aber auch großzügig bemessen.

Sonstiges und Fazit

Lenovo ThinkBook 16p frontal

Geärgert habe ich mich beim Test über das vorinstallierte McAfee Antivirus. Weniger über dessen Vorhandensein als vielmehr über die ständigen Popups, die mich aufforderten, ein kostenpflichtiges Abonnement abzuschließen. Als Käufer hätte ich die Software umgehend entfernt, Testgeräte belasse ich aber meist in ihrem Zustand, denn ich will ja den Eindruck bekommen, den auch jeder normale Kunde gewinnt. Wenn ich 1.700 Euro für ein Gerät bezahlt habe, dann will ich nicht mehr auf diese Weise belästigt werden.

Das bleibt dennoch eine unschöne Randnotiz. Insgesamt ist das Lenovo ThinkBook 16p ein überaus schlichtes, aber leistungsfähiges Arbeitspferd mit ordentlich Kondition sowie gutem Display und ordentlichem Klang.

Die Kamera erweist sich ebenfalls als absolut alltagstauglich, ein manueller Shutter garantiert Privatsphäre. Windows Hello per Gesichtserkennung gibt es leider nicht, dafür aber einen Fingerabdruckscanner, der in den Hauptschalter integriert ist.

Für rund 1.700 Euro bekommt man mit dem ThinkBook 16p einen prima Allrounder mit reichlich Leistungsreserven, insofern lohnt sich der Kauf besonders für Kunden, die vorhaben, das Gerät über viele Jahre zu behalten.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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