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Mehr Werbung in der mobilen Outlook App – aber das ist nicht das Problem

Mehr Werbung in der mobilen Outlook App - aber das ist nicht das Problem

Wer die mobile Version von Outlook unter Android benutzt und nicht über ein bezahltes Microsoft 365 Abonnement verfügt, bekommt innerhalb der App Werbung zu sehen, seit ein paar Tagen offenbar mehr davon als bisher. Das stößt Nutzern sauer auf, aber das eigentliche Problem ist nicht die Werbung selbst.

Werbung ist doof und lästig, da sind wir uns einig. Das Internet in seiner heutigen Form gäbe es ohne sie aber nicht, von daher habe ich mich schon immer schwer damit getan, sie zu verteufeln und noch nie dauerhaft einen Werbeblocker verwendet. Dass man in Apps die Wahl hat, entweder zu bezahlen oder sich als Gegenleistung für die kostenlose Nutzung Werbung anzuschauen, finde ich sogar grundsätzlich gut.

Microsoft setzt die Werbung in Outlook primär nicht dazu ein, um auf diesem Weg zusätzliches Geld zu verdienen, sondern eher, um damit zum Abschluss eines Microsoft 365 Abonnements zu drängen. Auch das ist keine unbekannte Strategie, in vielen Fällen verfolgen Freemium-Apps damit das gleiche Ziel. Es geht nicht darum, mit der Werbung einen finanziellen Ausgleich zu schaffen, sondern darum, den Nutzern so lange den Nerv zu rauben, bis sie ihre virtuelle Geldbörse zücken.

Werbung in der mobilen Outlook App

Was mich bei der Werbung in der mobilen Outlook App besonders nervt (obwohl ich sie als zahlender Abonnent überhaupt nicht zu sehen bekomme), sind zwei Umstände: Sie „tarnt“ sich als E-Mail, ist auf den ersten Blick also nicht von einer normalen Nachricht zu unterscheiden, lediglich ein dezentes „Ad“ am rechten oberen Zeilenrand weist auf den Umstand hin, dass es sich um Werbung handelt. Irrtümliches Öffnen der Nachricht ist also vorprogrammiert und offenbar gewollt.

Gegenüber TheVerge hat Microsoft außerdem einen zweiten, neuen Umstand bestätigt: Der einzige Weg, um der als E-Mail getarnten Werbung zu entgehen, ist die Nutzung der „Focussed Inbox“. In dieser Ansicht sortiert Outlook mutmaßlich unwichtige E-Mails aus, damit man nur die wichtigen Nachrichten zu sehen bekommt. Bei der Einrichtung eines neuen Kontos bzw. Geräts gehört diese Fokusansicht zu den ersten Dingen, die ich deaktiviere. Ich gehöre zu der offenbar aussterbenden Sorte von Nutzern, die noch in der Lage ist selbst zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht, ich benötige keinen Algorithmus, der das tut und dabei ohnehin so oft versagt, dass man selbst nachsortieren muss.

Microsoft benutzt die Werbeanzeigen in Outlook also nicht nur, um zum Abschluss eines Abonnements zu bewegen, sondern versucht Nutzern auch noch die Nutzung bestimmter Funktionen aufzuzwingen – vermutlich, um anschließend aufgrund der Nutzungsstatistiken behaupten zu können, diese Funktionen seien besonders beliebt. Das gefällt mir ganz und gar nicht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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