LibreOffice: The Document Foundation veröffentlicht offenen Brief an OpenOffice-Entwickler

LibreOffice: The Document Foundation veröffentlicht offenen Brief an OpenOffice-Entwickler

Am gestrigen Montag jährte sich die Offenlegung des Quellcodes von StarOffice durch Sun Microsystems, und damit die Geburt von OpenOffice, zum 20. Mal. Im Laufe der weiteren Jahre erfolgte die Übernahme des Mutterkonzerns durch Oracle und die Spaltung der Community hinter der freien Office-Suite nahm ihren Lauf. Der Großteil der Entwickler gründete in Berlin die Document Foundation und entwickelte mit LibreOffice einen eigenen Fork konsequent weiter, während OpenOffice von Oracle an die Apache Software Foundation abgegeben wurde und seitdem mit deutlich kleinerem Team dahin vegetiert.

Die nackten Zahlen machen das Ausmaß der Aktivitäten und Unterschiede noch deutlicher. Seit der Abspaltung konnte LibreOffice insgesamt 100 Veröffentlichungen, darunter 13 Major Releases mit vielen neuen Funktionen und 87 kleinere Releases mit Bugfixes und Sicherheitsupdates, vorweisen. OpenOffice kam dagegen nur auf zwei Major Releases und basiert seit über 6 Jahren auf dem Zweig 4.1.x. Die neue Version 4.2 ist zwar in Arbeit, kommt aber kaum voran, und die kleinen Versionen des aktuellen Zweigs umfassen höchstens minimalste Updates wie aktualisierte Wörterbücher und aktualisierte Jahreszahlen beim Copyright. Auch im letzten Jahr kam OpenOffice lediglich auf 595 Code-Änderungen, während LibreOffice im gleichen Zeitraum auf über 15.000 davon kam.

Trotzdem gilt OpenOffice immer noch als die stärkere Marke und aus diesem Grund veröffentlichten die Verantwortlichen hinter LibreOffice einen offenen Brief an die OpenOffice-Entwickler, indem sie dazu auffordern, die Vergangenheit ruhen zu lassen und das Projekt OpenOffice zu beenden. Stattdessen sollte man gemeinsam an einer freien Office-Suite arbeiten, die moderner ist, besser unterstützt und von einer breiten Community getragen wird, was letztlich auch neuen Nutzer helfen soll. Außerdem gibt es professionelle Varianten von LibreOffice wie die von Collabora, die auch von Unternehmen und Behörden genutzt werden können.

Die Forderung ist nicht neu, sondern wurde in früheren Jahren auch durch andere Akteure wie der Gnome Foundation immer wieder erhoben. Dass LibreOffice bei allen vorhandenen Bugs und Problemchen die deutlich modernere Office-Suite ist, stimmt zwar, aber auch bei der Document Foundation kochen aktuell diverse Sachen rund um die Debatte um eine Personal Edition von LibreOffice hoch, um die Community-Variante stärker von den kommerziellen Varianten abzugrenzen. Dieser Schritt wurde von den Verantwortlichen beim Release von LibreOffice 7.0 zwar zurückgenommen, führte aber auch dazu, dass mit Collabora Online der mit Abstand wichtigste Beitragende jetzt die Document Foundation verlässt.

Wie die Kollegen bei Linuxnews schrieben, wurde im letzten Jahr 95 % des neuen Codes durch 20 bei Collabora angestellte Entwickler getragen, nur 5 % kam von anderen Quellen. Auch wenn Michael Meeks, der für Collabora bisher im Board der Document Foundation sitzt, ein friedliches Miteinander beider Organisationen anstrebt und die Trennung bereits in vollem Gange ist, kommen auch auf LibreOffice interessante Zeiten zu. Die Konkurrenz im Office-Bereich ist groß und selbst bei den freien Suiten gibt es mit dem aus Lettland stammenden OnlyOffice schon länger einen Kontrahenten, der dem alten Schlachtschiff zunehmend auf die Pelle rückt.

Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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Kommentare

  1. Ich habe einige Male OpenOffice und später LibreOffice installiert.
    Jedesmal fühlte ich mich danach erleichtert, wenn der Betrag für MS Office - später Office365 - von meiner Kreditkarte abgebucht wurde.
    Das ist wohl immer so: am besten kommt man mit dem zurecht, was man am besten kennt. Bei mir hat es mit Star Office begonnen, später Open- und jetzt Libre Office. Wenn ich mal mit „echtem“ Excel arbeiten muss, komme ich ins schleudern. Bei den freien Office-Paketen fehlt mir nichts. So geht es mir übrigens auch mit meinem Ausflug in die Apple-Welt. „Pages“ und „Numbers“ sind ganz nett, kommen für meine Bedürfnisse nicht an Libre Office heran.
    Schön, wenn jeder eine Software hat, die für ihn die richtige ist!
    Caramba
    Jedesmal fühlte ich mich danach erleichtert, wenn der Betrag für MS Office - später Office365 - von meiner Kreditkarte abgebucht wurde.

    Kann ich so eigentlich nur unterschreiben. Mit OpenOffice konnte man noch relativ gut arbeiten, aber LibreOffice hat besonders bei Impress immer noch große Probleme. Das wird auch von Anhängern von freier Software nicht wirklich bestritten. Was außerdem gerade unter Windows immer noch auffällt, sind die Denkaussetzer, die manche Module bei der Performance immer mal wieder haben. Das betrifft vor allem Writer und Impress, aber man kann es quer durch die Suite verfolgen.
    Die Performance geht mittlerweile durch die Verwendung von Skia ganz langsam in die richtige Richtung, aber es mangelt dafür an so vielen anderen Enden. Kompatibilitätsprobleme mit Microsofts OOXML-Formaten gibt es immer noch und was die formfaktorübergreifende Arbeit angeht, gibt es zwar mittlerweile LibreOffice Online zum Selberhosten, aber es gibt keine wirklichen mobilen Apps. Unter iOS gibt es eigentlich nichts und unter Android nur einen Impress Remote, mit denen man Präsentationen über das Smartphone steuern könnte, und den LibreOffice Viewer, wobei beide kaum gewartet werden, wenn überhaupt.
    Unterm Strich isses kein Wunder, dass denen OnlyOffice mittlerweile immer mehr auf den Pelz rückt. Ich persönlich schwöre aber weiterhin auf Microsoft 365, das ist einfach meine Welt und mein Ökosystem.
    Leider hat LO bis heute teils erhebliche Performanceprobleme. Es mag schick sein, mit dem Start von Writer gleich alle weiteren installierten Module mit im Hintergrund zu haben aber das eben ist genau dessen Schwäche. Ich würde nicht erwarten wollen, dass LO genau so leicht wie MSO 365 fluppt aber es hängt doch sehr hinterher.
    Gerade bei der Performance scheint mir ironischer Weise LibreOffice besser als Microsoft Word. Dass "Ctrl+O" nicht einfach einen Dateidialog öffnet, sondern man noch mal mit der Maus oder Alt+Buchstabe OneDrive umgehen muss hilft auch nicht. Manche Sachen (wie etwa Visualisierung des Textlayouts) sind zudem einfach besser umgesetzt.
    Aber das hilft alles nichts, wenn man vom Industriepartner kommende Dokumente öffnen und, beschädigungsfrei, bearbeiten können muss. Wenn man Dateien mit Formeln öffnet, sind diese oft beschädigt (Word) oder fehlen komplett (PowerPoint). Wir haben in der Praxis daher eine virtuelle Maschine mit Office auf jedem Linux-PC; Der Workflow leidet stark, da man so nicht eben eine Datei direkt aus der Email öffnen kann.
    Ich kann mich weder mit MS Office noch mit Libre Office anfreunden, sondern benutze Softmaker Office (Basis-Version) und damit komme ich gut zurecht und kann probemlos auch Office-Dateien von MS verarbeiten.
    Habe mit StarOffice begonnen und danach mit OpenOffice. Nach dem Oracle OO vor die Wand gefahren hat bin ich ca. 2010 zu Libre gewechselt. 2011 hat Oracle OO dann an Apache weitergereicht um dort zu verschimmeln. Ich komme mit LibreOffice prima klar, mir reicht das....
    So wie "John22" nutze ich schon seit etlichen Jahren das SoftMaker Office und bin sehr zufrieden damit. Bisher gab es auch keinerlei Probleme wenn SMO Dateien von MS-Office geöffnet und bearbeitet wurden oder MS-Office Dateien von SMO geöffnet und bearbeitet wurden.
    (von evt. speziellen Fällen abgesehen die ich aber selbst noch nicht erlebt habe)
    SoftMaker Office benutze ich auch. Ist nicht so überladen wie LibreOffice, startet schneller, kann sämtliche MS-Office-Dateien öffnen und speichern und sieht moderner aus.
    Wenn zwei sich streiten... Ich kann es nur begrüßen, wenn sich die OO/LO-Geschädigten mal Softmaker ansehen wollen. Die kostenlose Ausgabe beherrscht schon viel, für'n Appel und nen Ei (falls Angebote vorhanden) gibt es die Standard und etwas mehr die Pro. Ich arbeite seit 2008 damit (Standard) und bin irgendwann auf die Pro gewechselt. Vergleich:
    www.freeoffice.com - Vergleich
    Die NX ist das Abo-Modell.
    Vorteil für Softmaker: eine Lizenz ist für 5 Geräte, egal, welches OS (ausgenommen Android, für das gibt es die Free im Store). Ich kenne für privat kaum ein besseres Office. Und wer sich in die Abhängigkeit bei Microsoft begibt, weil es so bequem ist, sollte auch darüber nachdenken. Wenn mir mein AG das zB stellen täte, wäre es mir nahezu egal, aber privat niemals.
    klaus3
    Gerade bei der Performance scheint mir ironischer Weise LibreOffice besser als Microsoft Word.
    Aber das hilft alles nichts, wenn man vom Industriepartner kommende Dokumente öffnen und, beschädigungsfrei, bearbeiten können muss. Wenn man Dateien mit Formeln öffnet, sind diese oft beschädigt (Word) oder fehlen komplett (PowerPoint).

    Kann ich zu 99% bestätigen :)
    Privat arbeite ich sicherlich schon seit 2011 mit LibreOffice. Bei OpenOffice hatte ich Darstellungsproblem und teils lange Reaktionszeiten.
    Im Beruf wird natürlich Microsoft Office benutzt. Wenn der Rechner einigermaßen Leistungsstark ist, läuft MO auch wie geschmiert.
    Doch als Administrator kommt es mir, zum Beispiel bei einer Reparatur, so vor, als würde jede Aktion hinter einem Vorhang stattfinden und man weiß nicht ob was gemacht wird. Dann hilft es nur den Taskmanager zu beobachten.
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