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Lenovo Yoga Duet 7i ausprobiert: Ein Surface Klon der alles besser kann?

Lenovo Yoga Duet 7i ausprobiert: Ein Surface Klon der alles besser kann?

Vor Kurzem durfte ich bereits das Lenovo Yoga 9i für Euch testen. In einem der letzten Absätze schrieb ich, dass die Stifteingabe für kurze Notizen ausreicht, für mehr aber auch nicht. Dass der Hersteller aber auch anderes kann, möchte ich euch jetzt anhand des Lenovo Yoga Duet 7i demonstrieren. Es mag ausschauen wie ein Surface Klon und genau das ist  es auch. Wie im Titel bereits steht, möchte ich heute die Frage beantworten, ob das Lenovo-Gerät eine gute Alternative zum „Original“ ist.

Technische Details & Lieferumfang

Beginnen wir aber mal wieder ganz klassisch mit den technischen Daten und was denn im Lieferumfang enthalten ist. Anders als beim Yoga 9i ist hier nämlich kein Stift mit dabei. Dieser kann für kleines Geld optional erworben werden. Bei manchen Händlern wird aber auch gleich der passende Stift mitgeliefert – ohne Aufpreis. Mehr dazu dann im Fazit, wenn wir uns unter anderem mehr um das Finanzielle kümmern. Eines vorweg: Das mir leihweise zur Verfügung gestellte Gerät kostet aktuell 1.199 Euro (UVP). Auf der Straße ist es ggf. deutlich günstiger zu haben, da je nach Modell „veraltete“ Technik verbaut ist. Mehr dazu später.

Lenovo Yoga Duet 7I - technische Daten

Design & Verarbeitung

Das Lenovo Yoga Duet 7i ist ein typischer Klon des Surface Pro, und das ist völlig in Ordnung. Die Marke „Surface“ sollte, wie Martin letztens in seinem Artikel „In Sorge um die Marke Surface – Ein Kommentar“ schrieb, dem Markt (und den Herstellern) neue Impulse geben. Unterschiede im Design gibt es aber dann doch. Beispielsweise besteht das Gehäuse aus Kunststoff statt Magnesium und man sieht ganz eindeutig die Lüftungsschlitze am oberen Rand des Convertibles.

Ebenso bietet das Yoga Duet 7i eine besondere Rückseite der mitgelieferten (!) Tastatur. Diese ist mit einem Stoff überzogen, das sieht nicht nur schick aus, sondern fühlt sich auch noch gut an. In der Praxis mag das vielleicht aber nicht gerade das Ideale sein. Manchmal mag der Untergrund, auf dem das Gerät steht, verdreckt sein. Die Stoffoberfläche lässt sich dann natürlich nicht so leicht reinigen wie eine einfache Kunststoff- oder Metall-Oberfläche. Hier sollte man also definitiv drauf achten, wo man sein Gerät hinstellt.

Zur Verarbeitung brauche ich eigentlich nicht viel sagen. Das Duet 7i ist auf jeden Fall in einem Preissegment, in dem man eine einwandfreie Verarbeitung erwarten darf und dem ist auch so. Das Scharnier für den „Kickstand“ ist sehr robust und wackelt nicht. Unter dem Scharnier befinden sich übrigens lediglich das Typenschild und ein Windows-10-Sticker.

Beim Surface Pro 7 + versteckt sich hier noch die Wartungsschnittstelle zum Austausch der SSD und der optionale SIM-Slot. Eine Speichererweiterung, ohne die ganze Festplatte austauschen zu müssen, ist dort aber leider nicht mehr gegeben. Lenovo gibt uns hier weiterhin die Möglichkeit, den Speicher per microSD-Karte zu erweitern – echt lobenswert! Den entsprechenden Slot findet Ihr auf der linken Seite (auf folgendem Bild sogar zu sehen neben dem AUX-Anschluss). Dieser muss mit einer Büroklammer oder ähnlichen dünnen Objekten aufgemacht werden, da leider kein Tool dafür mitgeliefert wird.

Lenovo Yoga Duet 7I - Scharnier

Leistung & Akku

Das Lenovo Yoga 9i konnte mich mit seinem leistungsstarken Intel Core i7 im Test bereits überzeugen. Hier im Yoga Duet 7i ist jedoch die Vorgängerversion, also die 10. Generation verbaut. Im Alltag macht das aber für mich überhaupt keinen Unterschied. Geht man in komplexere Aufgaben über, sorgt auch die 10. Generation noch für ordentlich Leistung. Doch leider sind mir auch hier die deutlichen Lüftergeräusche, die zudem sehr willkürlich auftreten, aufgefallen. Manchmal lag das Gerät einfach nur neben mir auf den Schreibtisch, war im Standby-Modus und hat nebenbei aufgeladen. Plötzlich ging dann der Lüfter auf Hochtouren an und schaltete sich nach 10 Sekunden wieder ab. Warum das so ist, vermag ich nicht zu sagen. Das Positive an der ständigen Luftzirkulation ist dann aber letztendlich die nicht auftretende Wärme am Gerät selbst.

Das Yoga Duet 7i gibt es aber mittlerweile auch mit dem Intel Core i7 der 11. Generation. Wer sich also dieses Convertible kaufen will, sollte darauf achten, auch eines mit der neueren Prozessorgeneration zu erwischen. Welche Vorteile Euch die 11. Generation bietet, habe ich bereits kurz im Testbericht vom Yoga 9i und Martin in seinem Artikel zu den neuen Evo-Prozessoren erläutert. Der Gerätename samt Kürzel für die neuere Generation lautet „Lenovo Yoga Duet 7 13ITL“ und darauf solltet Ihr beim Kauf auch achten.

Für den Betrieb mit Akku gibt Lenovo eine Laufzeit von bis zu 12,3 Stunden an. Das kann ich im Alltag so nicht bestätigen. Ich komme teilweise auf 8-9 Stunden und bei intensiven Arbeiten auf nur 7-8 Stunden. Für mich persönlich hat die Laufzeit aber immer ausgereicht und musste mir nicht ständig Gedanken machen, wo denn die nächste Steckdose sei. Das mitgelieferte Netzteil liefert übrigens  eine Leistung von 45W. Das Convertible ist damit innerhalb von 2,5-3 Stunden wieder voll aufgeladen (von ca. 1% bis 100%).

Display, Eingabe & Anschlüsse

Mit 450 Nits ist das Display vom Yoga Duet 7i nicht nur heller, sondern mit standardmäßig höherer Auflösung (2.160 x 1.350 Pixel) sogar noch schärfer als das vorher getestete Yoga 9i. Allerdings spiegelt es auch sehr stark (siehe Bild unten). Durch den weiten Blickwinkel ist aber auch bspw. das Schauen von Netflix & Co. zu zweit definitiv möglich. Die Lautsprecher machen hier dann eher einen Strich durch die Rechnung. Bei Filmen und Videos ist das noch recht verkraftbar. Um seine Musik genießen zu können, sollte man sich lieber einen externen Lautsprecher daneben stellen. Dazu fehlt es dem Dolby-Atmos-System leider an satten Tönen und es klinkt zu blechern.

 

Die Tastatur ist natürlich wieder im typischen Stil von Lenovo gehalten und hat an den einzelnen Tasten unten eine Abrundung. Auch hier ist das Tippgefühl, nach kurzer Eingewöhnungsphase, wieder sehr angenehm. Hervorzuheben ist zudem die Tastaturbeleuchtung, die ich hier eigentlich gar nicht erwartet hätte. Um so mehr freut es mich, dass es eine gibt. Das besondere bei dieser abnehmbaren Tastatur ist, dass sie auch als externe Bluetooth-Tastatur an anderen Geräten verwendet werden kann, da darin ebenfalls ein Akku verbaut wurde. Oder man stellt das Tablet auf dem Schreibtisch einfach etwas weiter weg von sich und tippt mit der abgenommenen Tastatur näher am Körper. Das ist angenehmer und mitunter ergonomischer. Die Tastatur lässt sich im Gegensatz zum Surface leider nicht an das Tablet anwinkeln – für mich ist das aber nicht weiter schlimm.

Das Touchpad konnte mich beim 9i ja nicht so überzeugen. Ganz anders ist es hier – es gibt ein „echtes“ haptisches Feedback und es macht auch tatsächlich „Klick“. Die Wahl der Größe ist optimal und die Multi-Touch-Gesten werden zuverlässig erkannt.

Bei den Anschlüssen lässt das Gerät (zumindest bei mir) kaum Wünsche offen. Zwar gibt es keinen einzigen USB-A-, dafür aber jede Menge USB-C-Anschlüsse. Aufgeladen wird es über einen der beiden USB-C-Ports auf der linken Seite. Der Anschluss auf der rechten Seite dient lediglich zum Datentransfer. Außerdem bietet der rechte Anschluss eine Always-On-Ladefunktion. Thunderbolt bietet leider keiner der USB-C-Anschlüsse. Zudem lässt sich das Yoga Duet 7i noch mit einer microSD-Karte erweitern, falls der Speicherplatz einmal doch nicht ausreichen sollte (siehe oben). Am Rande sei noch der AUX-Anschluss zu erwähnen.

Mittels Windows Hello Kamera kann das Convertible ganz einfach entsperrt werden – sofern sie funktioniert. Leider ist die Frontkamera bei meinem Testgerät defekt gewesen und ohne diese funktioniert folglich kein Windows Hello. Selbst nach Neuinstallation der Treiber und auch dem Versuch, das Gerät einmal komplett zurückzusetzen, hat es immer noch nicht funktioniert. Da das Testgerät bereits viel herum gekommen ist und von verschiedenen Testern ausprobiert wurde, kann es unterwegs vielleicht Schaden genommen haben. Falls das bei einem Neugerät auftreten sollte, wäre der Defekt natürlich von der zweijährigen Garantie bei Lenovo abgedeckt. Die Kamera auf der Rückseite ist für kurze Schnappschüsse gut geeignet. Eine echte Alternative zu aktuellen Smartphone-Kameras bietet sie aber nicht.

Was der Surface Pen kann, kann der Lenovo Digital Pen schon lange. Zwar sehen sich die Stifte zum verwechseln ähnlich, Lenovo bietet seinen aber um gut die Hälfte günstiger an. Funktional bietet der Lenovo-Stift aber dennoch die gewohnten Features wie der Surface Pen. Lediglich auf die „Radierfunktion“ am Stiftende muss verzichtet werden. Es gibt aber zwei Buttons, die man individuell belegen kann. Damit kann dann auch hier schnell zum Radiergummi „gegriffen“ oder zu anderen Werkzeugen gewechselt werden. Ein weiterer Pluspunkt im Vergleich zum Yoga 9i ist die wechselbare AAAA-Batterie, die nicht nur länger herhält was die Akkulaufzeit betrifft, sondern auch den Stift etwas beschwert, wodurch dieser besser in der Hand liegt. Der Stift hat ein Metallgehäuse und ist ebenfalls sehr gut verarbeitet.

Mit dem Digital Pen lässt es sich sehr gut arbeiten. Egal ob schnelle Notizen oder präzise Arbeiten in Photoshop, beides lässt sich damit sehr gut erledigen. Was mir beim Lenovo Yoga Duet 7i aber fehlt, ist eine (vielleicht sogar magnetische) Halterung für den Stift. Beim Surface wurde das anfangs mittels einer Schleife am Type-Cover gelöst und ist mittlerweile aber bereits bei einer magnetischen Einrichtung angelangt. Mein persönlicher Wunsch für die nächste Generation des Duet 7i.

 

Fazit

Summa Summarum liefert das Lenovo Yoga Duet 7i ein solides Gesamtpaket und bietet eine wirklich gute Alternative zum Surface Pro 7.

Preislich ist da aktuell (13.05.21) kaum ein Unterschied. Ein technisch vergleichbares Surface Pro 7 im Essentials Bundle (mit Type-Cover und Pen) gibt es aktuell für 1.246,98 Euro bei Microsoft. Das Surface Pro 7+ kostet 1.174,95 Euro. Das Lenovo Yoga Duet 7i gibt es für etwas weniger Geld derzeit bei Cyberport für 1.199 Euro (inkl. Tastatur und Pen). Dafür hat das Microsoft-Gerät eine etwas bessere Grafikleistung und ist auch mit einer etwas leistungsstärkeren CPU ausgestattet (sowohl in der 10. als auch in der 11. Generation). Im Alltag sollte das jedoch nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Ganz anders sieht das bei der Displaygröße aus. Hier bietet Lenovo 0,7 Zoll mehr und hat zudem dünnere Displayränder. Dies lässt das Gerät nicht nur moderner aussehen, sondern bietet natürlich auch mehr Platz zum Arbeiten an. Eine LTE-Version gibt es beim Yoga Duet 7i leider nicht.

Disclaimer: Das Testgerät wurde uns von Lenovo leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Verpflichtung zur Veröffentlichung oder eine Einflussnahme auf den Testbericht gab es nicht.

Über den Autor

Manuel Blaschke

Manuel Blaschke

Neben den Microsoft-Dienstleistungen und der Surface-Hardware fühle ich mich auch im Apple-Ökosystem Zuhause. Für mich ist es wichtig eine gute Balance zwischen Apple und Microsoft zu finden. So entstand dann vor einiger Zeit auch die iOS Rundschau.

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