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Meinung: HomeOffice ist keine Mehrheitsentscheidung

Meinung: HomeOffice ist keine Mehrheitsentscheidung

Die Corona-Pandemie hat Millionen Menschen weltweit urplötzlich ins Homeoffice katapultiert und auch für lange Zeit dort „gefangen gehalten“. Schnell wurden Begriffe wie die „neue Normalität des Arbeitens“ aus der Taufe gehoben. Später wurde daraus im Ausblick auf den Zustand nach dem Ende der Pandemie das Modell des „Hybriden Arbeitens“.

Hybrides Arbeiten bedeutet: Wir arbeiten im Büro, zu Hause oder auch unterwegs, wo auch immer wir gerade sind. Ich halte das nach wie vor für eine gute Idee, aber es gibt allerlei Herausforderungen zu bewältigen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass wir auf dem Weg zum echten hybriden Arbeitsmodell noch eine weite Reise vor uns haben. Was wir im Moment erleben, ist vielmehr ein Gezerre. Die Befürworter der Präsenzarbeit versuchen die Leute wieder in die Büros zu bekommen, auf der anderen Seite versuchen die Freunde der Heimarbeit ihren Status zu verteidigen.

In die Diskussion mischen sich außerdem Beteiligte ein, denen die Pandemie frische Umsätze beschert hat und die auch in Zukunft vom hybriden Arbeiten profitieren wollen. Das ist völlig normal, allerdings darf man sich von diesen Interessen weder leiten noch beeinflussen lassen.

Ich selbst habe schon vor der Pandemie oft und gerne von Zuhause gearbeitet, trotzdem sah ich mich vor ganz neue Herausforderungen gestellt, die ich zu bewältigen hatte und nach wie vor habe.

In Plötzlich HomeOffice: Man geht nicht einfach heim und arbeitet beschäftigte ich mich mit den allgemeinen Vorzügen und Problemen, die das Arbeiten in den eigenen vier Wänden mit sich bringt. Dass es eine schädliche Dosis gibt, hatte ich zuvor zwar geahnt, aber nicht selbst erlebt.

Das änderte sich im Jahr 2020, und so entstand der Beitrag HomeOffice Koller: Die Gefahr ist real.

Im Frühjahr 2021, nach einem Jahr Pandemie, schrieb ich in Ein Jahr „HomeOffice extrem“: Lerneffekte und Zukunftswünsche die gemachten Erfahrungen auf.

Ich verlinke diese Artikel, weil ich sie ganz unbescheiden noch immer für lesenswert und sehr wichtig halte. Viele der darin besprochenen Aspekte begegnen mir derzeit in den Diskussionen über das zukünftig optimale Arbeitsmodell nämlich wieder. Leider habe ich dabei sehr oft das Gefühl, als wolle man am Ende zu einer Mehrheitsentscheidung gelangen, die dann für alle verbindlich ist. Präsenzarbeit, Homeoffice, hybrides Arbeiten – was soll’s am Ende sein?

Für mich gibt es bei diesem Thema keine mehrheitliche Entscheidung, keinen Konsens, auf den man sich verständigen könnte. Arbeit ist so individuell wie die Menschen, von denen sie gemacht wird. Es hat sich nichts daran geändert, dass manche Menschen im Büro am besten „funktionieren“, während andere wiederum am heimischen Schreibtisch die maximale Produktivität entfalten. Echtes hybrides Arbeiten haben wir dann erreicht, wenn jeder Mensch für sich entscheiden kann, was für ihn optimal ist.

Selbstverständlich ist das kein Wunschkonzert, es wird immer betriebliche Zwänge geben, die darauf Einfluss haben. Wir sollten aber auf keinen Fall versuchen, Patentrezepte zu entwickeln, ein allgemeingültiges „Mischungsverhältnis“ zu definieren und anschließend alle arbeitenden Menschen über diesen Kamm zu scheren, dann haben wir nichts gewonnen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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